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Karl-Heinz Menke (Theologe)

deutscher Theologe, Priester und Seelsorger From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl-Heinz Menke (* 28. Januar 1950 in Fürstenau) ist deutscher Theologe, Priester und Seelsorger. Er ist emeritierter Professor für Dogmatik und Theologische Propädeutik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn.

Wissenschaftlicher Werdegang

Karl-Heinz Menke studierte von 1968 bis 1978 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes[1] Philosophie, Katholische Theologie und Altphilologie in Münster, Paris und Rom. 1974 wurde er von Julius Kardinal Döpfner in Rom zum Priester geweiht. 1973 erwarb er das Lizenziat der Philosophie, 1975 das Lizenziat der Systematischen Theologie an der Gregoriana in Rom. 1978 erfolgte – ebenfalls in Rom – seine Promotion zum Dr. theol. mit einer Arbeit zum Thema Vernunft und Offenbarung bei Antonio Rosmini-Serbati. Zwischen 1979 und 1981 war er Vikar, Religionslehrer und Dekanatsjugendseelsorger in Twistringen bei Bremen. Von 1981 bis 1984 war er Geheimsekretär des Bischofs von Osnabrück, Domvikar, Direktor der Diözesanstelle für Berufe der Kirche und Leiter des Diözesanen Ausländerreferates.

1984/1985 übernahm Menke die Leitung der Pfarrei Bad Iburg und war Religionslehrer am dortigen Gymnasium. Zwischen 1986 und 1990 arbeitete er an seiner Habilitation. Von 1987 bis 1990 war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik, Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Universität Freiburg bei Gisbert Greshake. 1990 habilitierte er sich im Fach Dogmatik und Dogmengeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Arbeit zu dem Thema „Stellvertretung. Schlüsselbegriff christlichen Lebens und theologische Grundkategorie“.

1990 erhielt Menke einen Ruf an den Lehrstuhl für Dogmatik und Philosophische Grundfragen der Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät in Paderborn und einen Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Theologische Propädeutik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Letzteren nahm er 1990 an. Er blieb der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn auch nach Anfragen aus Freiburg und Münster treu, bis zu seiner Emeritierung 2015. Von 2000 bis 2002 war Menke Direktor der Allgemeinen Verwaltung, von 2002 bis 2004 Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Bonn, von 2004 bis 2006 deren Prodekan. Nach seiner Emeritierung nahm er Gastprofessuren in Trento, Oxford, Lublin und Rom an.

1991 wurde Menke Präsidiumsmitglied des von der Philosophischen Fakultät der Universität Trient gebildeten Sonderforschungsprojektes „Philosophie und Theologie des 19. Jahrhunderts.“ sowie Mitglied der Kommission IV (Berufe der Kirche) der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 1992 ist er Mitherausgeber der Collana „Religione e Cultura“ (Verlag Morcelliana, Brescia) und seit 1993 Mitherausgeber der „Bonner Dogmatischen Studien“ (Verlag Echter, Würzburg). 2001 wurde er Mitglied der Kommission I (Theologie) der Deutschen Bischofskonferenz. 2005 wurde er in die Clearing-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zur Revision des Missale berufen.

Papst Franziskus berief ihn 2014 und noch einmal 2019 für jeweils fünf Jahre zum Mitglied der Internationalen Theologenkommission.[2] und 2015 zusätzlich in die Sonderkommission zum "Diakonat der Frau".

Theologisches Profil

Wie ein roter Faden zieht sich durch Menkes Monographien zur Soteriologie, zur Christologie, zum Wesen des Christentums und zur Sakramentalität der Kirche das Bemühen, den christlichen Wahrheitsanspruch gegen philosophische („linguistic turn“), religionsvergleichende („Pluralistische Religionstheologie“) und binnentheologische (Beispiel: Hans Küng) Relativierungen zu verteidigen. Lange Zeit hat Menke mit der transzendentalphilosophischen Letztbegründung des christlichen Glaubens sympathisiert, die auf unterschiedliche Weise von Hansjürgen Verweyen, Thomas Pröpper und Klaus Müller konzipiert worden ist. Inzwischen wendet er sich gegen die These, der Glaube an eine vom Schöpfer vorgegebene Vernunft bedürfe einer methodisch autonom eruierten Begründung[3] Seine Gegenthesen lauten: (1) Liebe ist nicht deshalb wahr, weil sie einem vorgefassten Begriff letztgültigen Sinns entspricht; sie rechtfertigt sich selbst. – (2) Wenn die trinitarische Liebe des christlich geglaubten Gottes der Ursprung alles Wirklichen ist, ist deren Adressat, der Mensch, in eben dem Maße er selbst (vernünftig und frei), in dem er der Liebe glaubt. – (3) Wer glaubt, dass der Schöpfer alles Wirklichen die Liebe des trinitarischen (in Christus offenbaren) Gottes ist, verlagert den Ausgangspunkt seines Erkennens und Verstehens aus dem eigenen (transzendental argumentierenden) Ich heraus in den Ursprung alles Wirklichen.[4] Menkes 2008 publizierte Christologie trägt den Titel „Jesus ist Gott der Sohn“; sie versteht sich als Antwort auf jede existenzialistische, anthropozentrische oder politische Reduktion des Erlösers auf einen bloßen Katalysator (Bultmann), „Sachwalter“ (Küng) oder Befreier (Boff). Menkes Christologie wird im „Jesus-Buch“ des Papstes Benedikt XVI. als „großer Entwurf“ gewürdigt.[5] Inspiriert von dessen eigenen Arbeiten zum Begriff der ‚Stellvertretung‘, hat Menke schon seine Habilitationsschrift der Frage gewidmet, was Jesus Christus vor ca. zweitausend Jahren für alle Menschen aller Zeiten vollbracht hat. Mit der Beantwortung dieser Frage – so betont der Autor – steht oder fällt das „Wesen des Christentums“. Von daher erklärt sich der Titel des Sammelbandes „Das unterscheidend Christliche“, in dem der Autor die Kriterien des Christseins bestimmt und geschichtlich zu zeigen versucht, welche Folgen ein Abweichen von diesen Kriterien hat. Aus seiner Sicht kann es eine Versöhnung z. B. zwischen katholischem und protestantischem Christentum nur geben, wenn die Kirche als von Christus selbst untrennbares „Sakrament“ verstanden wird. Nur dann, so argumentiert er, gibt es ein Kriterium der Auswahl und Interpretation heiliger Schriften und ein Kriterium der Treue zum Ursprung. Menkes in viele Sprachen übersetzte und mehrfach neu aufgelegte Monographie mit dem Titel „Sakramentalität. Wesen und Wunde des Katholizismus“ ist seine meistgelesene Publikation. Den Diskussionen, die durch sie ausgelöst wurden, hat er auch sein jüngstes Werk gewidmet. Es trägt den bezeichnenden Titel: „Inkarnation. Das Ende aller Wege Gottes“.

Ehrungen

  • 1968 Auszeichnung des Abiturs mit dem Winkler-Preis der Stadt Rheine
  • 1980 Auszeichnung der Promotionsschrift mit dem „Premio Malepiero“ der italienischen G-Verlage
  • 2001: Wahl zum ordentlichen Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste (Klasse für Geisteswissenschaften)
  • 2015 Überreichung einer Festschrift zum 65. Geburtstag: Die Wahrheit ist Person. Brennpunkte einer christologisch gewendeten Dogmatik
  • 2017 Auszeichnung mit dem „Premio Ratzinger“ (in Rom überreicht durch Papst Franziskus am 18. November 2017)[6]

Schriften

  • Vernunft und Offenbarung nach Antonio Rosmini. Der apologetische Plan einer christlichen Enzyklopädie (ITS 5), Innsbruck/Wien/München 1980, ISBN 3-7022-1353-8.
  • Brücken zu Christus, Innsbruck/Wien 1986, ISBN 3-7022-1612-X.
  • (Hg.), Argumente für Gott. Gottdenker von der Antike bis zur Gegenwart. Ein Autoren-Lexikon, Freiburg 1987.
  • Die Einzigkeit Jesu Christi im Horizont der Sinnfrage (Kriterien 94), Einsiedeln/Freiburg: Johannes Verlag 1995, ISBN 978-3-89411-331-5.
  • Stellvertretung. Schlüsselbegriff christlichen Lebens und theologische Grundkategorie, Einsiedeln-Freiburg: Johannes-Verlag, 2. Aufl. 1997. (1991), ISBN 978-3-89411-300-1.
  • Antonio Staglianò (Hg.), Credere Pensando. Domande della teologia contemporanea nell’orizzonte del pensiero di Antonio Rosmini. Atti del convegno tenuto a Rovereto il 3-4-5 maggio 1995 (Bibliotheca Rosminiana 7) Brescia (Casa Editice Morcelliana) 1997, ISBN 88-372-1626-2.
  • Der Gott, der jetzt schon Zukunft schenkt. Plädoyer für eine christologische Theodizee, in: Harald Wagner (Hg.), Mit Gott streiten. Neue Zugänge zum Theodizee-Problem, Freiburg: Herder 1998, ISBN 978-3-451-02169-5.
  • Antonio Autiero (Hg.), Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft – A. Rosmini, J. H. Newman, M. Blondel und R. Guardini, Münster 1999, ISBN 3-8258-4178-2.
  • Fleisch geworden aus Maria. Die Geschichte Israels und der Marienglaube der Kirche, Regensburg: Friedrich Pustet 1999, ISBN 978-3-7917-1665-7.
  • Handelt Gott, wenn ich ihn bitte? (Topos plus, Taschenbuch 331), Regensburg: Friedrich Pustet, 2. Auflage 2001 (2000), ISBN 978-3-7867-8331-2.
  • Das Kriterium des Christseins. Grundriss der Gnadenlehre, Regensburg: Friedrich Pustet 2003, ISBN 978-3-7917-1729-6.
  • „... und ist Mensch geworden“. Predigten und Fürbitten zur Advents- und Weihnachtszeit, Regensburg: Friedrich Pustet 2005, ISBN 978-3-7917-1973-3.
  • Die Frage nach dem Wesen des Christentums. Eine theologiegeschichtliche Analyse (Veröffentlichungen der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, G 395), Paderborn: Ferdinand Schöningh 2005, ISBN 978-3-506-72888-3.
  • Jesus ist Gott der Sohn. Denkformen und Brennpunkte der Christologie, Regensburg: Friedrich Pustet 2008, ISBN 978-3-7917-2115-6.
  • Der Leitgedanke Josef Ratzingers: Die Verschränkung von vertikaler und horizontaler Inkarnation (Veröffentlichungen der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, G 415), Paderborn: Ferdinand Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76567-3.
  • Die Diagnose und Bekämpfung des Bösen. Epiphänomen der Natur oder Ausweis formal unbedingter Autonomie?, in: Bernd J. Claret: Theodizee. Das Böse in der Welt, Darmstadt: WBG 2008, ISBN 978-3-534-19049-2.
  • Sakramentalität: Wesen und Wunde des Katholizismus, Regensburg: Friedrich Pustet 2012, ISBN 978-3-7917-2425-6.
  • Das unterscheidend Christliche. Beiträge zur Bestimmung seiner Einzigkeit, Regensburg: Friedrich Pustet 2015, ISBN 978-3-7917-2663-2.
  • Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr? Eine Streitschrift, Regensburg: Friedrich Pustet 2017, ISBN 978-3-7917-2915-2.
  • Inkarnation: Das Ende aller Wege Gottes, Regensburg: Friedrich Pustet 2021, ISBN 978-3-7917-3289-3.

Literatur

  • Georg Bätzing, Karl-Heinz Menke (Die Annahme der Gnade als Mitvollzug der Erlösung), in: Ders., Kirche im Werden (Trierer Theologische Studien 56), Trier 1996, 217-226.
  • Christof Gestrich, Karl-Heinz Menke und Martin Bieler über Stellvertretung, in: Ders., Christentum und Stellvertretung, Tübingen (Mohr/Siebeck) 2001, 105-120.
  • Bernd Oberdorfer, „Ohne uns?“ Rhapsodische Anmerkungen zu Karl-Heinz Menkes Frontalangriff auf die lutherische Rechtfertigungslehre, in: Cath(M) 63 (2009) 73-80.
  • Michael Schulz, Karl-Heinz Menkes Trinitätstheologie als „Begriff“ der Selbst-Offenbarung Gottes, in: Die Wahrheit ist Person, hg. v. Magnus Lerch, Regensburg 2015, 47-72.
  • Klaus von Stosch, Jesus als Gott der Sohn? Eine Auseinandersetzung mit der Christologie von Karl-Heinz Menke, in: Die Wahrheit ist Person, hg. v. Magnus Lerch, Regensburg 2015, 129-149.
  • Thomas Peter Fößel, Gottes sakramental wirksame Wirklichkeit. Beobachtungen zum Theoriestatus des Gott-Welt-Mensch-Verhältnisses im Theologiekonzept von Karl-Heinz Menke, in: Die Wahrheit ist Person, hg. v. Magnus Lerch, Regensburg 2015, 272-303.
  • Bernd J. Claret, Zu Karl-Heinz Menkes Option im gegenwärtigen Theodizee-Diskurs und einer der christlichen Theologie inhärenten Gefahr, in: Die Wahrheit ist Person, hg.v. Magnus Lerch, Regensburg 2015, 327-353.
  • Nicolás Massmann, Karl-Heinz Menke, in: Ders., La muerte de Cristo como sacrificio de espiación, Frankfurt 2016, 284-290.
  • Magnus Striet, Ernstfall Freiheit. [Eine Erwiderung auf: Karl-Heinz Menke, Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr?], Freiburg 2018.
  • Magnus Striet, Wahrheit und Gewissen bei Menke, in: Ders., Für eine Kirche der Freiheit, Freiburg 2022, 48-55.
  • Felix Arens, Frei vor Gott? Eine Analyse der systematisch-theologischen Kontroverse zwischen Karl-Heinz Menke und Magnus Striet (Pontes 73), Münster 2022.

Einzelnachweise

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