Kvilda

Gemeinde in Tschechien From Wikipedia, the free encyclopedia

Kvilda (deutsch Außergefild) ist eine im Okres Prachatice gelegene Böhmerwald-Gemeinde. Sie liegt in der Südböhmischen Region zirka 80 km von deren Hauptstadt České Budějovice entfernt.

Schnelle Fakten Basisdaten, Verkehr ...
Kvilda
Wappen von Kvilda
Kvilda (Tschechien)
Kvilda (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Prachatice
Fläche: 4518[1] ha
Geographische Lage: 49° 1′ N, 13° 35′ O
Höhe: 1062 m n.m.
Einwohner: 133 (1. Jan. 2023)[2]
Postleitzahl: 384 93
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: RejštejnHorní Vltavice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Václav Vostradovský (Stand: 2018)
Adresse: Kvilda 17
384 93 Kvilda
Gemeindenummer: 550337
Website: www.sumava.net/kvilda
Lage von Kvilda im Bezirk Prachatice
Schließen

Geografie

Lage

Kvilda liegt 7 km östlich der Grenze zu Bayern bei Finsterau/Bučina. Der dortige Grenzübergang, der nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, ist bei Touristen sowohl im Sommer als auch im Winter sehr beliebt. Die Quelle der Warmen Moldau, einer der drei Quellflüsse der Moldau, ist von hier bequem zu erreichen (6 km Waldwanderung). Der nächstgelegene Grenzübergang für Kraftfahrzeuge ist Philippsreut an der B 12 bzw. I/4 (FreyungStrakonice), etwa 22 km südöstlich. 5 km nördlich von Kvilda liegt die Gemeinde Horská Kvilda.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Kvilda besteht aus den Ortsteilen Bučina (Buchwald), Františkov (Franzensthal), Hraběcí Huť (Grafenhütte), Kvilda und Vydří Most (Wiederbruck).[3] Zu Kvilda gehören außerdem die Wohnplätze Hamerské Domky (Hammerhäuser), Lesní Chalupy (Waldhäuser) und Vilémov (Wilhelmswald) sowie die Wüstungen Chaloupky (Hüttel), Na Mlýnské Mýtině (Froschau, auch Mühlreuterhäuser), Tobiášova huť (Tobiashütte, auch Tafelberger Hütte) und U Tremlů (Tremlhof). Grundsiedlungseinheiten sind Bučina und Kvilda.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bučina u Kvildy und Kvilda.[5]

Nachbargemeinden

Horská Kvilda Nové Hutě
Modrava Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Borová Lada
Mauther Forst (D)

Geschichte

Kvilda im Böhmerwald

Kvilda liegt am Goldenen Steig, an dem es Ende des 15. Jahrhunderts gegründet wurde.

Nachdem man zuvor zur Pfarrei Unterreichenstein gehört hatte, wurde 1765 die katholische Pfarrkirche gebaut, die St. Stephan geweiht ist. Die Gemeinde wurde zunächst von einem Kaplan-Administrator geleitet. 1786 wurde eine Lokalie eingerichtet.[6] Wie viele Gemeinden in dieser Gegend hatte auch Kvilda seit 1794 ein Glaswerk.

Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden im Ort zwei Betriebe, die bald weit über die Grenzen des Böhmerwalds hinaus bekannt waren. 1820 begann Peter Strunz wegen der außergewöhnlichen Höhenlage des Ortes Resonanzholz für Musikinstrumente herzustellen und wurde bald zum weltweiten Lieferanten für derartige Spezialhölzer und ihre Weiterverarbeitungsprodukte. Um 1850 gründete der aus Kočevje in der Krain stammende Johann Verderber eine Manufaktur für Hinterglasmalerei in Außergefild. Sie produzierte insbesondere Hinterglasbilder mit religiösen Motiven. Im Jahr 1854 erhielt der Ort eine eigene katholische Pfarrei.[6] Die Hinterglas-Manufaktur ging, nach einem Brand 1881, kurze Zeit später 1884 an Gabriel Schuster über. 1889 kam es zu einem Großbrand, dem die Kirche zum Opfer fiel. Nach dieser Katastrophe wurden Kvilda und seine Kirche (diese dann im neugotischen Stil) bis 1894 wieder errichtet.

In Franzensthal befand sich während des Zweiten Weltkrieges eine unterirdische Fertigungsstätte der Messerschmitt AG, die 1941 in der ehemaligen Papierfabrik unter dem Tarnnamen Möbelwerke Franzensthal errichtet wurde.[7] 1945/46 wurden die meisten deutschsprachigen Bewohner vertrieben. Die Firma Strunz siedelte sich nach der Vertreibung 1946 im niederbayerischen Pocking an.

Seit 1991 liegt die Gemeinde im Nationalpark Šumava, der hier in Ortsmitte ein Informationszentrum betreibt.[8]

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem nahegelegenen Schönbrunn am Lusen wurde in den 2010er Jahren das Ortsmuseum „Muzeum Kvilda“ gegründet, das der Geschichte des Ortes und insbesondere der Hinterglasmalerei gewidmet ist. Sie befindet sich in der ehemaligen Schule neben der Kirche, welche heute als Rathaus dient.[9]

Bis 2013 stand vor der örtlichen Kirche eine 26,5 m hohe Fichte, die der größte lebende Weihnachtsbaum Tschechiens war.[10] Durch Borkenkäferbefall starb diese im Juli 2019 und wurde 2020 durch den Künstler Jiří Nekola zur ca. 3 m hohen Skulptur Šumava umgearbeitet.[11]

Politische und wirtschaftliche Entwicklung

Gefilde bezeichnet ursprünglich eine im zentralen Böhmerwald gelegene unbesiedelte und mit Wald bedeckte Hochebene.

In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts vereinigten die Johanniter von Strakonitz das Gebiet um Groß-Zdikau. Bei Groß-Zdikau blieb der größere Teil der Gefilde und bildete mit diesem die Domaine Groß-Zdikau, zu der später Außergefild gehörte. Der kleinere Teil gehörte seit Ende des 14. Jahrhunderts zur freien Bergbaustadt Bergreichenstein, wozu der Ort Innergefild zählte.

Schon früh wurden die Bäche der Umgebung für die Goldgewinnung genutzt, wie auf die dort noch vorhandenen sog. Seifenhügel zurückzuführen ist. Doch eine Besiedlung kam erst mit dem Salzhandel von Bayern nach Böhmen zustande. Das Salz wurde über Passau auf den sog. „Goldenen Steigen“ nach Böhmen transportiert, die quer durch den Böhmerwald führten. Einer dieser Steige ging Richtung Bergreichenstein, und entlang dieses Transportweges ist die Besiedlung der Gefilde anzusetzen.[12]

Außergefild als Teil der Domaine Groß-Zdikau gehörte bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Besitz der Herren Mallowetz von Chejnow, auf deren Initiative auch die Ortsgründung beruhte.

Als ältester Ortsteil ist das am Seebach gelegene „Dörfl“ anzusehen, wo den Säumern auf ihrem beschwerliche Weg ein Zwischenaufenthalt geboten wurde. Neben einem Gastwirt hatten sich ein Hufschmied, ein Bäcker, ein Schneider, ein Schuhmacher und ein Müller niedergelassen. Die Siedler waren Deutsche und kamen aus dem nahegelegenen Bayern.

Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Geschäft mit den Säumern aus Passau von der k.k. Monarchie weitgehend unterbunden wurde, verlor der Ortsteil „Dörfl“ seine Bedeutung. Das Wirtshaus und die Handwerksbetriebe wurden allmählich in das höher gelegene „Dorf“ verlegt, waren aber weiterhin als Erwerbszweige wichtig für die Menschen. Um das Jahr 1700 hielt der Gewerbezweig der Weberei seinen Einzug, was wiederum bedeutete, dass jetzt in der Umgebung Flachs angebaut und in sog. „Brechhäusln“ verarbeitet wurde.[13]

Ackerbau konnte in den Gefilden wegen der klimatischen Verhältnisse auf einer Höhenlage von über 1000 m nur in beschränktem Maße betrieben werden, lediglich Viehzucht spielte eine gewisse Rolle. Deshalb war auch weiterhin die Ansiedlung von Gewerbebetrieben notwendig.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet der Gemeinde mehrere Glashütten, so die „Bruckhäuserhütte“ (ca. 1765–1820) an der Grenze zu Innergefild, die „Tobiashütte“ oder „Antonihütte“ (1796–1816) südlich von Außergefild, die Grafenhütte (1802–1804 und 1870–1882) und die „Biertopferhütte“ in Franzensthal (1802 – ca. 1820). In diesem Zusammenhang muss auch die im Jahre 1818 von dem aus Krain zugezogenen Michael Verderber und dessen Sohn Johann gegründete Manufaktur für Hinterglasmalerei genannt werden, die den Ort weithin bekannt machte und bis 1881 Bestand hatte.

Holz aus den ausgedehnten Wäldern war der wichtigste Rohstoff für die Bewohner und ihre Gewerbe. Die Wälder waren zwar zunächst ausschließlich im Besitz der adeligen Grundherren, doch wurden den Bauern gewisse Nutzungsrechte zugestanden. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 wurden diese Nutzungsrechte durch Übertragung von Waldbesitz auf die Bauern abgelöst.

In Außergefild entstanden im Laufe der Zeit eine Reihe von Sägewerken, in denen die Stämme zu Schnittholz verarbeitet wurden. Von Bedeutung waren vor allem die Anfang des 19. Jahrhunderts gegründeten Holzwerke Strunz, wo u. a. Tonholz für den Bau von Musikinstrumenten erzeugt wurde. Erwähnt werden muss vor allem die Gründung einer Papierfabrik im Ortsteil Franzensthal im 19. Jahrhundert, die bis in die 30er Jahre Bestand hatte und bis dahin zahlreiche Arbeiter beschäftigte. Auch wurde Holz in Schreinereien und Drechslereien genutzt.

Trotz dieser Entwicklung veranlassten unbefriedigende Erwerbsverhältnisse einen Teil der Bevölkerung eine Beschäftigung in der Fremde zu suchen. So wanderte schon um das Jahr 1840 eine Gruppe von Außergefildern in die Bukowina aus. Später bildeten die Industriezentren von Nordböhmen oder Südwestdeutschland Zielorte für Abwanderer, und auch die Hauptstadt Wien hatte eine erhebliche Anziehungskraft für Arbeitssuchende.

Erwähnt werden muss noch der Zuzug von Mitbewohner jüdischen Glaubens, die hauptsächlich im Handelsgewerbe tätig waren, allerdings gab es bis zu Beginn des 1. Weltkrieges auch einen Arzt der, wie es hieß, mosaischen Glaubens war. Das Ende der jüdischen Ortsbewohner kam mit dem Einmarsch Hitlers in das Sudetenland 1938.[12]

1945/46 endete die deutsche Besiedlung Außergefilds und damit auch deren Gewerbetätigkeit vor Ort. Da kaum neue Ansiedler gefunden werden konnten, änderte sich die wirtschaftliche Struktur des Ortes grundlegend. Gegenwärtig spielt vor allem der Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle.[14]

Kirchliche Verhältnisse

Das gegen Ende des 16. Jahrhunderts gegründete Dorf Außergefild gehörte kirchlicherseits zunächst zur Gemeinde von Bergreichenstein, nach 1680 zu Unterreichenstein. Organisation und Aufsicht lagen bei der Diözese Prag, ab 1786 bei neu gegründeten Diözese Budweis.

Da der Weg zur Kirche nach Unterreichenstein für die Bewohner sehr beschwerlich war, wurde 1765 in Außergefild die erste hölzerne Kirche ganz erbaut, nachdem schon 1709 wurde zwischen Außergefild und Innnergefild eine Kapelle errichtet worden war. Beide Gotteshäuser waren dem Hl. Stephan geweiht. Mit dem Bau der Kirche ging die Gründung einer Lokalie einher, die ab 1784 eigene Matriken führen durfte und 1854 zur Pfarrei erhoben wurde.

Durch die Gründung weiterer Ortschaften und Glashütten in der Umgebung breitete sich der Seelsorgebereich der Gemeinde immer weiter aus; neben den neu entstandenen Dominikaldörfern Buchwald und Wiederbruck mussten auch die Orte Innergefild, Philippshütte, Mader sowie die neu entstandenen Glashütten von Antigl, Goldbrunn, Biertopfhütte, Antonihütte und Grafenhütte betreut werden. Zwischen 1794 und 1804 gehörte sogar die Gemeinde Chinitz-Tettau zur Lokalie von Außergefild, welche dann aber wegen der kürzeren Entfernung zu Rehberg geschlagen wurde. Buchwald gehörte ab 1827 zur Gemeinde Fürstenhut.

1889 zerstörte ein Dorfbrand die alte hölzerne Kirche. An ihre Stelle trat schon 1892 ein Neubau im neugotischen Stil, der heute noch besteht.[15]

Mit der der Abschiebung der Deutschen 1945/46 wurde auch das Ende der Kirchengemeinde von Außergefild eingeläutet. Die Kirche war zunächst dem Verfall preisgegeben, wurde zu Anfang der Siebzigerjahre jedoch restauriert, nachdem bereits 1960 die genannte Kapelle nach 250-jährigem Bestehen abgerissen und 1978 der Friedhof eingeebnet worden waren. Nach den politischen Veränderungen von 1989/90 wurden die noch vorhandenen Grabsteine wieder auf dem ehemaligen Friedhof platziert. Heute dient die Kirche als Raum für Gottesdienste und Konzerte.

Schule

Die älteste Nachricht über eine Schule in Außergefild geht auf einen Eintrag des Kaplans Joseph Thomas Waniek im Pfarrgedenkbuch aus dem Jahre 1768 zurück: „Errichtet wurde unter meiner Mitwirkung auf Kosten der Gemeinde an diesem Ort eine Schule zur Unterweisung und Erziehung der Kinder, denn zuvor unterrichtete der Lehrer in den Häusern und Hütten der Bewohner des Ortes Außergefild.“[15] Das Schulgebäude wurde direkt neben der 1765 erbauten Kirche erbaut und erhielt die Haus-Nr. 17.

Unter Kaiserin Maria Theresia trat 1774 in Kraft die „Allgemeine Schulordnung für Österreich“ in Kraft, die die Errichtung von „Trivialschulen (ein- und zweiklassige Landschulen) bei jeder Pfarre und abgelegenen Filialkirche“ forderte. Das Reichsvolksschulgesetz vom Jahre 1869 modernisierte das Schulwesen in der k.k Monarchie. Es hat mit der achtjährigen allgemeinen Schulpflicht auch die Bürgerschule eingeführt.

Um den Kindern aus dem mehrere Kilometer entfernten Franzensthal den langen Schulweg zu ersparen, wurde hier im Jahre 1860 eine Expositur errichtet, wo in den folgenden Jahren von November bis April der Unterricht stattfand. 1874 wurde im Haus Nr. 34 ein zusätzlicher Schulraum geschaffen.

1887 wurde in Außergefild das alte Schulhaus neben der Kirche abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der mehr Raum für weitere Klassenräume bot, welcher zwar beim Großbrand 1889 zerstört, aber bald darauf wieder aufgebaut und aufgestockt wurde, sodass in vier Klassen zu jeweils zwei Abteilungen unterrichtet werden konnte. Das auf den vorhandenen Grundfesten aufgestockte neue Schulgebäude bekam 1892 die Form, wie sie nach einer 1930 erfolgten Instandsetzung bis 1945 erhalten blieb. Es umfasste auch eine Lehrerwohnung und ein Lehrmittelzimmer mit Bücherei. 1934 wurde für die am Ort ansässigen tschechische Kinder im Saal des Gemeindehauses eine tschechische Minderheitsschule eingerichtet, die bis 1938 bestand.[12]

Nachdem 1945 die deutsche Schule endgültig geschlossen wurde, wurde erneut eine tschechische Schule eingerichtet, die bis 1994 bestand. Das Gebäude wird seitdem als Gemeindeamt genutzt, die Außergefilder Kinder werden an einem anderen Ort unterrichtet.[14]

Volkszählungsergebnisse

In den Volkszählungen von 1869 bis 1930 wurden zwischen 1426 und 1768 Einwohner in 113 bis 193 Häusern auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde gezählt. Wobei um 1000 davon in Kvilda und um 400 davon in Bučina wohnten.[16]

In der Volkszählung 1950 wurden 204 Einwohner gezählt. Nach einem kurzen Ansteigen auf 227 Einwohner 1961 ging diese anschließend immer weiter zurück bis auf 163 im Jahr 2011. Diese wohnen praktisch vollständig im Dorf Kvilda.[16] Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung im Tourismus. Hier stieg die Anzahl der Übernachtungsmöglichkeiten von 573 Betten in 17 Betrieben im Jahr 2012[17] auf Bis634 Betten in 20 Betrieben 2023 an.[18] Die Übernachtungs- und Gästezahlen stiegen im gleichen Zeitraum von 33.019 bzw. 10.369 auf 42.860 bzw. 13.548 an.[19]

Der Teilort Wiederbruck

Der Teilort Wiederbruck (auch „Widrabruck“ oder „Bruckhäuser“, tschechisch „Vidry most“) wurde an der Grenze zwischen Außergefild und Innergefild erbaut.[12] Obwohl die Siedlung unmittelbar das Dorf Innergefild anschließt, gehörte diese politisch zur Gemeinde Außergefild (ca. 5 km entfernt). Der Grund liegt in der seit Alters her bestehenden Grenze zwischen den beiden Gefilden, die der Gefilderbach (auch Hammerbach oder Widrabach genannt) darstellt. Der Name ist auf die dort bestehende Brücke zurückzuführen und deutet auf einen Ort hin, der an der Brücke über den Widrabach entstand. Kirchlich gehörte das Dorf zur seit 1765 bestehenden Kaplanei und späteren Pfarrei Außergefild.

Die Gründung des Ortes lässt sich auf eine an der Grenze zu Innergefild zwischen ca. 1765 und 1820 bestehende Glashütte zurückführen, welche „Bruckhäuserhütte“[13] genannt wurde und lange Zeit von der Familie namens „Fuchs“ betrieben wurde. Um die Hütte siedelten auf der durch Rodung freigewordenen Fläche zunächst aus Außergefild stammende Häusler. Diese waren nach der ursprünglichen Zählung (in Klammern die spätere Zählung): Hausnummer 37 (52): Hones; 38 (53): Praschl; 39 (50): Fuchs; 40 (54): Neuburger;41 (55): Mandl; 42 (49): Koch; (51) Fuchs, später Mandl. Nr. 51 wurde bis 1945 als Gasthaus betrieben.[13]

Die Bewohner lebten entweder von einer kleinen Landwirtschaft oder sie verdingten sich als Waldarbeiter. Auch spielte Heimarbeit eine Rolle (Herstellung von Holzschuhen oder andere Schnitzarbeiten). Da ihnen die Heimat oft nicht das nötige Auskommen bot, wanderten manche, zusammen mit Bewohnern der Gemeinde Außergefild, in die Bukowina (um 1840)[20] oder später in die nordböhmischen Industriegebiete ab.[21]

Das Dorf ist auf beiden Seiten vom sog. Seefilz umgeben, hier wurde zuweilen von den Bewohnern Torf als Heizmaterial abgebaut. Heute steht der Seefilz unter Naturschutz und ist Teil des Nationalparks Šumava. Neue Häuser dürfen auf Grund dessen nicht gebaut werden.[14]

Im Jahre 1946 wurden in Wiederbruck insgesamt 23 Häuser gezählt, die Einwohnerzahl betrug ungefähr 120 Personen. Die Bewohner deutscher Nationalität wurden wie die von Außergefild im Jahre 1946 ausgesiedelt. Bis auf 2 noch bestehende Gebäude sind nach 1948 alle Häuser verschwunden.[12]

Sehenswürdigkeiten

Museen

Die Gemeinde Kvilda hat ein ähnliches Heimatmuseum im Rathaus eingerichtet, das wie die Museumsräume in Mauth vor allem an die Tradition des Ortes als Hochburg der Hinterglasmalerei, der Herstellung von Resonanzhölzern für Musikinstrumente und des Skisports und Fremdenverkehrs erinnert.

Im Jahr 2001 legte der Prager Unternehmer und ehemalige Sportler Václav Vitovec in Kvilda den Grundstein für ein von ihm geplantes Museum für den Eisernen Vorhang, das an die bis 1989 von den kommunistischen Regimen Tschechiens und der Sowjetunion hermetisch abgeriegelte Grenze zu Westeuropa erinnern soll. Die Bauarbeiten für das Museum kamen bis 2006 allerdings nicht über die Grundsteinlegung hinaus.

Bauwerke

Kvilda ist die erste Ortschaft am Oberlauf der Warmen Moldau. Das Dorf ist auch ein Thema in der sinfonischen Dichtung Die Moldau aus dem Zyklus Mein Vaterland des böhmischen Komponisten Bedřich Smetana (1824–1884). In einer Melodie werden die tanzenden Elfen in den Moldauauen und mit Tanzmusik (Polka) ein Fest der Menschen beschrieben, die Bauernhochzeit. Heute ist Kvilda Fremdenverkehrsort und touristisches Zentrum des tschechischen Biosphärenreservats Šumava.

Hinter der katholischen Pfarrkirche St. Stephan liegen Reste des Friedhofs, der Anfang der 1980er Jahre fast vollständig beseitigt wurde. Nachdem die Kirche in der Nachkriegszeit verfallen war, wurde sie nach der Wende von 1994 bis 1999 mit Hilfe deutscher Spenden renoviert. In der bayerischen Gemeinde Mauth, etwa 10 km von Kvilda entfernt, gibt es im örtlichen Rathaus ein kleines Heimatmuseum, das vor 1989 von der Gemeinschaft der ehemaligen Außergefilder eingerichtet wurde. Die Gemeinde Mauth richtet alle zwei Jahre ein Heimattreffen der ehemaligen Außergefilder aus, die über das ganze Bundesgebiet verstreut, überwiegend aber im Raum Schwandorf und Regensburg leben.

Kvilda bei Schnee

Wirtschaft und Infrastruktur

Tourismus

Der Ort ist ganz auf Wintersport und Sommertouristik ausgerichtet. Von hier gibt es mehrere markierte Wanderwege und in Ortsnähe Skilifte. Daneben gibt es Besuchereinrichtungen des Nationalparks.

Verkehr

Von Kvilda aus führt der Weg über den Goldenen Steig nach Bayern. 1990 wurde zwischen Kvilda und der bayerischen Ortschaft Finsterau ein Fußgängerübergang eröffnet. Dort existiert auch ein Grenzübergang, der von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden kann. Er ist in beiden Ländern durch Tourismusbuslinien angebunden.

Durch Kvilda treffen sich die Straßen 1. Ordnung I/167 von Horní Vltavice und I/169 von Rejštejn. Von diesen zweigt die Straße nach Modrava und Srní ab.

Filme

Kvilda (Außergefild) war nach 1950 Kulisse für mehrere aufwändige tschechische Filme[14]:

  • 1959 Král Šumavy, dt. Könige des Böhmerwaldes. In diesem Film geht es um eine Episode aus dem Jahr 1948. Der von den Deutschen 1946 verlassene Ort wird jetzt von der tschechischen Grenzarmee als Stützpunkt genutzt. Neben der Handlung wird der erbärmliche Zustand der einst blühenden deutschen Marktgemeinde deutlich.
  • Zwischen 1978 und 1980 entstand eine tschechische Filmtriologie mit Kvilda (Außergefild) und Umgebung wiederum als Filmkulisse. Inhalt ist jeweils der Ferienbesuch eines Jungen aus Prag bei seinem Großvater, einem Förster. Der Film zeichnet ein ganz anderes Bild der Gemeinde als der erstgenannte Film. Die Zerstörungen der Nachkriegszeit sind weitgehend beseitigt, eine militärische Präsenz ist nicht mehr wahrzunehmen, der Blick ist besonders auf die herrliche Natur des Böhmerwaldes gerichtet.
    • 1978 Pod Jezevčí skálou, dt. Unter dem Dachsfelsen
    • 1979 Na pytlácké stezce, dt. Auf der Spur des Wilderers
    • 1980 Za trnkovým keřem, dt. Hinter dem Dornenstrauch

Für die folgenden Filme war teilweise Kvilda Drehort[22]:

  • 1967 Markéta Lazarová
  • 1971 Černý vlk
  • 1976 Boty piné vody

Persönlichkeiten

  • Johann Verderber (1793–1870), gründete 1818 gemeinsam mit seinem aus der Krain zugewanderten Vater Michael Verderber eine Werkstatt für Hinterglasmalerei
  • Josef Strunz (1823–1907), Gründer der Strunzwerke von Außergefild, Sägewerke, u. a. Herstellung von Tonholz für Instrumente
  • Msgr. Dr. Johann Praschl (1872–1939), Prof. der Theologie und Kunstgeschichte, Domkapitular der Diözese Budweis
  • Prof. Karl Degner (1879–1928), Priester, akad. Maler; *Teilort Wiederbruck, +Wien
  • Josef Degner (1913–1998), Holzbildhauer; *Teilort Wiederbruck, +Aidenbach b. Vilshofen

Literatur

  • Karl Schuster: Ortsgeschichte von Außergefild, Karlsbad-Drahowitz 1937
  • Gustav Schuster u. a.: Gefild unter den schwarzen Bergen, Aalen 1978
  • Dr. Raimund Schuster, Hinterglasbilder aus Außergefild im Böhmerwald, Morsak Grafenau 1980
  • Jaroslava Vávrová: Kapitoly z minulosti Kvildy, Kvilda 2005
  • Franz W. Randak: Oben in den Gefilden im Herzen des Böhmerwaldes, Eigenverlag Pfarrgemeinde Außergefild 2010
  • Adolf Weishäupl: Die Gefilde, Eigenverlag 2023

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI