Jürgen Brodwolf
Schweizer Bildhauer und Objektkünstler
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Leben
Jürgen Brodwolf nahm an einer Ausbildung zum Zeichnerlithographen teil. Er liess sich in Vogelbach im Südschwarzwald nieder und betätigte sich als Fresko-Restaurator und Glasmaler.
Ab dem Sommersemester 1982 erhielt er eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart,[1] die er bis 1994 innehatte. Seit 1995 wohnt er in Kandern im ehemaligen Städtischen Krankenhaus,[Anm. 1] das zu seiner Kunst-, Arbeits- und Lebensstätte wurde.
Werk
Brodwolf wuchs in einer unberührten Naturlandschaft auf und wurde durch Naturgegenstände wie Zweige, Moos, Schwemmholz zu figürlichem und szenischem Gestalten angeregt. Der Bezug zu Kindheitseindrücken und archetypischen Idolen setzt sich bis in seinen reifen Werke fort.[2]
1959 entdeckte Jürgen Brodwolf die Tubenfigur, die von nun an zu seinem „Markenzeichen“ wurde und für die er bekannt ist.[2] Die Tubenfiguren, die durch den Anblick einer ausgedrückten und eigentümlich verformten, figürlich anmutenden Farbtube im Malatelier ausgelöst wurden, sind Teil seiner Kunstwerke. Das Fundstück kann als Weiterentwicklung des Ready-mades angesehen werden.[3] Die Verwendung der Tubenfigur hat er im Laufe der Jahre stets weiter entwickelt. So entstanden 1965 die ersten Figurenkästen, kastenartige Werke, die verschiedene Tubenfiguren beinhalten.
Figuren im grösseren Format schafft Brodwolf seit 1972, indem er die Figuren aus Blei formt und somit nicht mehr an die vorgegebene Tubengrösse gebunden ist. Zudem entstehen die ersten elektromechanischen Figurentheater. Er erweiterte sein Repertoire an Figuren, sodass in den darauffolgenden Jahren Leinwand-, Papp- und Pappmachéfiguren entstanden. 1993 entdeckte er die Papierfigur, die er zumeist in denselben Dimensionen der Tubenfigur verwendet. 1999 schuf er die erste Pigmentfigur und 2002 widmete er sich dem Material Bronze mit den ersten Bronzefiguren. Brodwolf verwendet über die Tube hinaus zahlreiche andere Gebrauchsgegenstände wie Pinsel, Stoffe oder Ofenkacheln., die er in seinen Werken ein- und verarbeitet. Kenntnisse durch seine Tätigkeit als Restaurator flossen in sein künstlerisches Schaffen ein.[3]
Preise und Ehrungen
(Quelle: SIKART[4])
- 1970: Förderpreis der Reinhold-Schneider-Stiftung Freiburg
- 1975: Kunstpreis der Böttcherstraße Bremen
- 1981: Hans-Thoma-Preis
- 1986: Kunstpreis der Stadt Darmstadt
- 1989: Kunstpreis der Stadt Stuttgart
- 1995: Kunstpreis der Künstler, Düsseldorf
- 2011: Erich-Heckel-Preis des Freundeskreises des Künstlerbundes Baden-Württemberg e. V.
Ausstellungen (Auswahl)
- 1984: Kunstverein Ingolstadt, Ingolstadt
- 1984: Plastik der 60er und 70er Jahre im Südwesten, Galerie der Stadt Esslingen am Neckar, Villa Merkel
- 1990: Martin-Gropius-Bau, Berlin
- 2002: Kunsthalle Villa Kobe, Halle (Saale)
- 2005: Stuttgarter Begegnungen: die Schenkung Wolfgang Kermer, Städtische Galerie Neunkirchen[5]
- 2009: Jürgen Brodwolf. Galerie Voegtle, Karlsruhe
- 2013: Spurenbücher, Galerie Fluchtstab, Staufen im Breisgau
- 2014: Der Figurist – Frühe und aktuelle Arbeiten, Galerie Boisserée, Köln
- 2015: Neue Arbeiten, Galerie Pro Arte, Freiburg im Breisgau
- 2017: Jürgen Brodwolf, Galerie Schoots + Van Duyse, Antwerpen
- 2019: Jürgen Brodwolf – Entschleunigung, Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel
Jürgen-Brodwolf-Stiftung
2005 wurde die Jürgen-Brodwolf-Stiftung gegründet mit Sitz in Brodwolfs Atelierhaus im ehemaligen ehemaligem Kranken- und Altenheim der Stadt Kandern. Die Räumlichkeiten beinhalten neben einer Sammlung von Arbeiten befreundeter Künstler auch einen Teil von Brodwolfs Lebenswerk und sollen später in ein Museum umgewandelt werden.
Publikationen
- mit Peter Härtling: Zwanzig Transparentblätter / Fünfzehn Gedichte. Radius-Verlag, Stuttgart 1989
- mit Robert Creeley: Ränder. Offsetlithografien und Gedichte. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2004.
- Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim, Arbeiten von 1985-2006. Kerber Verlag, Bielefeld 2007. ISBN 978-3-86678-055-2.
Anmerkungen
- Haus Hauptstraße 89, das auch als Verweserei (ehemaliges Verwaltungsgebäude der Kanderner Eisenwerke) bekannt ist.
Literatur
- Jürgen Brodwolf: Retrospektive zum 80. Geburtstag: Vom Material zur Metapher. Ausst.-Kat. Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen, Grafenau 2012 (mit einem Text von Corinna Steimel).
- Galerie St. Gertrude (Hrsg.): Jürgen Brodwolf, Visionen der Erinnerung. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung vom 3. April bis zum 15. Mai in der Galerie St. Gertrude, Hamburg. Mit einem Vorwort von Thomas Gädeke und Texten zu verschiedenen Werkgruppen von Anne Simone Krüger. Hamburg 2016, ISBN 3-93585517-6.
- Belinda Grace Gardner: „Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim“ – zum 75. Geburtstag von Jürgen Brodwolf. Katalogtext zur Ausstellung in der Galerie Levy, Hamburg 2007
- Wolfgang Kermer (Hrsg.): Klasse Brodwolf: XIII [dreizehn] Studenten der Bildhauerklasse Professor Jürgen Brodwolf, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dr. Cantzsche Druckerei, Stuttgart 1983 (erste Ausstellung der Stuttgarter Brodwolf-Klasse, Werke von u. a. Matthias Kohlmann und Camill Leberer)
- Peter Martens (Hrsg.): Markgräflerland Künstlerland – la région des artistes: entre Fribourg et Bâle. Schliengen 2005.
- Manfred Osten: Im Kerngehäuse Gedichte. Wortwandlungen von Jürgen Brodwolf. Verlag St. Gertrude, Hamburg 2008, ISBN 3-935855-12-5.
- Theo Rommerskirchen: Jürgen Brodwolf. In: viva signatur si! Remagen-Rolandseck 2005, ISBN 3-926943-85-8.
- Wieland Schmied: GegenwartEwigkeit. Spuren des Transzendenten in der Kunst unserer Zeit. Martin-Gropius-Bau, Berlin 7. April bis 24. Juni 1990. Edition Cantz, Stuttgart 1990, ISBN 3-89322-179-4.
- Harald Siebenmorgen: Rede zur Ausstellungseröffnung 2009 in der Galerie Voegtle, Karlsruhe. In: Der Figurist. Reden und Texte aus fünf Jahrzehnten zum Werk von Jürgen Brodwolf. Hrsg. Wolfgang Erk. Stuttgart 2013, S. 282–289.
- Karlheinz Beyerle: Der bildende Künstler Jürgen Brodwolf. In: Gabriele Babeck-Reinsch (Redaktion), Gemeinde Malsburg-Marzell (Hrsg.): Malsburg-Marzell: eine Spurensuche im Südschwarzwald. Malsburg-Marzell 1995, S. 118–123.
Weblinks
- Literatur von und über Jürgen Brodwolf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Jürgen Brodwolf (Zugangsbeschränkung)