Jürgen-Bernd Runge

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Jürgen-Bernd Runge (* 27. März 1944) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er war inoffizieller Mitarbeiter der Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR und distanzierte sich nach 1990 von dieser Tätigkeit.

Leben und politische Aktivitäten

Runge besuchte eine Realschule in Paderborn. Nach der Mittleren Reife folgte ein externer Besuch des Neusprachlichen Gymnasiums Braunlage. 1960 erfolgte der Beitritt zur Jungen Union und zwei Jahre später zur CDU. Nach dem Abitur in Braunlage 1965 ging er zum Studium der Politik- und Rechtswissenschaften an die Freie Universität Berlin. Er war Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im April 1967 wurde er RCDS-Vorsitzender an der Freien Universität. In dieser Zeit lieferte er sich Rededuelle mit Rudi Dutschke. Innerhalb des RCDS war er bundesweit bekannt und wirksam als Exponent des liberalen Reformflügels. Im Mai 1968 trat er aus Protest gegen die vom RCDS befürworteten Notstands-Gesetze aus dem RCDS aus und gründete im gleichen Monat eine linksliberale Hochschulgruppe an der FU, die sich explizit als „nichtmarxistisch“ verstand. 1969 folgte der CDU-Austritt und der Beitritt zur FDP und den Deutschen Jungdemokraten. Nach dem Politologie-Diplom 1970 zog Runge 1973 als Bundesgeschäftsführer der Jungdemokraten nach Bonn um und arbeitete ab 1975 in der FDP-Bundesgeschäftsstelle.

1978 wurde er persönlicher Mitarbeiter des FDP-Bundesvorstandsmitglieds William Borm, einem langjährigen inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Unter dem Decknamen „Richard“ war Runge seit Anfang der 1970er Jahre selbst inoffizieller Mitarbeiter der Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, ohne dass er – zunächst – von der Agententätigkeit Borms wusste. 1981 trat Runge im Zuge der „Wende“ aus der FDP aus und wurde Mitglied der neu gegründeten Partei Liberale Demokraten. Im Jahr 1983 beendete Runge seine Mitarbeit bei der Staatssicherheit. Von 1984 bis 1987 war er in der Partei Die Friedensliste in Nordrhein-Westfalen und auf Bundesebene als deren Pressesprecher aktiv. Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte er sich selbstkritisch mit seiner MfS-Vergangenheit auseinander.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Perspektive '87. Druck von unten für eine neue Politik. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 30 (1985), S. 1166–1180.
  • Strategie zur Veränderung der Gesellschaft. In: Erich Kellner (Hrsg.): Neue Generation und alte Strukturen der Macht. Europa-Verlag, Wien 1973, ISBN 3-203-50475-8, S. 33–41.
  • Theorie und Praxis der Außerparlamentarischen Opposition im Hinblick auf eine intendierte Strategie sozialen Wandels. Freie Universität Berlin 1970 (Diplomarbeit).
  • mit Wulf Schönbohm, Peter Radunski: Die herausgeforderte Demokratie. Deutschlands Studenten zwischen Reform und Revolution. v. Hase & Koehler, Mainz 1968.
    • daraus Sonderdruck: Der Sozialistische Deutsche Studentenbund als Vorkämpfer der Revolution? v. Hase & Koehler, Mainz 1968.
  • Die progressive Alternative. Für eine Freie Universität. Berlin 1967.

Literatur

Einzelnachweise

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