Kerguelenpinguin

Unterart der Art Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Kerguelenpinguin (Eudyptes filholi), auch Östlicher Felsenpinguin genannt, ist eine Vogelart aus der Gattung der Schopfpinguine (Eudyptes), die im südlichen Indischen Ozean und im südwestlichen Pazifik vorkommt. Die Pinguinart wurde lange Zeit nur als Population bzw. als Unterart des Felsenpinguins (Eudyptes chrysocome) angesehen. Erst 2025 wurde der Kerguelenpinguin als eigenständige Art anerkannt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Kerguelenpinguin

Kerguelenpinguin auf Auckland

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Schopfpinguine (Eudyptes)
Art: Kerguelenpinguin
Wissenschaftlicher Name
Eudyptes filholi
Hutton, 1878
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Merkmale

Der Kerguelenpinguin gehört zu den kleineren Schopfpinguinarten, genaue Maße liegen jedoch nicht vor. Männchen sind normalerweise größer als die Weibchen. Die Vögel erreichen ein Gewicht von 1,8 bis mehr als 4 kg; letzteres aber nur kurz vor der Mauser, da sie während der Mauser nicht zum Nahrungsfang ins Meer gehen können. Der Kopf, die Kehle, der Rücken und die Oberseite der Flügel und sind kurz nach der Mauser glänzend schwarz gefärbt. Danach wird die Gefiederfärbung immer stumpfer und kurz vor der nächsten Mauser ist das Gefieder abgenutzt und bräunlich gefärbt. Brust, Bauch, die Flügeloberseite sind weiß. Die hintere Flügelkante ist oben weiß und unten schwarz. Wie alle Schopfpinguine besitzt auch der Kerguelenpinguin einen gelben Überaugenstreif und gelbe Schmuckfedern dahinter. Diese können bis zu 7 Zentimeter lang sein. Der kräftige Schnabel ist orangerot gefärbt. Der Schnabel der Jungvögel ist dunkelgrau. Die Spitze des Oberschnabels ist leicht nach unten gebogen. Die Iris ist auffallend rot gefärbt, der vordere Bereich der Beine und die Oberseite der Füße sind rosa, die Fußunterseiten, der hintere Bereich der Beine und die kräftigen Krallen sind schwarz.[1]

Lebensraum und Lebensweise

Türkis, das Verbreitungsgebiet des Kerguelenpinguins

Der Kerguelenpinguin lebt im südlichen Indischen und südwestlichen Pazifischen Ozean und brütet auf den Kerguelen und Crozetinseln, auf den südafrikanischen Inseln Prinz-Edward und Marion, auf den australischen Inseln Heard und Macquarie, sowie auf den zu Neuseeland gehörenden Inseln Campbell, Auckland und Antipodes. Das Verbreitungsgebiet hat eine Ost-West-Ausdehnung von 7500 Kilometer und der Kerguelenpinguin hat damit das größte Verbreitungsgebiet aller Schopfpinguine. Die Hälfte des Jahres, etwa von April/Mai bis September/Oktober leben die Vögel im offenen Ozean zwischen 45 und 55° südlicher Breite. Kerguelenpinguine ernähren sich vor allem von Krebstieren, die mehr als 80 % ihrer Ernährung ausmachen können. Darunter ist vor allem Krill, außerdem werden Flohkrebse, Ruderfußkrebse, Schwebegarnelen, kleine Fische, Fischlarven und Kopffüßer gefressen. Beutegreifer, die dem Kerguelenpinguin nachstellen sind Südliche Seebären, der Neuseeländische Seelöwe, der Schwarzgesicht-Scheidenschnabel, Riesensturmvögel und Möwen, wobei die Vögel vor allem oder ausschließlich für die Jungvögel gefährlich sind. Außerdem fressen sie die Eier des Kerguelenpinguins.[1]

Fortpflanzung

Ei des Kerguelenpinguins

Die Inseln werden zur Fortpflanzung und zur Mauser aufgesucht. Genistet wird an ungeschützten felsigen Küsten, auf Geröllhängen und ähnlichen Orten, manchmal auch verborgen in dichtem Tussockgras. Die Nistplätze liegen oft an der Küste, manchmal aber auch bis zu 1,5 km weit im Landesinneren oder bis zu 600 Meter über dem Meeresspiegel. Der Kerguelenpinguin bildet große Brutkolonien. Das Nest ist eine flache Mulde, die nur wenig mit Gras, kleinen Stöckchen oder Steinen ausgepolstert wird. Manchmal wird dies aber auch unterlassen. Das Gelege besteht aus zwei Eiern, die im Abstand von 4 bis 5 Tagen gelegt und 32 bis 34 Tage lang bebrütet werden. Beide Geschlechter brüten. Die Ablösung durch den Partner erfolgt nach 7 bis 17 Tagen. Das Daunengefieder der Jungvögel ist oben schwärzlich und auf der Bauchseite cremeweiß. Meist überlebt nur ein Jungvogel. Jungvögel bleiben zunächst im Nest, im Alter von ca. 20 Tagen schließen sie sich mit anderen zum „Kindergarten“ zusammen. Im Februar oder März, wenn sie etwa 10 Wochen alt sind und etwa 75 % des Gewichts der Erwachsenen haben, werden die Jungvögel selbständig.[1]

Systematik

Kerguelenpinguine auf der Macquarieinsel

Der Kerguelenpinguin wurde 1878 durch den britischen Zoologen Frederick Wollaston Hutton erstmals wissenschaftlich beschrieben und zu Ehren des französischen Zoologen Henri Filhol benannt,[2] der 1874 an einer Expedition zu Campbell Island teilnahm, in deren Verlauf die Pinguinart entdeckt wurde. Der Kerguelenpinguin galt lange Zeit als Unterart des Felsenpinguins (Eudyptes chrysocome). Verschiedene, zwischen 2006 und 2021 veröffentlichte Studien, zeigten jedoch, dass es sich beim Felsenpinguin um einen Artenkomplex handelt mit drei Kladen, die getrennte Verbreitungsgebiete haben, sich nicht vermischen und die morphologisch und äußerlich unterschiedlich sind.[3][4][5][6][7] Der Kerguelenpinguin und der Tristanpinguin (Eudyptes moseleyi) bekamen daraufhin den Status eigenständiger Arten. Felsenpinguin und Kerguelenpinguin sind Schwesterarten, die von beiden gebildete Klade ist die Schwestergruppe des Tristanpinguins. Alle drei zusammen bilden die Schwestergruppe einer vom Goldschopfpinguin (E. chrysolophus) und vom Haubenpinguin (E. schlegeli) gebildeten Klade.[1]

Gefährdung

Der Bestand des Kerguelenpinguins ging seit den 1940er Jahren stark zurück und gilt heute als gefährdet. Auf Campbell Island gab es in den frühen 1940er Jahren schätzungsweise 1.500.000 Brutpaare. 1985 waren es noch 51.500 und bis 2012 war der Bestand auf etwa 33.000 Paare gesunken. Auf anderen Inseln, vor allem im südwestlichen Pazifik, kam es ebenfalls zu großen Bestandsrückgängen. Im Jahr 2025 schätzte man, dass es insgesamt noch über 400.000 Brutpaare gibt, die meisten davon auf den Inseln des südlichen Indischen Ozeans.[1]

Einzelnachweise

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