Katharine Gatty
britische Krankenschwester, Journalistin, Vortragende und Suffragette
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Emma Katharine Gatty, verheiratete Reid, verheiratete Gillett-Gatty (* 11. Juni 1870 in Firozpur, Bengalen, Britisch-Indien; † 1. Mai 1952 in Sydney, Australien), war eine britische Krankenschwester, Journalistin, Vortragende und Suffragette.[1]



Leben
Gatty war die Tochter der irisch-stämmigen Emma Rebecca, geborene Collum (1844–1929),[2] und von Edward Gatty (1837–1872), Hauptmann im 39th (Dorsetshire) Regiment of Foot.[3] Bei der Zensuserfassung 1881 lebte sie mit ihrer verwitweten Mutter in Hammersmith, London. Ihre Teilnahme am öffentlichen Leben begann im Alter von 18 Jahren, als sie am Streik der Hafenarbeiter 1889 teilnahm.[2]
Im Januar 1893 heiratete sie in der St Mary’s Church in Islington William Lewis Reid (1858–1923), der eine Silberschmiede, Reid & Sons, hatte.[4] Ihre Tochter Eve Lewis Reid wurde im Dezember 1893 geboren. 1911 ließ sich Reid von Gatty scheiden, nachdem sie zwischen 1897 und 1910 eine Affäre mit John Manson gehabt hatte. Sie lebte mit Manson wie Mann und Frau zusammen, und Reid behauptete, sie habe 1898 ein Kind von Manson zur Welt gebracht.[5][6] 1915 heiratete Gatty Ernest Lucas Gillett (1882–1954), einen Beamten im öffentlichen Dienst. Das Paar nahm den Doppelnamen Gillett-Gatty an.[7][8]
1908 war Gatty Delegierte beim Internationalen Frauenkongress des Internationalen Frauenrats in Amsterdam.[1]
Nachdem sie dem Ealing-Zweig der Women’s Social and Political Union (WSPU) beigetreten war, wurde Gatty eine militante Suffragette.[9] In der Suffragetten-Zeitschrift Votes for Women wurde sie als „Journalistin und Vortragende“ vorgestellt. Aber noch in einem ihrer Nachrufe stand, dass sie sich im Hyde Park ans Gitter kettete.[10]
Ihre erste Haftstrafe verbüßte sie 1909 für einen Monat im Holloway Prison. 1911 war sie bezahltes Mitglied der Women’s Tax Resistance League in London.[1] Als im November 1911 Premierminister H. H. Asquith ankündigte, in der sogenannten Conciliation Bill 1911 ein erweitertes Männerwahlrecht einem Frauenwahlrecht vorziehen zu wollen, führte die WSPU am 21. November 1911 eine „offizielle Fenstereinschlagaktion“ entlang der Whitehall und Fleet Street durch. Ziele waren Büros der Zeitungen sowie die offiziellen Residenzen oder Häuser führender liberaler Politiker. Der Gesetzentwurf wurde daraufhin ganz fallen gelassen. Gatty gehörte zu den Beteiligten und wurde zu drei Wochen Haft im Holloway Prison verurteilt.[11] Sie trat in den Hungerstreik, wofür sie die sogenannte „Hungerstreik-Medaille“ For Valour der WSPU erhielt.[3][12]
Im Januar 1912 wurde sie erneut verhaftet, weil sie einen Tumult verursachte, nachdem Frauen vom Prozess gegen Emily Davison ausgeschlossen worden waren, wurde jedoch diesmal ohne Anklage freigelassen. Gatty und Davison waren befreundet.[1][9][13]
Anfang März 1912 beteiligte sich Gatty zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer weiteren Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Gatty wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil sie Glas im Wert von 42 Pfund zerstört hatte.[11] Bei ihrem Prozess erklärte sie, dass Männer ungestraft Frauenherzen und -heime brechen dürften, und verglich ihre sechsmonatige Strafe für geringfügige Sachbeschädigung mit der zweimonatigen Strafe eines Mannes aus Edinburgh, der seiner Frau den Schädel eingeschlagen hatte. Ihrer Meinung nach war Eigentum vor dem Gesetz mehr wert als ein Mensch. Gatty war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[14]
Im April 1912 trat Gatty erneut in den Hungerstreik, der „von Samstag, dem 13., bis Freitag, dem 19., einschließlich dauerte (6 Tage). Die Ärzte begannen am Mittwoch mit der Zwangsernährung und versuchten am Donnerstag dreimal, mich zu ernähren, scheiterten jedoch“.[15] Im Juni desselben Jahres trat sie erneut in den Hungerstreik und wurde 13 Mal zwangsweise ernährt. Nach ihrer Entlassung im August 1912 wurde sie sofort wegen Einschlagens eines Fensters im Postamt von Abergavenny in Wales erneut verhaftet und erklärte, sie habe dies getan, um gegen den Ausschluss von Frauen aus offiziellen Listen wie dem Wählerverzeichnis zu protestieren. Diesmal erhielt Gatty eine Haftstrafe von einem Monat mit harter Arbeit, die ihre Gesundheit ernsthaft beeinträchtigte.[11] In der zweiten Hälfte des Jahres 1912 wurde Gatty Sekretärin des Suffrage Atelier (SA),[16] einem Zusammenschluss von Künstlern in London, das Postkarten, Plakate und Banner für die Frauenwahlrechtsbewegung entwarf und druckte.[3][12]
Bis 1913 war Gatty Organisatorin der National Amalgamated Union of Shop Assistants, Warehousemen and Clerks,[2] während sie in späteren Jahren Verbindungen zur Kommunistischen Partei hatte, regelmäßig korrespondierte sie mit der Journalistin und Aktivistin Anna Louise Strong.[16] Insgesamt wurde sie neunmal für ihre Aktivitäten zugunsten des Frauenwahlrechts und der Bewegung zur Abschaffung der Todesstrafe inhaftiert. Gatty war aktives Mitglied des International Coordination Committee for Aid to Republican Spain und eine der Organisatorinnen der Co-operative Party in England, zusätzlich zu ihrem lebenslangen Einsatz für die Irish Home Rule.[2] Gatty absolvierte in den frühen 1920er Jahren eine Ausbildung zur Krankenschwester und erhielt 1924 ihre Qualifikation. Gatty war 1934 noch im Pflege-Register eingetragen. In dieser Zeit begann sie eine Korrespondenz mit der Aktivistin für Sozialismus und sexuelle Revolution Hildegart Rodríguez.[17]
Im September 1934 nahm Gatty als Vertreterin der Action Feministe Internationale an einer Konferenz über „Äthiopien und Gerechtigkeit“ teil, die von Sylvia Pankhurst in der Westminster Central Halll organisiert wurde.[18] Mitte der 1930er Jahre lebte sie eine Zeit lang in Griechenland. 1937 zog Gatty, die sich selbst als „Autorin beim Schreiben eines Buches“ und als Witwe bezeichnete, obwohl ihr Mann noch lebte,[8] nach Kalifornien in die Vereinigten Staaten und lebte dort in den 1940er Jahren. 1938 sprach die „humorvolle, witzige Irin, Mrs. Gillett-Gatty“ bei einem Treffen der American Student Union an der Stanford University über „Faschismus in Italien und seine Bedrohung des demokratischen Ideals“ und berichtete von ihren eigenen Erfahrungen in Italien vor und nach Mussolinis Machtergreifung.[2]
Gatty emigrierte 1947 nach Strathfield in New South Wales, Australien, und starb dort 1952 im Alter von 81 Jahren.[1][3] In ihrem Testament spendete sie ihre Augen an zwei blinde Menschen und erklärte darin: „Was meinen eigenen Körper betrifft, zunächst, dass beide Augen möglichst innerhalb von acht Stunden nach meinem Tod entfernt werden, damit zwei hornhautblinde Personen jeweils eines erhalten. Danach soll ich verbrannt oder auf See bestattet werden.“[10]
Das Archiv der Women’s Library an der London School of Economics and Political Science bewahrt zwölf ihrer Briefe auf, die sie aus dem Gefängnis schrieb.[19]