Kenneth Pargament
US-amerikanischer Hochschullehrer für Psychologie
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Kenneth Ira Pargament (* 3. November 1950 in Washington, D.C.) ist ein emeritierter Professor für Psychologie an der Bowling Green State University (Ohio, USA). Sein Hauptthema im Gebiet der Religionspsychologie sind die Beziehungen zwischen Religion, psychischem Wohlbefinden und Stress. Besonders bekannt geworden sind die Forschungen zum religiösen Coping in The Psychology of Religion and Coping: Theory, Research, Practice (1997).[1]
Leben und Forschung
Pargament promovierte 1977 an der University of Maryland und erhielt seine Ausbildung in klinischer Psychologie an mehreren Universitäten, bis er 1988 zum Professor an die Bowling Green State in Ohio berufen wurde.[2]
Religiöses Coping ist eine Bewältigungsstrategie, mithilfe religiöser Überzeugungen und Praktiken gegen Stressfaktoren im Leben vorzugehen. Pargament hat einen Fragebogen (RCOPE) mit entworfen, mit dem sich drei Methoden der Bewältigung identifizieren lassen:[3] der aufschiebende Stil, der selbstführende Stil und der kollaborative Stil. Der aufschiebende Stil beinhaltet die Delegierung aller Problemlösungen an Gott; der selbstführende Stil liegt vor, wenn der Einzelne die von Gott gegebene Kraft nutzt, um das Problem selbst zu lösen; der kollaborative Stil wird eingesetzt, wenn der Einzelne Gott wie einen Teamkollegen in der Problemlösung behandelt. Letzterer hat die größten Vorteile, die mit einem erhöhten Selbstwertgefühl und einem geringeren Ausmaß an Depressionen korrelieren.
Pargament hat weiter erforscht, wie religiöse Überzeugungen die geistige und körperliche Gesundheit beeinflussen. Zum Beispiel fand er heraus, dass die religiöse Aktivität für muslimische US-Amerikaner nach 9/11 zunahm und sie im Vergleich zu anderen weniger Symptome einer Depression erlebten. Ebenso stellte er fest, dass eine fehlende religiöse Bewältigung bei AIDS-Patienten mit einer Zunahme von HIV-bedingten Symptomen verbunden war.
Pargament hat vier wichtige Haltungen gegenüber der Religion beschrieben, die von Psychotherapeuten in ihrer Arbeit mit Klienten nutzen: die religiös ablehnende, exklusivistische, konstruktivistische und pluralistische Haltung. Ablehner verachten die Religion und leugnen ihren therapeutischen Wert leugnen; „Exklusivisten“, sehen die Religion als wesentlichen Bestandteil der Therapie für alle Menschen unabhängig von ihrem Glauben an; „Konstruktivisten“ sind bereit, Religion in die Therapie zu integrieren, leugnen aber die objektive Existenz einer transzendenten (oder einer anderen) Realität. „Pluralisten“ erkennen die Realität des Transzendenten an, aber auch die Gültigkeit verschiedener Zugänge. Der pluralistische Ansatz sei für Kliniker der beste, weil er die Existenz eines transzendenten Wesens anerkennt, aber viele Interpretationen dieser Realität zulässt. Weil Pargament den überwiegend ablehnenden Status quo der Psychologie in Frage stellte und eine religiöse Ausbildung, vorzugsweise nach pluralistischen Prinzipien als einen obligatorischen Bestandteil der Ausbildung von Psychotherapeuten befürwortete, war er in der Fachschaft umstritten.[4]
Bücher
- Hrsg.: APA Handbook of Psychology, Religion, and Spirituality, 2 Bde., American Psychological Association, 2013
- Kenneth I. Pargament, Julie J. Exline: Working with Spiritual Struggles in Psychotherapy: From Research to Practice. Guilford Publications, New York 2022, ISBN 978-1-4625-2431-0.
- Kenneth I. Pargament: Spiritually integrated psychotherapy: understanding and addressing the sacred. Guilford Press, New York 2007, ISBN 978-1-57230-844-2.
- Kenneth I. Pargament: The psychology of religion and coping: theory, research, practice. The Guilford Press, New York London 1997, ISBN 978-1-57230-664-6.
Weblinks
- Homepage Psychology of Religion and Spirituality. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- kpargam Website bgsu. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).