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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Wahl zum 9. Landtag Sachsen-Anhalts From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Wahl zum neunten Landtag von Sachsen-Anhalt fand am 6. September 2026 statt. Sie wurde national und international beachtet, da die rechtsextreme AfD zum zweiten Mal nach Thüringen 2024 als stärkste Kraft aus einer Landtagswahl hervorging und nur knapp eine absolute Mehrheit der Sitze verfehlte. Sie erreichte mit 43,8 % ihren bisher höchsten Stimmenanteil bei einer Landtagswahl und auch den höchsten Wert, den eine Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wende errungen hat. Die zweitplatzierte CDU fiel mit 17,2 % der Stimmen auf ein historisches Tief. SPD und Grüne erhielten jeweils leicht verbesserte 9,3 bzw. 8,9 %, die Linke erzielte mit 8,6 % ihr bislang schlechtestes Ergebnis im Bundesland. Das 2024 gegründete BSW schaffte mit 5,3 % den vierten Einzug in ein Landesparlament, die FDP dagegen scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag bei einem Rekordwert von 77,8 %.

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Wahlbeteiligung: 77,8 %
 %
50
40
30
20
10
0
43,8
17,2
9,3
8,9
8,6
5,3
2,6
1,2
1,1
2,1
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2021
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  −5
−10
−15
−20
+23,0
−19,9
+0,9
+3,0
−2,4
+5,3
−3,8
−1,9
−0,3
−3,6
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/KEINFEHLER-Parameter angegeben
Sitzverteilung
      
Insgesamt 83 Sitze

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hatte seine Rolle erst Anfang des Jahres vom langjährigen Amtsinhaber Reiner Haselhoff übernommen und war als Spitzenkandidat der CDU zur Wiederwahl angetreten. Aussichtsreichster Gegenkandidat und Bewerber der AfD für das Amt des Regierungschefs ist Ulrich Siegmund. Der Ministerpräsident wird zu einem vom Parlament selbst gewählten Zeitpunkt durch den Landtag gewählt. Schulzes bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP hat mit der Wahl ihre Regierungsmehrheit verloren. Eine neue Regierung ist noch nicht gebildet.

Die Wahlen in Sachsen-Anhalt waren die dritten von insgesamt fünf deutschen Landtagswahlen im Jahr 2026. Zwei Wochen später fanden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern statt.

Organisation

Wahltermin

Landtagsgebäude von Sachsen-Anhalt am Magdeburger Domplatz

Nach Artikel 43 der Landesverfassung findet die Landtagswahl frühestens im 58. und spätestens im 62. Monat nach Beginn der Wahlperiode statt, sofern es nicht zu einer vorzeitigen Beendigung der Wahlperiode kommt.

Die Wahlperiode des am 6. Juni 2021 gewählten Landtags begann mit seiner ersten Sitzung am 6. Juli 2021.

Als mögliche Wahltermine kamen deshalb zunächst alle Sonntage zwischen dem 10. Mai 2026 und dem 6. September 2026 in Frage. Im Mai 2025 beschloss der Landtag den spätestmöglichen Wahltag 6. September 2026 als Termin.[1] Zwei Wochen später, am 20. September 2026, finden die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin statt.

Wahlrecht

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat mindestens 83 Abgeordnete. Diese Zahl hatte sich in der Vergangenheit durch eine höhere Anzahl Wahlkreise sowie durch Überhang- und Ausgleichsmandate meist deutlich erhöht: 2011 waren es 105, 2016 87, 2021 97 Abgeordnete. 2026 wird die Mindestzahl von 83 nicht überschritten.

Jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird in jedem der seit 2021 noch 41 Wahlkreise ein Abgeordneter direkt gewählt. Mit der für die Proportion der Sitzverteilung im Landtag maßgeblichen Zweitstimme wird die Landesliste einer Partei gewählt. Die Sitze werden nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren proportional unter denjenigen Parteien verteilt, die mindestens 5 % der Zweitstimmen erringen.[2]

Ausgangslage

Wahl zum Landtag von Sachsen-Anhalt 2021
 %
40
30
20
10
0
37,1
20,8
11,0
8,4
6,4
5,9
10,4

Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt wurde die CDU erneut stärkste Partei. Die AfD verlor leicht, blieb aber zweitstärkste Kraft. Ein vor der Wahl prognostiziertes „Kopf-an-Kopf-Rennen“ zwischen CDU und AfD blieb aus; die CDU landete 16 Prozentpunkte vor der AfD.

Starke Verluste verzeichnete Die Linke, die mit 11 Prozent ihr schlechtestes Landesergebnis erzielte. Auch die SPD errang mit 8,4 % das schlechteste Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Die FDP schaffte mit 6,4 % nach zehn Jahren den Wiedereinzug in den Landtag. Die Grünen gelangten mit knapp sechs Prozent erneut ins Parlament.

Da eine „Große Koalition“ aus CDU und SPD mit 49 von 97 Sitzen nur eine knappe Mehrheit gehabt hätte, bildeten nach der Wahl CDU und SPD zusammen mit der FDP eine schwarz-rot-gelbe Koalition („Deutschland-Koalition“). Reiner Haseloff (CDU) wurde erneut zum Ministerpräsidenten und Chef der Landesregierung gewählt.

Im Parlament hatte die Regierung mit 56 der 97 Sitze eine deutliche Mehrheit, gleichwohl erreichte Reiner Haseloff erst im zweiten Wahlgang eine Mehrheit der Stimmen.

Parteien und Kandidaten

Wahlvorschläge mussten bis zum 20. Juli 2026 bei der Landeswahlleiterin bzw. den Kreiswahlleitern eingereicht werden.[3] Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind oder sich an der letzten Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt beteiligt haben, mussten ihre Beteiligung bis zum 7. Juli 2026 anzeigen und ihre Parteieigenschaft nachweisen. Landeslisten bedürfen Unterstützungsunterschriften von 1000 Wahlberechtigten, Kreiswahlvorschläge die von 100 Wahlberechtigten. Davon ausgenommen sind Wahlvorschläge von Parteien, die im Landtag oder durch einen in Sachsen-Anhalt gewählten Abgeordneten im Bundestag vertreten sind. Folgende 15 Parteien wurden am 24. Juli 2026 vom Landeswahlausschuss mit ihren Landeswahlvorschlägen für die Landtagswahl am 6. September 2026 zugelassen:[4]

Weitere Informationen Partei, Kurzbezeichnung ...
Partei Kurzbezeichnung Wahl 2021 Mandate vor
der Wahl 2026
Christlich-Demokratische Union Deutschlands CDU 37,1 % 40
Alternative für Deutschland AfD 20,8 % 22
Die Linke Linke 11,0 % 11
Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 8,4 % 9
Freie Demokratische Partei FDP 6,4 % 7
Bündnis 90/Die Grünen Grüne 5,9 % 6
Freie Wähler Freie Wähler 3,1 %
Basisdemokratische Partei Deutschland dieBasis 1,5 %
Partei Mensch Klima Tierschutz Tierschutzpartei 1,4 %
Gartenpartei Gartenpartei 0,8 %
Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz,
Elitenförderung und basisdemokratische Initiative
Die PARTEI 0,7 %
Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz Tierschutzallianz 0,5 %
Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit BSW —
Partei des Fortschritts PdF  1)
Volt Deutschland Volt —
Schließen
1) 
0,2 % für Freie Bürger Mitteldeutschland, die 2025 in der PdF aufging

Spitzenkandidaten

Christlich Demokratische Union (CDU)

Der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verkündete am 7. August 2025, dass er nicht erneut als Spitzenkandidat antreten werde.[5][6] Stattdessen führte der Landesvorsitzende Sven Schulze die Partei in den Wahlkampf. Schulze war seit 2021 Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts und wurde am 28. Januar 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt. Seit 2021 ist er Landeschef der CDU, zuvor war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Am 1. November 2025 wurde er auf einer Landesvertreterversammlung der CDU Sachsen-Anhalt in Oschersleben mit 90,1 % zum Spitzenkandidaten gewählt.[7]

Alternative für Deutschland (AfD)

Die AfD kürte ihren Spitzenkandidaten auf einem Landesparteitag in Magdeburg am 23. Mai 2025: Ulrich Siegmund wurde von 98,3 % der Delegierten gewählt.[8] Siegmund ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2022 Co-Vorsitzender der Fraktion. Als Spitzenkandidat folgt er Oliver Kirchner nach, der dies 2021 war. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt seit 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.[8]

Die Linke (Linke)

Die Linke hat Eva von Angern als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2026 aufgestellt.[9] Die Landesvorsitzenden Janina Böttger und Hendrik Lange schlugen sie am 17. Juni 2025 vor. Von Angern ist seit 2002 Mitglied des Landtags und führt seit 2020 die Linksfraktion. Sie war bereits 2021 Spitzenkandidatin, als die Linke mit 11,0 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielte und rund ein Drittel ihrer Stimmen verlor.[10]

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Die SPD legte sich früh auf einen Spitzenkandidaten fest. Am 16. Juni 2025 nominierte der SPD-Landesvorstand einstimmig Armin Willingmann als Spitzenkandidaten. Er wurde auf einem Landesparteitag am 6. September 2025 offiziell bestätigt. Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zuletzt als Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie als erster stellvertretender Ministerpräsident.[11]

Freie Demokratische Partei (FDP)

Die FDP wurde erneut von der Landesvorsitzenden Lydia Hüskens in den Wahlkampf geführt. Hüskens ist seit 2021 Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt und war 2021 Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl. Anfang Juni 2025 erklärte sie ihre Bereitschaft zur Kandidatur, Mitte November wurde sie gewählt.[12][13]

Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)

Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt wählten am 23. November 2025 auf einem Landesparteitag Susan Sziborra-Seidlitz, die im Mai 2025 erneut zur Landesvorsitzenden gewählt worden war, als Spitzenkandidatin. Sie führte die Landespartei bereits von 2016 bis 2021, bevor sie in den Landtag einzog.[14] Die langjährige Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann kündigte bereits im März 2025 an, nicht erneut als Spitzenkandidatin anzutreten.[15] Olaf Meister, der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion im Landtag, wurde auf Listenplatz 2 gewählt.[14]

Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)

Das BSW trat 2026 erstmals in Sachsen-Anhalt an. Anfang März 2026 wurden die beiden Spitzenkandidaten Thomas Schulze und Claudia Wittig gewählt, sie gingen als Duo ins Rennen.[16][17][18] Bei der Bundestagswahl 2025 wurde das BSW in Sachsen-Anhalt mit 11,3 % drittstärkste Kraft. Schulze kündigte für 2025 den Aufbau weiterer lokaler Strukturen und Mitgliederwachstum an; Sahra Wagenknecht selbst beabsichtigte, den Wahlkampf zu unterstützen.[19]

Wahlkampf

Alle 15 zur Wahl tretenden Parteien beantworteten 38 Fragen für den Wahl-O-Mat. Hierbei konnte sich jede Partei mit „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ äußern.[20]

Weil Umfragen die AfD bei ungefähr 40 Prozent und einige Parteien im Bereich der 5-Prozent-Hürde prognostizierten, erschien eine absolute Mehrheit der AfD-Mandate und damit eine Alleinregierung nicht ausgeschlossen. Um dieses Szenario zu verhindern, warben Kampagnen dafür, taktisch zu wählen: Sie unterstützten SPD und Grüne, damit diese sicher in den Landtag einziehen, und lehnten BSW, FDP und noch kleinere Parteien ab, weil die AfD-Nähe zu groß bzw. die jeweilige Partei zu unbedeutend sei.[21][22][23]

In den folgenden Videoformaten trafen die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien aufeinander.

Weitere Informationen Format und Name der Sendung, Datum ...
Format und
Name der Sendung
Datum Sender Moderation CDU AfD Linke SPD FDP Grüne BSW
Fakt ist!
Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten im Bürgercheck[24]
12. August 2026
21:00 Uhr
MDR Susann Reichenbach,
Stefan Bernschein
Sven Schulze Ulrich Siegmund Eva von Angern Armin Willingmann Lydia Hüskens Susan Sziborra-Seidlitz Claudia Wittig
taz Forum Politik
Sachsen-Anhalt: Wetten, dass… die Demokratie gewinnt?! – Die Politik im taz Forum zur Wahl 2026[25][26]
25. August 2026
20:15 Uhr
taz Sabine am Orde, David Muschenich Sven Schulze Eva von Angern Armin Willingmann Susan Sziborra-Seidlitz Claudia Wittig
Fakt ist!
Das Duell – Sven Schulze vs. Ulrich Siegmund[27]
26. August 2026
20:15 Uhr
MDR Susann Reichenbach,
Gunnar Breske
Sven Schulze Ulrich Siegmund
Fakt ist!
Sachsen-Anhalts Spitzenkandidaten diskutieren im Schlagabtausch[28]
26. August 2026
20:45 Uhr
Sven Schulze Ulrich Siegmund Eva von Angern Armin Willingmann Lydia Hüskens Susan Sziborra-Seidlitz Thomas Schulze
Vor der Entscheidung – Das Duell[29] 2. September 2026
13:30 Uhr
MZ,
Volksstimme
Michael Bock,
Hagen Eichler
Sven Schulze Ulrich Siegmund
Wahlarena
Spitzentalk[30]
2. September 2026
17:00 Uhr
ntv,
Radio Brocken
Nikolaus Blome,
Dorothée Oster
Sven Schulze Ulrich Siegmund Eva von Angern Armin Willingmann Lydia Hüskens Susan Sziborra-Seidlitz Claudia Wittig
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Umfragen

Sonntagsfrage

Weitere Informationen Institut, Datum ...
Institut Datum CDU AfD Linke SPD FDP Grüne BSW Sonst.
Landtagswahl 2026 06.09.2026 17,2 % 43,8 % 8,6 % 9,3 % 2,6 % 8,9 % 5,3 % 4,3 %
Forschungsgruppe Wahlen[31] 03.09.2026 23 % 41 % 11,5 % 8,5 % 3 % 6 % 4 % 3 %
INSA[31] 02.09.2026 22 % 43 % 12 % 7 % 3 % 5 % 4 % 4 %
Forschungsgruppe Wahlen[31] 28.08.2026 23 % 40 % 13 % 9 % 3 % 6 % 3 % 3 %
Infratest dimap[31] 26.08.2026 22 % 42 % 11 % 8 % 3 % 6 % 4 % 4 %
pollytix[31] 12.08.2026 23 % 43 % 13 % 7 % 2 % 5 % 4 % 3 %
INSA[31] 10.08.2026 22 % 42 % 13 % 6 % 4 % 4 % 5 % 4 %
Infratest dimap[31] 30.07.2026 24 % 41 % 13 % 7 % — 5 % 4 % 6 %
INSA[31] 23.07.2026 24 % 41 % 14 % 5 % 4 % 4 % 4 % 4 %
INSA[31] 03.07.2026 23 % 41 % 13 % 6 % 4 % 4 % 5 % 4 %
INSA[31] 13.05.2026 24 % 42 % 13 % 6 % 3 % 4 % 4 % 4 %
Infratest dimap[31] 07.05.2026 26 % 41 % 12 % 7 % — 4 % 4 % 6 %
INSA[31] 25.03.2026 25 % 38 % 13 % 6 % 3 % 4 % 5 % 6 %
INSA[31] 27.01.2026 26 % 39 % 11 % 8 % 2 % 3 % 6 % 5 %
INSA[31] 15.10.2025 26 % 40 % 11 % 6 % 3 % 3 % 6 % 5 %
Infratest dimap[31] 04.09.2025 27 % 39 % 13 % 7 % — 3 % 6 % 5 %
INSA[31] 19.06.2025 34 % 30 % 11 % 7 % 2 % 3 % 8 % 5 %
Bundestagswahl 23.02.2025 19,2 % 37,1 % 10,8 % 11,0 % 3,1 % 4,4 % 11,2 % 3,2 %
INSA[31] 16.01.2025 32 % 31 % 4 % 8 % 4 % 3 % 14 % 4 %
INSA[31] 05.11.2024 32 % 30 % 3 % 7 % 4 % 3 % 16 % 5 %
INSA[31] 05.07.2024 29 % 29 % 4 % 8 % 4 % 4 % 16 % 6 %
INSA[31] 13.06.2024 31 % 30 % 5 % 7 % 4 % 4 % 13 % 6 %
Europawahl 09.06.2024 22,8 % 30,5 % 4,8 % 8,7 % 2,5 % 3,9 % 15,0 % 11,8 %
INSA[31] 18.04.2024 32 % 29 % 5 % 8 % 4 % 5 % 10 % 7 %
INSA[31] 24.10.2023 32 % 33 % 9 % 8 % 4 % 5 % — 9 %
INSA[31] 27.06.2023 31 % 29 % 9 % 9 % 6 % 6 % — 10 %
INSA[31] 21.03.2023 35 % 26 % 11 % 8 % 6 % 7 % — 7 %
Infratest dimap[31] 24.02.2022 33 % 20 % 11 % 16 % 5 % 6 % — 9 %
Bundestagswahl 26.09.2021 21,0 % 19,6 % 9,6 % 25,4 % 9,5 % 6,5 % — 8,4 %
Landtagswahl 2021 06.06.2021 37,1 % 20,8 % 11,0 % 8,4 % 6,4 % 5,9 % — 10,4 %
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Ergebnisse der Bundestags- und Europawahlen jeweils nur für Sachsen-Anhalt

Verlauf

Verlauf der Umfragewerte seit 2022

Direktwahl Ministerpräsident

Weitere Informationen Institut, Datum ...
Institut Datum Sven Schulze (CDU) Ulrich Siegmund (AfD) keiner/weiß nicht
Forschungsgruppe Wahlen[32] 06.09.2026 45 % 39 % 16 %
Infratest dimap[33] 06.09.2026 46 % 40 % 14 %
Forschungsgruppe Wahlen[34] 03.09.2026 48 % 34 % 18 %
INSA[35] 02.09.2026 28 % 39 % 33 %
Forschungsgruppe Wahlen[36] 28.08.2026 48 % 32 % 20 %
Infratest dimap[37] 26.08.2026 41 % 39 % 20 %
INSA[38] 03.07.2026 28 % 32 % 40 %
INSA[39] 13.05.2026 28 % 30 % 42 %
Infratest dimap[40] 07.05.2026 36 % 32 % 32 %
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Ergebnis

Erststimmenmehrheiten in den Wahlkreisen
Zweitstimmenmehrheiten in den Wahlkreisen

Die Alternative für Deutschland gewann mit 43,8 % der Zweitstimmen die Wahl deutlich vor der CDU. Das Ergebnis war sowohl das historisch beste Wahlresultat der AfD bei einer Landtagswahl, als auch das beste Abschneiden einer einzelnen Partei im Land Sachsen-Anhalt seit dessen Gründung 1990. Zuletzt erzielte die SPD in Hamburg 2015 ein besseres Ergebnis auf Landesebene. Mit Ausnahme des Wahlkreises Halle III war die AfD in allen Wahlkreisen die Partei mit den meisten Zweitstimmen. In sieben Wahlkreisen im Süden des Bundeslandes entfielen über die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen auf den als gesichert rechtsextremistisch geltenden Landesverband. Nachdem die AfD bei der vorherigen Wahl 2021 nur ein einzelnes Direktmandat gewonnen hatte, verdrängte sie nun die CDU in fast allen Wahlkreisen und gewann 38 Wahlkreismandate. Elf Kandidaten wurden dabei mit einer absoluten Mehrheit gewählt.

Die CDU büßte über die Hälfte ihres Wähleranteils ein und rutschte auf rund 17 % der Zweitstimmen ab. Dies stellte das bisher schlechteste Wahlergebnis der CDU Sachsen-Anhalt dar und unterbot den Negativrekord aus dem Jahr 1998 um fast fünf Prozentpunkte. Die Kreiswahlvorschläge der CDU konnten sich in keinem Wahlkreis gegen die AfD-Kandidaten durchsetzen, sodass erstmals alle CDU-Abgeordneten ihr Mandat über die Parteiliste erhielten.

In den Wahlkreisen Halle II, Halle III und Magdeburg II war Die Linke mit ihren Kandidaten erfolgreich und sicherte sich drei Direktmandate. Beim Zweitstimmenergebnis verlor sie jedoch leicht und lag mit 8,6 % hinter der SPD und den Grünen. Für die Grünen resultierte der Zuwachs von drei Prozentpunkten im besten Abschneiden bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Zudem zog das 2024 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht mit knapp über fünf Prozent in den Landtag ein, während die FDP den Einzug nach einem Verlust von fast vier Prozentpunkten diesmal deutlich verpasste. Unter den übrigen Parteien erhielten noch die Freien Wähler und die Partei Mensch Klima Tierschutz ein Ergebnis von über einem Prozent der Zweitstimmen.

Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 % und stieg damit im Vergleich zur Wahl 2021 um 17,5 Prozentpunkte.

Gesamtergebnis

Weitere Informationen Listen, Erststimmen ...
ListenErststimmenZweitstimmenMandate
Stimmen%+/-MandateStimmen%+/-MandateAnzahl+/-
AfD581.89944,3 22,538575.97143,8 23,0139 16
CDU314.50024,0 10,1−226.60517,2 19,91515 25
SPD102.7827,8 03,2−122.2969,3 00,988 01
Grüne45.3213,5 02,2−117.4948,9 03,088 02
Linke158.01512,0 00,83112.5588,6 02,458 04
BSW41.8063,2neu−69.3555,3neu55neu
FDP41.1203,1 03,6−33.9862,6 03,8−− 07
FW14.4651,1 04,3−15.3911,2 01,9−−−
Tierschutzpartei1.1290,1 00,0−14.3541,1 00,3−−−
Gartenpartei2.9370,2 00,1−7.4790,6 00,2−−−
Tierschutzallianz9990,1 00,3−7.2960,6 00,1−−−
Volt7690,1neu−4.3400,3neu−−neu
Die PARTEI7780,1 00,3−3.4870,3 00,4−−−
PdF2.6800,2neu−2.7730,2neu−−neu
dieBasis–– 00,7−1.8970,1 01,4−−−
HEIMAT3260,0 00,0−–– 00,3−−neu
Einzelbewerber3.1870,2−−––−−−−
Übrige–– 00,3−–– 02,0−−−
Gesamt1.312.713100411.315.2821004283 14
Ungültige Stimmen15.2781,2 00,512.7091,0 00,5
Wählende1.327.99177,8 17,51.327.99177,8 17,5
Wahlberechtigte1.706.8521.706.852
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
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Wahlergebnis in den Gemeinden und kreisfreien Städten

Die folgenden Karten zeigen die (relativen) Mehrheiten der Erststimmen (l.) und Zweitstimmen (r.) in den Gemeinden, Städten sowie den Stadtteilen der kreisfreien Städte.

AfD
  • 20–30 %
  • 30–40 %
  • 40–50 %
  • 50–60 %
  • 60–70 %
  • 70–80 %
  • CDU
  • 20–30 %
  • 30–40 %
  • 40–50 %
  • Grüne
  • 20–30 %
  • 30–40 %
  • Linke
  • 20–30 %
  • 30–40 %
  • 40–50 %
  • Folgen

    Regierungsbildung

    Weitere Informationen Koalitionsoption, Sitze ...
    KoalitionsoptionSitze
    Sitze gesamt83
    Absolute Mehrheit (ab 42 Sitzen)
    AfD, CDU54
    CDU, SPD, Grüne, Linke, BSW44
    AfD, BSW44
    keine Mehrheit (bis 41 Sitze)
    CDU, SPD, Grüne, Linke39
    AfD39
    Schließen

    Die AfD verfehlte mit 39 der 83 Mandate die absolute Mehrheit von 42 Sitzen. Rechnerisch käme jede Zusammenarbeit einer der anderen Parteien über diese Marke.[41] Der knappe Einzug des BSW mit nur 3526 Stimmen über der 5-%-Hürde machte für die Mehrheitsverhältnisse den entscheidenden Unterschied: Ohne BSW hätten CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen über 42 Mandate verfügt und eine entsprechende Mehrheit im Landtag besessen. In Summe erhielten die vier Parteien nur 2927 Zweitstimmen mehr als die AfD.

    Ulrich Siegmund kündigte an, sich im Dezember der Wahl zum Ministerpräsidenten zu stellen. Auf welche Mehrheit er dabei setzen möchte, kommentierte er nicht, ergänzte aber, dass „keine klassische Minderheitsregierung“ gebildet werden solle.[42] Das BSW schlug dagegen einen überparteilichen Ministerpräsidenten vor, der mit wechselnden Mehrheiten regiert und lehnte eine Wahl Siegmunds ab.[41][43] Laut Sarah Wagenknecht solle die gemeinsame Mehrheit für Fragen der Energie- und Außenpolitik im Bezug auf Russland dennoch genutzt werden.[43] In den Wochen nach der Wahl kam es zu Sondierungen einer möglichen Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW.[44] In ersten Gesprächen wurde demnach ein gemeinsames Vorgehen für einen Corona-Untersuchungsausschuss im Landtag und eine grundsätzliche Reform des öffentlich-rechlichen Rundfunks besprochen.[45] Siegmund hatte angekündigt, den Medienstaatsvertrag und den MDR-Staatsvertrag zu kündigen, das BSW will zunächst eine Reform prüfen. Auch in der Organisation des Landtags wollen AfD und BSW kooperien. So will das Bündnis etwa einen AfD-Landtagspräsidenten mittragen und im Gegenzug einen Vizeposten bekommen.[46]

    Gleichzeitig lud die SPD am 29. September zu gemeinsamen Gesprächen aller Parteien außer der AfD, um die Möglichkeit eines unabhängigen Ministerpräsidenten zu prüfen. Die CDU lehnte Gepräche mit SPD, Grünen, Linken und BSW ab, da sie ihre Rolle in der Opposition in den Regierungsauftrag bei der AfD sehe. Das Treffen unter Federfürhung der SPD wäre somit zunächst ohne Aussicht auf eigene Mehrheiten. Das BSW behrarrte demnach darauf, dass ein überparteilicher Ministerpräsident auch mit den Stimmen der AfD gewählt werden müsse. Ein Kandidat für diese Rolle wurde bislang von keiner beteiligten Partei beannt.[47]

    Nach der Niederlage kündigte die CDU eine Neuwahl ihres Vorstands an, bei der Schulze nicht erneut kandidieren werde. Stattdessen kandidierte Schulze überraschend für den Fraktionsvorsitz der CDU-Landtagsfraktion, den bisher Guido Heuer innehatte, und gewann in einer Kampfabstimmung.[48] Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen-Anhalt Sepp Müller erklärte seine Kandidatur für den Landesvorsitz.[43][49]

    Bundespolitische Reaktionen

    Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Ergebnis als schwerste Wahlniederlage der CDU seit Jahrzehnten und räumte einen Einfluss seiner Person auf den Wahlkampf ein. Einen Rücktritt lehnte er ab. Er kündigte an, den Reformkurs der Bundesregierung fortzusetzen, besser zu erklären und darüber mit der SPD-Spitze zu beraten. Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hielt ebenfalls an der Notwendigkeit von Reformen fest, kritisierte jedoch eine Rhetorik, die bei Fragen der Arbeitszeit und des Krankenstands Verunsicherung und Misstrauen schaffe.[50] Gegenüber Deutschlands internationalen Partnern betonte Merz die Stabilität der demokratischen Institutionen und das Festhalten an den verfassungsmäßigen Grundwerten. Zudem bekräftigte er die Unterstützung der Ukraine gegenüber Russland.[51]

    In den Tagen und Wochen nach der Wahl wurde zu verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen aufgerufen, um zu Verhindern, dass eine mögliche AfD-Regierung etwa an sensible Informationen aus Geheim- und Sicherheitsdiensten gelangt, andere bundesweite Vorgänge sabotieren kann oder andere Einflussmöglichkeiten ausnutzt. So hat Sachsen-Anhalt etwa auf seinen turnusmäßigen Vorsitz in der Ministerpräsidentenkonferenzverzichtet. Am 24. September wurde beschlossen, dass Rheinland-Pfalz außerplanmäßig seinen Vorsitz für ein weiteres Jahr fortsetzt.[52] Die Innenminister der Länder beschlossen am 30. September in Vorbereitung eines möglichen AfD-Innenministers, das Einstimmigkeitsprinzip bei ihren Entscheidungen zu kippen.[53]

    Internationale Reaktionen

    Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, in Polen könnten sich nur „Idioten oder Verräter“ über den AfD-Erfolg freuen. Der französische Finanzminister Roland Lescure wertete das Ergebnis als besorgniserregendes Signal einer internationalen populistischen Welle.[54] Glückwünsche kamen unter anderem von Matteo Salvini und Tomio Okamura. Salvini deutete das Ergebnis als Ausdruck des Wunsches nach Veränderung, Sicherheit und Arbeitsplätzen.[54] Auch Viktor Orbán gratulierte Alice Weidel, Ulrich Siegmund und der AfD. Er bezeichnete den Wahlabend als bedeutend für Deutschland und Europa und erklärte, dies sei erst der Anfang.[55] In den Vereinigten Staaten gratulierten Elon Musk und Richard Grenell der AfD. US-Präsident Donald Trump veröffentlichte auf Truth Social eine Hochrechnung des Wahlergebnisses, ohne diese zu kommentieren.[54] Der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew begrüßte den Wahlsieg und bezeichnete ihn als Demütigung der deutschen Regierungskoalition.[56]

    Mediale Einordnung

    Die New York Times unterstrich die historische Dimension einer möglichen Regierungsübernahme durch Rechtsextremisten.[57] Die Financial Times sah im Wahlergebnis einen schweren Rückschlag für Merz und warnte, ein politisch geschwächtes Deutschland könne seine Führungsrolle in der Europäischen Union weniger wirksam wahrnehmen.[58] Der Guardian berichtete über Bestürzung und Sorgen um Zugewanderte in Magdeburg.[59]

    In der deutschen Presse unterschieden sich die Handlungsempfehlungen. Christian Tretbar deutete das Ergebnis im Tagesspiegel als letzte Warnung an Merz und das demokratische Zentrum. Helge Fuhst forderte in der Welt dagegen einen stärker nach rechts ausgerichteten Regierungskurs und einen sachbezogenen Dialog mit der AfD. Eine Koalition mit ihr lehnte er insbesondere wegen ihrer Russlandpolitik ab.[60] In einer Analyse für Watson deutete Dariusch Rimkus den AfD-Erfolg als Vorteil für den Kreml. Er verwies auf Übereinstimmungen in der Darstellung der deutschen Russlandpolitik und auf das russische Interesse an einer Schwächung der Unterstützung für die Ukraine. Ein Einfluss russischer Äußerungen am Wahltag auf konkrete Wahlentscheidungen ließ sich ihm zufolge nicht nachweisen.[56]

    Reaktionen der Zivilgesellschaft

    Am Wochenende nach der Wahl versammelten sich in mehr als 35 Städten über 130.000 Demonstranten. Die größte Einzelveranstaltung war in Hamburg mit rund 25.000 Personen. In Düsseldorf kamen 20.000, in Berlin und München je etwa 13.000 Protestierende zusammen.[61]

    Siehe auch

    Einzelnachweise

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