Korallen-Ölweide

Art der Gattung Ölweiden (Elaeagnus) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata Thunb.), auch Doldige Ölweide, Herbst-Ölweide, Schirm-Ölweide, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ölweiden (Elaeagnus) innerhalb der Familie der Ölweidengewächse (Elaeagnaceae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Korallen-Ölweide

Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)
Gattung: Ölweiden (Elaeagnus)
Art: Korallen-Ölweide
Wissenschaftlicher Name
Elaeagnus umbellata
Thunb.
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Blüten
Blüten im Detail
Fruchtstand

Beschreibung

Die Korallen-Ölweide ist ein frostharter und robuster, laubabwerfender bis 4 m hoher Strauch mit oft dornigen Zweigen.

Die wechselständigen, kurz gestielten, spitzen bis stumpfen, verkehrt-eiförmigen bis elliptischen oder eiförmigen und ganzrandigen Laubblätter sind oberseits mehr oder weniger silbrig schuppig und unterseits dicht silbrig schuppig.

Die weißen, duftenden Blüten erscheinen im späten Frühjahr achselständig und einzeln oder bis zu siebt. Die gestielten und vierzähligen Blüten sind zwittrig mit einfacher Blütenhülle. Der Blütenbecher ist schmal, röhrig. Der schmal trichterförmige Kelch mit kurzen, dreieckigen und spreizenden Zipfeln ist außen silbrig schuppig. Die roten, bis 1 Zentimeter langen, rundlichen bis ellipsoiden, einsamigen, silbrig schuppigen Steinfrüchte sind essbar, saftig, süß-sauer. Sie reifen im Spätsommer/Herbst und haften teilweise bis in den Frühwinter an den Zweigen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[1]

Verbreitung

Die Korallen-Ölweide hat ihre natürlichen Vorkommen in Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan, Korea, Japan, Taiwan und in den chinesischen Provinzen Zhejiang, Hubei, Gansu, Jiangsu, Liaoning, Shanxi, Shandong, Shaanxi, Sichuan, Yunnan und Xizang.[2] In Nordamerika und auf Hawaii ist sie ein Neophyt.[3] Die Korallen-Ölweide kam aus Asien nach Europa und wird in Deutschland als Pioniergehölz oder Zier- und Nutzgehölz kultiviert. Anzutreffen ist die Pflanze in Gärten und Parks sowie an Straßenrändern.

Varietäten

Man unterscheidet folgende Varietäten:[2]

  • Elaeagnus umbellata var. umbellata
  • Elaeagnus umbellata var. rotundifolia (Syn.: Elaeagnus umbellata Thunb. f. rotundifolia (Makino) Kitam.): Diese Varietät kommt natürlich nur in Japan (Honshu, Izu Shotō) vor.[4]

Kultivierung

Vermehrung

Reife Samen werden im Herbst ausgesät und benötigen zur Überwindung der Keimruhe eine Kältephase oder Stratifikation. Vermehrung über Stecklinge, sowohl halbreife wie verholzte, kann von Spätsommer bis Spätherbst erfolgen, benötigt allerdings etwas Geduld, da sich die Bewurzelung erst nach einigen Monaten einstellt und man für die Auspflanzung mit 2 bis 3 Jahren rechnen muss.[5]

Sorten

Rotfrüchtige Sorte
Gelbfrüchtige Sorte

Von der Korallen-Ölweide steht aktuell eine Vielzahl von Sorten zur Verfügung, die sich insbesondere durch Habitus, Reifezeitpunkt, Ertragsstärke, Geschmack, Fruchtfarbe und Fruchtgröße unterscheiden:

  • 'Amber': Gelbfrüchtige Sorte für Frischverzehr und Verarbeitung, ursprünglich aus Japan stammend und von einer US-amerikanischen Baumschule am Markt eingeführt. Relativ große, mittelfrüh reifende, süße Früchte mit einem außergewöhnlichen Ananas-Apfel-Geschmack.[6][7]
  • 'Amoroso': Sorte mit kleineren Früchten und mittlerem Ertrag, Fruchtreife Anfang bis Mitte Oktober, keine Adstringenz. Selektion einer schweizerisch-deutschen Baumschule.
  • 'Big Red': sehr große Früchte mit süß-säuerlichem Geschmack. Die Sorte wurde in Darlington selektiert.[7]
  • 'Brilliant Rose': US-amerikanische Sorte mit sehr großen, wohlschmeckenden Früchten, festeres Fruchtfleisch.[7]
  • 'Cardinal': 1961 vom Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) eingeführte großfruchtige Sorte; massenhaft in den USA eingesetzt für Erosionsschutz, Sichtschutz an Fernstraßen.[8]
  • 'Charlie’s Golden': Sehr ertragreiche Sorte mit goldgelben Früchten, die einen süßeren Geschmack als viele der rotfruchtigen Sorten aufweisen. Selektiert von einer US-amerikanischen Baumschule.[6]
  • 'Early Delicious': Frühe, großfruchtige und sehr aromatische Sorte, Selektion aus dem Havelland.[7]
  • 'Fortunella': Ertragreiche Sorte mit ambergelben Früchten, viel Zucker und viel Säure, bei Vollreife keine Adstringenz. Selektion einer schweizerisch-deutschen Baumschule.
  • 'Garnet': mittelgroße Frucht, aber mit höherem Fruchtfleischanteil, aromatischer Geschmack und nur mild säuerlich, Süße vergleichbar mit süßen Johannisbeersorten.[6][7]
  • 'Hidden Springs': US-amerikanische Selektion mit mittelgroßen Früchten, frühe Fruchtreife.[7]
  • 'K2': Dunklere Triebe und Blätter, elfenbeinfarbene Blüten. Eine der süßesten und winterhärtesten Sorten. Sie wurde selektiert aus Sämlingen, die in der sehr kalten polnischen Region Ermland gezogen wurden.[9]
  • 'Late Scarlett': Süße, geschmackvolle Sorte ohne adstringierende Säure. Fruchtreife im Oktober. Die Sorte wurde in Darlington selektiert.[7]
  • 'Marzahne': Früchte nur geringfügig größer als die Wildform, eine der süßesten Sorten.[7]
  • 'Newgate': frühe reifende Sorte mit sehr gutem Geschmack und guter Süße. Die Sorte wurde in Darlington selektiert.[7]
  • 'Powsin': Ein in der Nähe des Botanischen Gartens Powsin bei Warschau gefundener Sämling. Intensiv duftende, sehr späte Blüte, wahrscheinlich selbstfruchtbar. Fruchtreife Anfang September, sehr süße Früchte.[9]
  • 'Red Cascade': Sehr ertragreiche Sorte, der Geschmack ist eher säuerlich, die Konsistenz ist fest. Eine Sorte zum Verarbeiten für Säfte, Marmelade und Kuchen.[7]
  • 'Red Milan': Polnische, sehr ertragreiche Sorte mit großen, süß-säuerlichen Früchten, Fruchtreife Ende September.[9]
  • 'Ruby': Ertragreiche Sorte mit großen Früchten, die erst spät ihre adstringierende Säure verlieren, dann aber sehr süße Naschfrucht, auch zur Verarbeitung.[7]
  • 'Serinus': reich- und dichtfruchtend; Reifezeit von Mitte August bis Anfang September; in Berlin selektiert und seit 1992 im Handel.[10]
  • 'Silver Bird': Besonders späte Blüte (wahrscheinlich selbstbestäubend) und besonders frühe Fruchtreife (Anfang September). Früchte von durchschnittlicher Größe, aber außergewöhnlich süß. Mit ihren kleinen, silbrigen Blättern hat die Sorte auch einen hohen Zierwert. Sie wurde selektiert aus Sämlingen, die in der sehr kalten polnischen Region Ermland gezogen wurden.[9]
  • 'Sweet Milan': Polnische Sorte, im Vergleich zu 'Red Milan' etwas weniger ertragreich, aber mit größeren und süßeren Früchten.[9]
  • 'Sweet’n’sour': Ertragreiche Sorte, Fruchtreife Mitte Oktober bis Anfang November, leichte Rest-Adstringenz auch bei Vollreife. Selektion einer schweizerisch-deutschen Baumschule.
  • 'Sweet’n Tart': Sehr ertragreiche Sorte, bei Vollreife ausgewogen süß-sauer, kann über einen längeren Zeitraum beerntet werden. Eine Sorte zum Verarbeiten für Säfte, Marmelade und Kuchen.[7]
  • 'Turdus': reich- und dichtfruchtend, Früchte etwas kleiner als bei 'Serinus'; Reifezeit Ende September bis Oktober; in Berlin selektiert und seit 1992 im Handel.[10]
  • 'Le Vasterival': ein außergewöhnlich fruchtbarer und attraktiver Klon aus dem botanischen Garten Vasterival (Normandie).[11]

Nicht alle der nachfolgend aufgeführten Sorten sind aktuell in Mitteleuropa erhältlich. In den Sortimenten von Baumschulen und Gartenmärkten vor Ort sind Korallen-Ölweiden nur sehr selten zu finden, so dass ein Bezug oft nur über den Internet-Versandhandel möglich ist.

Die sortenspezifischen Angaben zu Blühzeitraum und Fruchtreife sind heute ebenso wie phänologische Angaben in botanischen Werken oder kommerziellen Pflanzensteckbriefen in der Regel durch den fortschreitenden Klimawandel veraltet und weichen inzwischen teilweise um mehrere Wochen von der durchschnittlichen Realität ab. Sie sind ohnehin stark abhängig von Naturform/Sorte, geografischen und klimatischen Bedingungen des jeweiligen Standortes sowie vom aktuellen Witterungsverlauf. Im Citizen-Science-Projekt Pl@ntNet werden kontinuierlich phänologische Daten von mehreren hundert Korallen-Ölweiden-Exemplaren weltweit erhoben und – auch nach Erfassungsjahren filterbar – visualisiert.[12]

Eigenschaften, Verwendungen, Potenziale

Ökologische und gärtnerisch relevante Eigenschaften

Die Korallen-Ölweide ist eine sehr robuste, anspruchslose und pflegeleichte Pflanze. Sie wächst gut auf verschiedenen, möglichst durchlässigen Böden, darunter sandigen, lehmigen und leicht tonigen Böden mit pH-Werten von 4,8–6,5.[13] Sie toleriert salzhaltige Böden und salzhaltige Meeresluft[14][15], zur Toleranz gegenüber kalkhaltigen Böden liegen widersprüchliche Angaben vor. Staunässe wird nicht vertragen.

Ähnlich wie Hülsenfrüchtler (Leguminosen) und andere Ölweidengewächse ist die Korallen-Ölweide in der Lage, mit Hilfe von in Symbiose lebenden Bakterien (Frankia alni) Luftstickstoff in knöllchenartigen Gebilden an der Wurzel zu binden, umzuwandeln und den Pflanzen verfügbar zu machen. Analog zu den Mykorrhiza wird diese Form der Symbiose Aktinorrhiza genannt. Die Pflanze gedeiht damit auch auf sehr nährstoffarmen Böden.

Die Korallen-Ölweide bevorzugt sonnige Standorte, verträgt aber auch Halbschatten. Sämlinge sind vermutlich schattenintolerant.[13] Als Winterhärte wird üblicherweise die USDA-Klimazone 4 (bis −34 °C), in einigen Quellen auch Zone 3 (bis −40 °C) angegeben.[15] Sie wird vielfach als Gebirgspflanze mit Vorkommen in Höhenlagen zwischen 1.200 bis 2.100 m über dem Meeresspiegel beschrieben[14], teilweise werden auch Vorkommen bis 3000 m ü.NN. angegeben; sie gedeiht aber auch unproblematisch im Flachland.[16] Sie ist widerstandsfähig gegen Hitze, starke Sonneneinstrahlung, Trockenheit und Wind.

Wenn Korallen-Ölweiden vornehmlich für eine manuelle Beerenernte genutzt werden sollen, ist ein jährlicher Rückschnitt im Februar empfohlen, bei dem vierjährige und noch ältere Triebe direkt über dem Erdboden abgeschnitten und alle übrigen auf ca. 2 m Höhe eingekürzt werden; nur die stärksten neuen Triebe lässt man aufkommen. Die Art ist insgesamt sehr schnitttolerant und treibt auch nach radikalem Rückschnitt bis hin zum „Auf den Stock setzen“ wieder aus. Sie kann mit Verjüngungs- oder Formschnitt als Solitärstrauch, Natur- oder Schnitthecke gezogen werden. Ohne Schnitt entwickeln sich Korallen-Ölweiden zu bis zu 5 m hohen, im unteren Bereich verkahlenden Großsträuchern.

Die Art gilt als sehr klimawandeltolerant und wird in Gärten und Grünanlagen als Beerenobst sowie aufgrund ihres silbrigen Laubs, ihrer duftenden Blüten und ihres auffälligen Fruchtbehangs als attraktive Zierpflanze eingesetzt. Sie gilt auch als Nähr- und Schutzgehölz für Insekten, Vögel und Kleinsäuger.

Bestäubung

Frühlings-Pelzbiene
Rote Mauerbiene

Die Korallen-Ölweide ist eine selbstinkompatible Pflanze mit einfachen und für die meisten Insekten leicht zugänglichen Blüten, die wenig Pollen und viel Nektar bieten. Zur generativen Fortpflanzung ist sie auf Fremdbestäubung durch Tiere angewiesen; dazu stellen sich an den Blüten in der Regel Honigbienen, verschiedenste Hummel- und andere Wildbienen-Arten sowie tag- und nachtaktive Schmetterlinge ein. Im Hochgebirge schränkt jedoch häufig kaltes und/oder regnerisches Wetter die Aktivität dieser Insektenarten ein, so dass die Korallen-Ölweide zur Reproduktionsabsicherung ihrer hochgelegenen Wildpopulationen eine bemerkenswerte Anpassungsstrategie entwickelt hat, indem ihre Blüten mit zunehmender Höhenlage attraktiver für Vogelbestäubung werden.

Eine im Hengduan-Gebirge in der chinesischen Provinz Sichuan durchgeführte wissenschaftliche Studie an Wildpopulationen in drei Höhenlagen ergab signifikante Unterschiede bei der Blütengröße und den Nektareigenschaften in Abhängigkeit von der Höhenlage: Die Sträucher erreichen in 2050 m u.NN. gegenüber der rund 900 m tiefer gelegenen Referenz-Höhenlage nur noch gut die halbe Wuchshöhe und bilden etwa 50–60 % weniger Blüten aus. Der Glucose- und der Fructosegehalt sowie die Gesamtzuckerkonzentration des Nektars sinken mit zunehmender Höhenlage, der Saccharosegehalt und das Nektarvolumen steigen. Die Länge der Blütenröhre, des Griffels und der Staubblätter nehmen mit zunehmender Höhenlage um rund drei Millimeter zu. Saccharosereicher Nektar gilt als charakteristisch für von Nektarvögeln bestäubte Blüten, was bei der Studie durch intensive Beobachtung des Blütenbesucher-Spektrums bestätigt werden konnte.[17]

Bei gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Anpflanzungen der Korallen-Ölweide in Mitteleuropa stellt sich üblicherweise das o. g. Spektrum an Bestäuberinsekten ein; Käfer- und Schwebfliegen-Arten spielen eine untergeordnete Rolle. Um an den Nektar in den Blüten zu gelangen, genügt in der Regel eine Rüssellänge von 3–4 mm (für Blüten typischer Größe der Wildform im Flachland; Angaben zur Blütenröhrenlänge von Zuchtsorten sind nicht zu finden), so dass z. B. alle in Mitteleuropa vorkommenden Hummelarten und auch viele kleinere Wildbienenarten auf „legale“ Weise an den Nektar der Korallen-Ölweide gelangen können. Die Korallen-Ölweide wird daher auch in einer Empfehlungsliste klimawandeltoleranter insektenfreundlicher Bäume und Sträucher aufgeführt.[18]

Invasivität

Die Korallen-Ölweide wurde ab 1830 aus Asien in verschiedene westliche Länder eingeführt, z. B. durch die Hillier Nurseries in Großbritannien[19] und durch die Lake County Nurseries (Ohio) in den Vereinigten Staaten; sie wurde zunächst überwiegend als Zierpflanze eingesetzt. Infolge der verheerenden Erosionskatastrophe („Dust Bowl“) durch Dürren und Staubstürme in den 1930er-Jahren wurde sie in Nordamerika in den 1940er- bis in die 1970er-Jahre massenhaft als Erosionsschutz-Pflanze angepflanzt. Bodenschutzdistrikte verbreiteten sie im Rahmen ihrer jährlichen Frühjahrspflanzenverkäufe. So fand sie als Windschutzgehölz und als Pioniergehölz zur Befestigung von Dünen und Böschungen breite Verwendung. In den 1970er- und 1980er-Jahre wurde sie zur ingenieurbiologischen Sicherung von Fernstraßen eingesetzt. Die Risiken durch gebietsfremde oder invasive Arten waren in dieser Zeit noch weitgehend unbekannt.[20][8]

Allerdings kann sich die Korallen-Ölweide schnell und weiträumig durch Vogelausbreitung auch abseits der ihr zugedachten Pflanzflächen verbreiten, insbesondere wenn sie ihre Konkurrenzstärke auf ausgelaugten oder schwer gestörten Böden wie in der „Dust Bowl“ besonders ausspielen kann. Während sie 1975 in den USA noch als seltener Kultivierungsflüchtling angesehen wurde, wurde ihre aggressive Ausbreitung erstmals 1981 für den Osten von Illinois dokumentiert[8] und wenig später offiziell als „Invasive Spezies“ eingestuft. Heute (Stand Nov. 2025) ist sie in acht US-Bundesstaaten als 'invasiv/schädlich' eingestuft[21] und wird dort und auch in weiteren Bundesstaaten kontinuierlich bekämpft, in der Regel unter Einsatz von Herbiziden.[13]

In den westlichen US-Bundesstaaten ebenso wie in vielen anderen Ländern zeigt die Korallen-Ölweide kein kritisches Invasivitätspotenzial (z. B. [19]), außerdem ist das heutige Konzept der ökologischen Biotop-Wiederherstellung mit Entfernung invasiver Arten und Wiederansiedlung einheimischer Arten auch nicht unumstritten.[22]

Inhaltsstoffe

Die verschiedenen Pflanzenteile der Korallen-Ölweide enthalten zahlreiche Phytochemikalien wie Phenole, Flavonoide, Carotinoide, Tannine, Alkaloide und Saponine. Einer Vielzahl davon werden vorbeugende und heilende medizinische (antioxidative, antibakterielle, antivirale, antimykotische, antidiabetische, entzündungshemmende, zellschützende und krebshemmende) Wirkungen zugeschrieben, so dass die Art seit Mitte der 2000er-Jahre ein intensives Forschungsinteresse auf sich zieht.

  • Die Beeren sind reich an Proteinen, Pektin, Kohlenhydraten und Säuren und außerdem eine gute Quelle für Vitamin A, C und E; außerdem enthalten sie in nennenswerten Mengen Phosphor, Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen. Sie enthalten außerdem die für ihre starke antioxidative Wirkung bekannten Anthocyane sowie Carotinoide wie Lutein, β-Carotin und Lycopin. Lycopin ist das für die rote Farbe der Frucht verantwortliche Pigment; es ist in den Beeren in ca. 17-fach höherer Konzentration enthalten als in frischen Tomaten, seine medizinische Wirkung ist noch nicht hinreichend geklärt. Die Menge an organischen Säuren wie Zitronensäure, Äpfelsäure und Oxalsäure variiert während der verschiedenen Reifestadien erheblich und ist abhängig von Wildfrucht/Zuchtsorte, Klima, Witterungsverlauf und der Bodenzusammensetzung.[14]
  • Auch die Erforschung der Inhaltsstoffe der Blätter und Zweige liefert immer wieder neue Erkenntnisse: Eine Untersuchung aus dem Jahr 1999 konzentrierte sich auf die Polyphenole in den Blättern und fand neben fünfzehn bekannten Tanninen auch sieben bislang unbekannte Tannine, die die Bezeichnungen Elaeagnatin A...G erhielten.[23] Die Ergebnisse einer Studie aus 2019 deuten darauf hin, dass Extrakte aus Blättern und Zweigen ein Potenzial zur Wundheilung und Regeneration von Hautzellen aufweisen.[24]
  • Die Blüten verströmen einen charakteristischen Duft, der weitgehend auf Phenole zurückzuführen ist. Bei einer ausführlichen Analyse des daraus gewonnenen ätherischen Öls wurde eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen identifiziert; die Zusammensetzung deutet insgesamt auf einen möglicherweise kommerziellen Wert hin.[25]

Traditionelle Verwendungen im natürlichen Verbreitungsgebiet

Die Korallen-Ölweide wird in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet traditionell als Brennholz, Viehfutter z. B. für Schafen und Ziegen und zur Herstellung von Korbwaren genutzt. Für diese Zwecke werden die Sträucher in der Regel nicht eigens angebaut, sondern es werden Zweige aus Wildbeständen entnommen. Sie wird insbesondere in trockenen Gegenden auch als Schutz- und Windschutz-Hecke um Bauernhöfe, Häuser, Gärten und Anbauflächen gepflanzt. In einigen Regionen Asiens sind die Früchte aufgrund ihrer positiven Wirkung gegen Hepatitis, Knochenbrüche, Verletzungen und Durchfall in die allgemeine Ernährung aufgenommen worden und werden zur Herstellung von Säften, Marmeladen, Konserven und anderen Nahrungsmitteln verwendet.[14][26][16]

Traditionelle medizinische Verwendungen

In ihrem gesamten natürlichen Verbreitungsgebiet wird die Korallen-Ölweide in der regionalen traditionellen Medizin als Heilpflanze und Stärkungsmittel verwendet:

  • In der traditionellen indischen Medizin werden getrocknete, gemahlene Blätter und Früchte gegen Durchfall eingesetzt. Die unreifen Früchte mit ihrer adstringierenden Säure werden zur Behandlung von blutiger Ruhr gegessen. Die Blüten wirken adstringierend und gelten als herzstärkend und anregend; sie werden zur Behandlung von Husten und Lungeninfektionen verwendet. Die Samen bzw. das daraus gepresste Samenöl werden als Stimulans zur Behandlung von Husten und allgemein zur Behandlung von Lungenerkrankungen verwendet.[26][16]
  • Gemäß der traditionellen chinesischen Medizin sprechen Abkochungen von Wurzel und Blättern oder von Früchten die Lunge, Leber und Dickdarm-Meridiane an. Als Indikationen werden Leukorrhoe, akute Mastitis, Durchfall, Ruhr, Gebärmutterblutungen, Husten mit Lungenhitze und Dysurie angegeben.[27]
  • In der traditionellen koreanischen Medizin sind die Früchte als „Mokbanha“ bekannt, die insbesondere gegen Verdauungsstörungen eingesetzt werden.[28] Die koreanische Volksmedizin „BoRiSuNaMu“ – Zweige der Korallen-Ölweide – wird hauptsächlich gegen Verdauungsstörungen und Husten verwendet.[29]

Landwirtschaftlicher Anbau

Die Früchte von Korallen-Ölweiden werden heute in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet überwiegend durch Wildsammlung, durch Halbkultur (schonende Ernte natürlicher Pflanzenbestände; menschliche Eingriffe nur zur Förderung ihrer Regeneration z. B. durch Nachpflanzungen) oder durch Bewirtschaftung kleiner, oft heckenförmig an Grundstücksgrenzen angelegter Obstgärten gewonnen.[16]

Eine 2005 veröffentlichte Studie hat die Eignung der Korallen-Ölweide für eine mögliche kommerzielle Obstproduktion untersucht. In kontrollierten Anpflanzungen in Maryland (USA) mit drei Zuchtsorten und vier Wildselektionen wurden Jahreserträge zwischen 0,5 und 15 kg pro Pflanze festgestellt. Die maschinelle Ernte erfolgte mit einem handelsüblichen Blaubeerernter an maschinengerecht gezogenen Sträuchern. Unter Berücksichtigung von Ertrag, Betriebsmitteleinsatz und maschineller Erntemöglichkeit kam die Studie zu dem Ergebnis, dass die Korallen-Ölweide eine kommerziell rentable Kulturpflanze insbesondere auf kargen, sandigen und schlecht anderweitig nutzbaren Böden sein könnte.[30]

Ein kommerzieller Anbau über die Dimensionen von kleinbäuerlicherlichem bzw. Laien-Anbau in Obstgärten/Kleinplantagen hinaus ist bislang nicht bekannt.

Verwendung in der Forstwirtschaft

Im forstwirtschaftlichen Bereich gab es u. a. in den Vereinigten Staaten und Großbritannien Feldversuche, Schwarznuss- und Walnuss-Anpflanzungen in Mischkultur mit Korallen-Ölweide großzuziehen. Die Korallen-Ölweiden werden dabei als Begleit- oder Ammenpflanzen bezeichnet, und es wird insbesondere ihre Fähigkeit ausgenutzt, durch Symbiose mit Aktinorrhiza-Bakterien im Wurzelbereich Luftstickstoff binden, umwandeln und sich selbst und benachbarten Pflanzen verfügbar machen zu können. Außerdem ist eine solche Mischkultur im Hinblick auf den Klimawandel vorteilhaft, indem der Boden vor Austrocknung geschützt und das Mikroklima verbessert wird. Bei den Versuchen wurden ein besserer Wuchs, höhere Erträge und bessere Widerstandsfähigkeit der Nussbäume gegen Blattpilzkrankheiten beobachtet.[19] Das Prinzip ist auch auf den Aufbau von Nutzholz-Plantagen anderer Baumarten übertragbar.

Verwendungen in der Küche

Die saftigen Steinfrüchte der Korallen-Ölweide sind essbar und schmackhaft, sie können sowohl roh wie auch gekocht gegessen werden. Insbesondere die Früchte der Wildform und auch einige der Zuchtsorten weisen die für viele Wildobstarten typische adstringierende Säure auf, die sich bei Vollreife stark reduziert oder gänzlich verliert. Für den Frischverzehr empfohlene Sorten zeichnen sich durch geringeren Säuregehalt und hohe Süße aus. Außerdem können die Beeren – auch gemischt mit anderen Früchten – zu Marmelade, Gelee, Kompott, Fruchtpüree, Fruchtsaft und Fruchtleder verarbeitet werden. Sie können auch direkt in süßes Gebäck eingebacken oder zur Zubereitung von Likören, Obstweinen und Obstbränden genutzt werden. In der asiatischen Küche sind sie auch eine mögliche Zutat von Curries oder Chutneys. Rezepte sind in Internetquellen zu finden, deren Autoren im natürlichen Verbreitungsraum der Korallen-Ölweide und auch in den USA beheimatet sind.[16][31]

Literatur

Commons: Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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