Klein-Eichen

Ortsteil von Grünberg (Hessen) From Wikipedia, the free encyclopedia

Klein-Eichen ist der nach Einwohnerzahl kleinste Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt 8 km östlich von Grünberg am Lardenbach im Vorderen Vogelsberg. Die Bebauungen von Klein-Eichen und Lardenbach gehen ineinander über.

Schnelle Fakten Stadt Grünberg ...
Klein-Eichen
Stadt Grünberg
Koordinaten: 50° 35′ N,  3′ O
Höhe: 279 m ü. NHN
Fläche: 2,13 km²[1]
Einwohner: 235 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06400
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Ortsgeschichte

Kirche und Backhaus

Mittelalter

1466 lässt sich „Wenigen-Eichen“ in einer Urkunde finden.[2] „zu wenigeneyhin in dem gerichte obirnomen“. Der Ort liegt bei Groß-Eichen und ist wohl zeitweise wüst gefallen und gehörte ins Gericht Ober-Ohmen. Erst 1563 wurde der Ortsname Klein-Eichen urkundlich belegt: „wonhafftig zu Klein-Aychen“[3] Dabei scheint der Ort identisch mit Wenigen-Eichen identisch zu sein. Der Name bedeutet bei den Eichen. Klein meint ursprünglich im Mhd. schwach, gering und wurde erst im Nhd. zum Gegensatz groß - klein. Mit diesen Adjektiven wurden topographisch klar zu unterscheidende Orte benannt.[4]

Neuzeit

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges lag Klein-Eichen auf einer Anhöhe ca. 1 km weiter nördlich, wovon Mauerreste und Grabsteine bis heute zeugen. Erst danach siedelten die Bewohner am nördlichen Ufer des Larbachs. 1738 kauften die Einwohner die Fachwerkkirche aus Unter-Seibertenrod und bauten sie in mehrjähriger Arbeit aus. Bis 1978 war der Ort Teil des Kirchspiels Groß-Eichen und wurde vom dortigen Pfarrer mitbetreut. Die evangelische Kirche Klein-Eichen besteht noch heute.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Klein-Eichen:

„Kleineichen (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg 1½ St. von Grünberg und gehört dem Freiherrn von Riedesel. Der Ort hat 1 Kirche, 30 Häuser und 164 Einwohner, die bis auf 2 Katholiken evangelisch sind. Die Einwohner beschäftigen sich auch stark mit der Spinnerei und Leineweberei.“[5]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde im benachbarten Lardenbach in einem Bergwerk Eisenerz abgebaut. Einige Klein-Eichener verdienten sich dort ein Zubrot. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden über Jahre mehrere Kleinstbetriebe, vornehmlich des textilverarbeitenden Gewerbes, in denen vorwiegend Frauen eine Beschäftigung fanden. Ab 1970 erlebte der Ort einen Strukturwandel. Landwirtschaft wurde zunehmend im Nebenerwerb betrieben. Mit Beginn der 90er Jahre schlossen mehr und mehr Betriebe. 2020 existiert nur mehr ein einziger Landwirt im Dorf.

Das ehemalige Backhaus wird heute für Versammlungen und Veranstaltungen benutzt.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Klein-Eichen zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingemeindet.[6][7] Für Klein-Eichen sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.[8]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Klein-Eichen angehört(e):[9][10][11]

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Klein-Eichen das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Rechte am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Klein-Eichen zuständig war. Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853[16] wurde Klein-Eichen dem Sprengel des Landgerichts Laubach zugewiesen.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“.[17]

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts und Klein-Eichen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.[18] Vom 1. Januar 1977 bis zum 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, das dann mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Klein-Eichen 252 Einwohner. Darunter waren 3 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 39 Einwohner unter 18 Jahren, 105 zwischen 18 und 49, 60 zwischen 50 und 64 und 48 Einwohner waren älter.[19] Die Einwohner lebten in 108 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 36 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen lebten keine Senioren.[19]

Einwohnerentwicklung

 1577:012 Hausgesesse[9]
 1742:033 Untertanen, 5 Junge Mannschaften, keine Beisassen/Juden[9]
 1806:148 Einwohner, 26 Häuser[14]
 1829:164 Einwohner, 30 Häuser[5]
 1867:159 Einwohner, 29 bewohnte Gebäude[20]
 1875:154 Einwohner, 29 bewohnte Gebäude[21]
Klein-Eichen: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2020
Jahr  Einwohner
1800
 
160
1806
 
148
1829
 
164
1834
 
170
1840
 
162
1846
 
168
1852
 
167
1858
 
173
1864
 
161
1871
 
156
1875
 
154
1885
 
150
1895
 
147
1905
 
149
1910
 
174
1925
 
181
1939
 
166
1946
 
226
1950
 
231
1956
 
179
1961
 
172
1967
 
173
1970
 
201
1980
 
?
1987
 
208
2003
 
247
2011
 
252
2016
 
237
2020
 
235
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[9]; Ab 1970: Stadt Grünberg:[22][23]; Zensus 2011[19]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:162 evangelische, zwei katholische Einwohner[5]
 1961:148 evangelische (= 86,05 %), 24 römisch-katholische (= 13,95 %) Einwohner[9]

Historische Erwerbstätigkeit

 1961:Erwerbspersonen: 74 Land- und Forstwirtschaft, 17 Prod. Gewerbe, 4 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 8 Dienstleistungen und Sonstige.[9]

Politik

Für den Stadtteil Klein-Eichen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Klein-Eichen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[8] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,77 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Klein-Eichen“ an.[24] Der Ortsbeirat wählte Werner Zimmer zum Ortsvorsteher.[25]

Vereine

Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben, nämlich die Freiwillige Feuerwehr Lardenbach/Klein-Eichen, der Gesangverein „Eintracht“ Lardenbach/Klein-Eichen und der „K-E V“ (Klein-Eichener Verein).

Im Jahr 1989 gründete sich der „Klein-Eichener Arbeitskreis zur Rettung der Lebensfreude e. V.“, der bis ins 21. Jahrhundert hinein Konzerte, Dorffeste und Informationsabende zur Dorfgeschichte (z. B. zum Thema „Spinnstube“) veranstaltete.

Literatur

Commons: Klein-Eichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

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