Käpt’n Magda

deutsche Postbotin, Kleinhändlerin und Segellorenfahrerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Käpt’n Magda, bürgerlich Magda Mathiesen, (* 31. Juli 1896 auf Hallig Oland; † 10. Juli 1976 in Langenhorn) war eine deutsche Postbotin, Kleinhändlerin und Segellorenfahrerin, die zu einem Oländer Original wurde.

Leben und Wirken

Magda Mathiesen wurde am 31. Juli 1896 auf der Hallig Oland geboren und wuchs dort zusammen mit ihrer älteren Schwester Grete (1894–1915) auf. Über ihre frühen Lebensjahre ist wenig bekannt. Am Tag der Silbernen Hochzeit ihrer Eltern wurden Grete und deren Freundin Maria Christiansen beim Krabbenfischen im Watt von der Flut überrascht und ertranken. Magdas Verlobter starb im Ersten Weltkrieg, und nachdem auch ihr Vater ertrunken war, lebte sie allein mit ihrer Mutter. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie zur Arbeit als Straßenbahnerin in Flensburg dienstverpflichtet. Gleich nach dem Krieg übernahm sie den kleinen Oländer Hökerladen ihres Onkels Erich Mathiesen und auch seine Aufgabe, Post, Lebensmittel und andere Waren über den Lorendamm zwischen Oland und Hallig Langeneß sowie dem Festland hin- und herzubefördern. Damit begann ihre legendäre Tätigkeit als Segellorenkapitänin und ihre Bekanntheit als Käpt’n Magda über Oland hinaus, wobei die Oländer – von denen sie reihum zum Mittagessen eingeladen wurde – sie Tante Magda nannten.

Lorendamm nahe der Hallig Oland, im Hintergrund Langeneß

Auch die Segellore hatte Käpt’n Magda von ihrem Onkel geerbt. Zeitweise stellte sie damit die einzige Verbindung zum Festland dar. Wegen ihrer derben Männerkleidung und ihrer Statur wurde sie von Uneingeweihten häufig für einen Mann gehalten. Neben Gütern beförderte sie auch Personen, die beim Be- und Entladen helfen oder die Lore bei ungünstigem Wind auf den oft rutschigen Schienen schieben mussten. Noch Jahre später, als sie ihre Tätigkeit längst aufgegeben hatte und nach Langenhorn übersiedelt war, trafen laut Ulli Harth immer wieder Zeitungsartikel aus vielen Ländern über Käpt’n Magda auf Oland ein.[1][2][3]

Im Jahr 1970 gab Käpt’n Magda ihre Tätigkeit auf, 1971 zog sie nach Langenhorn, wo sie am 10. Juli 1976 in einem Altenheim starb. Beerdigt wurde sie auf Oland.[1]

Die Erinnerung an Käpt’n Magda hielt unter anderem der Föhrer Tischlermeister und Wattführer Karsten Hansen (1935–2018) wach, indem er den Teilnehmern seiner Wattführungen von ihr und dem besonderen Verkehrsmittel erzählte. Anfang der 2000er Jahre baute Hansen die Segellore nach. Als Vorlage dienten ihm ein altes Postkartenmotiv von Käpt’n Magda auf der Lore und die Erinnerungen des damaligen Postschiffers von der Hallig Langeneß, Fiede Nissen.[4][5] Da der erste Nachbau durch einen Pilz zerstört wurde, fertigte Hansen 2010 eine zweite Nachbildung, die neben dem Kapitän-Tadsen-Museum auf der Ketelswarft auf Langeneß besichtigt werden kann.[6]

Legenden um Käpt’n Magda

Um Käpt’n Magda ranken sich viele Erzählungen. Offiziell durften über den Lorendamm nur Güter transportiert werden, was von ihr jedoch umgangen wurde. Als Fahrpreis veranschlagte sie 3,50 DM pro Person.

Einen Hamburger Kapitän, der seine Liebste auf Oland besuchen wollte, ließ sie vor der Abfahrt Kartoffeln auf die Segellore laden und während der Fahrt, da alle Sitzplätze besetzt waren, schieben. Auf Oland angekommen, musste er die Kartoffeln wieder abladen und trotzdem den vollen Fahrpreis zahlen.

Die Oländer schätzten Käpt’n Magdas gutes Gedächtnis. Sie kaufte für alle ein, ohne jemals zu vergessen, was für wen war. Auch als in den 1960er Jahren die ersten Motorloren eingesetzt wurden, hielt sie an ihrer Segellore fest, da sie mit dem neumodschen Kram nichts zu tun haben wollte. In den letzten Jahren ihrer Tätigkeit setzte sie sich auf die Lore, wenn diese bei ungünstigem Wind per Hand geschoben werden musste.[1][7][8]

Öffentliche Wahrnehmung

Käpt’n Magda fand Aufnahme in internationale Publikationen, so 1966 in die US-amerikanische Zeitschrift Railroadman’s Magazine[9] und 1985 in die Reportage Po zachodniej stronie (deutsch: Auf der Westseite) des polnischen Journalisten Olgierd Budrewicz,[10] ebenso in nationale Veröffentlichungen. Im Werk Schleswig-Holstein – ein geographisch-landeskundlicher Exkursionsführer aus dem Jahre 1969 wird auf sie verwiesen,[11] weiterhin im Reiseführer Sylt, Föhr, Amrum des DuMont Reiseverlages[12] sowie 2020 in Hansjörg Ransmayrs Islandeering Deutschland.[13] Der Historiker Thomas Steensen würdigte Käpt’n Magda anlässlich des Internationalen Frauentages 2024 als eine der herausragenden Frauen Nordfrieslands.[14]

Literatur

  • Ulli Harth: Oland: aus Geschichte und Gegenwart einer Hallig. Band 11. Edition Federfuchs, Frankfurt a. M. 1981, ISBN 3-922597-11-4, S. 21–25.
  • Hanne-Ruth Rüsen, Johann Petersen: Halligbahn: auf schmaler Spur bei jedem Wetter zwischen Dagebüll, Oland und Langeneß. Bildband. Herdam, Gernrode 2011, ISBN 978-3-933178-25-1.
  • Hansjörg Ransmayr: Islandeering Deutschland. Entdecke die kleinen und großen Inseln in Deutschlands Meeren, Flüssen und Seen. Haffmans & Tolkemitt, Berlin 2020, ISBN 978-3-942048-70-5, Abschnitt 36.

Einzelnachweise

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