Kraanium
norwegische Band
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Kraanium ist eine norwegische Slam- und Brutal-Death-Metal-Band, die 2001 von den Zwillingsbrüdern Martin Funderud und Mats Funderud gegründet wurde. Die Band gehört zu den Vertretern des sogenannten „Slamming Brutal Death Metal“. Dieser beinhaltet extreme Texte, tief gestimmte Gitarren und stark gutturalen Gesang.
| Kraanium | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Oslo, Norwegen |
| Genre(s) | Death Metal |
| Aktive Jahre | 2001–2002, ab 2006 |
| Gründungsmitglieder | |
Gesang | Martin Funderud († 2017) (bis 2017) |
E-Gitarre, Begleitgesang | Mats Funderud |
| Aktuelle Besetzung | |
Gesang | Elfi Davis (ab 2025) |
E-Gitarre, Begleitgesang | Mats Funderud |
E-Gitarre | Jason Varlamos (ab 2015) |
E-Bass | Mika da Costa (ab 2017) |
Schlagzeug | Tobias Tellenbach (ab 2019) |
| Ehemalige Mitglieder | |
E-Bass | Andreas Paulsen (2001–2002) |
E-Bass | Ian Slemming (2007–2015) |
E-Bass | Ivan Rasstrigin (2016–2016) |
Gesang | Jack Christensen (2017–2024) |
E-Gitarre | Vidar Ermesjø (2002, 2006–2015) |
Schlagzeug | Johnny Jawless (2006–2009) |
Schlagzeug | Hannes Nystèn (2010–2011) |
Schlagzeug | Mitch Rider (2012, 2015–2016) |
Schlagzeug | Erhan Karaca (2016–2019) |
Geschichte
Gründung
Kraanium wurde 2001 in Norwegen von den Zwillingsbrüdern Martin Funderud († 2017) (Gesang) und Mats Funderud (Gitarre) gegründet. Beide hatten zuvor in lokalen Hardcore- und Metalprojekten gespielt und wollten mit Kraanium bewusst eine extremere musikalische Richtung einschlagen. Das Ziel war ein möglichst kompromissloser Sound im Stil des damals noch jungen Slamming Brutal Death Metal, der stark von Bands wie Devourment oder Internal Bleeding beeinflusst war.
Der Bandname leitet sich vom norwegischen Wort kranium („Schädel“) ab und wurde bewusst anders geschrieben als das englische „cranium“, um Verwechslungen mit anderen Bands zu vermeiden.
Frühe Phase (2001–2007)
Kurz nach der Gründung nahm die Band erste Demos auf, die innerhalb der Underground-Szene des extremen Death Metal zirkulierten. Diese frühen Aufnahmen zeigten bereits die typischen Merkmale der späteren Kraanium-Veröffentlichungen: tiefer gestimmte Gitarren, langsame „Slam“-Passagen und extrem gutturalen Gesang.
Die Band hatte in dieser Zeit mehrere Besetzungswechsel und eine zeitweilige Pause, wodurch sich die Aktivität zunächst verlangsamte. Dennoch entwickelte sich um Kraanium eine kleine internationale Fangemeinde innerhalb der Underground-Tape-Trading-Szene.
Durchbruch mit dem Debütalbum (2008)
2008 erschien über das US-Label Comatose Music das Debütalbum Ten Acts of Sickening Perversity. Das Album gilt als eine der prägenden Veröffentlichungen des europäischen Slam-Death-Metal-Undergrounds der 2000er Jahre.
Die Platte wurde in der Szene aufgrund ihres extrem tiefen Sounds, der massiven Slam-Riffs und der bewusst provokativen Gore-Thematik wahrgenommen. Besonders der Gesang von Martin Funderud(†2017) mit ausgeprägten Pig Squeal-Elementen wurde zu einem Markenzeichen der Band.
Internationalisierung und weitere Veröffentlichungen (2009–2014)
Nach dem Debüt begann Kraanium verstärkt international aktiv zu werden. In dieser Phase arbeitete die Band mit Musikern aus verschiedenen Ländern zusammen, wodurch sich Kraanium zunehmend zu einem multinationalen Projekt entwickelte.
2012 erschien das zweite Studioalbum Post Mortal Coital Fixation, erneut über Comatose Music. Die Veröffentlichung festigte den Status der Band innerhalb der Slam-Death-Metal-Szene. Das Album zeigte eine technisch etwas ausgefeiltere Produktion und komplexere Riffstrukturen, blieb jedoch stilistisch dem extremen Slam-Sound treu.
Neben Studioalben veröffentlichte Kraanium auch mehrere Split-EPs mit anderen Bands des Genres, ein im Brutal-Death-Metal-Underground verbreitetes Format.
Phase der Stabilisierung und tragisches Ereignis (2015–2017)
Mit der Veröffentlichung des dritten Studioalbums Chronicles of Perversion im Jahr 2015 setzte Kraanium ihre Aktivität in der internationalen Slam-Death-Metal-Szene fort. Das Album knüpfte stilistisch an die vorherigen Veröffentlichungen an, zeigte jedoch eine modernere Produktion sowie eine stärkere Betonung schwerer, grooveorientierter Slam-Passagen. In dieser Phase etablierte sich die Band weiterhin als feste Größe innerhalb des europäischen Brutal-Death-Metal-Undergrounds.
Die Jahre bis 2017 waren von weiteren Konzerten, internationalen Kontakten innerhalb der Szene sowie der Arbeit an neuem Material geprägt.
Tod von Martin Funderud (2017)
Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte von Kraanium war der Tod des Gründungsmitglieds und langjährigen Frontmanns Martin Funderud im Jahr 2017.
Am 20. April 2017 verstarb Martin Funderud im Alter von 38 Jahren. Sein Tod wurde in der internationalen Extreme-Metal-Szene breit aufgenommen und führte zu zahlreichen Beileidsbekundungen von Fans, Musikern und Bands aus dem Slam- und Brutal-Death-Metal-Umfeld. Die genauen Umstände seines Todes wurden von der Band nur begrenzt öffentlich kommentiert.
Funderud galt innerhalb der Szene als einer der prägenden Slam-Death-Metal-Sängern Europas. Sein Gesangsstil kombinierte extrem tiefe Growls mit Pig Squeal-Techniken und stark rhythmisch akzentuierten Phrasierungen, die gut mit den typischen Slam-Breakdowns der Band harmonierten. Besonders auf dem Debütalbum Ten Acts of Sickening Perversity (2008) sowie auf Post Mortal Coital Fixation (2012) prägte seine Stimme maßgeblich den Klang von Kraanium.
Nach seinem Tod stand die Zukunft der Band zeitweise in Frage. Kraanium entschied sich jedoch, die Band weiterzuführen und das musikalische Erbe ihres Frontmanns fortzusetzen. Spätere Veröffentlichungen der Gruppe wurden von vielen Fans auch als indirekte Würdigung von Funderuds Beitrag zur Bandgeschichte interpretiert.
Innerhalb der Slam-Death-Metal-Szene wird Martin Funderud bis heute häufig als einer der einflussreichen europäischen Vertreter des extrem gutturalen Gesangsstils angesehen. Seine Arbeit mit Kraanium trug dazu bei, den europäischen Slam Death Metal stärker international sichtbar zu machen.
Fortführung der Band und neue Veröffentlichungen (2017–2024)
2018 veröffentlichte die Band das vierte Studioalbum Slamchosis, das weiterhin dem charakteristischen Sound aus schweren Slam-Riffs, tief gestimmten Gitarren und extrem gutturalem Gesang folgte. Die Veröffentlichung zeigte, dass die Band trotz des Verlusts ihres Gründungsmitglieds musikalisch aktiv blieb.
In den folgenden Jahren arbeitete Kraanium an weiterem Material und trat weiterhin im Underground-Kontext der extremen Death Metal Szene auf. 2023 erschien schließlich das fünfte Studioalbum Scriptures of Vicennial Defilement.
Neuere Entwicklungen (2024)
Im Jahr 2024 kam es zu einem weiteren Einschnitt in der Geschichte von Kraanium. Der damalige Sänger Jack Christensen verließ die Band. Christensen hatte nach dem Tod 2017 von Martin Funderud den Gesang übernommen und war mehrere Jahre Teil der Formation.
Nach seinem Ausstieg entschied sich die Band zunächst gegen die sofortige Verpflichtung eines festen neuen Frontmanns. Stattdessen arbeitete Kraanium mit mehreren Session-Sängern, die bei Live-Auftritten unterstützten. Diese Lösung erlaubte es der Band, weiterhin aktiv zu bleiben und Konzerte zu spielen, ohne die endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Neubesetzung treffen zu müssen.
Neue Ära mit Sänger Elfi Davis (seit 2025)
Die offizielle Bekanntgabe seines Einstiegs erfolgte im März 2026. Zeitgleich veröffentlichte Kraanium eine Neuauflage des Songs Rock Filled Orifice, die erstmals den Gesang von Elfi präsentierte. Die Neuaufnahme diente als Einführung seines Gesangsstils und als Auftakt der neuen Bandphase in der Geschichte der Gruppe, in der erstmals wieder ein fester Frontmann dauerhaft Teil der Band wurde.
Elfi stand bereits ab 2025 als Sänger mit auf der Bühne und performte zusammen mit Kraanium unter anderem Shows auf dem „Meh-Suff! Metal-Festival“ (Schweiz), dem „Grind Over Sofia“ (Bulgarien), dem „CastellHell Festival“ (Katalonien) und dem „Brutalfest“ (Finnland). Die Zusammenarbeit blieb zunächst nicht öffentlich bestätigt, während innerhalb der Band an neuem Material gearbeitet wurde.
Stilistisch knüpft Elfi an den für Kraanium typischen Slamming Brutal Death Metal an. Sein Gesang kombiniert extrem tiefe gutturale Growls mit hochfrequenten Pig-Squeal-Techniken und rhythmisch akzentuierten Phrasierungen, die eng mit den charakteristischen Slam-Riffs der Band verzahnt sind. Innerhalb der Szene wird sein Stil insbesondere für die Bandbreite zwischen tiefen „Gurgle“-Vocals und aggressiveren High-Squeals hervorgehoben.
Mit der Veröffentlichung der neuen Version von Rock Filled Orifice begann gleichzeitig eine neue Aktivitätsphase der Band, die neben zukünftigen Veröffentlichungen auch weitere Live-Auftritte vorsieht. Die offizielle Ankündigung im Jahr 2026 markierte damit den Beginn einer neuen Besetzungsperiode in der Geschichte von Kraanium.
Stil
Kraanium wird dem Genre Slamming Brutal Death Metal zugeordnet, einer besonders extremen Variante des Death Metal, die sich in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren aus dem Brutal Death Metal entwickelte. Der Stil der Band ist geprägt von stark heruntergestimmten Gitarren, massiven Slam-Riffs, langsamen bis mittleren Tempi sowie stark rhythmusorientierten Songstrukturen.
Frühe Phase
In den ersten Jahren nach der Gründung im Jahr 2001 orientierte sich Kraanium stilistisch stark an frühen Vertretern des Genres. Die Musik zeichnete sich durch sehr rohe Produktionen, einfache, aber besonders schwere Slam-Passagen sowie extrem gutturalen Gesang aus. Die frühen Aufnahmen und später das Debütalbum Ten Acts of Sickening Perversity (2008) gelten als typische Beispiele für den europäischen Underground-Sound des damaligen Slam-Death-Metal.
Charakteristisch für diese Phase waren:
- stark heruntergestimmte Gitarren
- repetitive, rhythmisch dominierte Slam-Riffs
- kurze Songstrukturen mit häufigen Breakdowns
- extrem tiefer gutturaler Gesang
Der Fokus lag weniger auf technischer Komplexität als vielmehr auf maximaler rhythmischer Wucht und einem möglichst schweren Klangbild.
Entwicklung des Sounds
Mit späteren Veröffentlichungen entwickelte die Band ihren Stil weiter. Besonders ab den 2010er-Jahren wurde die Produktion deutlich moderner und druckvoller. Gitarren wurden dichter geschichtet, der Bass stärker hervorgehoben und das Schlagzeug präziser produziert, wodurch der Klang insgesamt massiver wirkte.
Auch die Songstrukturen wurden teilweise komplexer. Neben den typischen Slam-Breakdowns integrierte die Band zunehmend:
- schnellere Blastbeat-Passagen
- variierende Tempi innerhalb einzelner Songs
- technisch anspruchsvollere Gitarrenriffs
Trotz dieser Erweiterungen blieb der Kern des Kraanium-Sounds stets der grooveorientierte Slam-Rhythmus, der das Fundament der meisten Songs bildet.
Einflüsse und Stilmerkmale
Musikalisch steht Kraanium in der Tradition des amerikanisch geprägten Slam-Death-Metal, der seit den 1990er-Jahren vor allem durch Underground-Bands geprägt wurde. Typisch für den Stil der Band sind:
- tiefe Gitarrenstimmungen (häufig sehr niedrige Tunings)
- schwere, synkopierte Slam-Riffs
- Wechsel zwischen langsamen Breakdowns und schnelleren Death-Metal-Passagen
- extrem gutturaler Gesang mit Growls und Pig-Squeals
Position innerhalb der Szene
Innerhalb der internationalen Slam-Death-Metal-Szene wird Kraanium häufig als eine der bekanntesten europäischen Bands des Genres genannt. Seit den 2000er-Jahren zählt die Gruppe zu den langlebigeren Formationen dieser Stilrichtung und veröffentlichte mehrere Alben, die insbesondere im extremen Death-Metal-Underground Beachtung fanden.
Durch ihre Veröffentlichungen und internationalen Kooperationen trug die Band dazu bei, den ursprünglich stark US-geprägten Slam-Death-Metal auch in Europa weiter zu etablieren.
Diskografie
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2008 | Ten Acts of Sickening Perversity Pathologically Explicit Recordings |
Erstveröffentlichung: Juni 2008 Neuauflage: 2016 |
| 2009 | The Art of Female Sodomy Pathologically Explicit Recordings |
Erstveröffentlichung: 2009 Neuauflage: 2013 Neuauflage: 2016 bei Gore House Productions: Neuauflage: 16. Oktober 2020 |
| 2012 | Post Mortal Coital Fixation Comatose Music |
Erstveröffentlichung: 22. Mai 2012 Neuauflage: 2020 |
| 2015 | Chronicles of Perversion Comatose Music |
Erstveröffentlichung: 18. September 2015 |
| 2018 | Slamchosis Comatose Music |
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 2018 |
| 2023 | Scriptures of Vicennial Defilement Unique Leader Records |
Erstveröffentlichung: 3. November 2023 |
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2002 | No Respect for the Dead Independent |
Erstveröffentlichung: 2002 bei Gore House Productions: Tape-Release: 2021 CD-Reprint: 15. Oktober 2021 12"-Vinyl-Release: April 2022 |
| 2007 | Promo 2007 Independent |
Erstveröffentlichung: 2007 |
| 2008 | Promo 2008 Independent |
Erstveröffentlichung: 2008 |
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2010 | Goresoaked Slamassacre Pathologically Explicit Recordings |
Erstveröffentlichung: Oktober 2020 weitere Bands: Dormant Carnivore, Epicardiectomy |
| 2017 | The Kraanialepsy Split Rising Nemesis Records |
Erstveröffentlichung: 1. Juli 2017 weitere Bands: Analepsy |
| 2022 | Polymorphic Chamber of Human Consumption CDN Records |
Erstveröffentlichung: 29. April 2022 weitere Bands: Existential Dissipation |
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2019 | Double Promo Penetration In Case You Missed It |
Erstveröffentlichung: 4. Dezember 2019 |
| 2022 | Hammering Compiled Brutality Brutal Mind |
Erstveröffentlichung: Juni 2022 |
Weiter Veröffentlichungen (Auswahl)
- 2015: United in Brutality Live Across Europe (DVD-Mitschnitt)
- 2023: Braindead Skullfucking (Single)
- 2023: Massive Piles of Festering Remains (Single)
- 2026: Rock Filled Orifice (Redux)
Indizierung und Jugendschutz
In Deutschland standen einzelne Veröffentlichungen von Kraanium aufgrund ihrer extremen Texte und Covergestaltung wiederholt im Fokus des Jugendschutzes.
Für mehrere frühe Veröffentlichungen – insbesondere das Debütalbum Ten Acts of Sickening Perversity (2008) sowie Teile der frühen EP- und Split-Diskografie – wurden von Händlern und Vertrieben zeitweise Verkaufsbeschränkungen im deutschen Handel angewendet. Hintergrund waren mögliche jugendschutzrechtliche Risiken durch explizite Songtitel, Texte und grafische Darstellungen im Artwork. Einige Importversionen wurden deshalb nur über Erwachsenenvertrieb oder spezialisierte Underground-Distribution angeboten.
Im Unterschied zu einigen anderen Bands des extremen Death-Metal-Genres existieren jedoch keine öffentlich dokumentierten gerichtlichen Beschlagnahmungsbeschlüsse nach § 131 StGB (Gewaltdarstellung) gegen Veröffentlichungen von Kraanium. Auch eine bestätigte bundesweite Beschlagnahme von Tonträgern, Covermaterial oder Werbemitteln ist bislang nicht bekannt.
Spätere Studioalben wie Chronicles of Perversion (2015), Slamchosis (2018)[1] und Scriptures of Vicennial Defilement (2023) wurden international regulär veröffentlicht und auch in Deutschland vertrieben, teilweise jedoch mit altersbeschränktem Verkauf über spezialisierte Metal-Labels und Versandhändler.
Weblinks
- Kraanium bei Facebook
- Kraanium bei Instagram
- Kraanium bei Discogs
- Obscene Extreme Festival
- Kraanium in der Encyclopaedia Metallum