Laistrygonen
märchenhaftes Volk von Riesen und Kannibalen in der griechischen Mythologie
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Die Laistrygonen (altgriechisch Λαιστρυγόνες Laistrygónes, lateinisch Laestrygones) werden bei Homer,[1] Ovid,[2] Hyginus[3] und Apollodor[4] erwähnt. Sie sind ein märchenhaftes Volk von Riesen und Kannibalen, das nur Viehzucht, aber keinen Ackerbau betreibt und als äußerst unzivilisiert beschrieben wird. Stammvater der Laistrygonen ist Laistrygon, ein Sohn des Poseidon und der Gaia.
Die Hauptstadt der Laistrygonen heißt Telepylos („fernes Tor“), wohl benannt nach dem Hafen mit einer engen Einfahrt. Von einigen Autoren wurde vorgeschlagen, dass Telepylos „fernes Pylos“ bedeutet, im Kontrast zum (nahe gelegenen) Pylos auf der Peloponnes.[5]
In der Odyssee

Odysseus erreicht das Land am siebten Tag nach der Abreise von der Insel des Aiolos und vor dem Besuch bei Kirke auf der Insel Aiaia. Er lässt elf seiner zwölf Schiffe im Hafen anlegen; lediglich sein eigenes Schiff lässt er aus Gründen der Vorsicht weiter vor der Küste ankern. Bei Homer wird der Poseidon-Sohn Lamos als Gründer des königlichen Geschlechts genannt, sein Nachfahre Antiphates wird als der gegenwärtige König angegeben. Odysseus lässt drei Kundschafter aussenden, die zunächst an der Quelle Artakie auf die Tochter des Königs treffen. Sie führt die Kundschafter zum König, der sofort einen von ihnen tötet und verspeist, den anderen beiden gelingt zunächst die Flucht. König Antiphates ruft allerdings die Laistrygonen zusammen, die die Schiffe im Hafen dadurch zerstören, dass sie sie mit großen Felsbrocken bewerfen. Odysseus kann mit einem kleinen Teil seiner Gefährten auf seinem Schiff entkommen. Seine übrigen Männer werden von den Laistrygonen aus dem Wasser gefischt und verschlungen.
Lokalisierungsversuche
Die Lage des Landes der Laistrygonen ist ungewiss. Homer erwähnt, dass dort die Bahnen von Tag und Nacht nahe seien, weshalb ein Hirte, der nicht schläft, doppelten Lohn – als Schafhirt und als Rinderhirt – verdienen könne.[6]
Die späteren Griechen suchten den Wohnsitz der Laistrygonen auf Sizilien,[7] speziell unterhalb des Ätna in den Gefilden der Stadt Leontinoi,[8] die römischen Autoren an der südlichsten Küste von Latium im Gebiet von Formiae.[9] Auch ein Ort in der Nähe von Kyzikos am Marmarameer wird erwogen, da die Argonautensage dort ebenfalls eine Quelle namens Artakie erwähnt und die dort lebenden Gegeneis gewisse Parallelen zu den Laistrygonen offenbaren.[10] Andere haben Mezapos bei Stavri im Peloponnes in Griechenland als Lage identifiziert, während Ernle Bradford zu dem Ergebnis kommt, dass es sich um (den Hafen von) Bonifacio auf Korsika handele.[11] Armin Wolf dagegen lokalisiert die Laistrygonen in Westsizilien, am Golf nördlich von Marsala.[12]
Literatur
- Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Band 6. Metzler, Weimar und Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01476-2.
- Hans von Geisau: Laistrygones. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 3, Stuttgart 1969, Sp. 457 f.
- Ernle Bradford: Reisen mit Odysseus. Zu den schönsten Inseln, Küsten und Stätten des Mittelmeeres (Ulysses found, 1963). Neuausg. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-458-34208-7, S. ?(früherer Titel: Reisen mit Homer).
- Otto Jessen: Laistrygones. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 2,2, Leipzig 1897, Sp. 1809–1811 (Digitalisat).