Julius Lieban
österreichisch-deutscher Opernsänger
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Julius Lieban (* 19. Februar 1857 in Lundenburg, Mähren; † 31. Januar 1940 in Berlin-Charlottenburg[1]) war ein österreichisch-deutscher Opernsänger (Tenor).



Leben
Julius Liebans Eltern waren Jacob Lieban (1826/27–1898), Chasan (Kantor) in einer Synagoge von Brünn[2], und Julie Lieban, geb. Glaser (1839/40–1895). Seine jüngeren Brüder waren der Bariton Siegmund Lieban, der Bassist Adolf Lieban und der Tenor Adalbert Lieban. Julius besuchte Realschulen in Brünn und Karlstadt und erlernte in seiner Jugend schon von Zigeunern Geige zu spielen. Später besuchte er das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, studierte Violine bei Joseph Hellmesberger und Gesang bei Josef Gänsbacher und kam als Violinist an das Theater an der Wien. Danach sang er am Stadttheater in Leipzig (1877–1881) und an der Komischen Oper in Wien als Buffo. 1881/82 nahm er an der Wagner-Tournee von Angelo Neumann teil. Richard Wagner hielt ihn für den besten Mime-Sänger, jedoch wurde er nie zu den Bayreuther Festspielen eingeladen.[3]
Von 1883 bis 1912 war er als Tenorbuffo Mitglied der Hofoper in Berlin; von 1912 bis 1918 gehörte er zum Ensemble des neugegründeten Deutschen Opernhauses in Charlottenburg.[4]
Im Jahr 1908 wurde Lieban zum Kammersänger ernannt. Anlässlich seines 75. Geburtstags sang er 1932 an der Berliner Staatsoper nochmals den Mime in Siegfried. Zu Gastspielen war er an vielen großen Opernbühnen in ganz Europa erfolgreich engagiert. Zuletzt wirkte er in Berlin als Gesangslehrer.
Er war von 1888 bis 1911 verheiratet mit der Sopranistin Helene Lieban-Globig (* 31. März 1865 in Charlottenburg bei Berlin; † 22. September 1945 in Berlin-Wilmersdorf). 1911 heiratete er in zweiter Ehe Madelaine Schmitt (* 1881 in Großenhain; † 1959 in Berlin).[5]
Liebans Grab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf, wo er neben seinem Bruder Adalbert ruht (Block Erlöser, Feld 5, Wahlstelle 66/67).[6]
Tondokumente
Zahlreiche Aufnahmen, zunächst auf Lieban Phonographenwalzen (Berlin 1901) und Edison Walzen (Berlin 1903), dann auf G&T (Berlin 1903 und 1907, hier in vollständiger "Fledermaus"), Lyrophon (Berlin 1905–06), Odeon (Berlin 1905), Columbia-Walzen (Berlin 1905), Homophon (Berlin 1906), Beka (Berlin 1906), Gramophone (Berlin 1908, 1912 und 1915, hier Dancairo in kompletter "Carmen"), Grammophon (Auszüge aus "Boccaccio" von 1916) und schließlich auf Favorite (Julius Lieban-Quartett 1920).
Aufnahmen seiner ersten Frau Helene Lieban-Globig existieren auf Platten der Marke Odeon (Berlin 1905, Duette mit Oskar Braun) und Beka (Berlin 1906, Duett mit Julius Lieban).[7]
Werke
Schüler
- Max Begemann
- Erich Mauck
- Albert Reiß
Literatur
- Ludwig Eisenberg: Julius Lieban. In: Großes biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Paul List, Leipzig 1903, S. 600–601 (daten.digitale-sammlungen.de).
- Lieban, Julius in: Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon, Band 2. Kleinmayr, Klagenfurt und Wien 1960, S. 1236.
- Antonicek: Lieban Julius. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 190 f. (Direktlinks auf S. 190, S. 191).
- Lieban, Julius in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 2715 f
- Julius Lieban in: Rainer E. Lotz, Axel Weggen, Oliver Wurl, Christian Zwarg: Discographie der deutschen Gesangsaufnahmen, Band 4 (= Deutsche National-Discographie, Serie 3). Birgit Lotz Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-9810248-0-X, S. 1743–1752.
- Julius Lieban. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 6: Kraatz-Menges. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25036-3, S. 427 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
Weblinks
- Tonträger von Julius Lieban im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek