Lakargiit

From Wikipedia, the free encyclopedia

Das sehr seltene Mineral Lakargiit ist ein Oxid aus der Perowskit-Supergruppe mit der Endgliedzusammensetzung CaZrO3. Es kristallisiert mit orthorhombischer Symmetrie und entwickelt meist pseudokubische kuboktaedrische Kristalle von 30–35 Mikrometer Größe oder Skeletkristalle und sphärolithische Aggregate mit bis zu 200 µm Durchmesser. Natürliche Kristalle sind farblos, mit zunehmenden Titangehalten gelblich bis rotbraun und zeigen Glas- bis Diamantglanz auf den Kristallflächen.[3]

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Lakargiit
Polierter Abschnitt einer Lakargiit-Probe aus der Typlokalität Lakargi Mountains nahe Tschegem (englisch Chegem), Republik Kabardino-Balkarien, Russland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2007-014[1]

IMA-Symbol

Lak[2]

Chemische Formel CaZrO3[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

nicht verzeichnet
IV/C.10-020[4]

4.CC.30[5]
04.03.03.08
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol mmmVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse
Raumgruppe Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3[3]
Gitterparameter a = natürlich: 5,556(1),
synthetisch: 5,5912(1) Å; b = natürlich: 5,715(1),
synthetisch: 5,76165(1) Å; c = natürlich: 7,960(1),
synthetisch: 8,0171(2) Å[3][6]
Formeleinheiten Z = 4[3][6]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 8–9[3]
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,587[3]
Spaltbarkeit gut nach {110} und {001}[3]
Bruch; Tenazität uneben[3]
Farbe natürlich: farblos, gelblich bis rotbraun[3]
Strichfarbe natürlich: cremeweiß bis hellbraun[3]
Transparenz Bitte ergänzen!
Glanz natürlich: Glasglanz bis Diamantglanz[3]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 2,1(1)[3]
nβ = 2,1(1)[3]
nγ = 2,1(1)[3]
Brechungsindex n = berechnet: 2,002[3]
Doppelbrechung δ < 0,003–0,005[3]
Optischer Charakter zweiachsig positiv[3]
Achsenwinkel 2V = nahe 0°[3]
Pleochroismus nicht wahrnehmbar[3]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale piezoelektrisch, pyroelektrisch
Schließen

Die Typlokalität sind kalk-silikatische Xenolithe aus den Ignimbriten der oberen Tschegem-Caldera im Rajon Tschegem, Kabardino-Balkarien, Russland.[3]

Etymologie und Geschichte

Synthetisches CaZrO3 wurde lange vor der Entdeckung natürlicher Vorkommen untersucht z. B. wegen seiner Eignung als Protonenleiter (H+) oder als Keramik (Synrock) zur sicheren Lagerung radioaktiver Isotope aus atomaren Abfällen (z. B. Strontium, Thorium).[3]

In der Natur wurde CaZrO3 mit Perowskitstruktur im Jahr 2006 entdeckt und 2007 als neues Mineral von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannt. Der Name Lakargiit geht auf den Fundort zurück, dem Berg Lakari des oberen Tschegem-Vulkanfeldes.[3]

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Lakargiit zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Bariolakargiit, Barioperowskit, Isolueshit, Goldschmidtit, Loparit, Heamanit-(Ce), Lueshit, Macedonit Megawit, Perowskit und Tausonit die Perowskit-Untergruppe.[7]

Da Lakargiit erst 2007 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/C.10-020. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Lakargiit zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Macedonit, Megawit, Natroniobit, Pauloabibit, Perowskit, Tausonit und Vapnikit die „Perowskit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/C.10 bildet.[4]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[5] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lakargiit in die erweiterte Abteilung „Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Barioperowskit, Latrappit, Lueshit, Natroniobit und Perowskit die „Perowskit-Lueshit-Gruppe“ mit der Systemnummer 4.CC.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Lakargiit die System- und Mineralnummer 04.03.03.08. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ in der „Perowskit-Gruppe“, in der auch Perowskit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Tausonit, Isolueshit und Barioperowskit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Lakargiit kristallisiert mit orthorombischr Symmetrie der Raumgruppe Pbmn (Raumgruppen-Nr. 53, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/53.3 und den Gitterparametern a=5,445(1) Å, b=5,715(1) Å und c=7,960(1) Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle. Lakargiit kristallisiert mit der Struktur von Perowskit. Calcium (Ca2+) besetzt die von 12 Sauerstoffen kuboktaedrisch umgebene A-Position und Zirkonium (Zr4+) die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position.[6][3][8]

Zusammensetzung

Lakargiit ist das Zirkonium-Analog von Perowskit und hat die Endgliedzusammensetzung CaZrO3.[3] Der natürliche Lakargiit aus der Typlokalität hat die empirische Zusammensetzung

  • [A](Ca0.98Sr0.002Mg0.001Y0.002Ce0.006La0.006Nd0.001Th0.006)[B](Zr0.58Hf0.008Sn0.13Ti0.17Si0.001Fe3+0.05Nb0.007Ta0.001U0.01Sc0.01Cr0.008)O3,[9]

wobei in den eckigen Klammern die Kationenpositionen der Perowskitstruktur angegeben sind.

Lakargiit bildet lückenlose Mischkristallreihen mit Perowskit und Megawit, entsprechend der Austauschreaktionen:[3][8]

  • [B] Zr4+ = [B]Ti4+ (Perowskit)
  • [B] Zr4+ = [B]Sn4+ (Megawit)

Bildung und Fundorte

Lakargiit bildet sich bei niedrigen Druck und sehr hohen Temperaturen z. B. in sanidinitfaziellen, kontaktmetamorphen, Karbonatgesteinen.[3]

Die Typlokalität sind kalk-silikatische Xenolithe aus den Ignimbriten der oberen Tschegem-Caldera im Rajon Tschegem, Kabardino-Balkarien, Russland. Lakargiit tritt hier mit Wadalit, Hydrocalumit, Spurrit, Hydroxylellestadit, Rondorfit, Reinhardbraunsit, Cuspidin, Kimzeyit und kann Einschlüsse von Baddeleyit, Zirkon und Apatit enthalten.[3]

In dem Kohligen Chondriten Acfer 094 wurde Lakargiit zusammen mit Tazheranit, Perowskit und einer Os-W-Legierung als Einschluss in Hibonit beschrieben. Lakargiit gehört wahrscheinlich zu den ersten Kondensaten des Sonnennebels in der Frühphase unseres Sonnensystems.[10]

Weltweit wurde Lakargiit bisher (Stand 2026) nur an weniger als 20 Fundorten nachgewiesen.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Evgeny V. Galuskin, Viktor M. Gazeev, Thomas Armbruster, Aleksander E. Zadov, Irina O. Galuskina, Nikolai N. Pertsev, Piotr Dzierżanowski, Milen Kadiyski, Anatoly G. Gurbanov, Roman Wrzalik, Antoni Winiarski: Lakargiite CaZrO3: A new mineral of the perovskite group from the North Caucasus, Kabardino-Balkaria, Russia. In: American Mineralogist. Band 93, Nr. 11, 2008, S. 1903–1910, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, researchgate.net [PDF; 432 kB; abgerufen am 10. Januar 2026]).
  • Lakargiite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 92 kB; abgerufen am 13. Januar 2026]).
Commons: Lakargiit – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI