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Møhlenpris

Stadtviertel der norwegischen Stadt Bergen From Wikipedia, the free encyclopedia

Møhlenpris ist ein Stadtviertel der norwegischen Stadt Bergen, das zwischen Nygårdshøyden und Sydnes im Nordosten und dem Damsgårdssund (Teil des Puddefjords) im Südwesten liegt und zum Stadtteil Bergenhus gehört. Es besteht aus den fünf Basisbezirken Tullins gate, Storms gate, Møhlenpris, Marineholmen und Nygårdsparken.

Stadtviertel Møhlenpris (untere Bildhälfte) mit der Puddefjord-Brücke, 2010

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Møhlenpris gehörte im Mittelalter zum Weideland des Klosters Munkeliv und wurde bis ins 17. Jahrhundert als Vestre Sydnes bezeichnet.[1] Um 1680 wurde es von König Christian V. offiziell an den deutschstämmigen Kaufmann Jørgen Thor Møhlen (gebürtig Jürgen ther Meulen) übertragen, den zu diesem Zeitpunkt größten Reeder Norwegens, der die Genehmigung bekam, dort ein Industriegebiet nach niederländischem Vorbild zu errichten. Thor Møhlen entwickelte das nunmehr nach ihm benannte Møhlenpris zu einem von industrieller Tätigkeit geprägten Stadtteil. Dort entstanden neben einer Anlage zur Gewinnung von Fischöl (1671) und einer Ölmühle auch eine Reeperbahn (1678), eine Küferei, eine Salzsiederei und Seifenfabrik (1682), sowie Bodenspeicher und ein Tiefwasseranleger für Handelsschiffe. Für die Handwerker und Arbeiter, die gemeinsam mit ihren Familien eine Gruppe von 600 bis 700 Personen bildeten, wurde Wohnraum geschaffen.[2] Nachdem Thor Møhlen 1696 in Konkurs gegangen war, wurde ein Großteil der Industrie stillgelegt und es entstanden wieder offene Felder. Teile von Jørgen Thor Møhlens repräsentativem Wohnsitz aus dem Jahr 1680 sind als Møhlenpris hovedgård bis heute erhalten geblieben.[3]

Stadtbezirke (strøk) in Bergen 1877
Møhlenpris, zwischen 1865 und 1896

Auf der bei Ebbe erreichbaren kleinen Insel Koholmen im Damsgårdssund, die bis dahin als Kuhweide genutzt wurde, entstand ab 1818 die Marinebasis Marineholmen. Das Marineamt ließ dort zunächst Bootschuppen für kleine Kanonenboote und ein Wachhaus errichten, ab 1837 folgte auf Beschluss des Storting der Aufbau einer Werft und ab 1894 befand sich hier ein Ausbildungszentrum für Marinerekruten. Auf Betreiben von Fridtjof Nansen wurde auf Marineholmen zudem 1892 die erste biologische Station Norwegens mit einem Schauaquarium und Seelöwen-Gehege eingerichtet.[4]

Bis 1877 gehörte Møhlenpris zur Landgemeinde Domkirche und Korskirke, bevor es in die Stadtgemeinde Bergen überführt wurde.[1] 1883 wurde eine der Freiflächen von einer Privatgesellschaft aufgekauft, die das Gebiet der Sportausübung und körperlichen Ertüchtigung der Jugend (Plads for Gutteexercits og Friluftsøvelser) widmen wollte und zu diesem Zweck der Kommune übergab. 1898 wurde die Fläche planiert und drainiert und 1899 wurde die Sportstätte Møhlenpris als erste öffentliche Sportfläche der Stadt ausgewiesen, die für diverse Sportarten und auch als Exerzierplatz für die Buekorps genutzt wurde. Der lokale Fußballverein SK Djerv, der von Söhnen von Seeleuten in Marineholmen gegründet und nach einem dort stationierten Torpedoboot benannt wurde, nutzt seit 1913 die Sportstätte als Heimspielplatz.

Mit dem Bau des Olaf Ryes vei wurde das Gebiet für Wohnungsbau erschlossen, unter anderem wurden für die Arbeiter der 1894 in der Thormøhlens gate gegründeten Maschinenwerkstatt Mjellem & Karlsen zahlreiche Wohnhäuser errichtet. Als 1911 die Straßenbahn Bergen erweitert wurde, wurde Møhlenpris 1913 mit seinen Werkstätten zum Betriebszentrum für das elektrische Straßenbahnnetz und Standort des zentralen Depots. 1912 wurde die von Kaspar Hassel entworfene Møhlenpris Schule eröffnet. Die nach dem Stadtbrand von 1916 entstandende Wohnungsnot veranlasste die Stadtverwaltung dazu, ab 1918 weitere Wohnblocks auf der unteren Seite der Professor Hansteens gate zu errichten.[1]

Ab 1940

Høyteknologisenter Marineholmen (2011)
Småpudden Fußgängerbrücke, geöffnet für Schiffsdurchfahrt

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Basis Marineholmen im Zuge der Operation Weserübung von den Deutschen besetzt und durch eine Explosion in einem Munitionslager am 8. Mai 1940 fast völlig zerstört, diente aber nach dem Wiederaufbau den deutschen Besatzern weiter als Basis. 1962 wurde die Marinebasis nach Haakonsvern verlegt und das Gelände durch die Werft Mjellem & Karlsen übernommen.[4] 1989 entstand hier in Regie der Immobilengesellschaft GC Rieber Norwegens erster Technologiepark, das Høyteknologisenteret, bestehend aus den der Universität Bergen angegliederten Forschungsinstituten für Biotechnologie und Informationswissenschaft, mit mehr als 1000 Arbeitsplätzen. Daneben befindet sich seit 2005 das Science Center VilVite in umgebauten, ehemaligen Werkhallen der Werft, die 2002 geschlossen wurde. Das Betriebsgelände am heutigen Kong Christian Frederiks plass wurde zum Campus Marineholmen der Handelshøyskolen BI umgebaut, der 2011 eröffnet wurde und heute etwa 2000 Studienplätze bereitstellt.[5]

Durch den Bau der Puddefjord-Brücke 1956 wurde Møhlenpris mit dem auf der anderen Fjordseite liegenden Gyldenpris verbunden. Seit 2014 gibt es eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke (Småpudden), die als Zugbrücke die Schiffszufahrt in den inneren Teil des Damsgårdssunds erlaubt. Die Straßenbahn wurde 1965 stillgelegt, die alte Abstellhalle der Züge beherbergt heute das Technische Museum Bergen; eine Museumsbahn (Trikken) verkehrt an Wochenenden zwischen dem Museumdepot und Engen.

Demografie

Wohnhäuser in der Ole Vigs gate in Møhlenpris

Etwa 2400 Anwohner sind (Stand 2023) mit Erstwohnsitz in den Basisbezirken von Møhlenpris registriert. Die tatsächliche Bewohnerzahl liegt vermutlich etwas höher, da viele der ansässigen Studenten ihren Erstwohnsitz oft nicht offiziell ummelden.[6]

Schule Møhlenpris

Die lokale Schule Møhlenpris oppvektstun befindet sich weiterhin in den Gebäuden von 1912, die 2017 vollständig renoviert wurden und bietet etwa 250 Plätze in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 sowie 65 Kindergartenplätze an.[7]

Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten in Møhlenpris

Einzelnachweise

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