KZ-Außenlager Venusberg
Außenlager des KZ Flossenbürg
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Das KZ-Außenlager Venusberg war ein Außenlager des KZ Flossenbürg und bestand vom 8. Januar 1945 bis zum 13./14. April 1945 in Venusberg im Erzgebirge. Es war eines von 27 Außenlagern für ausschließlich weibliche Inhaftierte. Etwa 1.000 Zwangsarbeiterinnen mussten in der Spinnerei Gebrüder Schüller Flugzeugteile für die Junkers-Werke Dessau unter dem Tarnnamen „Venuswerke“ herstellen.
Geschichte
Im Januar 1945 wurden etwa 500 ungarische Jüdinnen aus dem KZ Ravensbrück in das Lager deportiert. Am 20. Februar folgten etwa 500 Frauen aus dem KZ Bergen-Belsen; davon 180 aus Ungarn, 144 aus Polen und 102 aus Griechenland. Die übrigen Frauen kamen aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, dem Protektorat Böhmen und Mähren, dem deutschen Reichsgebiet sowie aus der Türkei und Jugoslawien.[1]
Die Frauen mussten Flugzeugteilen für die Junkers-Werke Dessau herstellen, die einen Teil der Produktion unter dem Decknamen „Venuswerke“ in die Spinnerei der Gebrüder Schüller verlagert hatte. Die Inhaftierten arbeiteten in einem abgetrennten Gebäudeteil auf zwei Stockwerken und waren in einem stacheldrahtumzäunten, von Wachtürmen umgebenen Barackenlager untergebracht, das sich etwa einen Kilometer von der Fabrik entfernt befand. Der Leiter der Spinnerei, Wunderlich, beklagte die Zustände im Lager und fürchtete, „dass die Häftlinge so eng eingepfercht werden, dass die Gefahr des Ausbruchs von Seuchen besteht“.

Lagerführer war Johann Dücker mit etwa 20 Wachmännern und 21 Aufseherinnen.
Das Lager wurde am 13. oder 14. April geräumt und die Frauen nach einer etwa zweiwöchigen Irrfahrt in Viehwaggons über Stollberg, Aue, Zwota, Graslitz, Eger, Taus, Klattau, Luby, Budweis und Oberhaid in das KZ Mauthausen verbracht, das sie am 4. Mai 1945 erreichten und wo sie einen Tag später von US-Truppen befreit wurden. Auf dem Transport starben etwa 80 Frauen.[2]
Nach dem Krieg wurden die Spinnereien der Region in den VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien integriert, einem Kombinat mit etwa 50 Einzelwerken und rund 14.800 Beschäftigten. Das Gebäude der Spinnerei steht seit etwa 1992 leer und verfällt zunehmend.[3]
1958 errichtete die Gemeinde ein Mahnmal mit einer Stele in der Nähe der ehemaligen Spinnerei, das 2010 saniert wurde. (⊙) An der Stele befindet sich eine Tafel mit der Inschrift: Hier ruhen über 100 Frauen aus Ländern Europas. Sie arbeiteten in den Junkers-Rüstungswerken und starben im Außenlager Venusberg des KZ Flossenbürg. Ihr Tod sei uns Mahnung sowie die Buchstaben FIR (Fédération Internationale des Résistants). Auf Initiative von Jugendlichen aus der Region wurde 2024 vor dem Spinnereigebäude eine Informationstafel mit dem Titel Verlorene Geschichte(n): Das KZ-Außenlager Venusberg zur Erinnerung an die Geschichte des Lagers aufgestellt.[4][5]
Literatur
- Pascal Cziborra: KZ Venusberg : der verschleppte Tod. Lorbeer-Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-938969-41-0.