Karl-Friedrich Albrecht
deutscher Mediziner und Hochschullehrer
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Karl-Friedrich Albrecht (* 13. August 1922 in Gumbinnen in Ostpreußen; † 1998) war ein deutscher Urologe und Hochschullehrer.
Leben
Familie und Ausbildung
Karl-Friedrich Albrecht, Sohn von Helene Albrecht, geborener Stobbe, und des Oberregierungsrats Karl-Ludwig Albrecht, wurde in Ostpreußen geboren. Seine schulische Ausbildung absolvierte er am Staatlichen Wilhelms-Gymnasium in Kassel, wo er 1939 das Abitur ablegte. Aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges erhielt er den Reifevermerk im Zusammenhang mit seinem Kriegsdienst.
Nach Kriegsende begann Albrecht 1945 sein Medizinstudium an der Philipps-Universität Marburg. Er absolvierte sein Studium mit Erfolg und legte 1951 das Staatsexamen ab. Im selben Jahr wurde er mit einer Dissertation, die den Titel Die Rolle des Paraffins in der Chirurgie und seine Gefahren (anhand zweier Fälle) trägt, zum Doktor der Medizin promoviert. Seine Doktorarbeit beschäftigt sich mit einem damals relevanten chirurgischen Thema, da Paraffin in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie verwendet wurde, jedoch erhebliche Komplikationen verursachen konnte. Die Dissertation zeugte bereits von Albrechts kritischem wissenschaftlichen Ansatz.
Karl-Friedrich Albrecht war ab 1946 verheiratet mit Ursula Albrecht, geborener Müller, verwitwet ab 1977 und Vater dreier Kinder (Karlheinz, Karl-Ludwig und Sabine).
Berufliche Entwicklung und Facharztausbildung
Nach Abschluss seines Studiums begann Albrecht 1951 seine Facharztausbildung in Marburg unter der Leitung der Professoren Rudolf Zenker und Hans Erhard Bock. Die Ausbildung in Marburg erfolgte in einer Zeit, in der sich die Urologie als eigenständiges Fachgebiet zunehmend von der allgemeinen Chirurgie emanzipierte und eigene diagnostische und therapeutische Verfahren entwickelte. Im Jahr 1958 erwarb Albrecht die Facharztanerkennung für Urologie und übernahm noch im selben Jahr die Leitung der Urologischen Abteilung an der Universitätsklinik Marburg.
Bereits 1959 wechselte Albrecht nach Köln, wo er die Leitung der Urologischen Abteilung am Klinikum Köln-Merheim übernahm. Im Jahr 1960 erweiterte er seine Qualifikationen durch den Erwerb der Facharztanerkennung für Chirurgie, was in der damaligen Zeit für Urologen durchaus üblich war, da viele urologische Eingriffe umfassende chirurgische Kenntnisse erforderten.
Wissenschaftliche Karriere und Habilitation
Von 1961 bis 1963 arbeitete Albrecht in der Abteilung für experimentelle Chirurgie in Köln, wo er sich intensiv mit grundlagenwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzte. Diese Phase seiner Karriere war entscheidend für seine Habilitation, die er 1963 an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln erfolgreich abschloss. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel Hämodynamik der Niere bei extrakorporaler Zirkulation in Normothermie und Hypothermie um 10° C und widmet sich dem Thema an der Schnittstelle von Urologie, Chirurgie und Physiologie. Die Arbeit untersuchte die Auswirkungen der Herz-Lungen-Maschine auf die Nierenfunktion unter verschiedenen Temperaturbedingungen, was für die damals noch junge Herzchirurgie von großer Bedeutung war. Die extrakorporale Zirkulation ermöglichte komplexe herzchirurgische Eingriffe, brachte jedoch das Risiko von Nierenschäden mit sich. Albrechts Forschung trug dazu bei, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und die Operationstechniken zu optimieren.
Nach erfolgreicher Habilitation wurde Albrecht 1963 zum Privatdozenten für Urologie an der Universität zu Köln ernannt und übernahm gleichzeitig die Leitung der Urologischen Abteilung der Universitätsklinik Köln, eine Position, die er bis 1966 innehatte. Diese Jahre waren geprägt von intensiver klinischer Tätigkeit, Lehre und Forschung.
Klinikdirektor in Wuppertal-Barmen
Im Jahr 1966 wurde Albrecht zum Chefarzt der Urologischen Klinik und Direktor der Urologischen Klinik (siehe Helios Universitätsklinikum Wuppertal) in Wuppertal-Barmen berufen wurde. Diese Position hatte er bis zu seiner Emeritierung 1987 inne.
Parallel zu seiner Tätigkeit in Wuppertal behielt Albrecht seine akademische Anbindung an die Universität Köln bei. 1969 wurde er dort zum außerplanmäßigen Professor für Urologie ernannt, eine Position, die er bis 1988 ausübte. Diese Doppelfunktion als Direktor der Urologischen Klinik der Stadt Wuppertal und akademischer Lehrer in Köln war charakteristisch für die deutsche Medizin der Nachkriegszeit, in der viele Chefärzte städtischer Kliniken gleichzeitig akademische Positionen an Universitäten innehatten.
Funktionen in Fachgesellschaften
Neben seiner klinischen und akademischen Tätigkeit engagierte sich Albrecht intensiv in den urologischen Fachgesellschaften. Von 1977 bis 1979 war er Präsident der Gesellschaft für Urologie Nordrhein-Westfalen, der regionalen Fachgesellschaft, die die Interessen der Urologen im bevölkerungsreichsten Bundesland vertrat. In dieser Funktion organisierte er Fortbildungsveranstaltungen, förderte den wissenschaftlichen Austausch und vertrat die Interessen seiner Fachkollegen gegenüber Gesundheitspolitik und Krankenkassen.
Den Höhepunkt seiner standespolitischen Karriere erreichte Albrecht mit seiner Wahl zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Urologie für die Jahre 1980 bis 1981. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie ist die wichtigste wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Urologie und wurde bereits 1906 gegründet. Als Präsident organisierte er den jährlichen Kongress der Gesellschaft, förderte die wissenschaftliche Forschung und setzte sich für die Weiterentwicklung der urologischen Versorgung ein. Seine Präsidentschaft fiel in eine Zeit bedeutender medizinischer Innovationen in der Urologie, darunter die Einführung der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie zur nichtinvasiven Behandlung von Nierensteinen und die Weiterentwicklung endoskopischer Operationstechniken.
Wissenschaftliche Beiträge und Auszeichnungen
Albrechts wissenschaftliche Arbeit wurde 1965 mit dem Curt-Adam-Preis der Kongressgesellschaft für ärztliche Fortbildung gewürdigt, den er gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Eigler und W. Lohmann erhielt.[1]
Darüber hinaus war Albrecht Mitherausgeber der Fachzeitschrift Der Urologe, einer der führenden deutschsprachigen Publikationen auf dem Gebiet der Urologie. Die Zeitschrift erschien seit 1962 und entwickelte sich zu einem wichtigen Forum für den wissenschaftlichen Austausch in der deutschsprachigen Urologie.
Schriften (Auswahl)
- Die Rolle des Paraffins in der Chirurgie und seine Gefahren (anhand zweier Fälle). 1951.
- Hämodynamik der Niere bei extrakorporaler Zirkulation in Normothermie und Hypothermie um 10° C. 1963.
- Henning Bartels; Karl-Friedrich Albrecht: Ultraschalldiagnostik in der Urologie. In: Deutsches Ärzteblatt, Heft 39 vom 23. September 1976. S. 2427–2434 (Digitalisat).
Literatur
- Albrecht, Karl-Friedrich. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 11.
Weblinks
- Karl-Friedrich Albrecht. In: Galerie der Professorinnen und Professoren der Universität zu Köln.