Karl Imig
deutscher Jurist
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Karl Imig (* 20. November 1895 in Sulzbach/Saar; † 1. September 1954 in Saarbrücken) war ein deutscher Richter. Er war in der Zeit des Nationalsozialismus Landgerichtsdirektor und Richter am Sondergericht Saarbrücken. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er im Saarland unter französischen Protektorat ab 1952 Senatspräsident am Oberlandesgericht Saarbrücken und von Februar 1954 bis zu seinem Tod Präsident des Oberlandesgerichts.
Leben
Karl Imig war der Sohn des evangelischen Pfarrers Karl Peter Imig (1864–1939), des späteren Superintendenten von St. Johann,[1] und dessen Ehefrau Klara Schaffberg (* 1876). Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften und legte am 19. Dezember 1918 in Köln die erste juristische Staatsprüfung ab. Nach dem Referendariat am Amtsgericht Sulzbach/Saar folgte am 8. Oktober 1923 in Berlin das Große juristische Staatsexamen mit der anschließenden Berufung zum Gerichtsassessor im Auswärtigen Amt. Zum 1. November 1925 wechselte er in den Justizdienst der damals unter Völkerbundmandat stehenden Freien Stadt Danzig und wurde Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Danzig. Mit Jahresbeginn 1927 wurde er zum Landgerichtsrat in Danzig ernannt.
Zum 1. April 1932 folgte der Wechsel in das preußische Kultusministerium in Berlin, wo er zum Ministerialrat ernannt wurde. Am 1. Oktober 1933 kehrte er in den Justizdienst zurück und wurde Landgerichtsdirektor in Hannover. Bereits nach einem Monat folgte die Abordnung als Landgerichtsrat zum Landgericht Saarbrücken im ebenfalls unter Völkerbundmandat stehenden Saargebiet. Imig war politisch aktiv und trat der Deutschen Front bei, die für den Abstimmungskampf im Vorfeld der Volksabstimmung im Saargebiet 1935 gegründet wurde und die Kräfte des bürgerlichen und nationalen Lagers bündeln sollte, die für den Anschluss an Deutschland eintraten.
Nach der Rückgliederung des Saargebiets an das mittlerweile von den Nationalsozialisten beherrschte Deutsche Reich wurde Imig am 16. April 1935 zum Landgerichtsdirektor ernannt. Die Deutsche Front ging im Gau Saarpfalz der NSDAP auf, der Imig zum 1. November 1935 beitrat (Mitgliedsnummer 6.925.559).[2] Außerdem wurde er Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten und im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund. Zum 1. April 1936 wurde er Mitglied im Reichsluftschutzbund, im Verein für das Deutschtum im Ausland und im Reichskolonialbund.
Neben seiner Tätigkeit als Landgerichtsdirektor war Imig auch Richter am Sondergericht Saarbrücken, das für Aufgaben der „politischen Strafrechtspflege“ und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs für die Anwendung des Kriegsstrafrechts zuständig war. Die NS-Sondergerichte gelten „als Paradebeispiele für ideologische Strafjustiz“. Imig wirkte u. a. an Verfahren gegen ausländische Zivil- bzw. Zwangsarbeiter mit, denen Diebstahl von Schuhen, Kleidung und Arzneimitteln vorgeworfen wurde. Nach der „Verordnung gegen Volksschädlinge“ verurteilte das Sondergericht unter Imigs Vorsitz zwei der Angeklagten zum Tode – die Urteile ergingen weniger als 24 Stunden nach der Festnahme.[3]
Nachdem seine politische Haltung überprüft worden war, wurde Imig 1948 im damals autonomen, unter französischem Protektorat stehenden Saarland wieder in den Justizdienst aufgenommen und zur Zentralverwaltung abgeordnet. Von 1949 bis 1952 hatte er einen Lehrauftrag an der neugegründeten Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes, die zunächst von französischen Professoren dominiert wurde. Dort hielt Imig u. a. Vorlesungen zum deutschen Recht.[4] Am 17. März 1952 wurde er zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Saarbrücken und am 15. Februar 1954 zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Saarbrücken ernannt. Sechs Monate später starb Imig.
Weblinks
- Imig, Karl in der Datenbank Saarland Biografien