Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Wahl zum 9. Landtag Sachsen-Anhalts am 6. September 2026 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Wahl zum neunten Landtag von Sachsen-Anhalt wird voraussichtlich am 6. September 2026 stattfinden.[1]

Das Gebäude des Landtags von Sachsen-Anhalt

Organisation

Wahltermin

Nach Artikel 43 der Landesverfassung findet die Landtagswahl frühestens im 58. und spätestens im 62. Monat nach Beginn der Wahlperiode statt, sofern es nicht zu einer vorzeitigen Beendigung der Wahlperiode kommt.

Die Wahlperiode des am 6. Juni 2021 gewählten Landtags begann mit seiner ersten Sitzung am 6. Juli 2021.

Als mögliche Wahltermine kamen deshalb zunächst alle Sonntage zwischen dem 10. Mai 2026 und dem 6. September 2026 in Frage. Im Mai 2025 beschloss der Landtag den 6. September 2026 als Termin.[1]

Wahlrecht

Der Landtag hat mindestens 83 Abgeordnete, diese Zahl kann sich durch Überhang- und Ausgleichsmandate erhöhen (derzeit 97). Jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird in jedem der 41 Wahlkreise ein Abgeordneter gewählt. Mit der für die Sitzzuteilung im Landtag maßgeblichen Zweitstimme wird die Landesliste einer Partei gewählt. Die Sitze werden nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren proportional unter denjenigen Parteien verteilt, die mindestens 5 % der Zweitstimmen erringen.[2]

Ausgangslage

Vorherige Wahl 2021

Wahl zum Landtag von Sachsen-Anhalt 2021
 %
40
30
20
10
0
37,1
20,8
11
8,4
6,4
5,9
10,4

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die CDU erneut stärkste Partei. Die AfD verlor leicht, blieb aber zweitstärkste Kraft. Ein vor der Wahl prognostiziertes „Kopf-an-Kopf-Rennen“ zwischen CDU und AfD blieb aus; die CDU landete 16 Prozentpunkte vor der AfD.

Starke Verluste verzeichnete Die Linke, die mit 11 Prozent ihr schlechtestes Landesergebnis erzielte. Auch die SPD errang mit 8,4 % das schlechteste Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Die FDP schaffte mit 6,4 % nach zehn Jahren den Wiedereinzug in den Landtag. Die Grünen gelangten mit knapp sechs Prozent erneut ins Parlament.

Da eine „Große Koalition“ aus CDU und SPD mit 49 von 97 Sitzen nur eine knappe Mehrheit gehabt hätte, bildeten nach der Wahl CDU und SPD zusammen mit der FDP eine schwarz-rot-gelbe Koalition („Deutschland-Koalition“). Reiner Haseloff (CDU) wurde erneut zum Ministerpräsidenten und Chef der Landesregierung gewählt.

Im Parlament hat die Regierung mit 56 der 97 Sitze eine deutliche Mehrheit, gleichwohl erreichte Reiner Haseloff erst im zweiten Wahlgang eine Mehrheit der Stimmen.

Parteien und Kandidaten

Wahlvorschläge müssen bis zum 20. Juli 2026 bei der Landeswahlleiterin bzw. den Kreiswahlleitern eingereicht werden.[3] Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind oder sich an der letzten Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt beteiligt haben, müssen ihr Beteiligung bis zum 7. Juli 2026 anzeigen und ihre Parteieigenschaft nachweisen. Landeslisten bedürfen Unterstützungsunterschriften von 1000 Wahlberechtigten, Kreiswahlvorschläge die von 100 Wahlberechtigten. Davon ausgenommen sind Wahlvorschläge von Parteien, die im Landtag oder durch einen in Sachsen-Anhalt gewählten Abgeordneten im Bundestag vertreten sind. Dies sind nach Feststellung der Landeswahlleiterin:

Weitere Informationen Fraktion/Landesverband, Kurzbe- zeichnung ...
Fraktion/Landesverband Kurzbe-
zeichnung
Landtagssitze
Wahl 2021 Stand 19. März 2026
Christlich-Demokratische Union Deutschlands CDU 40 40
Alternative für Deutschland AfD 23 22
Die Linke Linke 12 11
Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 09 09
Freie Demokratische Partei FDP 07 07
Bündnis 90/Die Grünen Grüne 06 06
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Folgende Parteien haben Stand 20. März 2026 Formblätter für Unterstützungsunterschriften bei der Landeswahlleiterin angefordert und erhalten:[4]

Weitere Informationen Partei, Kurzbezeichnung ...
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Spitzenkandidaten

Christlich Demokratische Union (CDU)

Der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verkündete am 7. August 2025, dass er nicht erneut als Spitzenkandidat antreten werde.[5] Stattdessen soll Landesvorsitzender Sven Schulze die Partei in den Wahlkampf führen. Schulze wurde im Januar 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt und war von 2021 bis 2025 Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts. Seit 2018/19 ist er Landeschef der CDU, zuvor war er kurzzeitig Mitglied des Europäischen Parlaments. Am 1. November 2025 wurde er auf einer Landesvertreterversammlung der CDU Sachsen-Anhalt in Oschersleben mit 90,09 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt.[6]

Alternative für Deutschland (AfD)

Die AfD kürte ihren Spitzenkandidaten auf einem Landesparteitag in Magdeburg am 23. Mai 2025: Ulrich Siegmund wurde von 98,3 % der Delegierten gewählt.[7] Siegmund ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2022 Co-Vorsitzender der Fraktion. Als Spitzenkandidat folgt er Oliver Kirchner nach, der dies 2021 war. Siegmund kritisierte als Reaktion auf Haseloffs Rückzug den Generationenwechsel bei der CDU und bekräftigte den Anspruch der AfD, stärkste Kraft werden zu wollen.[8] Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt seit 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.[9]

Die Linke (Linke)

Die Linke hat Eva von Angern als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2026 aufgestellt.[10] Die Landesvorsitzenden Janina Böttger und Hendrik Lange schlugen sie am 17. Juni 2025 vor. Von Angern ist seit 2002 Mitglied des Landtags und führt seit 2020 die Linksfraktion. Sie war bereits 2021 Spitzenkandidatin, als die Linke mit 11,0 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielte und rund ein Drittel ihrer Stimmen verlor.[11]

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Die SPD legte sich früh auf einen Spitzenkandidaten fest. Am 16. Juni 2025 nominierte der SPD-Landesvorstand einstimmig Armin Willingmann als Spitzenkandidaten. Er wurde auf einem Landesparteitag am 6. September 2025 offiziell bestätigt. Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, aktuell als Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie als erster stellvertretender Ministerpräsident.[12]

Freie Demokratische Partei (FDP)

Bei die FDP wird erneut die Landesvorsitzende Lydia Hüskens die Liberalen in den Wahlkampf führen. Hüskens ist seit 2021 Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt und war 2021 Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl. Anfang Juni 2025 erklärte sie ihre Bereitschaft zur Kandidatur, Mitte November wurde sie gewählt.[13][14]

Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)

Die Grünen in Sachsen-Anhalt wählten am 23. November 2025 auf einem Landesparteitag Susan Sziborra-Seidlitz, die im Mai 2025 erneut zur Landesvorsitzenden gewählt worden war, als Spitzenkandidatin. Sie führte die Landespartei bereits von 2016 bis 2021, bevor sie in den Landtag einzog.[15] Die langjährige Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann kündigte bereits im März 2025 an, nicht erneut als Spitzenkandidatin anzutreten.[16] Olaf Meister, der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion im Landtag, wurde auf Listenplatz 2 gewählt.[15]

Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)

Das BSW beabsichtigt, 2026 erstmals in Sachsen-Anhalt anzutreten. Anfang März 2026 wurden die beiden Spitzenkandidaten Claudia Wittig und Thomas Schulze gewählt, sie werden als Duo ins Rennen gehen.[17][18] Bei der Bundestagswahl 2025 wurde das BSW in Sachsen-Anhalt mit 11,3 % drittstärkste Kraft. Schulze kündigte für 2025 den Aufbau weiterer lokaler Strukturen und Mitgliederwachstum an; Sahra Wagenknecht selbst beabsichtigt, den Wahlkampf zu unterstützen.[19]

Umfragen

INSA-Umfrage vom 25. März 2026
im Vergleich zur Landtagswahl 2021
 %
40
30
20
10
0
38
25
13
6
5
4
3
6
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2021
(auf halbe Prozentpunkte gerundet)
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
−10
−12
+17
−12
+2
−2,5
+5
−2
−3,5
−4,5
Verlauf der Umfragewerte seit 2022
Weitere Informationen Institut, Datum ...
Institut Datum CDU AfD Linke SPD FDP Grüne BSW Sonst.
INSA[20] 25.03.2026 25 % 38 % 13 % 6 % 3 % 4 % 5 % 6 %
INSA[20] 27.01.2026 26 % 39 % 11 % 8 % 2 % 3 % 6 % 5 %
INSA[20] 15.10.2025 26 % 40 % 11 % 6 % 3 % 3 % 6 % 5 %
Infratest dimap[20] 04.09.2025 27 % 39 % 13 % 7 % 3 % 6 % 5 %
INSA[20] 19.06.2025 34 % 30 % 11 % 7 % 2 % 3 % 8 % 5 %
Bundestagswahl 23.02.2025 19,2 % 37,1 % 10,8 % 11,0 % 3,1 % 4,4 % 11,2 % 3,2 %
INSA[20] 16.01.2025 32 % 31 % 4 % 8 % 4 % 3 % 14 % 4 %
INSA[20] 05.11.2024 32 % 30 % 3 % 7 % 4 % 3 % 16 % 5 %
INSA[20] 05.07.2024 29 % 29 % 4 % 8 % 4 % 4 % 16 % 6 %
INSA[20] 13.06.2024 31 % 30 % 5 % 7 % 4 % 4 % 13 % 6 %
Europawahl 09.06.2024 22,8 % 30,5 % 4,8 % 8,7 % 2,5 % 3,9 % 15,0 % 11,8 %
INSA[20] 18.04.2024 32 % 29 % 5 % 8 % 4 % 5 % 10 % 7 %
INSA[20] 24.10.2023 32 % 33 % 9 % 8 % 4 % 5 % 9 %
INSA[20] 27.06.2023 31 % 29 % 9 % 9 % 6 % 6 % 10 %
INSA[20] 21.03.2023 35 % 26 % 11 % 8 % 6 % 7 % 7 %
Infratest dimap[20] 24.02.2022 33 % 20 % 11 % 16 % 5 % 6 % 9 %
Bundestagswahl 26.09.2021 21,0 % 19,6 % 9,6 % 25,4 % 9,5 % 6,5 % 8,4 %
Landtagswahl 2021 06.06.2021 37,1 % 20,8 % 11,0 % 8,4 % 6,4 % 5,9 % 10,4 %
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Ergebnisse der Bundestags- und Europawahlen jeweils nur für Sachsen-Anhalt

Siehe auch

Einzelnachweise

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