Keine Angst (Lied)

Lied von Danger Dan (2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Keine Angst ist ein am 17. Juli 2026 veröffentlichtes politisches Lied des Rappers Danger Dan. Es ist die zweite Single und der Titeltrack aus seinem kommenden Album, das am 1. Oktober 2026 erscheinen soll. Inhaltlich handelt es sich bei dem Song um eine Art Anleitung zum Widerstand gegen rechte Strukturen. Die Absage des ZDF zu einem Auftritt in der 100. Ausgabe der Satiresendung Die Anstalt zusammen mit Igor Levit sorgte bereits vor der Veröffentlichung des Songs für eine Kontroverse. Die ZDF-Geschäftsleitung vermutete in dem Lied einen „Aufruf zur Gewalt“, was nicht mit den Programmrichtlinien vereinbar sei.

Veröffentlichung17. Juli 2026
Länge7:20
Autor(en)Danger Dan
Schnelle Fakten Danger Dan, Veröffentlichung ...
Keine Angst
Danger Dan
Veröffentlichung 17. Juli 2026
Länge 7:20
Genre(s) Pop
Autor(en) Danger Dan
Produktion Danger Dan
Label Ölsardinenindustrie
Album Keine Angst
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Veröffentlichung

Das Lied erschien am 17. Juli 2026 als Single auf allen Streaming-Plattformen über Danger Dans Musiklabel Ölsardinenindustrie, das in den Vertrieb von Warner Music eingebunden ist. Gleichzeitig wurde in der Nacht von Donnerstag, dem 16. auf Freitag, den 17. Juli 2026 das dazugehörige Musikvideo veröffentlicht.[1] Auf dem gleichnamigen Album, das am 1. Oktober 2026 veröffentlicht werden soll, hat es die Titelnummer 11. Es ist nach Die meisten meiner Freunde die zweite Singleauskopplung aus dem Album.

Musikstil und Text

Wie bereits auf seinem vorigen Album handelt es sich musikalisch um Klaviermusik, die in diesem Fall durch den Einsatz einer Streichergruppe unterstützt wird. Wie bei ähnlichen seiner Songs wird das Klavier perkussiv gespielt – ebenso rasant ist die Gesangsstruktur des Stücks.[2]

Inhaltlich handelt es sich um einen konfrontativen Text mit vier Strophen, der in Teilen eine Anleitung zum Widerstand gegen eine Gefahr von rechts wiedergibt. In der ersten Strophe geht es in erster Linie um zivilen Ungehorsam, darum, sich zusammenzuschließen, Konzerte und Räume zu organisieren sowie Graffiti als Mittel des Protests gegen rechts einzusetzen. Die zweite Strophe spricht explizit von der Gründung einer antifaschistischen Untergrundtruppe. In der dritten Strophe wird beschrieben, wie eine solche Gruppe vorgehen könne, unter anderem mithilfe von Doxing. Die vierte Strophe stellt erneut einen Aufruf dar, nicht nachzugeben.[3] Außerdem beschreibt sie Versuche der Rechten, Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen.[2]

Der Refrain besteht lediglich aus den mehrfach wiederholten Worten: „Keine Angst“.[4] Mit der Zeile „juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt“ bezieht sich Danger Dan auf sein Lied Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt, seinen größten Hit vom Vorgängeralbum.[5]

Musikvideo

Das Musikvideo ist 7:20 Minuten lang und zeigt Danger Dan im Halbdunkel am Klavier. Hinter ihm befinden sich fünf Musiker mit Streichinstrumenten und ein Schlagzeuger. Regie führte David Bruchmann.[6]

Kontroverse

Für die 100. Ausgabe der politischen Kabarettsendung Die Anstalt, die am 21. Juli 2026 ausgestrahlt werden soll, war ein Auftritt von Danger Dan mit Pianist Igor Levit geplant, bei dem das Lied aufgeführt werden sollte. Anschließend sollte darüber diskutiert werden. Laut Dan und Levit lag dem ZDF der Text bereits mehrere Wochen vor. Die ZDF-Intendanz, vertreten durch Norbert Himmler, legte kurz vor der Aufzeichnung ihr Veto gegen den Auftritt ein. Laut Danger Dan, geteilt in den sozialen Medien, wurden er und Levit nicht in das Gebäude eingelassen.[4] Eine schriftliche Begründung wurde den Künstlern nicht erteilt.[7] Sie bezeichneten das Vorgehen als Zensur.[3] Auch die Redaktion der Sendung zeigte sich entsetzt über das Einschreiten der Intendanz und bezeichnete das Vorgehen als „mutlos“.[8]

Das ZDF rechtfertigte seine Entscheidung damit, dass der Song als Aufruf zur Gewalt und zur Selbstjustiz verstanden werden könne, was nicht mit seinen Programmrichtlinien zu vereinbaren sei.[7][9] In einer Erklärung zum Vorgehen vom 17. Juli 2026 auf ZDFheute hieß es, „weder Danger Dan noch ‚Die Anstalt‘“ würden zensiert. Vielmehr erforderten „Text und Aussage des Liedes […] eine gründliche journalistische Einordnung und Befassung, die das ZDF an anderer Stelle leisten“ werde. In einer Sondersendung des Magazins Aspekte am 18. Juli 2026 ging der Sender näher auf die Entscheidung ein. Moderiert wurde die Sendung von Jo Schück. Auch kamen unter anderem die Rechtsexperten Peter Raue und Fabian Wittreck sowie Jan Fleischhauer und Florian Schroeder zu Wort. Hierbei nahm Fleischhauer die Position ein, dass die ZDF-Entscheidung richtig sei, während Schroeder der Ansicht war, man hätte das Lied einordnend durchaus vorstellen können. Oliver Heidemanns vom ZDF verteidigte die Entscheidung. Danger Dan wolle nach Darstellung von Schück dem ZDF kein Interview geben.[10][11] In der Jubiläumssendung Die Anstalt mit dem Titel „Antifanstalt“, die schwerpunktmäßig neben dem Jubiläum auch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 bearbeitete, wurde zunächst ein leeres Klavier im Halbdunkel gezeigt, im Anschluss erklärten die drei Moderatoren ihre Sicht der Dinge und kritisierten die Entscheidung des Senders.[12] Dabei bekräftigten sie ihre Haltung, besprachen Teile des Textes und ordneten kritische Textzeilen ein.[13]

Danger Dan äußerte sich im Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu den Umständen. Er wolle niemanden dazu aufrufen, in den kriminellen Untergrund zu gehen, und rufe auch nicht zur Gewalt auf. Das Lied solle lediglich zeigen, dass die Bevölkerung dem Zeitgeist nicht vollständig ohnmächtig gegenüberstehe.[14][4]

Insbesondere die letzte Zeile, ein Gruß an „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“, stieß auf Ablehnung beim ZDF, da damit Lina E. und weitere mutmaßliche Mitglieder der sogenannten „Hammerbande“ sowie Maja T. gemeint sein könnten.[5] Danger Dan rechtfertigte sich im Spiegel, die Namen seien austauschbar.[4] In demselben Interview griff er Norbert Himmler scharf an und bezeichnete es als ein furchtbares Zeichen, antifaschistische Lieder zu zensieren.[9] Igor Levit bezeichnete den Vorgang ebenfalls als „skandalös“.[15]

Die Absage wurde kontrovers diskutiert. Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung[16], die taz[17] und die Jüdische Allgemeine[5] bewerteten die Entscheidung in ihren Kolumnen als richtig, während der Deutsche Journalisten-Verband das Auftrittsverbot als Fehler ansah.[18]

Rezeption

Daniel Bax kritisierte das Lied als „nicht nur politisch, sondern auch ästhetisch bedenklich“. Es habe „in etwa so viel Poesie wie ein Antifa-Flugblatt, das zu schmalzigem Klaviergeklimper vertont wurde“. Politisch sei der Liedtext dahingehend bedenklich, dass er zu Doxing und öffentlichem Anprangern aufrufe. Dies schaffe ein „gefährliches Exempel“; die gleiche Taktik werde auch von Rechtsextremisten angewendet. Bax wendet dazu ein: „Wie will man das skandalisieren, wenn man es selbst macht?“. Der Song sei darüber hinaus ein Zeitdokument, er gebe die „zunehmend paranoide und selbstgerechte Stimmung in einer Szene wider, die sich aus dem verständlichen Gefühl politischer Ohnmacht in fragwürdige Militanz-Fantasien flüchtet.“[17]

Einzelnachweise

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