Karl Julius Grätz
hessischer Kunstmaler
From Wikipedia, the free encyclopedia
Karl Julius Grätz (* 4. April 1843 in Frankfurt am Main; † 27. November 1912 ebenda) war ein deutscher Maler, der überwiegend in Frankfurt am Main tätig war.
Leben
Karl Julius Grätz studierte bis 1864 am Frankfurter Städelschen Kunstinstitut (Städelschule) u. a. bei Edward von Steinle (1810–1886). Danach reiste er nach Paris, Berlin und Italien, u. a. nach Mailand, Venedig und Ravenna. Ab 1870 war der 27-Jährige wieder in Frankfurt am Main ansässig und heiratete hier Maria Eva Kraft. Er war seit 1884 Mitglied der Frankfurter Freimaurerloge Carl zum aufgehenden Licht.
Der Sohn Georg Friedrich genannt Fritz Graetz (* 1875 Frankfurt am Main; † 1915 gefallen in Serbien) wurde ebenfalls Maler – als Schüler der Frankfurter Städelschule bei Heinrich Hasselhorst (1825–1904) und Frank Kirchbach (1859–1912) sowie später an der Münchner Kunstakademie bei Carl von Marr (1858–1936). Nur wenige seiner Arbeiten sind erhalten und wurden z. B. durch das Auktionshaus Zeller in einer Internationalen Bodensee-Kunstauktionen (128-Alte Gemälde und Zeichnungen) angeboten. Fritz starb drei Jahre nach dem Tod seines Vaters als Soldat im Ersten Weltkrieg.
Karl Julius Grätz wurde bekannt durch seine Kirchenausmalungen, u. a. im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt, in der Stadtkirche in Kronberg im Taunus und in der Stadtkirche in Bamberg. Es waren jedoch nicht ausschließlich Sakralbauten, die er mit seiner Malerei ausgestaltete. Bald wurde er auch unter Restaurant-, Wein- und Bierstuben-Besitzern wegen seines Talents für satirische Darstellungen bekannt. Zu seinen Werken in Frankfurt gehörten z. B. 1881 die Ausmalungen der Weinstube des vom Frankfurter Architekten Otto Lindheimer für Schulz & Wagner erstellten Gasthauses „Zum Prinzen von Arkadien“ an der Alten Rozhhofstraße, die Ausmalungen des Bierlokals des 1882 nach Plänen vom Architekten Paul Wallot neu erbauten Gasthauses „Stadt Ulm“, Schäfergasse 9, und des Cafés Kaisergarten, Am Opernhaus.[1] In Neckargemünd malte er Wanddekorationen in der Griechischen Weinstube des Weingroßhändlers Julius Menzer. Besonderen lokalen Ruhm gewann er durch seine Deckenausmalungen in der Frankfurter Paulskirche, seine Deckensanierung des Kaisersaales im Römer, sowie sein heute noch existierendes Großmosaik mit der Darstellung des Erzengel Michael mit dem Kreuzesschild im siegreichen Kampf mit dem Lindwurm am Rathausturm „Langer Franz“.
Im Frankfurter Kaiserdom, an der Nordwand des Chors, hat sich am Sakramentshaus mit Atzmann seine Arbeit von 1885 an der Fassung der dortigen Sakralraumskulptur erhalten.[2]
- Ausmalung des Treppenhauses von Schloss Lieser, 1887
- Deckenausmalung in der Frankfurt Paulskirche, 1892/1893 (im Krieg zerstört)
- Decke des Kaisersaales im Römer, 1903 (im Krieg zerstört)
- Rathausturm mit Großmosaik des Erzengels Michael
- Restaurierung der Gemälde der Kaisertreppe im Römer
- Ansicht von Burg Kronberg im Taunus
Werk
In der Literatur wird als seine markanteste Arbeit der Deckenausmalung mit Bildern der vier Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel und mit 16 betenden Engeln in der Frankfurter Paulskirche von 1892/1893 herausgestellt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Er wurde 1903 u. a. mit der Renovierung der gewölbten Decke des Kaisersaals im Römer entsprechend dem damaligen historistischen Zeitgeschmack nach den Entwürfen des renommierten Berliner Bildhauers Fritz Schaper (1847–1919) beauftragt. Die monumentale und eigentümliche Wirkung wurde durch eine farbige Ornamentation mittels eines gewaltigen doppelköpfigen Reichsadlers mit Reichskrone und goldenem Vlies hervorgehoben.[3] Auch dieses Werk wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, beim Wiederaufbau verzichtete man auf eine Wiederherstellung.
Sein größtes, heute noch erhaltenes sichtbares Werk befindet sich an der westlichen Seite des Neuen Rathausensembles an der Ecke Bethmannstraße / Buchgasse am Rathausturm „Langer Franz“. Hier schuf der damals 59-jährige Grätz 1902 in historistisch-byzantinischer Tradition ein Großmosaik mit der Darstellung des Erzengels Michael mit dem Kreuzesschild im siegreichen Kampf mit dem Lindwurm.
Durch Vermittlung des Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt, dem Architekten des 1884–1887 erbauten Schlosses Lieser nahe Bernkastel-Kues, wurde Karl Julius Grätz mit der Ausmalung des zentralen Treppenhauses und der Schlosskapelle mit großflächigen Wandmalereien beauftragt, auf denen er viele bekannte Baudenkmäler der Moselregion dargestellte. Nach fachgerechter Restaurierung erstrahlen diese Werke heute im neuen Glanz.
Im Auftrag der Kaiserwitwe Victoria, genannt „Kaiserin Friedrich“, malte er Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit dem Kronberger Hofdekorationsmaler Jakob Hembus (1872–1949) den sogenannten Wappensaal der Burg Kronberg aus. Dieses Werk wurde 2015/2016 umfassend und aufwändig restauriert.
1885 stellte er im Auftrag der Stadt Frankfurt die knapp 100 Jahre zuvor übertünchten Gemälde wie das Deckenfresko des Schweizer Malers Giovanni Battista Innocenzo Colombo (1717–1801) wieder her, das dieser als 24-Jähriger 1741 in nur vier Wochen im Auftrag von Kaiser Karl VII. an der Kaisertreppe im Römer mit dem Motiv Der Sieg der Tugend über die Untugend schuf. Das Übertünchen war dem aufkommenden Zeitgeschmack des Klassizismus geschuldet. Diese erfolgreiche, allseits geschätzte Renovierungsarbeit von Karl Julius Grätz ging im Zweiten Weltkrieg unter.
Im Auftrag des erfolgreichen Mannheimer Weingroßhändlers und griechischen Konsuls Julius Menzer (1845–1917) malte er dessen neue Weinstube in Frankfurt-Bockenheim, Leipziger Straße 31/32, mit griechischen Landschaften aus.[4] Von diesem Auftrag hat sich sein Werk Zug der Künstler nach Frankfurt, ein Aquarell mit Tusche auf Papier, unten links signiert und datiert: „J Grätz im December 1862“, Maße 22,2 cm × 53,7 cm, erhalten und wurde im Kunsthandel angeboten.[5]
- Liebe und Rausch, Öl auf Leinwand, 41,5 cm × 80 cm; rechts unten signiert und datiert mit Karl J. Grätz[6]
- Zwei Szenen aus Falstaff, Öl auf Leinwand, doubliert, 110 cm × 155 cm, rechts unten signiert K. J. Grätz sowie rechts unten bezeichnet „C. Grätz inv.“. Dieses Gemäldepaar entstand aus einem Zyklus von Shakespeare-Themen im Auftrag der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft für die Villa Belmonte bei Eltville am Rhein, dem damaligen Sitz der Gesellschaft.[7]
- Szene aus der Barbarossa-Sage, 28 cm × 75 cm; colorierte Tuschfeder- und Bleistiftzeichnung, weiß gehöht; rechts unten signiert Karl J. Grätz, rückseitig mit dem Nachlassstempel des deutschen Malers und Hochschullehrers Wilhelm Amandus Beer (1837–1907)[8]
Literatur
- Grätz, Karl Julius. In: Ulrich Thieme, Fred. C. Willis (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 14: Giddens–Gress. E. A. Seemann, Leipzig 1921, S. 479–480 (Textarchiv – Internet Archive).
- Grätz, Karl Julius. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 55, Saur, München u. a. 2007, ISBN 978-3-598-22795-0, S. 56.