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Jørgen Thor Møhlen

norwegischer Kaufmann From Wikipedia, the free encyclopedia

Jørgen Thor Møhlen (geb. Jürgen ter Maulen 1640 in Hamburg; gest. 25. Dezember 1708 in Kopenhagen) war ein norwegischer Kaufmann und Sklavenhändler deutscher Abstammung, der Ende des 17. Jahrhunderts das nach ihm benannte Møhlenpris industriell entwickelte.

Portrait Jørgen Thor Møhlens

Leben

Jürgen ter Maulen stammte aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie, sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt. Nachdem er in Holland und England eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte, kam er ins norwegische Bergen und wurde dort am 10. November 1664 in die Bürgerrolle aufgenommen. Er knüpfte enge Verbindungen zur deutschen Kaufmannschaft der Stadt und heiratete 1668 Giertrud Magers, die Tochter von Hendrich Magers, der zu dieser Zeit der reichste Kaufmann Bergens und ebenfalls deutscher Einwanderer war.[1] Auch mehrere seiner sechs Töchter verheiratete Thor Møhlen später strategisch in die einflussreichsten Kaufmannsfamilien: Catharina heirate den aus Bremen stammenden Kaufmann Bastian Reimers, Anna den reichen Erben und späteren Bürgermeister von Bergen, Claus Fasting, Mächtel den Kapitän und Konteradmiral Hendrich Greve, und Maria den angehenden Ratsherren Lauritz Weiner.[2] Seinen einzigen Sohn schickte er dagegen zur kaufmännischen Ausbildung nach Oxford.[3.1]

Aufstieg und Entwicklung von Møhlenpris

Unter dem norwegisierten Namen Jørgen Thor Møhlen investierte er in die Handelsschifffahrt und wurde binnen Kurzem der wohl größte Reeder Norwegens, der sich in allen Bereichen des Seehandels engagierte. Er war am Handel mit Stockfisch und Hering ebenso beteiligt, wie am Handel mit Holz, Salz und Agrarprodukten. Die von ihm initiierte „Grønlandske Reederj“ betrieb Walfang. Thor Møhlen ließ in Vestre Sydnes, einem großen unbebauten Areal auf dem Gemeindeland der Stadt Bergen, das im Mittelalter dem Kloster Munkeliv als Weideland diente, eine Anlage zur Tranverarbeitung errichten.[4] In Kvinnherad besaß er zudem das Kupferwerk Lilledal. Um 1680 war Thor Møhlen Mitreeder von mindestens 23 Schiffen, die etwa 70 % der Tonnage der gesamten Flotte der Stadt Bergen ausmachten.[3.2]

Kaufmannsbuch Thor Møhlens über die Entwicklung von Møhlenpris (ab 1676)

Zu dieser Zeit wurde Thor Møhlen das Areal von Vestre Sydnes durch König Christian V. offiziell zugesprochen, und er erhielt die Genehmigung, dort ein Industriegebiet nach niederländischem Vorbild zu errichten. Er entwickelte das nach ihm benannte Møhlenpris, dessen Name ab 1688 per königlichem Erlass bestätigt wurde, zu einem von industrieller Tätigkeit geprägten Stadtteil. Neben einer Anlage für Fischöl (1671) und einer Ölmühle entstanden dort eine Reeperbahn (1678), eine Küferei, eine Salzsiederei und Seifenfabrik (1682), sowie Bodenspeicher und ein Tiefwasseranleger für Handelsschiffe. Für die Handwerker und Arbeiter, die gemeinsam mit ihren Familien eine Gruppe von 600 bis 700 Personen bildeten, wurde Wohnraum geschaffen.[1] 1682 wurde Thor Møhlen vom König zum norwegischen Handelsdirektor ernannt, der zwischen den Kaufleuten und der dänischen Verwaltung verhandeln sollte.[1] Beim Stadtbrand von Bergen 1686 verlor Thor Møhlen große Lagerbestände und der Ausbau von Møhlenpris geriet in finanzielle Schwierigkeiten.[3.3]

Sklavenhandel

Dänische Hafenkarte von Saint Thomas

Als Haupteigner des Schiffes Cornelia, das 1673 als erstes dänisch-norwegisches Schiff Sklaven aus Westafrika nach Saint Thomas verschiffte, war Thor Møhlen auch eng in den Sklavenhandel verstrickt.[1] 1674 ersuchte die Cornelia um die Genehmigung für vier weitere Sklavenhandelsfahrten nach Guinea, das Königliche Kommerz-Kollegium gestatte jedoch nur eine weitere Fahrt, bei der keine Sklaven transportiert werden durften, um die Stellung der Dänischen Westindien-Kompanie nicht zu gefährden. Die Fahrt endete katastrophal, die Cornelia wurde von einem Kaperschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie aufgebracht. Thor Møhlens Bitten an den König, eine Freigabe von Schiff und Fracht zu erwirken, waren erfolglos, und die Handelsherren mussten etwa 60.000 Reichstaler Verluste abschreiben.[3.4] Das Interesse der Bergenser Kaufleute am Westindien-Handel kam zunächst zum Erliegen, bis Thor Møhlen überraschend am 13. Februar 1690 vom König die unternehmerische Pacht der dänisch-norwegischen Kolonie Saint Thomas mitsamt ihren Kirchen, Militäranlagen, Industrie, 751 Sklaven und den exklusiven Handelsrechten gegen eine jährliche Abgabe von 4.630 Reichstalern erhielt. Die Beschaffung „junger, gesunder Sklaven“ für die Plantagenarbeit gehörte dabei explizit zu seinen eingeschlossen Aufträgen.[5.1][3.5]

Niedergang

Sein Vertrauen in die Gunst des Königs sollte Thor Møhlen jedoch zum Verhängnis werden. Infolge politischer Abmachungen zwischen Dänemark-Norwegen und Brandenburg-Preußen wurden brandenburgische Kaufleute 1693 für frühere Forderungen mit großen Warenbeständen auf St. Thomas entschädigt, die eigentlich von Thor Møhlens Schiffen abgeholt werden sollten, wodurch dieser fast 100.000 Reichstaler verlor. Der König gestand ihm als Entschädigung zu, erstmals norwegische Banknoten im Gesamtwert von 50.000 Reichstalern auszugeben, um neue Exportgüter anzukaufen, deren Bezahlung dann in üblichem Münzgeld erfolgen sollte. Da Produzenten sich jedoch weigerten, die Banknoten als Zahlungsmittel zu akzeptieren und königliche Beamte sie zur Begleichung von Steuern und Abgaben ablehnten, scheiterte der Einsatz der Scheine als Finanzierungsinstrument völlig. Als die Regierung schließlich die Einlösung sämtlicher Banknoten forderte, war Thor Møhlen 1696 schlagartig zahlungsunfähig.[1]

Møhlenpris Hovedgård im Jahr 2012

Nachdem Thor Møhlen in Konkurs gegangen war, wurde ein Großteil der Industrie in Møhlenpris stillgelegt und es entstanden wieder offene Felder. Teile von Jørgen Thor Møhlens repräsentativem Wohnsitz aus dem Jahr 1680 sind als Møhlenpris hovedgård bis heute erhalten geblieben.[6] Thor Møhlen starb verarmt am Weihnachtstag des Jahres 1708 in Kopenhagen mit einem Vermögen von nur noch 29 Reichstalern.[1]

Nachwirken

Der Ortsteil Møhlenpris in Bergen mit der zentralen Thormøhlens gate trägt seinen Namen bis heute nach Jørgen Thor Møhlen. Ab dem Jahr 2020 begann eine öffentliche Debatte um eine mögliche Umbenennung der Nachbarschaft aufgrund von Thor Møhlens Verstrickung in den Sklavenhandel.[7]

Aus anderen Gründen wurde bereits 2018 die Møhlenpris trappen zwischen Møhlenpris und Nygardshøyden nach dem Kaufmann Heinrich Glogau (1786–1812), der sich für die Abschaffung des „Judenparagraphen“ im norwegischen Grundgesetz eingesetzt hatte, neu benannt.[8]

Literatur

  • Anders Bjarne Fossen: Jørgen Thormøhlen: forretningsmann, storreder, finansgeni. Blaauw, 1978 (norwegisch)
  • Anders Bjarne Fossen: Herren til Møhlenpris : "Saa stor var min Lycke, saa dyb er min Sorg." (Roman), Clioto, 2003 (norwegisch)

Einzelnachweise

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