Internationale Theologische Kommission

Offizielles Gremium katholischer Theologen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die päpstliche Internationale Theologische Kommission (ITK), bisweilen auch Internationale Theologenkommission (italienisch Commissione Teologica Internazionale, lat.: Commissio Theologica Internationalis, CTI) wurde auf Anregung der ersten Bischofssynode von 1967 im Jahr 1969 in Rom durch Papst Paul VI. eingerichtet. Sie begleitet das lehramtliche Wirken des Papstes und die Arbeit des Dikasteriums für die Glaubenslehre.

Zusammensetzung und Aufgaben

Der Papst beruft die Mitglieder der Kommission für jeweils fünf Jahre und stellt ihr bestimmte Arbeitsaufgaben. Die Mitglieder sollen „aus verschiedenen Schulen und Nationen“ kommen und „sich durch ihr Wissen, ihre Klugheit und ihre Treue gegenüber dem Lehramt der Kirche auszeichnen.“[1] Es können bis zu 30 Mitglieder berufen werden, die sich mindestens einmal im Jahr für eine Woche treffen müssen. Präsident der ITK ist stets der Präfekt der Glaubenskongregation. Generalsekretär ist seit 2021 der italienische Theologe Piero Coda.

Wesentlicher Zweck der Kommission ist die theologische Begleitung des lehramtlichen Wirkens des Papstes und der Bischöfe. Sie studiert und diskutiert aktuelle theologische Fragen von großer Bedeutung in internationaler Perspektive. Die Ergebnisse der Studien werden veröffentlicht. Die ITK hat derzeit (2026) 28 Mitglieder (davon 2 verstorben), darunter fünf Frauen.

Die Arbeit der ITK wird durch das Motu Proprio Tredecim anni und die darin enthaltenen Statuten von 1982 geordnet.

Auseinandersetzung mit der Befreiungstheologie

Die Theologenkommission setzte sich seit 1974 mit der Befreiungstheologie auseinander, die von den Kommissionsmitgliedern überwiegend abgelehnt wurde. Im Oktober 1976 beschäftigte die CTI sich auf ihrem jährlichen Treffen in Rom, an dem u. a. Hans Urs von Balthasar und Karl Lehmann teilnahmen,[2] mit dem Thema.[3] Die darauffolgende Erklärung Zum Verhältnis von menschlichem Wohl und christlichem Heil,[4] mit der sie im August 1977 an die Öffentlichkeit trat, erregte Aufsehen und führte zur harten Linie der Glaubenskongregation gegenüber dieser theologischen Schule in den 1980er Jahren. Die Erklärung ging davon aus, dass die Befreiungstheologie zwischen materiellem Wohlergehen und spirituellem Heil in einer stets schon feststehenden Weise zueinander ins Verhältnis setze. Das Verhältnis müsse jedoch prinzipiell offen und unbestimmt bleiben.

Von Seiten der Befreiungstheologie wurde kritisch angemerkt, dass kein einziger Befreiungstheologe dem Gremium angehörte, wohl aber ein erklärter Gegner der Befreiungstheologie wie Bonaventura Kloppenburg.[3] Die Brüder Leonardo und Clodovis Boff schrieben zu der Erklärung, sie bleibe „unterhalb des Niveaus, das man berechtigterweise von einem so qualifizierten Gremium hätte erwarten können.“[5]

Theologische Gutachten

Seit 1969 hat die Kommission folgende Gutachten herausgebracht:

  1. Überlegungen zu Zielsetzung und Methoden der Kommission (1969)
  2. Das katholische Priestertum (1970)
  3. Einheit des Glaubens und theologischer Pluralismus (1972)
  4. Die Apostolizität der Kirche und die apostolische Sukzession (1973)
  5. Die christliche Moral und ihre Normen (1974)
    A) Die „neun Thesen“ von Hans Urs von Balthasar
    B) Die „vier Thesen“ von Heinz Schürmann
  6. Lehramt und Theologie (1975)
  7. Menschliches Wohl und christliches Heil (1976)
  8. Die katholische Lehre über das Sakrament der Ehe (1977)
  9. Ausgewählte Fragen zur Christologie (1979)
  10. Theologie, Christologie, Anthropologie (1981)
  11. Versöhnung und Buße (1982)
  12. Würde und Rechte der menschlichen Person (1983)
  13. Ausgewählte Themen der Ekklesiologie zum 20. Jahrestag nach Abschluss des II. Vatikanischen Konzils (1984)
  14. Jesu Selbstbewusstsein und seine Sendung (1985)
  15. Glaube und Inkulturation (1988)
  16. Die Interpretation der Dogmen (1990)
  17. Einige aktuelle Fragen der Eschatologie (1992)
  18. Gott der Erlöser. Zu einigen ausgewählten Fragen (1995)
  19. Das Christentum und die Religionen (1997)
  20. Erinnern und Versöhnen: Die Kirche und die Verfehlungen in ihrer Vergangenheit (2000)
  21. Das Diakonat. Entwicklung und Perspektiven (2002)
  22. Gemeinschaft und Dienstleistung: Die menschliche Person – geschaffen nach dem Bilde Gottes (2004)
  23. Die Hoffnung auf Rettung für ungetauft gestorbene Kinder (2007)
    Dieses Gutachten zum Limbus wurde von breiten Kreisen der Gesellschaft wahrgenommen und von den Medien als „Abschaffung des Fegefeuers“ fehlinterpretiert.
  24. Auf der Suche nach einer universalen Ethik: ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz (2009)
  25. Theologie heute. Perspektiven und Kriterien (2012)
  26. Der Dreifaltige Gott, Einheit der Menschen. Der christliche Monotheismus gegen die Gewalt (2014)
  27. Sensus fidei im Leben der Kirche (2014)
  28. Die Synodalität in Leben und Sendung der Kirche (2018)
  29. Religionsfreiheit zum Wohle aller (2019)
  30. Die Reziprozität zwischen Glaube und Sakramenten in der sakramentalen Heilsordnung (2020)
  31. Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser – 1700. Jahrestag des ökumenischen Konzils von Nizäa (325–2025) (2025)
  32. Quo vadis, humanitas? Die christliche Anthropologie im Licht einiger zukünftiger Szenarien der Menschheit denken (2026)

Mitglieder

1. Quinquennium (1. Mai 1969 – 1. August 1974)

2. Quinquennium (1. August 1974 – 12. August 1980)

Louis Bouyer akzeptierte die Ernennung aus persönlichen Gründen nicht und wurde durch Edouard Dhanis ersetzt.

3. Quinquennium (12. August 1980 – 23. Mai 1986)

4. Quinquennium (23. Mai 1986 – 3. Juli 1992)

5. Quinquennium (3. Juli 1992 – 10. Oktober 1997)

Ernennung am 19. November 1992

6. Quinquennium (10. Oktober 1997 – 9. Februar 2004)

7. Quinquennium (9. Februar 2004 – 19. Juni 2009)

8. Quinquennium (19. Juni 2009 – 23. September 2014)

9. Quinquennium (23. September 2014 – 2020)

  • Serge-Thomas Bonino OP, französischer Theologe, Generalsekretär
  • Terwase Henry Akaabiam, Nigeria
  • Prudence Allen RSM, USA
  • Alenka Arko, Gemeinschaft Loyola, Russland/Slowenien
  • Antônio Luiz Catelan Ferreira, Brasilien
  • Piero Coda, Italien
  • Lajos Dolhai, Ungarn
  • Peter Dubovský SJ, Alttestamentler, Bratislava, Slowakei
  • Mario Angel Flores Ramos, Mexiko
  • Carlos María Galli, Argentinien
  • Krzysztof Góźdź, Polen
  • Gaby Alfred Hachem, Libanon
  • Thomas Kollamparampil CMI, Indien
  • Koffi Messan Laurent Kpogo, Togo
  • Oswaldo Martínez Mendoza, Kolumbien
  • Moira Mary McQueen, Kanada/Großbritannien
  • Karl-Heinz Menke, Dogmatikprofessor, Universität Bonn, Deutschland
  • John Junyang Park, Korea
  • Bernard Pottier SJ, Belgien
  • Javier Prades López, Spanien
  • Tracey Rowland, Australien
  • Héctor Gustavo Sánchez Rojas SCV, Peru
  • Marianne Schlosser, Universität Wien, Österreich
  • Nicholaus Segeja M'hela, Tansania
  • Pierangelo Sequeri, Italien
  • Željko Tanjić, Kroatien
  • Gerard Francisco P. Timoner III OP, Philippinen
  • Gabino Uríbarri Bilbao SJ, Spanien
  • Philippe Vallin, Frankreich
  • Thomas G. Weinandy OFMCap, USA

10. Quinquennium (29. September 2021 – 2026)

(Quelle: [6])

  • Piero Coda, Professor für systematische Theologie am Istituto Universitario „Sophia“ in Loppiano, Generalsekretär
  • Edouard Adé, Präsident der Université Notre Dame d’Afrique, Burkina Faso
  • Alenka Arko, Gemeinschaft Loyola, Russland/Slowenien
  • Yury Avvakumov, Professor für Theologie und Christumsgeschichte an der University of Notre Dame, USA
  • Antônio Luiz Catelan Ferreira, Brasilien
  • Alberto Cozzi, Präsident des Istituto Superiore di Scienze Religiose in Mailand, Italien
  • Peter Dubovský SJ, Alttestamentler, Bratislava, Slowakei
  • Jorge José Ferrer SJ († 2024), Direktor der Abteilung für Theologie der Päpstlichen Katholischen Universität von Puerto Rico
  • Mario Angel Flores Ramos, Mexiko
  • Simon Francis Gaine OP, Professor für Theologische Anthropologie und Ethik an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin, Rom
  • Carlos María Galli, Argentinien
  • Gaby Alfred Hachem, Libanon
  • Reinhard Hütter, Professor für Theologie an der Katholischen Universität von Amerika in Washington, D.C., USA
  • Marek Jagodziński († 2025), Professor für orthodoxe Theologie an der Katholischen Universität Lublin Johannes Paul II., Polen
  • Thomas Kollamparampil CMI, Indien
  • Víctor Ronald La Barrera Villarreal, Vizerektor des Centro Bíblico Teológico Pastoral para América Latina y el Caribe in Bogotá, Kolumbien
  • Karl-Heinz Menke, em. Dogmatikprofessor, Universität Bonn, Deutschland
  • Isabell Naumann ISSM, Präsidentin des Catholic Institute of Sydney, Australien
  • Josée Ngalula RSA, Professorin für Dogmatik an der Université Catholique du Congo in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo
  • John Junyang Park, Korea
  • Bernard Pottier SJ, Belgien
  • Javier Prades López, Spanien
  • Marianne Schlosser, em. Professorin für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien, Österreich
  • Nicholaus Segeja M'hela, Tansania
  • Gabino Uríbarri Bilbao SJ, Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Universität Comillas, Spanien
  • Philippe Vallin, Frankreich
  • Étienne Vető ICN, Professor für Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rom
  • Robin Darling Young, Professorin für Kirchengeschichte an der Katholischen Universität von Amerika in Washington, D.C., USA

Präsidenten

Generalsekretäre

Beigeordnete Sekretäre

Literatur und Dokumente

Einzelnachweise

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