Toffen

Gemeinde im Kanton Bern in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Toffen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Bern-Mittelland des Kantons Bern in der Schweiz.

Schnelle Fakten Lage der Gemeinde ...
Toffen
Wappen von Toffen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Bern Bern (BE)
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
BFS-Nr.: 0884i1f3f4
Postleitzahl: 3125
UN/LOCODE: CH TOF
Koordinaten: 604092 / 189887
Höhe: 527 m ü. M.
Höhenbereich: 522–886 m ü. M.[1]
Fläche: 4,88 km²[2]
Einwohner: 2661 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 545 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
12,3 %
(31. Dezember 2024)[4]
Gemeindepräsident: Carl Bütler (SVP)
Website: www.toffen.ch
Dorfeingang Süd
Dorfeingang Süd
Lage der Gemeinde
Karte von ToffenMünsingen
Karte von Toffen
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Name

Der Name Toffen stammt vom römischen Wort «Tofus» für Tuffstein.[5] Tuffstein oder Tuff ist ein vulkanisches Eruptivgestein. Namensgeber für Toffen ist wohl eher der Kalktuff, der sich an den Rändern der Gewässer am Hang oberhalb des Dorfes bildet. Er wurde bis 1983 in der Tuffsteingrube abgebaut.[6]

Geographie

Toffen liegt im Gürbetal und erstreckt sich in West-Ost-Richtung vom Längenberg bis zum Weiler Heitern am Fusse des Belpbergs und in Nord-Süd-Richtung von Toffenholz bis nach Breitlohn. Höchster Punkt ist der Triangulationspunkt oberhalb des Pfaffenlochs auf 881 m, tiefster Punkt die Kanalbrücke beim Toffenholz auf 523 Meter.

Toffen ist 488 Hektar gross. Davon sind 83 Hektar Siedlungsfläche, 305 Hektar Landwirtschaftsfläche, 96 Hektar bestockte Fläche (davon 88 Hektar Wald) und 2 Hektar unproduktive Fläche (Fliessgewässer).[7]

Nachbargemeinden sind von Norden im Uhrzeigersinn Belp, Kirchdorf, Kaufdorf, Rüeggisberg, Niedermuhlern und Wald.

In Toffen gibt es keine Seen. Flüsse sind die Gürbe und ihr Nebenfluss, die Müsche. Es existieren zwei Kanäle, der Toffenkanal und der Kaufdorfkanal, wobei ein Teil des Toffenkanals unterhalb der Bahnhofstrasse 2025 renaturiert wurde.[8] Die restlichen Gewässer sind Bäche.[9]

Die grosse Überschwemmungskatastrophe von 1990, bei welcher die Gürbe grosse Dorfteile unter Wasser setzte, hat zu weiteren Schutzmassnahmen im Bereich von Toffen geführt. Mit Baubeginn 2020 wurden im Bereich von Toffen durch Verbreiterungen des Flusslaufes, Erhöhungen der Dämme, anbringen einer Schutzwand und weitere Massnahmen die Durchfluss - Kapazität der Gürbe erhöht. Würde bei einem kommenden Hochwasser diese Kapazität überschritten, so würden oberhalb dem Dorf ein Drosselwerk und ein Streichwehr das überschüssige Wasser in das Kulturland ausleiten und um das bebaute Gebiet herum leiten. Gleichzeitig wurden verschiedene Massnahmen zur Renaturierung der Gürbe vorgenommen. Rechtsufrig wurden zwei Zugänge zum Gürbebett erstellt[10].

Die Gemeinde Toffen ist Teil des Regionalen Naturpark Gantrisch.[11]

Ortsteile

In Toffen gibt es über 60 Orts- und Flurnamen. Zu den wichtigsten Ortsteilen gehören Toffen, Toffenholz, Heitern, Untere Allmend, Obere Allmend, Schloss, Fahrbühl, Oberes Breitlohn, Unteres Breitlohn, Schmittenacker und Zälgli.[12]

Wappen

Das heutige Wappen von Toffen wurde 1943 als Gemeindewappen angenommen. Die Blasonierung des Wappens lautet: «In Rot ein schreitender Schwan mit goldenem Schnabel und goldenen Füssen.»[13]

Geschichte

Schloss Toffen

In Toffen bestand ein bedeutender römischer Gutsbetrieb. 1894 wurde ein gut erhaltenes römisches Mosaik in Toffen ausgegraben. Es befindet sich heute im Historischen Museum von Bern.[14] Das Schloss Toffen wurde wahrscheinlich zwischen 1200 und 1250 erbaut, es wurde am 5. März 1266 erstmals urkundlich erwähnt.[15] Es gehört heute zu den Kulturgütern von nationaler Bedeutung.

Der Talboden des Gürbetals war früher ein Schwemmland, eine arme Gegend, welche immer wieder von der wilden Gürbe überschwemmt wurde. Zwischen 1855 und 1911 wurde diese begradigt, doch immer wieder gab es Überschwemmungen.[16] Am 29. Juli 1990 gab es in Toffen eine grosse Überschwemmungskatastrophe. Dabei wurden 67 Gebäude überschwemmt, darunter auch ein grosser Industriebetrieb.[17]

Politik

Die Gemeindeversammlung ist die Legislative der Gemeinde. Sie findet zweimal jährlich im Bildungs- und Kulturzentrum statt. Sie fasst die Beschlüsse, welche über die Kompetenz des Gemeinderates hinausgehen.

Der Gemeinderat ist die Exekutive der Gemeinde. Er besteht aus fünf Personen und setzt sich für die Amtszeit 2025–2028 wie folgt zusammen: Carl Bütler (Gemeindepräsident), Michael Reber (Gemeinde-Vizepräsident), Fredy A. Grogg, Veronica Kuonen-Martin und Patrick Lehmann. Gemeindeschreiberin ist Christine Pulver Brand.[18]

Weitere Organe der Gemeinde sind das Rechnungsprüfungsorgan, die Kommissionen und das Gemeindepersonal.[19]

Vier Ortsparteien beleben die Politik im Dorf:[20]

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz Sektion Toffen (SP) wurde 2025 aufgelöst.

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Toffen (in Klammern die Veränderung im Vergleich zu den Wahlen 2019 in Prozentpunkten): SVP 36,47 % (+0,61), SP 15,57 % (+1,73), glp 11,51 % (+0,83) Mitte 10,90 % (−2,19), Grüne 7,19 % (−1,78), FDP 6,22 % (−0,57), EVP 4,03 % (+0,64), EDU 3,68 % (+2,01), Weitere 4,43 % (−1,29).[21]

Schule

Die Schule Toffen[22] hat zwei Standorte: Der Standort "Hang" mit dem alten Schulhaus von 1913 befindet sich an der Bahnhofstrasse 10 und der neue Standort "Matte" am Kanalweg 12 bis 16. Am neuen Standort befinden sich die zwei Schulhäuser "Matte 1" und "Matte 2" sowie eine Doppelturnhalle.

Knapp 50 Lehrpersonen unterrichten etwa 350 Lernende vom Kindergarten bis zur 9. Klasse (Stand 2026).

Die Lernenden werden in drei Altersgruppen eingeteilt:

  • Der Zyklus 1 (Kindergartenkinder und Lernende der 1. und 2. Klassen) wird im Schulhaus "Matte 1" unterrichtet.
  • Der Zyklus 2 (3. bis 6. Klasse) wird im Schulhaus"Matte 2" unterrichtet.
  • Die Lernenden der 7. bis 9. Klassen (Zyklus 3) besuchen den Unterricht im Schulhaus "Hang". Sie werden nach kantonalen Schulmodel 4 unterrichtet. Der Unterricht findet in allen Fächern in jahrgangs- und niveaugemischten Klassen statt. Im Zyklus 3 werden neben den Lernenden aus Toffen auch diejenigen aus der Gemeinde Kaufdorf unterrichtet.

Der Bau der drei Gebäude am Standort "Matte" fand in drei Phasen statt und wurde 2025 mit dem Bezug des Gebäudes "Matte 2" abgeschlossen.

Bildungs- und Kulturzentrum (BiKu)

Nach dem Bau der neuen Turnhalle am Standort "Matte" hat die Gemeinde am Standort "Hang" das Gebäude mit Turnhalle und Singsaal in ein Bildungs- und Kulturzentrum (BiKu) umgebaut. Dieses enthält einen Theatersaal und weitere Räume, welche durch die Schule, die Vereine usw. für verschiedenste Veranstaltungen verwendet werden.

Verkehr

Bahnhof Toffen

Toffen ist gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen: Die seit 1913 bestehende Gürbetalbahn ist heute Teil der S-Bahn-Linien 4/44/3 und wird von der BLS-Gruppe betrieben. Im Halbstundentakt bestehen Verbindungen nach Bern mit einer Fahrzeit von 17 Minuten und nach Thun mit einer Fahrzeit von 24 Minuten. Weiter gibt es eine Buslinie vom Bahnhof Toffen nach Riggisberg (Fahrzeit 13 Minuten) mit den Stationen "Gemeindeverwaltung" und "Breitlohn" in Toffen.[23]

Wirtschaft

Toffen gehört zum äusseren Agglomerationsgürtel von Bern. Entsprechend ist der Pendler-Anteil an der Dorfbevölkerung hoch. In Industrie-, Gewerbe- und Handelsbetrieben bestehen aber auch etwa 300 Arbeitsplätze im Dorf. Einer dieser Betriebe ist die weit über die Landesgrenzen bekannte Oldtimer-Galerie.

Die Landwirtschaft ist wie üblich im Gürbetal stark auf den Weisskohl-Anbau ausgerichtet, im «Chabisland» wird viel Sauerkraut produziert. Zeuge dieser alten Tradition ist die jährlich in Toffen stattfindende öffentliche «Chabishoblete» (1. Samstag im Oktober).[24]

Die Tuffstein-Ausbeutung in Toffen wurde 1983 eingestellt.

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Bilder

Literatur

  • Otto Berner: Toffen, Chronik unserer Gemeinde im Gürbetal. 1990, ISBN 3-9520083-0-3.
  • Otto Berner: Toffen – vom Bauerndörflein zur stattlichen Gürbetaler Gemeinde. 1995, ISBN 3-9520083-2-X.
  • Einwohnergemeinde Toffen (Hrsg.): Toffen im Gürbetal. 1988.
  • Einwohnergemeinde Toffen (Hrsg.): Toffen im Gürbetal. 2. Auflage. 2002.
  • 850 Jahre Toffen 1148–1998. Jubiläumsschrift anlässlich der Jubiläumsfeier vom 3. bis 5. Juli 1998.
  • Otto Berner: Das kirchliche Zentrum Toffen. Die Entstehungsgeschichte. Reformierte Kirche Belp-Belpberg-Toffen (Hrsg.), 2004.

Einzelnachweise

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