Strážný
Gemeinde in Tschechien
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Strážný, bis 1955 Kunžvart, (deutsch Kuschwarda) ist eine Minderstadt in Tschechien. Sie befindet sich im Okres Prachatice im Böhmerwald an der deutsch-tschechischen-Grenze.
| Strážný | ||||
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | ||||
| Region: | Jihočeský kraj | |||
| Bezirk: | Prachatice | |||
| Fläche: | 4964[1] ha | |||
| Geographische Lage: | 48° 54′ N, 13° 43′ O | |||
| Höhe: | 834 m n.m. | |||
| Einwohner: | 407 (1. Jan. 2023)[2] | |||
| Postleitzahl: | 384 43 – 384 44 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | C | |||
| Verkehr | ||||
| Straße: | I/4: Vimperk – Freyung | |||
| Struktur | ||||
| Status: | Městys | |||
| Ortsteile: | 4 | |||
| Verwaltung | ||||
| Bürgermeister: | Jiřina Kraliková (Stand: 2018) | |||
| Adresse: | Strážný 23 384 43 Strážný | |||
| Gemeindenummer: | 550531 | |||
| Website: | www.strazny.cz | |||
| Lage von Strážný im Bezirk Prachatice | ||||
Geographie
Lage
Strážný liegt am Fuße des 1115 m hohen Strážný (Schlösselberg) an der Častá (Kiesbach).
Klima
Die Berge schützen das Tal vor kalten Nord- und Westwinden. Daher hat Strážný trotz seiner relativ hohen Lage ein mildes Klima.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Strážný besteht aus den Ortsteilen Hliniště (Leimsgrub), Kořenný (Schlösselbach), Řasnice (Pumperle) und Strážný[3], dem Wohnplatz Mlýn Řasnice sowie den Wüstungen Adolfova pila (Adolfsäge), Buchethäuser, Dolní Cazov (Unterzassau), Dolní Světlé Hory (Unterlichtbuchet), Haselberg, Horní Světlé Hory (Oberlichtbuchet), Josefov (Josefsthal), Silnice (Landstraßen), Stodůlky (Scheureck), Točná (Farbenhäuser, auch Krennhäusel) und U slepého Matěje (Blindehiesl). Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Cazov, Dolní Světlé Hory, Hliniště, Horní Světlé Hory, Řasnice, Silnice, Stodůlky und Strážný.[4]
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Cazov, Dolní Světlé Hory, Hliniště, Horní Světlé Hory, Řasnice, Silnice, Stodůlky u Strážného und Strážný.[5]
Nachbargemeinden
| Borová Lada | Horní Vltavice | |
| Mauther Forst (D) | Lenora | |
| Philippsreut (D) | Philippsreuter Wald (D) | Stožec Haidmühle (D) |
Geschichte
Wahrscheinlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts ließ König Johann von Luxemburg die Burg Kunžvart zum Schutz des Goldenen Steigs errichten. Die erste urkundliche Erwähnung der als castrum Kungenslen bezeichneten Burg erfolgte 1359 als Karl IV. Pešek von Janovice und dessen Neffen Herbart den Besitz der Herrschaft Winterberg bestätigte. Die Herren von Vimperk waren mit der Wacht und der Burgbesatzung vertraut, wobei sie des Öfteren in Konflikt mit den Passauer Fürsterzbischöfen gerieten. Zwischen 1458 und 1470 fielen feindliche Streifscharen in das Gebiet ein und plünderten Säumerzüge. Nach einem Brand von 1578 wurde die Burg aufgegeben.[6]

1672 entstand im Bärenloch eine Niederlage für den Handelsverkehr auf dem Goldenen Steig. 1688 bewilligte die Dominikalverwaltung Krummau die Ansiedlung von sechs weiteren Siedlern im Bärenloch. Zwei Jahre später wurde ein Forstrevier eingerichtet. Im Jahre 1735 erhielt das Dorf Bärenloch nach der wüsten Burg den neuen Namen Kuschwarta bzw.Kunžvart. Zwischen 1780 und 1781 wurden die Dreifaltigkeitskirche und ein Pfarrhaus errichtet, die Weihe erfolgte durch Kardinal Leopold Ernst von Firmian. 1790 bestand das Dorf aus 22 Häusern. 1833 entstand die noch heute bedeutende Straße von Passau nach Prag (heute Bundesstraße 12 (D)) / Fernverkehrsstraße I/4 (CZ). 1840 lebten in den 65 Häusern von Kuschwarda 626 Personen. 1844 erhielt die Gemeinde das Marktrecht für drei Jahrmärkte.
Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Kuschwarda ab 1849 eine Marktgemeinde im Gerichtsbezirk Winterberg, ab 1868 gehörte sie zum Bezirk Prachatitz.
Im Jahre 1910 war Kuschwarda auf 93 Häuser angewachsen und hatte 680 Einwohner, darunter zwei Tschechen. 1930 lebten im Dorf 605 Einwohner in 107 Häusern. Auf dem heutigen Gemeindegebiet insgesamt 2.182 Menschen in 393 Häusern.[7]
Nach dem Münchner Abkommen wurde Kuschwarda dem Deutschen Reich zugeschlagen und war bis 1945 Teil des Landkreises Prachatitz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Kunžvart zur Tschechoslowakei zurück, 1945/46 wurden die deutschsprachigen Bewohner vertrieben. Bei der ersten Volkszählung danach 1950 lebten im Dorf selbst noch 156 und in der Gemeinde 245 Einwohner.[7]
Während des Kalten Krieges wurden in Kunžvart Einheiten des Pohraniční stráž(Grenzwache) stationiert. 1955 erfolgte die Umbenennung in Strážný.
Die Kirche der Dreifaltigkeit wurde 1965 auf Anweisung der Abteilung für das Bauwesen beim ONV (Bezirks-Nationalausschuss) wegen Baufälligkeit gesprengt und der Friedhof eingeebnet. Bei der Sprengung wurde die im ehemaligen Hotel Paulik eingerichtete Schule beschädigt. Erhalten blieb einzig die lebensgroße Figur der Madonna von Lourdes, die der Pfarrkirche St. Karl Borromäus in Philippsreut überlassen wurde.
Der Grenzübergang Strážný/Philippsreut wurde im Jahr 1971 wiedereröffnet.[8] An diesem starb am 15. Mai 1989 Kevin Strecker im Alter von neun Jahren bei der Flucht seiner Familie.
Bis 2001 blieb die Einwohnerzahl des Ortes bei unter 300 und stieg danach auf über 400 an.[7] Seit 2010 besitzt der Ort den Status eines Městys(Minderstadt).
Verkehr
Über die Bundesstraße 12 / Silnice I/4 ist die Gemeinde mit dem Grenzübergang Philippsreut in Richtung Passau und Prag sehr gut angebunden.
Wirtschaft
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelte sich schnell ein auf Grenztourismus basierendes Wirtschaftsleben. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens und der damit verbundenen Zollfreiheit ging der Handel in Duty-Free-Shops zurück, jedoch erfreuen sich die grenznahe Tankstelle, die beiden Spielbanken sowie andere Unterhaltungsbetriebe weiterhin anhaltender Beliebtheit, welche durch den Beitritt Tschechiens zum Schengener Abkommen am 21. Dezember 2007 verstärkt wurde.
Alte Glashütten um Kuschwarda
Die Schwarzentaler Hütte
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde vom Fürsten Schwarzenberg an den Industriellen, den nassauischen Hofrat Hermann Ludwig Baron von Stachelhausen, die Erlaubnis erteilt, am Fuße des Schwarzberges eine Glashütte zu errichten. Da die Hütte knapp hinter der Grenze auf bayerischem Boden lag, erhielt er im Jahre 1820 von der bairischen Regierung die Bewilligung zum Betrieb der Hütte. Er verpflichtete sich, der bairischen Regierung vertragsmäßig zu jährlicher Abnahme von 1500 Klafter Brennholz für die Glasfabrik auf 15 Jahre, welcher Vertrag im Jahre 1850 erneuert wurde.
Im Jahre 1830 beschäftigte der Betrieb 1 Verwalter, 32 Arbeiter und Tagelöhner und verbrauchte jährlich 700 Zentner Pottasche, 1200–1500 Zentner Kies, der in vorzüglicher Güte ungefähr drei Viertelstunden von der Fabrik gefunden wurde. In den umliegenden Ortschaften Landstraßen und Unterzassau wurde in allen Häusern Asche zu Fluss (Pottasche) gesotten, in den Bächen, hauptsächlich im Wolfaubache angeschwemmter Kies gesammelt und an die Schwarztalerhütte verkauft. 1000–1200 Zentner Kalk wurden jährlich aus der Gegend um Winterberg bezogen. Es wurde Spiegelglas erzeugt, das Rohprodukt in die Schleif- und Polierwerke nach der Oberpfalz gebracht und von da nach Nürnberg abgesetzt, wo der Belag mit der Polier geschah.
Im Jahre 1835 beschäftigte diese Hütte 85 Arbeiter. Diese stammten größtenteils aus der Oberpfalz, wo die Stachelhausen in Treidendors bei Burglengenfeld ein Hüttenwerk besaßen. 1838 errichtete Baron Stachelhausen, ein Bruder des Vorgenannten, das Eisen-Hammerwerk bei Haidmühle, wozu er die dortige Mühle kaufte. Anfang der 1960er Jahre brannte die Hütte ab.[9]
Stögerhütte
Zur Stögerhütte siehe Wallern/Volary.
Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
- Burg Kunžvart (Kuschwarda, Königswart) auf dem Berg Strážný, erbaut im 14. Jahrhundert.
- Marienkapelle auf dem Kamenný vrch, erbaut 1834
Sport
- Skiareál Strážný
- Wander- und Radwege
Söhne und Töchter der Stadt
- Karl Hoschna (1877–1911), Oboist und Komponist
- Isidor Stögbauer (1883–1966), Komponist und Musikpädagoge
- Paul Illing (1904–1984), Kommunalpolitiker der NSDAP, von 1939 bis 1945 Landrat des Landkreises Leitmeritz
Literatur
- Irmine Nußbaum, Fritz Ilg, Gustav Kindermann: Pfarrgemeinde Kuschwarda im Böhmerwald. Entstehung – Geschichte – Vertreibung. Verlag H. Dorfmeister, Tittling 1996, ISBN 3-927454-15-X.
