Karl Schradi
deutscher Fußballspieler
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Karl Schradi (* 11. August 1925 in Pforzheim; † unbekannt) war ein deutscher Fußballspieler. Der Offensivspieler hat für Holstein Kiel von 1952 bis 1954 in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Nord 50 Ligaspiele absolviert und neun Tore erzielt.[1] Als Holstein Kiel 1953 als Vizemeister der Oberliga Nord an der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft teilgenommen hatte, war Schradi als Flügelstürmer im damaligen WM-System in allen sechs Gruppenspielen für die „Störche“ dabei aufgelaufen und hatte zwei Tore erzielt.[2] Vor und nach den zwei Kieler Jahren hat der Angreifer beim 1. FC Pforzheim über Jahre in der 2. Liga Süd gespielt.
Karriere
Beginn in der Landesliga Nordbaden und 2. Liga Süd, bis 1952
Der spätere Filigrantechniker und Flügelflitzer hatte beim FC Nordstern Pforzheim das Einmaleins am runden Leder gelernt und war dann mit seinem Freund Günter Rau 1948 vom VfR Pforzheim ins Stadion im Brötzinger Tal zum 1. FC Pforzheim gewechselt. Mit dem VfR aus dem Holzhofstadion hatten die zwei Angreifer 1947/48 die Meisterschaft in der Landesliga Nordbaden Gruppe Süd errungen, waren aber in der Qualifikation zur Oberliga Süd an Amicitia Viernheim gescheitert.[3] Im ersten Jahr beim „Club“, 1948/49, war Schradi als Alleinunterhalter am rechten Flügel maßgeblich am Titelgewinn des FCP beteiligt. Mit fünf Punkten Vorsprung wurde die Meisterschaft vor dem Oberligaabsteiger VfL Neckarau errungen. Unter Trainer Willi Walther hatten Torhüter Kurt Müller, die Abwehrspieler Fritz Kastner, Hans Müßle, Mannschaftskapitän Max Burkhardt, Fritz Woll und im Angriff Richard Fix, Karl Schradi, Günter Rau, Otto Vogt, Rolf Hees und Hugo Ganzhorn wesentlichen Anteil.[4]
In der Aufstiegsrunde zur Oberliga Süd setzte sich aber überlegen die SpVgg Fürth mit 11:1 Punkten durch und der FCP belegte mit 4:8 Zählern den 3. Rang. In Fürth wurde das Spiel gegen die Spielvereinigung 3:7 verloren, aber im Heimspiel am 5. Juni mit 1:1 ein Punkt abgerungen. Rau hatte den Ausgleichstreffer nach Vorlage von Schradi erzielt. In seiner zweiten Saison beim FCP, 1949/50, belegte Schradi mit seinen Mannschaftskollegen hinter Meister und Oberligaaufsteiger Neckarau den 2. Rang und war damit für die ab 1950/51 startende 2. Liga Süd qualifiziert. Im Debütjahr der 2. Liga belegte der FCP den 6. Rang; gegen Meister Stuttgarter Kickers wurde das Auswärtsspiel am 10. September 1950 mit 3:6 verloren, wobei der FCP-Rechtsaußen Schradi zwei Tore erzielte und das Rückspiel am 21. Januar 1951 mit 4:1 gewonnen und sich dabei Günter Rau als vierfacher Torschütze auszeichnete. Im zweiten Jahr, 1951/52, belegte Schradi mit seinem Verein in der 2. Liga Süd den 4. Rang. Nach dem Einzug in die 2. Liga wurde von Experten der Angriff aus dem Brötzinger Tal mit Rau, Schradi und Vogt zu den gefährlichsten Waffen der Pforzheimer gezählt.[5]
Da der bisherige Trainer des VfB Mühlburg, Hans Tauchert, ab der Saison 1952/53 Holstein Kiel in der Oberliga Nord übernahm, wurden auf seine Empfehlung die Spieler Bernd Oles (VfB Mühlburg), Emil Maier (Kickers Offenbach) und Karl Schradi (1. FC Pforzheim) ebenso wie Emil Schildt (ASV Bergedorf 85) und Jürgen Küchenmeister (TSG Heidelberg) im Sommer 1952 aus Süddeutschland nach Kiel geholt.[6]
Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft, 1953
Zum Rundenstart patzte Kiel mit einer 0:8-Auswärtsschlappe bei Concordia Hamburg aber total, die nächsten zwei Heimspiele gegen den Bremer SV und Altona 93 brachten die Störche mit 6:1 und 4:1 wieder in die richtige Spur. So standen die Kieler nach neun Spielen mit 11:7 Zählern und dem zweitbesten Angriff der Liga in der Spitzengruppe. Der Neuzugang aus Pforzheim, Flügelflitzer und Flankengeber Karl Schradi, lief in Kiel zumeist am linken Flügel auf. So auch am letzten Spieltag der Hinrunde, den 14. Dezember 1952, beim Spitzenspiel am Rothenbaum gegen den Hamburger SV. Mit zwei Punkten Rückstand gegenüber Tabellenführer HSV trat Kiel ohne den etatmäßigen Stopper Cornils und in der Angriffsformation mit Karl, Küchenmeister, Maier, Wiendlocha und Schradi gegen die Rothosen an und führte zur Halbzeit bereits völlig überraschend mit 3:0 Toren. Mit zwei Maier-Treffern in der zweiten Halbzeit glückte ein sensationeller 5:0-Auswärtserfolg bei den Rautenträgern und damit übernahm Kiel durch das bessere Torverhältnis, punktgleich mit dem HSV, die Tabellenführung und errang die Herbstmeisterschaft. Der Titelverteidiger hatte mit 36 Gegentreffern ein offensichtliches Defensivproblem; dies trotz Leistungsträgern wie Jupp Posipal, Fritz Laband und Franz Klepacz.
Nach der kurzen Winterpause lief es für Holstein dann aber nicht mehr so gut und erst mit den vier Punkten gegen Werder Bremen (2:1) und Meister Hamburger SV (3:1) in den letzten zwei Rundenspielen, konnte als norddeutscher Vizemeister der Einzug in die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft gefeiert werden. Die Holstein-Defensive mit Torhüter Peper, dem Verteidigerpaar Gräf und Morgner, sowie der Läuferreihe mit Heinz Grunewald, Stopper Cornils und Bernd Oles stellte mit 38 Gegentreffer den besten Abwehrverbund im Norden dar. Im Angriff ragte Mittelstürmer Emil Maier mit 21 Treffern heraus und wurde in erster Linie von den Kollegen Walter Wiendlocha, Karl Schradi, Bruno Wagner, Harry Karl, Jürgen Küchenmeister und Emil Schildt unterstützt.[7]
Unmittelbar nach Rundenschluss startete die Endrunde am 3. Mai 1953 mit einem Gastspiel im Südweststadion in Ludwigshafen gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die Lauterer traten vor 50.000 Zuschauern mit den späteren Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer an und Cornils dirigierte als Stopper im damaligen WM-System die Abwehr von Holstein. Mit zwei Treffern von Rechtsaußen Erwin Scheffler entschied der Südwestmeister die Begegnung mit 2:1 für sich. Die Kieler ernteten gute Kritiken für ihre Leistung, aber fuhren ohne Punkte zurück nach Kiel. Mit einem Treffer in der 87. Spielminute entschied Hubert Schieth das folgende Heimspiel für die Gäste von Eintracht Frankfurt und mit 0:4 Punkten war die Endrunde für Kiel damit bereits gelaufen. Maier, Schradi und überraschend Linksaußen Ernst Haack hatten alle sechs Endrundenspiele für den KSV bestritten. Am Ende belegte Holstein mit 1:11 Punkten den 4. Rang und es kehrte Ernüchterung in Kiel ein. Zwei Wochen später ging am 24. Juni auch noch das NFV-Pokalendspiel gegen den Hamburger SV mit 2:3 verloren.
Ende in der Oberliga Nord, 1954
Es folgte 1953/54 ein ewiges Auf und Ab und insgesamt deutlich schwächere Leistungen wie in den Jahren zuvor. Vor allem in den Heimspielen verlor die Mannschaft um Torhüter Peper und Stopper Cornils ihre jahrelange Stärke; gerade einmal fünf Heimspiele wurden gewonnen, die bis dahin zweitschlechteste Bilanz der Störche in der Oberliga. Es ging los mit einem 1:6 Debakel im ersten Heimspiel gegen Hannover 96; gut, die Sechsundneunziger entwickelten sich zur Sensationsmannschaft der Runde, gewannen die Nord- und auch sensationell gegen den 1. FC Kaiserslautern die deutsche Meisterschaft. Die Rückrunde entwickelte sich mit zwölf Punkten auf der Habenseite zu einem Jammertal; es war Tristesse angesagt und Trainer Tauchert verabschiedete sich zum 1. FC Saarbrücken und auch die Spieler Oles und Schradi wechselten den Verein. Holstein rangierte mit 29:31 Punkten auf dem 9. Rang, hatte aber mit 68 Gegentoren die meisten Treffer der Oberliga Nord kassiert. Schradi hatte in seinem zweiten Kieler Jahr in 22 Ligaeinsätzen fünf Tore erzielt und kehrte im Sommer 1954 in seine Heimatstadt Pforzheim zum dortigen „Club“ aus dem Brötzinger Tal zurück.
Am 21. November 1953 wurden die Holstein-Spieler Torhüter Peper und Flügelstürmer Schradi in die Auswahl von Norddeutschland (NFV) für das Testspiel gegen die deutsche B-Nationalmannschaft berufen. Beim klaren 5:1-Erfolg der DFB-Elf spielten sie an der Seite von Laband, Schemel (HSV), Tkotz, Geruschke, Werner Müller (Hannover 96), Oberländer, Wozniakowski (Eintracht Braunschweig), Burdenski (Werder Bremen) und Lang (Bremerhaven 93).
Wieder in Pforzheim, 1954 bis 1960
Gemeinsam mit dem aus Karlsruhe zurückgekehrten Freund Günter Rau belegte Schradi 1954/55 hinter Meister TSV 1860 München, Viktoria Aschaffenburg, TSG Ulm 1846 und dem FC Bayern Hof den 5. Rang. Zum Aufstieg in die Oberliga Süd reichte es auch in den nächsten Jahren nicht und der Vertragsspieler rückte nur noch einmal zu Ostern 1959 in die überregionalen Schlagzeilen, als er nach einer Tätlichkeit mehrere Wochen aus dem Spielverkehr gezogen wurde.[8] Nach der Runde 1959/60 hörte Schradi beim FCP als Aktiver auf und betätigte sich noch in Wössingen und Jöhlingen im Karlsruher Amateurfußball als Trainer. Exzellente Pforzheimer Kicker, die eine beträchtliche Wegstrecke mit Schradi gingen, waren Spieler wie Günter Rau, Otto Vogt, Fritz Woll, Adolf Nesper, Walter Grobs, Karl Biedenbach, Berthold Schönthaler und der hünenhafte Eutinger Willi Heinrich.[9]
Er wohnte in Karlsruhe, wo er auch über Jahre eine florierende Gaststätte führte, und hatte regen Kontakt mit der „Alten Garde“ des VfB Mühlburg/Karlsruher SC um Ossi Traub, Georg Seeburger, Max Schwall und Gustav Witlatschil.
Literatur
- Patrick Nawe, Hardy Grüne, Normann Nawe, Raymond Madsen, Christian Jessen, Christian Callsen: 100 Jahre Holstein Kiel. Sportverlag Berlin. ISBN 3-328-00891-8.
- Jens R. Prüß (Hrsg.): Spundflasche mit Flachpaßkorken. Die Geschichte der Oberliga Nord 1947 bis 1963. Klartext Verlag. Essen 1991. ISBN 3-88474-463-1.
- Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Spielerlexikon 1890 bis 1963. Agon Sportverlag. Kassel 2006. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 349.
- Gernot Otto: Träume, Titel und Trophäen. 100 Jahre 1. FC Pforzheim. Badendruck. Karlsruhe 1996. (Hrsg.: 1. FC Pforzheim), S. 87/88.
Weblinks
- Spieler A–Z (Spundflasche), aufgesucht am 27. März 2026