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Klepsydra

im antiken Griechenland gebräuchliche Wasseruhr From Wikipedia, the free encyclopedia

Klepsydra oder Klepshydra (von altgriechisch κλεψύδρα klepsýdra, deutsch ‚Wasserdieb‘) bezeichnete eine im antiken Griechenland gebräuchliche Wasseruhr (altgriechisch ὡρολόγιον horologion). Im engeren Sinn wurde die Klepsydra zum Messen von Redezeiten verwendet, Wasseruhren für die allgemeine Zeitmessung der Stunden.[1]

Prinzip der Klepsydra: 1) Auslaufbehälter mit Wasser, 2) Skala, 3) Auslauföffnung, 4) Auffangbehälter

Funktion

Eine Klepsydra besteht aus zwei Behältern. Aus dem mit Wasser gefüllten Auslaufbehälter strömt das Wasser in einen Einlaufbehälter. Der Wasserstand an der Skala im Auslauf- oder im Auffangbehälter zeigt die verstrichene Zeit an. Diesem Prinzip nach ist sie der Sanduhr gleich; beide Uhren bestehen aus zwei Behältern, zwischen denen „Teilchen“ strömen. Dieser Teilchenstrom wird in Beziehung zur verstreichenden Zeit gesetzt.

Später wurden auch Versionen mit Zahnradgetrieben gebaut, die mit einem Schwimmer verbunden waren. Diese sind ein Vorläufer der modernen Uhr. Da der Wasserfluss schwer zu kontrollieren ist und von mehreren Faktoren abhängt, ist die Klepsydra nicht sehr genau. Dennoch war sie das erste Instrument zur Zeitmessung unabhängig von astronomischen Beobachtungen.

Geschichte

Auslaufbehälter einer antiken Klepsydra (oben) mit neuzeitlicher Rekonstruktion (unten) (Inhalt 6,4 Liter, geschätzte Rededauer sechs Minuten)[1]
Antike persische Wasseruhr im Qanat von Gonabad

Wie die anderen wichtigen Messinstrumente im antiken Griechenland (Gnomon und Polos) kommt sie aus dem Vorderen Orient. Eines der ältesten Exemplare wurde im Grab von Pharao Amenophis I. gefunden und stammt aus dem 15. Jahrhundert v. Chr.

Im antiken Griechenland wurde die Klepsydra um 325 v. Chr. eingeführt. Es handelte sich dabei um steinerne, kegelstumpfförmige Gefäße, aus denen Wasser durch eine Öffnung im Boden gleichmäßig austrat. Andere Klepsydren waren zylindrisch oder schalenförmig und wurden langsam durch einen stetigen Wasserstrom gefüllt. Markierungen im Inneren des Gefäßes zeigten den Zeitablauf anhand des steigenden Wasserstands an.

Eine andere Version bestand aus einem Metallbehälter mit einem Loch im Boden, der, wenn er in einem größeren Behälter schwimmend platziert wurde, nach einer bestimmten Zeit sank. Dieses System blieb in Nordafrika bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch. Diese Uhren wurden typischerweise nachts verwendet, nicht aber tagsüber, da dann genauere Sonnenuhren zur Verfügung standen.

In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. entwickelte Ktesibios die Klepsydra weiter. Er und andere führten verschiedene Mechanismen ein, um die Genauigkeit der Zeitmessung durch Druckregulierung und Aufrechterhaltung eines konstanten Wasserflusses zu verbessern. Die fortschrittlichsten Modelle konnten Glocken oder Gongs läuten, Fenster öffnen, um Bilder darzustellen, oder besaßen bewegliche Anzeigen, Zifferblätter oder Darstellungen von Himmelskörpern. Zu den Erfindern solcher Uhren zählten Archimedes und Heron von Alexandria.

Römische Klepsydra im Archäologischen Museum Frankfurt, 3. Jahrhundert. Am Rand ist ein Kalender eingraviert, mit einem Loch für jeden Tag.

Der makedonische Astronom Andronikos von Kyrrhos ließ in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. das Horologion, heute bekannt als Turm der Winde, auf dem Marktplatz von Athen errichten. Der achteckige Turm ist mit Darstellungen von Jugendlichen und Marktleuten verziert und verfügt über eine Sonnenuhr sowie eine mechanische Zeitmessvorrichtung. Er enthält eine Klepsydra, die alle 24 Stunden, die Jahreszeiten sowie astrologische Daten und Perioden anzeigen kann. Zudem zeigt er die Richtung der Hauptwinde an, daher sein heutiger Name.

Wasseruhren wurden auch im Römischen Reich verwendet.

Im Fernen Osten wurden zwischen 200 und 1300 mechanische astronomische Uhren hergestellt. Eine der aufwendigsten ist die zehn Meter hohe Turmuhr, die vermutlich 1088 von Su Song (蘇頌) erbaut wurde. Ihr Mechanismus enthielt eine 725 erfundene wassergesteuerte Hemmung und verfügte über eine automatisch bewegte Armillarsphäre, einen Himmelsglobus sowie fünf Paneele, die sich öffnen lassen und Figuren zeigen, die Gongs spielen und Tafeln mit der Uhrzeit und spezifischen Tageszeiten anzeigen.

Verwendung

Im antiken Griechenland und im alten Rom wurden Klepsydren speziell für die Zuteilung der Redezeit der streitenden Parteien vor Gericht verwendet. Je nach Streitwert standen ihnen eine Anzahl von Amphoren bzw. Kannen zu. Bei Redepausen wurde das Abflussloch zugehalten.[2][1]

Bauformen

Antike

Die Klepsydra konnte verschiedene Bauformen haben. Einige waren einem Saugheber, also einer großen Pipette, ähnlich. Diese ist ein krugähnliches Gefäß, das nach oben hin enger wird. An der oberen Seite hat sie eine größere Öffnung, an der Unterseite viele kleine Löcher. Um Wasser zu schöpfen, wird die Klepsydra ins Wasser getaucht, die obere Öffnung zugehalten und das mit Wasser gefüllte Instrument aus dem Wasser gehoben. Im Bauch des Gefäßes befindet sich Wasser, das an jede beliebige Stelle transportiert werden kann.

Mit einer solchen Klepsydra weist der Grieche Anaxagoras durch einfache Experimente im Rahmen seiner Ergebnisse, nach heutiger Sicht irrig, die Nichtexistenz des leeren Raumes nach. Beim ersten Versuch wird die Klepsydra mit verschlossener oberer Öffnung ins Wasser gedrückt, so dass kein Wasser eindringen kann; beim zweiten Versuch wird die mit Wasser gefüllte und oben verschlossene Klepsydra außerhalb des Wassers getragen. Den ersten Versuch deutet Anaxagoras als Druck eines Stoffes in der Klepsydra, der das Eindringen des Wassers in das Gefäß verhindert. Für das Nichtaustreten des Wassers aus der Klepsydra im zweiten Versuch macht er den Druck des stofflichen Raumes außerhalb des Gefäßes verantwortlich. Solche und ähnliche Versuche mit der Klepsydra waren bei den Vorsokratikern beliebt.

Marokkanische Klepsydra

Marokkanische Klepsydra

Bei der marokkanischen Klepsydra schwimmt der kleinere Behälter im größeren und hat in der Bodenmitte ein kleines Loch. Sobald er im größeren Behälter versinkt, ist eine definierte Zeitperiode vergangen.[3]

Lehnwort

In der polnischen Sprache benennt das Lehnwort klepsydra eine Wasseruhr sowie eine Sanduhr,[4] aber auch eine Trauer- oder Todesanzeige.[5]

Wiktionary: Klepsydra – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Wasseruhr. In: Wundersames Sammelsurium. 22. Januar 2003 (private Webseite)

Einzelnachweise

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