Klaus Mecherlein

deutscher Kunstwissenschaftler, Ausstellungskurator und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Klaus Mecherlein (* 9. Dezember 1960 in Crailsheim) ist ein deutscher Kunstwissenschaftler, Ausstellungskurator und Autor. Seit 1993 ist er Leiter des Atelier Augustinum in Oberschleißheim und seit 2000 Kurator des europäischen Kunstpreises euward sowie Direktor des internationalen euward-Archivs.

Klaus Mecherlein, 2021

Werdegang

Klaus Mecherlein wuchs in Crailsheim in Baden-Württemberg auf. Nach dem Abitur 1980 und dem Zivildienst in Stuttgart war er ab 1981 als freischaffender Künstler tätig und studierte von 1986 bis 1992 an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie. 1992 schloss er das Studium mit einer Magisterarbeit mit dem kunstwissenschaftlichen und kunsttheoretischen Thema „Das ‚Plastische‘ bei Joseph Beuys und seine pädagogische Dimensionen“ ab.[1] An der LMU war er noch bis 1999 als Doktorand bei Ernst Rebel.

Im Atelier Augustinum

Ab September 1992 begann Mecherlein das Atelier Augustinum aufzubauen. Das Kreativlabor für Outsider Art in München ist eine Ateliergemeinschaft mit angeschlossener Sammlung und Galerie. Im Jahr 1999 initiierte er den euward, den ersten internationalen Kunstpreis für Kunst im Kontext geistiger Behinderung.[2] Der euward wurde im August 2000 in der Galerie der Künstler in München erstmals verliehen. Mecherlein kuratierte seitdem alle Ausstellungen des dreijährig vergebenen Preises, darunter fünf Präsentationen im Haus der Kunst in München.[3] Ebenfalls 2000 gründete Mecherlein das internationale euward-Archiv,[4] eine Sammlung von Bildzeugnissen und Schaffensdaten von europäischen Künstlerinnen und Künstlern im Kontext der Outsider Art von 2000 bis heute.[5][6]

Daneben war Mecherlein ab 2000 Vorstandsmitglied von Eucrea Deutschland dem Dachverband für Kunst und Behinderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.[2] 2001 konzipierte er das Programm und Curriculum für eine Ausbildung zum „Kunstassistent“ unter dem Dach von Eucrea Deutschland und war bis 2004 auch dessen Leiter und wesentlicher Dozent. Von 2009 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2019 war er Erster Vorsitzender von Eucrea Deutschland.

Seit 2025 ist Mecherlein Mitglied der Jury des internationalen Heralbony Art Prize in Japan.[7]

Als Kurator und Autor

Klaus Mecherlein, 2025

Ab 1994 veröffentlichte Mecherlein als Autor, Co-Autor und Herausgeber zahlreiche Schriften zur Outsider Art und zur zeitgenössischen Kunst. Neben eigenen Veröffentlichungen erschienen seine Textbeiträge in verschiedenen Publikationen.

Als Ausstellungsmacher kuratierte Mecherlein seit 1994 rund 150 zum Teil größere Ausstellungen, darunter, neben den euward-Ausstellungen, thematische Ausstellungen wie Femme enceinte a l’oiseau 2002,[8] Seelenwelten 2003, des Menschen Maaß 2007 und Roots of Abstract im Jahr 2020.[9][10]

Mit seinen Publikationen und Ausstellungen verbindet Mecherlein stets eine intensive Recherche auf einem Gebiet der Kunst, das er für immer noch weitgehend unverstanden, sogar missverstanden hält. Sein Interesse am bildnerischen Schaffen der künstlerischen Außenseiter ist ein dezidiert bildwissenschaftliches. Dabei geht es darum, die tieferen Schichten und Ur-Gründe des menschlichen Bilderschaffens und der Kreativität zu erforschen. Ihn interessiert zentral die intrinsische Motivation der Künstlerinnen und Künstler und die Funktion ihrer Kunstwerke, die sich ihm von jener der kulturellen Bildproduktion zu unterscheiden scheint. Die methodische Basis dieser ständigen Forschungsarbeit liefert hierbei für Mecherlein seine philosophische und kunstwissenschaftliche Prägung durch die Phänomenologie Edmund Husserls und die Hermeneutik in den Geistes- und Kunstwissenschaften. Seine Quellen erstrecken sich von Hans Georg Gadamer bis Max Imdahl und Gottfried Boehm, aber auch den französischen Strukturalismus. Ein wichtiger Hintergrund ist ihm nicht zuletzt aber auch die persönliche Erfahrung des eigenen künstlerischen Schaffens.[11]

Kurationen (Auswahl)

  • 2000: „Ebenbilder“ – Malerei aus 20 Kunstabteilungen der Werkstätten für Behinderte. Römerhallen, Frankfurt
  • 2000: euward - Europäischer Kunstpreis Malerei und Grafik von Künstlern mit geistiger Behinderung. Galerie der Künstler, München (BBK) (für: Augustinum Stiftung München)
  • 2002: „Femme enceinte a l’oiseau“ – outsider art von Künstlern aus Europa. CreArt, Reha Düsseldorf[8] / Kulturhistorisches Museum, Marburg / Galerie im Bezirk Oberbayern, München (mit: Bundesvereinigung Lebenshilfe, Eucrea Deutschland, Bezirk Oberbayern)
  • 2002: euward2. Galerie der Künstler München (BBK)
  • 2003: „Seelenwelten“ – Internationale und regionale Outsider Art im Dialog (Die Sammlung Charlotte Zander). Lokschuppen Rosenheim (für: Kulturamt Rosenheim)
  • 2004: euward3. Haus der Kunst München (mit Chris Dercon)
Ausstellung Patrick Siegl, München 2016
  • 2007: „des Menschen Maaß“. Kunsthalle Villa Kobe, Halle/Saale / Kunstformen, Schloß Hartheim / Museum Haus Cajeth, Heidelberg
  • 2007: euward4. Haus der Kunst, München
  • 2010: euward5. Haus der Kunst, München
  • 2014: euward6. Buchheim-Museum, Bernried
  • 2018: euward7. Buchheim-Museum, Bernried
  • 2020: „Roots of Abstract“ – Abstraktion in der Outsider Art. Kunsthalle Rathausgalerie, München[10]
  • 2021: euward8. Haus der Kunst, München[12]
  • 2024: euward9. Haus der Kunst, München

Schriften (Auswahl)

Commons: Klaus Mecherlein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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