Konstanze Binder
deutsche Filmregisseurin und Drehbuchautorin
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Konstanze Binder (geboren 1946 in Tübingen) ist eine deutsche Drehbuchautorin, Kamerafrau und Filmemacherin. Sie hat ihren Arbeitsschwerpunkt im Dokumentarfilm.
Leben
Konstanze Binder studierte von 1968 bis 1973 Psychologie an der Universität Zürich. Von 1975 bis 1978 war sie Teil des Filmkollektivs Zürich. 1978 wechselte sie für ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie nach Berlin, welches sie 1985 abschloss.[1] Im Rahmen des Studiums entstanden mehrere experimentelle Kurzfilme auf 16-mm-Film.[2] Daneben entstanden Fotografien für die Albencover befreundeter Musiker, etwa Jon Rose, der auch am Film Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 mitwirkte. Sie lebt in Berlin.
Werk
Konstanze Binder war Teil des 1976 gegründeten Filmkollektivs Zürich. Das Kollektiv entstand im Umfeld der Filmcooperative Zürich, eines alternativen Filmverleihs, und verfolgte die Absicht, neue Arbeitsmethoden in der Filmbranche „zu initiieren“, die auf dem „gemeinsamen Besitz der Produktionsmittel“ und der Schaffung einer eigenen Infrastruktur für die Produktion aufbauen sollten. Die dem Kollektiv angehörende Filmgruppe „Demokratische Rechte“ veröffentlichte 1978 den Dokumentarfilm Aufpassen macht Schule.[3]
Der auf 16-mm in Farbe gedrehte Film hatte seine Uraufführung am 28. Januar 1978 bei den 13. Solothurner Filmtagen und seine Internationale Premiere beim 8. Internationalen Forum des Jungen Films der 28. Internationalen Filmfestspiele Berlin.[3] Darin wird der Schweizer Lehrer Christian Labhart porträtiert, der sich aufgrund seiner linken politischen Haltung Druck durch Behörden ausgesetzt sieht.[4] Hintergrund war der sogenannte „schleichende Radikalenerlass“ in der Schweiz:[5] die von der Schulbehörde zunehmend ausgeübte Praxis, ohne Rechtsgrundlage Lehrer vom Dienst zu suspendieren, die linkspolitisch aktiv waren und an Demonstrationen teilnahmen. Die Perspektive des Lehrers wird mit Reflexionen von Eltern zu seinem Unterricht in Kontrast und mit Erfahrungen anderer Lehrer in der Schweiz in Bezug gesetzt.[6]
Auch der Film Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 entstand im Kollektiv.[7] Konstanze Binder und Lilly Grote kannten sich aus dem Studium an der DFFB, die 1991 kurz nach Fertigstellung des Films bereits verstorbene Ulrike Herdin betrieb mit Grote die Produktionsfirma SO 36 Film, die auch bei Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 als Produktionsfirma fungierte.[8] In Kontakt mit Julia Kunert kamen Grote, Herdin und Binder über die Arbeit mit Ula Stöckl, die im Film auch als Interviewpartnerin zu Wort kommt.
Über den Verlauf eines halben Jahres bis zur Währungsunion begleiteten die Filmemacherinnen die Veränderungen der Wendezeit am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin: vom gelockerten Grenzverkehr zwischen Ost und West nach dem Mauerfall über die Wiederherstellung der durchgehenden Streckenführung der Bahn bis zum schrittweisen Rückbau der Grenzkontrolleinrichtungen. Das im Rahmen der ZDF-Sendereihe Das Kleine Fernsehspiel produzierte Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 gilt heute als Zeitdokument des deutschen Wiedervereinigungsprozesses in Berlin.[9] Der Film hatte seine Uraufführung bei den 41. Internationalen Filmfestspielen Berlin 1991 beim 21. Internationalen Forum des Jungen Films und wird im Jahr 2026 erneut in einer digitalisierten Fassung auf der Berlinale zu sehen sein.[10]
Filmografie (Auswahl)
- 1978: Aufpassen macht Schule (als Teil des Filmkollektivs Zürich, Filmgruppe „Demokratische Rechte“)
- 1983: Ich stand auf einem hohen Dach (Kurzfilm; Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt)
- 1984: Der Schlaf der Vernunft, Regie: Ula Stöckl (Kamera-Assistenz, Standfotos)
- 1986: Kunst wird Material
- 1986: Oranisches Tor, Regie: Lilly Grote (Kamera)
- 1988: Die Gewalt der Geigen
- 1989: Das Rosenbergmuseum
- 1991: The Party – Nature Morte, Regie: Cynthia Beatt (Darstellerin)
- 1991: Berlin, Bahnhof Friedrichstrasse 1990 (Dokumentarfilm; Regie, Drehbuch, Interviews, Kamera)
- 1992: Reise mit Sainkho nach Tuwa
- 2005: Bibliothek
- 2006: Begegnungen mit der Malerin Maria Hafner
Literatur
- Ute Aurand, Maria Lang (Hrsg.): Frauen machen Geschichte. 25 Jahre Studentinnen an der DFFB. Band 1. Berlin, 1991 (handgebunden, 25 Exemplare).
- Madeleine Bernstorff: „Wenn man dann auf einmal auf einer Welle ist.“ Zur Produktion ‚Berlin, Bahnhof Friedrichstrasse 1990‘. In: Betty Schiel, Maxa Zoller (Hrsg.): Was wir filmten. Filme von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990. Bertz + Fischer, Berlin 2021, ISBN 978-3-865-05267-4, S. 148–166.
Weblinks
- Binder, Konstanze. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Konstanze Binder bei IMDb
- Konstanze Binder bei filmportal.de
- Konstanze Binder bei swissfilms.ch
- Konstanze Binder bei Discogs