Knuddels

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Knuddels ist eine 1999 gegründete, deutschsprachige Online-Community. Auf der Plattform können sich Mitglieder ab 18 Jahren innerhalb verschiedener, meist themenbezogener Chaträume mit anderen Nutzern austauschen. Der Onlinedienst stand mehrfach wegen unzureichender Jugendschutzmaßnahmen in der Kritik. Knuddels ist als Webanwendung sowie als App verfügbar und hat nach eigenen Angaben ca. 90.000 täglich aktive Mitglieder.

Schnelle Fakten
Knuddels
Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 09.09.1999
Sitz Karlsruhe
Leitung Holger Kujath
Mathias Retzlaff
Mirko Strauß
Mitarbeiterzahl 50
Branche Chat-Plattform
Website www.knuddels.de
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Werdegang

Entstehung und frühe Jahre

Knuddels ging am 9. September 1999 online.[1] Das Angebot entstand als Studentenprojekt von Holger Kujath und Mathias Retzlaff sowie Mirko Strauß. In den folgenden Jahren entwickelte sich Knuddels zur größten sozialen Onlineplattform in Deutschland mit zeitweise bis zu 6,5 Millionen registrierten Benutzern.[2] Davon waren rund vier Millionen innerhalb eines Monats aktiv, etwa ein Drittel der Nutzer gehörte der Altersgruppe zwischen 14 und 17 Jahren an.[3]

Bereits 2002 wurde Knuddels mit dem Publikumspreis des Deutschen Internet Awards NEO ausgezeichnet.[4] Zudem erschien der Dienst zwischen 2005 und 2007 in der Google-Statistik der am häufigsten aufgerufenen deutschsprachigen Webseiten.[5][6][7]

Heute

Gemäß Angaben von Knuddels verzeichnet die Plattform per 2025 rund 90.000 aktive Benutzer pro Tag. Seit 2025 beträgt das Mindestalter für Neuanmeldungen 18 Jahre;[8] zuvor lag es bei 16 Jahren.[2]

Nach eigenen Angaben beschäftigte die Knuddels GmbH & Co. KG im Jahr 2025 über 50 Mitarbeiter. Die Finanzierung des Dienstes erfolgt durch kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften, Werbeeinblendungen sowie den Verkauf virtueller Güter. Knuddels positioniert sich als Nischenanbieter für Dating, Freundschaft und Spiele für Nutzer ab 18 Jahren.[2]

Jugendschutz und Struktur

Nach öffentlicher Kritik an unzureichenden Jugendschutzmaßnahmen leitete Knuddels ab 2005 verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ein und gründete ein ehrenamtlich tätiges Jugendschutzteam. Im Jahr 2007 beteiligte sich Knuddels gemeinsam mit Lycos Europe, RTL interactive und weiteren Anbietern an der Gründung der Initiative „Selbstkontrolle Chat“ unter dem Dach der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter.[9]

Seit 2023 arbeitet Knuddels mit dem Bundeskriminalamt zusammen, um durch präventive und repressive Maßnahmen zu verdeutlichen, dass der digitale Raum kein rechtsfreier Raum ist.[10] Die forensische Relevanz der Plattform führte 2025 zur Entwicklung eines speziellen Analysemodells für cloudbasierte Messenger durch Forscher der Hochschule Mittweida.[11] Eine Black-Box-Privacy-Analyse von 105 Messengern durch die TU Braunschweig aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass bei Knuddels keine Hinweise auf eine serverseitige Analyse privater Chat-Inhalte vorlagen.[12]

Ein zentrales Strukturmerkmal der Plattform stellt das ehrenamtliche Engagement dar. Nutzer übernehmen administrative und moderierende Aufgaben innerhalb eines gestaffelten Systems der Selbstverwaltung.[13][14] Die Nominierung und Wahl solcher ehrenamtlichen Funktionen erfolgt durch langjährig aktive Mitglieder der Plattform.

Spendenaktionen

Über die Plattform wurden wiederholt Spendenaktionen organisiert, darunter 2010 zugunsten des Kinderhilfswerks UNICEF[15] sowie 2012 zugunsten der Amadeo Antonio Stiftung.[16]

Kritik

Cyber-Grooming und Jugendschutz

Knuddels sah sich wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, Minderjährige nicht hinreichend vor sexueller Belästigung und deren Anbahnung (Cyber-Grooming) zu schützen. Im Zusammenhang mit der Nutzung der Plattform kam es in verschiedenen Fällen zu Missbrauchsfällen und weiteren Straftaten, die strafrechtlich verfolgt wurden.[17][18][19]

Im Jahr 2021 thematisierte das RTL-Spezial Angriff auf unsere Kinder mutmaßliche Fälle von Cybergrooming auf der Plattform.[20] Der Beitrag wurde nach einer von Knuddels angestrengten Klage wegen beanstandeter Mängel in der Berichterstattung gerichtlich untersagt und in der Folge vom Sender entfernt.[21]

Als Reaktion auf die Vorwürfe führte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt KI-gestützte Systeme zur Früherkennung potenzieller Straftaten ein.[22] Nach Angaben des Unternehmens habe sich die Zahl der festgestellten Straftaten zum Nachteil Minderjähriger im Zeitraum von Juni 2023 bis September 2025 infolge dieser Maßnahmen um 93 Prozent verringert.[23]

Unabhängig davon weisen Elternratgeber auf ein mögliches Suchtpotenzial der Plattform hin, das insbesondere Kinder und Jugendliche betreffen könne. Kritisiert werden dabei Belohnungsmechanismen wie das Sammeln virtueller Güter oder das Erreichen eines höheren Community-Status.[24]

Datendiebstahl 2018

Im September 2018 wurden infolge eines Cyberangriffs rund 1,8 Millionen Nutzerdatensätze entwendet, darunter Klarnamen, E-Mail-Adressen sowie unverschlüsselt gespeicherte Passwörter.[25] Aufgrund der Speicherung von Passwörtern im Klartext, was einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung darstellt, verhängte der Landesbeauftragte für den Datenschutz Baden-Württemberg ein Bußgeld in Höhe von 20.000 Euro. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde handelte es sich dabei um die erste in Deutschland verhängte Geldbuße nach der DSGVO. Das Unternehmen habe transparent an der Aufklärung und Einführung von Verbesserungen mitgearbeitet.[26]

Einzelnachweise

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