Kastell Rheingönheim
frührömisches Auxiliarlager der älteren Rheinlinie
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Das Kastell Rheingönheim war ein frühkaiserzeitliches Auxiliarlager an der älteren Rheinlinie zwischen den gallischen Provinzen und der Germania magna. Das ehemalige Militärlager liegt als Bodendenkmal auf dem Gebiet von Rheingönheim, einem Stadtteil der kreisfreien Stadt Ludwigshafen am Rhein in Rheinland-Pfalz.
| Kastell Rheingönheim | |
|---|---|
| Limes | ältere Rheingrenze Germania superior |
| Datierung (Belegung) | A) augusteisch/tiberisch (?) B) claudisch, um 43 bis um 73/74 u. Z. (Vicus bis frühes 5. Jahrh.) |
| Typ | A) Legionslager oder Vexillationslager B) Auxiliarkastell |
| Größe | A) 400 m × 600 m = 24 ha B) 187 m × 250 m = 4,67 ha |
| Bauweise | Holz-Erde-Kastell |
| Erhaltungszustand | rechteckige Anlagen, teilüberdecktes Bodendenkmal; Konturen im Luftbild |
| Ort | Ludwigshafen-Rheingönheim |
| Geographische Lage | 49° 26′ 29″ N, 8° 26′ 21,1″ O |
| Höhe | 115 m ü. NHN |
| Vorhergehend | Borbetomagus (nördlich) |
| Anschließend | Noviomagus (südlich) |
| Vorgelagert | Kastelle von Heidelberg (östlich) |

Lage
Das Kastell Rheingönheim gehörte zu einer Kette von Kastellen, die in der frühkaiserlichen Zeit entlang des Rhenus (Rhein) entstanden, um die damalige nordöstliche Grenze des Imperiums zwischen den Gallischen Provinzen und den nicht besetzten Gebieten der Germania magna abzusichern. Rheingönheim lag in diesem Abschnitt der Kastellkette auf einem hochwasserfreien Geländestreifen der Rheinaue an einer verkehrsgeographisch und strategisch günstigen Position des obergermanischen Heeresbezirks. Östlich des Lagers verlief die Römische Rheintalstraße, die Nieder- und Obergermanien über Vindonissa mit dem italischen Mutterland verband. Es galt wohl, die Straße, den Fluss selbst, sowie die damals auf der gegenüber liegenden Rheinseite befindliche Mündung des Nicer (Neckar) zu sichern. Zudem bestand vermutlich ein Rheinübergang in Richtung Altrip, zu dem eine Wegtrasse existiert haben müsste, die aber bis heute nicht sicher nachgewiesen ist.
Heute liegen die nicht sichtbaren Reste des einstigen Lagers im Gewann „Sommerfeld“, einer kleinen, hochwasserfreien Bodenwelle an der südlichen Stadtgrenze von Ludwigshafen, nur wenige hundert Meter östlich des bebauten Bereichs. Noch vor dem Ersten Weltkrieg fielen der westliche Kastellbereich, Teile eines dazugehörigen Lagerdorfs (canabae) und ein sich hinter dem westlichen Siedlungsteil anschließendes Gräberfeld dem Sandabbau zum Opfer. Auf diesem Gebiet befindet sich heute eine Mülldeponie. Im Süden und Westen ist der Kastellbereich durch die Straße „Hoher Weg“ geschnitten. Sichtbare Baustrukturen sind keine erhalten geblieben. Der restliche Kastellbereich und Teile der Zivilsiedlung liegen unter intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen.[1]
Forschungsgeschichte
Bereits seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es durch Funde zu Hinweisen auf eine römische Besiedlung bei Rheingönheim. Im Jahr 1872 wurden dann bei Hafenarbeiten in der Nähe von Ludwigshafen eine bronzene Porträtbüste, sowie 1886 bei der Anlage einer Vorratsgrube das Skelett eines offenbar dort gefallenen Soldaten mit Gladius, Cingulum militare und einer augusteischen Münze gefunden. Weiterführende archäologische Untersuchungen unterblieben jedoch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man auf dem Areal mit dem Sand- und Kiesabbau. Erst im Jahr 1912, dem Bagger war bereits ein Großteil des westlichen Kastellbereichs zum Opfer gefallen, wurden endlich Funde offiziell gemeldet, was auf Drängen Emil Ritterlings, des damaligen Direktors der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main, zu einer sofortigen Notgrabung führten. Diese erste Grabungskampagne wurde durch den Historischen Verein der Pfalz durchgeführt und von Walter Barthel und Friedrich Sprater geleitet, wobei zwischen 1912 und 1914 im Bereich des Kastells und zwischen 1913 und 1914 im Bereich des Gräberfeldes gegraben wurde. Wegen mangelhafter Dokumentation ist über die Ergebnisse der damaligen Grabungen nur wenig bekannt. Bei der Gräberfeldgrabung konnten jedoch aus den rund 400 Gräbern zahlreiche Gegenstände geborgen werden, die zur Datierung der Besetzung des Lagers und der zivilen Siedlung herangezogen werden konnten. Zugleich brachten diese Grabungen 1913 den erstmaligen gesicherten Nachweis für ein frühkaiserzeitliches Kastell in der Pfalz.
Zwischen 1961 und 1962 fanden weitere Grabungskampagnen unter Otto Roller vom Historischen Museum der Pfalz in Speyer statt. Ziel dieser Kampagnen war es, im Bereich des Kastells durch weitere Sondierungsgrabungen nähere Informationen über die Struktur des Lagers zu erhalten.[2] Später wurde die Region periodisch durch Luftbildarchäologen beflogen. 1985 konnte Rolf Gensheimer bei einem dieser Prospektionsflüge Bewuchsmerkmale bisher unbekannter Strukturen feststellten. Geländebegehungen von Andreas Steiner aus Rheingönheim, Vorsitzender des Fördervereins Archäologiepark Rheingönheim, haben seit Mitte der 1980er Jahre weitere Informationen zum Umfeld des Kastells erbracht. Weiterhin wurden durch ehrenamtliche Luftbildarchäologen für die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Speyer neue unbekannte Strukturen, wie beispielsweise ein forumsartiger Bau, der Spitzgraben einer älteren Anlage in der Flur „Am Mühlbach“ und ein Vicus in der Flur „Gumpenloch“ (Gemarkung Neuhofen), gesichtet und bildlich erfasst.[1][3]
Neue, überraschende archäologische Befunde konnten bei Grabungskampagnen bedingt durch den Bau des „Giulini-Deichs“ am Rhein in den Jahren 2008/2010 unter der Leitung von Andrea Zeeb-Lanz festgestellt werden. Darunter befanden sich die Spuren eines älteren und deutlich größeren Lagers, das aufgrund seiner Größe als Legionslager angesprochen werden konnte.[4]
Archäologische Befunde
Der archäologische Komplex von Rheingönheim setzt sich aus mehreren Strukturen zusammen: einem älteren Legionslager, einem jüngeren Auxiliarkastell, Spuren eines großen Vicus an verschiedenen Orten und einem großen Gräberfeld.
Auxiliarkastell
Das Kastell war von einem sechs Meter breiten und drei Meter tiefen Spitzgraben umgeben, hinter dem sich eine als Holzkastenwerk angelegte Schutzmauer erhob, die 2,60 m breit war und deren Höhe auf 3 bis 3,50 Meter geschätzt wird. Die typische, rechteckige Spielkartenform mit abgerundeten Ecken ließ sich an der Ostseite auf 187 Meter, an der Südfront auf 110 Meter und an der Nordseite auf 160 Meter Länge nachweisen und die Gesamtlänge auf 250 m interpolieren, so dass sich die Abmessungen von 250 m mal 187 m ergeben, was einer Fläche von insgesamt 4,67 Hektar entspricht. Die Mauer konnte durch vier Tore passiert werden, wovon jedoch nur eines archäologisch erforscht wurde. Dieses im Osten gelegene Haupttor (Porta Praetoria) bestand aus einem 12 Meter breiten und 6 Meter tiefen Torbau mit zwei Türmen, davor befand sich eine Erdbrücke. Ferner konnte ein Wehrturm in der nordöstlichen Lagerecke ergraben werden. Im Luftbild ist noch je ein Tor im Norden und Süden zu erkennen. Hinter der Umwehrung ist auf Luftbildern die Via sagularis (Lagerringstraße) zu erkennen, die nach innen hin von einem Drainagegräbchen begrenzt wird. Ebenso kann man auf den Photos die Via praetoria (Ausfallstraße) und die Via principalis (vordere Lagerquerstraße) sehen.
Über die Innenbebauung des Kastells ist wenig bekannt. Seitlich der das Kastell durchquerenden Hauptstraßen wurden Abfallgruben nachgewiesen. Südlich der Kreuzung der zwei Hauptstraßen, in der Praetentura dextra (rechter vorderer Lagerbezirk) sind vier jeweils 40 m lange Befunde zu erkennen, die aufgrund der Funde von Metallresten und Gusstiegeln in diesem Bereich sowie ihrer geringen Länge nicht als Mannschaftsbaracken, sondern als Fabricae (Werkstätten) angesprochen wurden.
Funde belegen, dass das Kastell und der Kastellvicus in frühclaudischer Zeit, vermutlich um das Jahr 43 u. Z. errichtet wurden. Ein Brandhorizont spricht für eine Zerstörung während des Vierkaiserjahrs oder des Bataveraufstand in den Jahren 69/70. Aus dieser Zeit stammt auch ein Depotfund mit insgesamt 144 Münzen, von denen die Schlussmünze auf 69/71 datiert. Das Lager wurde jedoch wieder aufgebaut und bestand bis um die Jahre 73/74, als mit der römischen Okkupation rechtsrheinischen Gebiets die Truppen vorverlegt wurden und damit der Standort seine strategische Bedeutung verlor. Die Besatzung des Kastells ist namentlich unbekannt. Die Ausgräber vermuteten aufgrund des Fundmaterials eine im Alpenraum beheimatete Auxiliareinheit, möglicherweise auch zwei, in Form einer Cohors quingenaria peditata (knapp 500 Mann starke Infanterietruppe) und einer Cohors quingenaria equitata (knapp 600 Mann starke, teilberittene Infanterietruppe), möglicherweise auch einer Ala (rund 500 Mann starke Kavallerieeinheit).[1][5]
Auxiliarvicus
Im Umfeld des Kastells entstand ein Vicus, das zivile Lagerdorf, das bei jedem dauerhaften Standlager anzutreffen war, in dem die Angehörigen der Soldaten, Händler, Handwerker, Gastwirte, Prostituierte und andere Dienstleister lebten und wirtschafteten. Spuren dieser zivilen Siedlung wurden vor allen Seiten des Kastells, längs der Ausfallstraßen angetroffen. Der Vicus wird zeitgleich mit dem Kastell entstanden sein und teilte auch dessen Schicksal. In einem verbrannten Keller wurden zwei menschlichen Skeletten mit starken Brandspuren gefunden. Bevor die Toten verbrannten, war einer geköpft worden, dem anderen hatte man die Unterarme abgetrennt. Gewaltsame Vorgänge, die wieder auf die unruhigen Zeiten der Jahre 69/70 weisen.
Münzfunde der Kaiser Vespasian (69–79) und Domitian (81–96) aus dem Vicus zeigten, dass das Lagerdorf auch nach dem Abzug der Truppen und der Auflassung des Lagers noch weiter besiedelt worden war. Bei den Keramikfunden dominierten Kochtöpfe, Schüsseln, Schalen und Vorratsbehälter, aber auch Terra sigillata war zahlreich vertreten.
Die Bebauung des Vicus bestand aus den für die Nordwestprovinzen des Reiches typischen Streifenhäusern, langrechteckigen Gebäuden, die mit ihrer Schmalseiten zur Straße hin orientiert waren, wobei die Häuserfronten mit Arkadengängen versehen waren, so dass man dort auch bei regnerischem Wetter trockenen Fußes laufen konnte. Vorne befanden sich die Geschäfts-, dahinter die Wohnräume. Bei Handwerksbetrieben lagen die Werkplätze mit Feuerstellen, Becken, Gruben oder kleinen Grubenhütten oft im hinteren Teil des obligatorischen Gartens.
Innerhalb des westlichen Vicusbereiches fanden sich auch die Spuren eines bereits stark zerpflügten Steingebäudes, das als mögliche Kastellthermen angesprochen wurde. Die Soldatenbäder befanden sich in der Regel außerhalb der Kastellmauern und konnten von den Soldaten unentgeltlich, von den Vicani (Vicusbewohner) gegen geringe Gebühr benutzt werden.[1][4][5]
Legionslager
Sehr bedeutsam ist die Entdeckung eines schon länger vermuteten älteren Kastells, das sich zunächst durch eine rund zehn Meter breite, doppelte Spitzgrabenanlage und durch Spuren einer großen Torkonstruktion zeigte. Die entdeckten, jeweils etwa vier Meter breiten Spitzgräben verliefen parallel zur östlichen Seite des Auxiliarkastells. Zwischen den beiden Gräben befand sich noch ein schmales, flaches Gräbchen, das entweder zur Aufnahme einer Palisade oder zur Drainage gedient hatte. Vor der Porta praetoria des Auxiliarlagers war das Grabensystem für rund 15 m unterbrochen. Unmittelbar westlich der Grabenunterbrechung wurden sechs, in drei Paaren angeordnete Pfosten identifiziert. Sie konnten als Bestandteil einer Toranlage bestimmt werden, die eine rund zehn Meter breite Torgasse aufwies, welche auf beiden Seiten von Tortürmen flankiert war.
In diesem Kontext mussten Luftbilder neu interpretiert werden, auf denen im Norden und im Süden des Auxiliarkastells Doppelgrabenstrukturen zu erkennen sind. Diese Anomalien waren bis dahin als mögliche Straßen angesprochen worden. Nun müssen sie als nördlicher und südlicher Lagergraben des älteren Kastells betrachtet werden. Daraus ergibt sich eine Breite von etwa 400 Metern. Die Länge ist aufgrund der Störungen durch Kiesgrube / Deponie nicht mehr genau zu ermitteln. Gesichert sind 420 m. Legt man aber das idealtypische Seitenverhältnis von 2:3 zu Grunde, könnte die Länge auch 600 m betragen haben, woraus sich eine Lagerfläche von 24 Hektar ergibt. Dies wäre aber ausreichend, um eine Truppe in Legionsstärke zu beherbergen. Die genaue Datierung des Legionslagers muss vorläufig ungeklärt bleiben. Sicher scheint nur, dass es älter ist als das Auxiliarlager, da es von den Bodeneingriffen des Auxiliarvicus überschnitten wird. Daher könnte es möglicherweise unter Tiberius, der die Rheingrenze stabilisierte, vielleicht sogar schon in augusteischer Zeit gegründet worden sein. Es ist anzunehmen, dass auch zu diesem Lager ein Vicus respektive Canabae legionis gehört haben. Deren Spuren konnten jedoch in den zahllosen Überschneidungen durch den Vicus des jüngeren Lagers noch nicht herausdifferenziert werden.[4][6][7][8]
Gräberfeld Rheingönheim

Das Gräberfeld des Auxiliarlagers und seines Vicus' lag westlich des Kastells und eines Teil der Zivilsiedlung. Es wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ausgegraben und dabei nicht dokumentiert. So können keine Aussagen über die Grabtypen und -formen gemacht werden. Lediglich die Grabinventare blieben erhalten und konnten fast ein Jahrhundert später ausgewertet werden. Es gelang Matthias Kolb jedoch, durch die Auswertung der Funde zur Datierung des Gesamtkomplexes und zur Analyse der Sozialstruktur nicht unerheblich beizutragen. Die Grabinventare zeigen die Jenseitsvorstellungen der damaligen Menschen, die verschiedenen Kulturkreise entstammten. Da gab es die Auxiliare, die aus dem Alpenraum mit den dort typischen religiösen Vorstellungen kamen, aber stark romanisiert waren. Hinzu kam die einheimische keltisch-germanischen Bevölkerung mit wieder eigener Glaubenswelt. So spiegeln die Inventare die für das Römische Reich typische, multikulturelle Zusammensetzung wider. Das Gräberfeld von Rheingönheim wurde vom ersten Jahrhundert bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts belegt. Auch wenn die Dokumentation der Gräber dort fehlt, kann man generell sagen, dass im 1. und 2. Jahrhundert die Brandbestattung auf unterschiedliche Art und Weise üblich war[9] es sei denn der Tote gehörte einer fremden Kultur oder einer sozialen Randgruppe an. Ab der Mitte des dritten Jahrhunderts kam die Körperbestattung in allgemeinen Gebrauch, die dann mit der Zwangschristianisierung seit Theodosius (379–395) zur Vorschrift wurde.[10]
Datierung der Funde nach den Fundlisten von 1913 und 1914:[10]
| Datierung | Anzahl in Stück | Anteil in Prozent |
| Kastellzeit | 244 | 52,9 % |
| Ende 1. und 2. Jahrhundert | 107 | 23,2 % |
| 3. und 4. Jahrhundert | 26 | 5,7 % |
| nicht datierbar | 84 | 18,2 % |
| Summe | 461 | 100 % |
|---|
Verteilung der Münreihe aus dem Gräberfeld:[10]
| Prägung | Zeitraum | Anzahl | Anmerkungen |
| republikanisch | vor 30 v. u. Z. | 2 | 1 As, 1 Denar |
| Augustus | 30 v. u. Z. – 14 u. Z. | 2 | 1 As, 1 Sesterz |
| Tiberius | 14 – 37 | 1 | As |
| Caligula | 37 – 41 | 1 | As |
| Nero | 54 – 68 | 1 | Dupondius |
| Titus | 79 – 81 | 1 | As |
| Trajan | 98 – 117 | 1 | Dupondius |
| Hadrian | 117 – 138 | 1 | Sesterz |
| Antoninus Pius | 138 – 161 | 1 | Sesterz |
| Mark Aurel auch für Faustina die Jüngere |
161 – 180 | 3 | 2 Asse, 1 Sesterz |
| Elagabal | 218 – 222 | 1 | Denar |
| Valentinian I. | 364 – 375 | 1 | Centenionalis |
| Gratian | 375 – 383 | 1 | Centenionalis |
| nicht bestimmbar | 1 | Quadrans | |
| SUMME | 18 | 1 Quadrans, 2 Centenionalis, 7 Asse, 2 Dupondii, 4 Sesterzen, 2 Denare | |
|---|---|---|---|
Befunde in der Umgebung
Grabfund von Maudach
Rund drei Kilometer Luftlinie westlich der Garnison wurde im Jahr 1951 in einer Sandgrube östlich von Ludwigshafen-Maudach, in Richtung Ludwigshafen-Mundenheim eine von Feuer rot verziegelte, rechteckige Grube mit einer Pfostensetzung und Abmessungen von 2,20 m mal 2,35 m freigelegt und zunächst als Haus fehlinterpretiert. Erst Hans Ulrich Nuber erkannte 1972, dass es sich um ein Brandgrab handelte, das möglicherweise von einem Grabhügel überdeckt worden war. Es war eine Bustum-Bestattung, bei der der Scheiterhaufen unmittelbar über der Grabgrube errichtet wurde und dann, während des Kremierungsvorgangs mit der verbrannten Leiche und den Beigaben in die Grube stürzte. Die Hitze der Glut sorgte für die Verziegelung der Grabkonturen. Das Grab war reichhaltig mit einer mehrteiligen bronzenen Waschgarnitur, ebenfalls bronzenem Küchengeschirr, Amphoren, Krügen, Töpfen und Schüsseln, sowie einem halbierten Satz Terra sigillata Geschirr ausgestattet. Durch diese Beigaben konnte die Bestattung auf die Zeit um das Jahr 80 u. Z datiert werden.[11]
Gräberfeld Friesenheim
In der Niederung eines älteren Rheinlaufs im Gebiet von Ludwigshafen-Friesenheim, rund sechs Kilometer Luftlinie nördlich der Garnison, wurde schon während des Ersten Weltkriegs ein Gräberfeld mit 35 Brandgräbern und den Resten von zahlreichen Körperbestattungen entdeckt. Die Masse der Gräber ließ sich auf die flavische Zeit datieren, der Belegungszeitraum reichte aber bis in die erste Hälfte des dritten Jahrhunderts. Auffällig war, dass die Grabbeigaben germanischer Provenienz waren und dass auch germanische Waffenträger bestattet worden waren. Dies deutet auf germanische Foederaten, vermutlich vom Stamm der Vangionen, die im Gebiet von Borbetomagus (Worms) ansässig waren. Die Siedlung, zu der das Gräberfeld gehört haben muss, konnte nicht entdeckt werden. Heute liegt das Fundgebiet unter den Industrieanlagen eines großen Chemiewerks.[12]
Denkmalschutz
Das Kastell Rheingönheim, sein Vicus und sein Gräberfeld sind als eingetragene Bodendenkmale der Stadt Ludwigshafen und als Kulturdenkmale im Sinne des Denkmalschutzgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz (DSchG) unter besonderen Schutz gestellt. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.
Zum Schutz der römischen Militärlager und Gestaltung eines Archäologieparks hat sich der Förderverein Archäologiepark Rheingönheim e. V. gegründet.[13]
Literatur
- Helmut Bernhard: Ludwigshafen-Rheingönheim LU. Frührömische Hilfstruppenlager. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe der Auflage von 1990. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0, S. 455–457.
- Helmut Bernhard: Ludwigshafen-Friesenheim LU. Gräberfeld. In: Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe der Auflage von 1990. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0, S. 453 .
- Matthias Kolb: Das römische Gräberfeld von Rheingönheim (PDF; 11,0 MB). Dissertation, Universität Mannheim 2006.
- Thomas Maurer: Ad confluentes Nicri et Rheni. Excavations and Aerial Photographs Shed New Light on the Early Roman Military Site Ludwigshafen-Rheingönheim. In: Ljudmil Ferdinandov Vagalinski, Nicolay Sharankov (Hrsg.): Limes XXII. Proceedings of the 22nd International Congress of Roman frontier studies, Ruse, Bulgaria, September 2012 (= Bulletin of the National Archaeological Institute. Band 42). National Archaeological Institute with Museum, Sofia 2015, S. 73–82 (online).
- Thomas Maurer: Darf's noch ein großes Lager sein? Grabungen und Luftbilder werfen neues Licht auf den frührömischen Militärplatz Ludwigshafen-Rheingönheim. In: Andrea Zeeb-Lanz und Reinhard Stupperich (Hrsg.): Palatinatus Illustrandus. Festschrift für Helmut Bernhard zum 65. Geburtstag. Rutzen, Mainz und Ruhpolding 2013, ISBN 978-3-447-06976-2, S. 93–104.
- Otto Roller: Das Auxiliarkastell Rheingönheim. Die Grabung 1961. In: Pfälzer Heimat. Band 13, Speyer 1962, S. 1–6.
- Otto Roller: Das Auxiliarkastell Rheingönheim. Die Grabung 1962. In: Pfälzer Heimat. Band 15, Speyer 1964, S. 81–86.
- Friedrich Sprater: Die Pfalz unter den Römern. Bd. I. (= Veröffentlichung der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Band VII). Speyer 1929.
- Günter Ulbert: Das frührömische Kastell Rheingönheim. Die Funde aus den Jahren 1912 u. 1913 (= Limesforschungen. 9). Mann, Berlin 1969.
Weblinks
- Andrea Zeeb-Lanz: Grabungsbericht 2008 ( vom 16. August 2013 im Internet Archive) und Grabungsbericht 2009 ( vom 16. August 2013 im Internet Archive) der Archäologischen Ausgrabung Rheingönheim, Sommerfeld, (Giulinideich). Herausgegeben von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Speyer auf der Seite des Fördervereins Archäologiepark Rheingönheim e. V.
- Das römische Kastell in Ludwigshafen-Rheingönheim, auf archaeopro.de
- Kastell Rheingönheim - Ausgrabungen 2008/2009, auf archaeopro.de
- Kastell Rheingönheim - Rekonstruktionsversuch, auf archaeopro.de