Kuppitsch
Teil der Thalia Gruppe
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Kuppitsch war eine der längst bestehenden Wiener Buchhandlungen.[1] Seit 2019 gehört die Zentrale zur Buchhandlungskette Thalia und der Traditionsname Kuppitsch wurde seit einem Umbau 2024 nicht mehr verwendet. Die Adresse lautet Schottengasse 4 im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.
| Kuppitsch Buchhandels GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1789 |
| Sitz | Wien, Österreich |
| Branche | Buch- und Medienwirtschaft |
| Website | www.thalia.at |
Geschichte

Im April 1789 wurde Theresia Racca die kaiserliche „Befugniß zum Verkauf von Kupferstichen und alten Büchern“ erteilt. Im Oktober 1801 gab Theresia Racca diese an ihren Mitarbeiter Franz Grund (1776–1816) ab, der die Buchhandlung bis zu seinem Tod führte.
Seine Witwe Anna Grund übernahm als seine alleinige Haupterbin die Buchhandlung und schloss mit Matthäus Kuppitsch im Jänner 1821 einen Gesellschaftsvertrag. Die Buchhandlung hieß nun Franz Grund sel We & Kuppitsch, Matthäus Kuppitsch war der alleinige Zeichnungsberechtigte. Nach Anna Grunds Tod 1825 übernahm er die Firma als Alleineigentümer, im folgenden Jahr erhielt er die Befugnis für den Antiquarbuchhandel. 1844 wurde er zum k. k. Hofbibliotheks-Antiquar ernannt, er verlegte auch selbst einige Werke. Matthäus Kuppitsch verstarb 1849 und seine Witwe Antonie, geb. Haim, führte das Geschäft bis 1868, dann wurde es von Richard Schmidt übernommen. 1876 verlegte Schmidt den Standort vom Franziskanerplatz in die Weihburggasse und dann auf den Schottenring. 1886 trat Arnold Schlesinger (1866–1942) als Gehilfe in die Buchhandlung ein. 1902 übernahm er sie von dem damaligen Besitzer Paul Schlott. Seit damals befand sich die Buchhandlung in Familienbesitz.
1938 mit dem Einmarsch der Nazis und dem Anschluss von Österreich wurde die Buchhandlung durch Franz Unger „arisiert“. Arnold und Amalie Schlesinger begingen daraufhin Selbstmord. 1950 kehrte Grete Günther, die Tochter von Arnold Schlesinger, aus dem Exil zurück und bekam die Buchhandlung restituiert. 1954 verstarb sie und ihre Töchter Zita Seidl und Monika Beer führten von nun an das Geschäft.
1961 eröffnete eine Filiale in der neu gebauten Schottenpassage. 1971 übersiedelte Kuppitsch vom Schottenring in die Schottengasse. 1978 wurde eine Schallplattenhandlung in der Helferstorferstraße eröffnet. 1988 wurde eine Filiale im Palais Ferstel eröffnet. 1992 traten Norbert Seidl und Andreas Beer in die Geschäftsleitung ein. 1998 eröffnete eine weitere Filiale auf dem Campus der Universität Wien (dieser wurde um 2020 geschlossen). 2000 trat Andreas Beer aus der Geschäftsleitung aus und leitete seither eine amerikanisch-österreichische Buchhandlung. 2002 wurde die Zentrale umfassend umgebaut und um ein Stockwerk erweitert. 2007 verstarb unerwartet der Inhaber Norbert Seidl (23. September 1962–1. August 2007).[2] Danach führten seine Geschwister Martin und Elisabeth Seidl das Unternehmen. 2014 feierte die Buchhandlung ihr 225-jähriges Bestehen.[3]
Im Herbst 2019 wurde die Buchhandlung Kuppitsch an die deutsche Buchhandelskette Thalia verkauft. Der Name Kuppitsch blieb, wie zuerst angekündigt, einige Jahre erhalten,[4] wurde jedoch im Zuge einer Fassadenerneuerung spätestens 2024 getilgt und durch „Thalia“ ersetzt.[5]
Sortiment
Als Wissenschaftler besaß Matthäus Kuppitsch eine philologische Privatbibliothek. Seine Nachfolger befassten sich mit dem wissenschaftlichen Antiquariat, zahlreiche umfangreiche Fachkataloge wurden erstellt und weit weg versandt. Raritäten wurden auch gehandelt. Ein Schwerpunkt von Kuppitsch war die juristische Literatur mit zahlreichen Veröffentlichungen.
Heute werden neben Büchern DVDs, CDs, Hörbücher auch Tageszeitungen und Zeitschriften angeboten. In der Buchhandlung befindet sich seit 2017 die Post-Partnerfiliale der Österreichischen Post (Postleitzahl 1013).[6]
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Kuppitsch, Matthäus. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 13. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1865, S. 407 (Digitalisat).
- Peter R. Frank, Johannes Frimmel: Buchwesen in Wien 1750–1850: kommentiertes Verzeichnis der Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. Otto Harrassowitz Verlag 2008, ISBN 3-447-05659-2.
- Günther, Grete. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare, 2011, S. 110f.
- Beer, Monika. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare, 2011, S. 22
- Seidl, Zita. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare, 2011, S. 301
