Städtische Galerie Neunkirchen
Einrichtung der Stadt Neunkirchen
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Die Städtische Galerie Neunkirchen (ehem. Museum im Bürgerhaus) ist eine Galerie für zeitgenössische Kunst in der saarländischen Kreisstadt Neunkirchen (Saar). Die Galerie steht unter der Trägerschaft der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH.

Geschichte
Das „Museum im Bürgerhaus“, später Städtische Galerie Neunkirchen, wurde vom Verkehrsverein Neunkirchen auf zwei Etagen des ehemaligen Amtsgerichts betrieben. In dem damaligen Heimatmuseum wurde von 1987 bis 1994 die Sammlung des Verkehrsvereins, darunter das malerische und grafische Werk des Friedrichstaler Künstlers Otto Weil (1884–1929), gezeigt. Die „Galerie im Bürgerhaus“ war zunächst lediglich die Ortsbezeichnung für eine Ausstellungsreihe, die mangels geeigneter Räume in den ersten Jahren noch auf den Fluren der VHS Neunkirchen durchgeführt wurde. Gezeigt wurde aktuelle Kunst, die überwiegend an ungegenständlichen und konstruktiv-konkreten Tendenzen orientiert war. 1994 wurden die Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst in die Räume des ehemaligen Amtsgerichts der Stadt Neunkirchen verlegt.
Ab 1995 war die Galerie organisatorisch nicht mehr der Stadt, sondern der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH zugeordnet und somit eine Abteilung der städtischen Tochtergesellschaft. 2004 wurde der Name in „Städtische Galerie Neunkirchen“ geändert.
Mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins „Förderkreis Städtische Galerie/Museum Neunkirchen e.V.“ im Jahr 2007 wurde eine neue Basis für die Förderung von Kunst und Kultur in Neunkirchen geschaffen. Der Verein hat sich die ideelle und finanzielle Förderung der Städtischen Galerie Neunkirchen und des 2023 eröffneten KKM Keramik Kunst Museum Stiftung Hannelore Seiffert als Ziel gesetzt.[1]
Im Dezember 2015 eröffnete die Städtische Galerie Neunkirchen im ehemaligen Bürgerhaus, das zum „KULT. Kulturzentrum Neunkirchen“ umgebaut wurde, ihre neuen Ausstellungsräume.[2][3] Mit rund 500 Quadratmetern und einem sieben Meter hohen Hauptraum hat sich die Ausstellungsfläche gegenüber den früheren Räumen im benachbarten Altbau mehr als verdoppelt. Die verglaste Empore bietet die Möglichkeit, neben den Wechselausstellungen Auszüge aus den Schenkungen „Ruth Engelmann-Nünninghoff“ und „Wolfgang Kermer“ als Dauerpräsentation zu zeigen.
Die Städtische Galerie Neunkirchen wurde von 1991 bis 2025 von der Kunsthistorikerin Nicole Nix-Hauck geleitet. Ihre Nachfolgerin ist die promovierte Kunsthistorikerin Liane Wilhelmus.[4][5]
Ausstellungen
Die Städtische Galerie Neunkirchen realisiert seit Anfang der 1990er-Jahre ein medienübergreifendes Ausstellungsprogramm zeitgenössischer Kunst. In Einzel- und Themenausstellungen werden sowohl junge als auch arrivierte, nationale und internationale künstlerische Positionen vorgestellt mit dem Ziel, Einblicke in die stilistische, thematische und mediale Vielfalt zeitgenössischer Kunsttendenzen zu vermitteln. Die Städtische Galerie Neunkirchen versteht sich gleichermaßen als Forum für Künstler aus der Region, u. a. als Ausstellungsort der Landeskunstausstellung Saar. Mit Führungen, Veranstaltungen und Workshops sowie einem Kinder- und Jugendatelier bietet die Galerie ein umfangreiches Vermittlungsprogramm. Die Städtische Galerie Neunkirchen ist auf Barrierefreiheit geprüft.
Sammlungen
Schenkung Wolfgang Kermer
Die Städtische Galerie Neunkirchen erhielt zwischen 2005 und 2011[6] in drei Schenkungen Arbeiten aus dem Privatbesitz des aus Neunkirchen stammenden Kunsthistorikers Wolfgang Kermer (* 1935). Die „Schenkung Wolfgang Kermer“ umfasst vier Grafikzyklen mit 46 Original-Federzeichnungen des Neunkircher Expressionisten Fritz Arnold (1883–1921) aus den Jahren 1917–1920. Daneben rund 300 Arbeiten auf Papier sowie Glas- und Bildhauerarbeiten von insgesamt 114 Künstlern, überwiegend aus dem Umfeld der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (u. a. von Jürgen Brodwolf, Paul Uwe Dreyer, Otto Herbert Hajek, Alfred Hrdlicka, Wilhelm Loth, Markus Lüpertz, Arnulf Rainer, Rudolf Schoofs, K.R.H. Sonderborg, Micha Ullman).[7][8] Zudem enthält die Schenkung eine größere Auswahl eigener Werke Wolfgang Kermers (Gouachen, Zeichnungen, Radierungen, Photogramme, Digitalphotos).[9]
Schenkung Ruth Engelmann-Nünninghoff
2008 übergab die Neunkircher Malerin Ruth Engelmann-Nünninghoff (1915–2016), die 2015 mit einer großen Retrospektive in der Städtischen Galerie Neunkirchen geehrt wurde, eine Auswahl eigener Werke der Galerie als Geschenk.[10] 2024 überreichte Ulf Sauerbaum der Galerie weitere Papierarbeiten als Schenkung.[11]
Wechselausstellungen (Auswahl)
- 1992: Bertrand Ney. Skulpturen
- 1999: Leslie Huppert. Moving Identity. Ein Medien- und Aktionskunstwerk.
- 2000: Tom Wood. People – Fotografien 1973–1999.
- 2002: Aus anderer Sicht. Kunst für Blinde und Sehende. Installationen von Juri Albert, Elvira Kubiak und Gerhard Mevissen.
- 2003: Herlinde Koelbl – Spuren der Macht. Die Verwandlung des Menschen durch das Amt.
- 2005: Horst Wackerbarth – Die rote Couch. Ein Porträt Europas.
- 2005: Stuttgarter Begegnungen: die Schenkung Wolfgang Kermer.
- 2009: Otto Weil. Die Zwanziger Jahre. Jubiläumsausstellung zum 125. Geburtstag und 80. Todestag des Künstlers.
- 2010: Bettina van Haaren – Häutungen. Malerei und Zeichnung.
- 2010: Fritz Arnold. Das grafische Werk 1917–1920: Schenkung Wolfgang Kermer.
- 2011: Ottmar Hörl. Requiem für Vincent.
- 2011: Stuttgarter Begegnungen III: die Schenkung Wolfgang Kermer.
- 2012: Peter Schlör. Black & Wide.
- 2012: Cornelia Schleime – Galoppierende Träume. Porträts 1996–2008.
- 2013: Parastou Forouhar. He kills me, he kills me not.
- 2014: Justine Otto. Today is tomorrow`s yesterday.
- 2015: Open Spaces. Landschaften.
- 2017: Jochen Hein. Über die Tiefe.
- 2018: Scharf geschnitten. Vom Scherenschnitt zum Papercut.
- 2018/2019: Brennpunkt Keramik. Zeitgenössische Unikatkeramik aus der Sammlung Hannelore Seiffert.
- 2020: Jan De Vliegher. What you see is what you see.
- 2021: Andreas Gefeller. Fotoarbeiten.
- 2022: Weiss war der Schnee. Das Gletscherprojekt von Thomas Wrede.
- 2024: Stephanie Marie Roos – See me now. Menschenbilder in Keramik.
- 2024: Linienwerk. Antje Flotho, Cordula Hesselbarth, Mayumi Okabayashi, Anne Rose Regenboog, Monika Schmid, Manuela Tirler.
- 2025: Armin Rohr – Aller Vergeblichkeit zum Trotz singe ich weiter mein Lied. Über Anomalien, Zufälle und Wahrscheinlichkeiten.
- 2025: Katharina Hinsberg. Die Teile und das Ganze.
- 2025: Carina Linge. Allerseelen.
Literatur (Auswahl)
- Fritz Arnold: Das grafische Werk 1917–1920. Mit einem Vorwort von Nicole Nix-Hauck und Beiträgen von Nina Pirro und Wolfgang Kermer, Ausstellungskatalog, Städtische Galerie Neunkirchen (Hrsg.), Neunkirchen 2010, ISBN 978-3-941715-03-5
- Schenkung Wolfgang Kermer: Bestandskatalog. Städtische Galerie Neunkirchen (Hrsg.), Neunkirchen 2011, ISBN 978-3-941715-07-3