Kirche im Johannesstift

evangelische Kirche des Johannesstiftes im Berliner Ortsteil Hakenfelde (Bezirk Spandau) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelische Kirche im Johannesstift ist die Kirche des Johannesstiftes Berlin in der Schönwalder Allee 26 im Berliner Ortsteil Hakenfelde (Bezirk Spandau). Sie liegt im Zentrum des Stiftsgeländes in herausgehobener Lage auf der Platanenallee, der Mittelachse des denkmalgeschützten Gebäudeensembles, das nach einem Entwurf des Architekten Otto Kuhlmann entstand.

Kirche im Johannesstift

Geschichte

Wegen der Errichtung des Westhafens in Moabit wurde das in der Nähe des Plötzensees liegende Evangelische Johannesstift in den Spandauer Forst verlegt. Den Entwurf Kuhlmanns führten die Architekten Hermann Solf und Franz Wichards aus. Die Wohngebäude wurden 1907–1910 errichtet, die Kirche 1914–1917. Ihr Inneres wurde zunächst durch Winfried Wendland 1936 umgebaut. Die eigentliche stilistische Bereinigung führte 1967–1968 Karl Wilhelm Ochs durch. Zuletzt wurde die Kirche im Jahr 2003 umfassend umgestaltet.

Architektur

Baubeschreibung

Der Architekturstil der Neorenaissance der Kirche symbolisiert den Ausklang der wilhelminischen Zeit. Dennoch klingt bei dem mit Klinkern verblendeten Mauerwerksbau bereits die Moderne an.

Der Grundriss der Kirche hat die Form eines gedrungenen lateinischen Kreuzes. Da das nicht gerade lange Langhaus zwei schmale niedrige Seitenschiffe hat, erscheint sie von außen als Kreuzbasilika mit mächtigem Vierungsturm. Innen tritt dieser Vierungsturm nicht in Erscheinung, und die Querhausarme bestehen jeweils aus zwei in Längsrichtung der Kirche angeordneten Jochen, bilden also für den Kirchenraum kurze breite Seitenschiffe, deren Gewölbe in gleicher Höhe ansetzen wie die des Mittelschiffs. Damit ist die Stiftskirche auch eine Hallenkirche. Der eingezogene polygonale Chor hat niedrige Anbauten. Wegen der Kürze aller um die Vierung gruppierten Gebäudeteile hat die Stiftkirche außerdem etwas von einem Zentralbau.

Die Stichkappentonne über dem Mittelschiff ist netzgewölbeartig gestaltet, aber im Sinne eines Zellengewölbes ohne wirkliche Rippen. Beim Umbau in den 1960er Jahren wurden die Emporen an der Seite mit der Empore auf der Eingangsseite verbunden, auf der die Orgel steht. Die Fenster des Chors wurden bis zum Boden verlängert. Zu dieser Zeit wurden auch die Pergolen rechts und links des Portals angebracht. Karl Wilhelm Ochs ließ auch die dekorative Malerei und die historische Ausstattung entfernen.

Der Bau wird durch den 56 Meter hohen mächtigen, abgestuften Glockenturm über der Vierung dominiert. Sein oktogonaler, geschweifter und schiefergedeckter Helm trägt eine Laterne.

Orgel

Die Orgel

Da sich von 1928 bis 1998 im Johannesstift die Berliner Kirchenmusikschule befand, erhielt die Kirche 1937/1938 eine Kemper-Orgel. Sie wurde 1968 ersetzt durch eine große Walcker-Orgel, die von der Firma Otto Hoffmann 2003 überholt und erweitert wurde. Mit 64 Registern auf vier Manualen und Pedal gehört sie zu den größten Orgeln Berlins. Die Disposition ist stark neobarock-experimentell geprägt und wurde von den Berliner Orgelwissenschaftlern Herbert Schulze und Karl Theodor Kühn entworfen. Sie lautet:[1]

II Hauptwerk C–a3
Quintadena16′
Prinzipal8′
Oktave4′
Quinte83
Oktave2′
Mixtur IV–VI43
Scharf II–III13
Gedackt8′
Rohrflöte4′
Schweizerpfeife4′
Trompete8′
I Rückpositiv C–a3
Rohrgedackt8′
Prinzipal4′
Oktave2′
Oktave1′
Scharf IV1′
Sesquialtera II43′+45
Holzflöte8′
Nachthorn4′
Sifflöte43
Septime87
Bärpfeife8′
Tremulant
III Brustwerk C–a3
Gedackt8′
Blockflöte4′
Prinzipal2′
Scharf III12
Zimbel I14
Quintadena8′
Waldflöte2′
Nasat83
Terzian II85′+86
None89
Tredezime813
Rankett16′
Krummhorn8′
Trichterregal4′
Tremulant
IV Schwellwerk C–a3
Lieblich Gedackt16′
Trichterflöte8′
Holzgedackt4′
Prinzipal2′
Scharf II12
Terzglockenton2′+12
Terzglockenton25
Gemshorn (schwebend)8′
Oboe8′
Trompete4′
Tremulant
Pedal C–g1
Prinzipal16′
Oktave8′
Oktave4′
Rauschpfeife III4′
Mixtur V2′
Zimbel III1′
Sesquialtera II163′+165
Subbaß16′
Gedackt8′
Hohlflöte4′
Nachthorn2′
Posaune16′
Dulzian16′
Trompete8′
Kornett4′
  • Koppeln:: I/II, III/II, IV/II, III/I, IV/I, I/P, II/P, III/P, IV/P
  • Bemerkungen: Schleiflade, mechanische Spieltraktur.
  • Die unübliche Schreibweise der Aliquotregister (z. B. 83′statt 223′) soll andeuten, mit welchem Grundton diese in Beziehung stehen (hier: 8').

Glocken

Bei der Einweihung der Kirche verfügte die Gemeinde über ein dreistimmiges Geläut aus Gussstahl-Glocken, die im Bochumer Verein gegossen worden waren. Eine Inventarliste der Gießerei enthält folgende Angaben: das Ensemble aus Glocken mit Klöppel, Lager, Achsen und Läutehebel kostete in der Herstellung 1551 Mark.[2]

Weitere Informationen Größe, Schlagton ...
Glockenplan (alt)
GrößeSchlagtonMasseDurchmesserHöhe
größtea′520 kg1045 mm935 mm
mittlereh′298 kg0890 mm800 mm
kleinsted″202 kg0760 mm690 mm
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Diese Glocken waren wohl der Diakoniegemeinde noch vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr brauchbar, so dass ein komplettes Geläut aus hochwertiger Glockenbronze in Auftrag gegeben und installiert wurde. Es nicht bekannt, ob Glocken als Metallspende des deutschen Volkes in den Kriegen abgefordert und später erneuert worden sind.

In der Glockenstube mit quadratischem Grundriss (Seitenlängen 2,4 m) hängt heute ein Geläut aus vier Bronzeglocken, wobei die kleine Glocke nur als Schlagglocke genutzt wird.

Weitere Informationen Schlagton, Masse ...
Glockenplan (neu)
SchlagtonMasseDurchmesserHöheInschrift
as′540 kg970 mm800 mmEHRET DEN KÖNIG. EVANGELISCHES JOHANNESSTIFT SPANDAU 1909. FRANZ SCHILLING, APOLDA, 3939.
b′370 kg870 mm670 mmAVE MARIA GRATIA PLENA DOMINUS TECVM 153X.
des″220 kg710 mm570 mmAVE MARIA GRATIA PLENA DOMINUS TECVM 153X.
d″180 kg700 mm590 mmGEGOSSEN VON H. HUMPERT. BRILON, A. D. 1930.
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Literatur

  • Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam. Berlin 2003.
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil VI. Sakralbauten. Berlin 1997.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar. Berlin 1987.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. Berlin 1978.

Einzelnachweise

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