Kapelle St. Agatha (Disentis)
Kirchengebäude in Disentis im Kanton Graubünden, Schweiz
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Die Kapelle St. Agatha (rätoromanisch Baselgia catolica Sontga Gada) steht bei Disentis/Mustér in der Surselva im schweizerischen Kanton Graubünden. Der älteste Kirchenbau des Orts ist Agatha von Catania geweiht. Die Kapelle liegt am alten Lukmanierweg westlich des Dorfes.
Die Kapelle wird heute vor allem für Konzerte und Feiern genutzt.[1.1]
Geschichte

Urkundliche Belege über den Bau der Kapelle fehlen. Aufgrund der Bauweise der rundbogigen schmalen Fenster der Apsiden vermutet Erwin Poeschel eine Erbauung um 1100.
Obwohl die Kirche Platz für rund 200 Personen bietet, diente sie als Pilgerkirche (Votivkirche) für Durchreisende, die über den Lukmanierpass unterwegs waren. Der Pilgerweg von Konstanz nach Pavia und Rom führte hier entlang. Gleich nach der Kapelle führt der Weg in eine Schlucht zum Vorderrhein hinab und auf der anderen Talseite steil zum Dorf Mumpé Medel hoch. Agatha von Catania ist auch Schutzheilige der Wanderer, Wege und Brücken. Die Grösse und die reiche Ausstattung des abgeschiedenen Baus sind bemerkenswert.[1.1][2]
1387 wurde die Kirche bei einem Brand stark beschädigt.[1.1] 1420 wurde die Kapelle unter Abt Petrus von Pontaningen umgebaut; unter anderem wurde die Decke erneuert sowie das Dach und der Turm um das Glockengeschoss erhöht. In der Folge entstanden auch die Malereien.[3]
Um 1700 wurden an der Nordwand zwei grosse Viereckfenster eingebaut, die anlässlich einer Renovation 1979/80 wieder vermauert wurden. Damals übermalte Fresken an der Nordwand wurden bereits 1920 wieder freigelegt.

In der Kapelle stand jahrhundertelang ein Altar von Ivo Strigel (1430–1516). Der Altar aus dem Jahr 1489 wurde 1941 in die Kirche Sogn Gions, der Pfarrkirche von Disentis, transferiert. Dort steht genug Raum zur Verfügung, um ihn in seiner ganzen Grösse aufzustellen, was in der Kapelle St. Agatha nicht möglich gewesen war. Ein weiterer, kleiner Altar steht heute in der Hauskapelle des Abts von Disentis.[1.2]
Im Jahr 1600 ging die Kapelle vom Kloster an die Kirchgemeinde Disentis über.
1979 wurde die Kirche renoviert, insbesondere auch Dach und Verputz, aber auch die Malereien. Von 1992 bis 1994 wurde die Kapelle im Inneren und die Fenster renoviert.[3] Neben der Kapelle führt die 2024 errichtete Hängebrücke La Pendenta über den Vorderrhein.
Bau
Die Kirche ist rund 16,8 Meter lang und 9,2 bis 9,4 Meter breit.[3]
Bei der Kapelle handelt es sich um ein spätes Beispiel einer einschiffigen Saalkirche mit drei Apsiden. Im Gegensatz etwa zu den drei Apsiden der Kirche von Mistail sind sie hier nur als flache Nischen ausgeführt, die sich an der Aussenmauer nicht abzeichnen und nur noch dekorativen Charakter haben.
Der Turm ist bei der Nordostecke angebaut und enthält im Erdgeschoss die Sakristei. Er verfügt über zwei Glocken. Das Dach besteht aus Schindeln aus Lärchenholz.[3]
Malereien
Die Malereien stammen aus vier Etappen:
Der schlecht erhaltene Freskenzyklus an der Nordwand mit Bildern aus dem Leben der heiligen Agatha stammt aus der Zeit um 1430 bis 1440; er wurde durch den Einbau der Viereckfenster empfindlich gestört. Der unbekannte Maler stammte aus dem süddeutschen Raum.
Die Bemalung der Apsiden, das grosse Anbetungsbild und die Schutzmantelmadonna an der Südseite entstanden 1450 bis 1460 und stammen von den lombardischen Malern Cristoforo und Nicolao da Seregno. In der mittleren Apsis ist Christus in der Mandorla dargestellt, in der rechten die Krönung Marias. Dazwischen stehen die Heiligen Placidus und Ulrich von Augsburg unter Medaillons von Propheten.
Die nördliche Apsis zeigt eine Verkündigung an Maria. Sie ist in einer Fensternische mit „1616 HIG“ signiert und stammt vom Bündner Maler Hans Jakob Greutter.
Die alten Fresken aus dem 15. Jahrhundert an der Nordwand wurden 1707 von Hans von Sumvitg mit Bildern aus dem Leben der Heiligen übermalt. Sie wurden zur Aufdeckung des ursprünglichen Zyklus entfernt. Oberhalb des Bildes «Agatha vor dem Richter» hat sich ein kleines Stück davon erhalten.
- Mittlere Apsis
- Südliche Apsis
- Schutzmantel-
madonna - Fresko von
Nicolao da Seregno
Literatur
- Dieter Matti: Alte Bilder – neu gedeutet, Kirchliche Kunst im Passland, Band 3; Desertina, Chur 2012, ISBN 978-3-85637-370-2, S. 51–54.
- Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band V (Die Täler am Vorderrhein (II. Teil), Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell). Birkhäuser Verlag, Basel 1943, S. 97–107 (Digitalisat [abgerufen am 3. Mai 2026]).
- Ludmila Seifert, Leza Dosch: Kunstführer durch Graubünden; Scheidegger & Spiess, Zürich 2008, S. 218
Siehe auch
Weblinks
- Kantonsbibliothek Graubünden. Kapelle St. Agatha (Foto) ( vom 1. Februar 2020 im Internet Archive)
- Kapelle St. Agatha (Sontga Gada) auf disentis-sedrun.ch ( vom 24. Februar 2022 im Internet Archive)
- Sontga Gada (St. Agatha) auf kirchen-online.org