Lakargiit
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Das sehr seltene Mineral Lakargiit ist ein Oxid aus der Perowskit-Supergruppe mit der Endgliedzusammensetzung CaZrO3. Es kristallisiert mit orthorhombischer Symmetrie und entwickelt meist pseudokubische kuboktaedrische Kristalle von 30–35 Mikrometer Größe oder Skeletkristalle und sphärolithische Aggregate mit bis zu 200 µm Durchmesser. Natürliche Kristalle sind farblos, mit zunehmenden Titangehalten gelblich bis rotbraun und zeigen Glas- bis Diamantglanz auf den Kristallflächen.[3]
| Lakargiit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2007-014[1] |
| IMA-Symbol |
Lak[2] |
| Chemische Formel | CaZrO3[3] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
nicht verzeichnet IV/C.10-020[4] 4.CC.30[5] 04.03.03.08 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | mmm |
| Raumgruppe | Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)[3] |
| Gitterparameter | a = natürlich: 5,556(1), synthetisch: 5,5912(1) Å; b = natürlich: 5,715(1), synthetisch: 5,76165(1) Å; c = natürlich: 7,960(1), synthetisch: 8,0171(2) Å[3][6] |
| Formeleinheiten | Z = 4[3][6] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 8–9[3] |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 4,587[3] |
| Spaltbarkeit | gut nach {110} und {001}[3] |
| Bruch; Tenazität | uneben[3] |
| Farbe | natürlich: farblos, gelblich bis rotbraun[3] |
| Strichfarbe | natürlich: cremeweiß bis hellbraun[3] |
| Transparenz | Bitte ergänzen |
| Glanz | natürlich: Glasglanz bis Diamantglanz[3] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 2,1(1)[3] nβ = 2,1(1)[3] nγ = 2,1(1)[3] |
| Brechungsindex | n = berechnet: 2,002[3] |
| Doppelbrechung | δ < 0,003–0,005[3] |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv[3] |
| Achsenwinkel | 2V = nahe 0°[3] |
| Pleochroismus | nicht wahrnehmbar[3] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | piezoelektrisch, pyroelektrisch |
Die Typlokalität sind kalk-silikatische Xenolithe aus den Ignimbriten der oberen Tschegem-Caldera im Rajon Tschegem, Kabardino-Balkarien, Russland.[3]
Etymologie und Geschichte
Synthetisches CaZrO3 wurde lange vor der Entdeckung natürlicher Vorkommen untersucht z. B. wegen seiner Eignung als Protonenleiter (H+) oder als Keramik (Synrock) zur sicheren Lagerung radioaktiver Isotope aus atomaren Abfällen (z. B. Strontium, Thorium).[3]
In der Natur wurde CaZrO3 mit Perowskitstruktur im Jahr 2006 entdeckt und 2007 als neues Mineral von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannt. Der Name Lakargiit geht auf den Fundort zurück, dem Berg Lakari des oberen Tschegem-Vulkanfeldes.[3]
Klassifikation
Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Lakargiit zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Bariolakargiit, Barioperowskit, Isolueshit, Goldschmidtit, Loparit, Heamanit-(Ce), Lueshit, Macedonit Megawit, Perowskit und Tausonit die Perowskit-Untergruppe.[7]
Da Lakargiit erst 2007 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/C.10-020. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Lakargiit zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Macedonit, Megawit, Natroniobit, Pauloabibit, Perowskit, Tausonit und Vapnikit die „Perowskit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/C.10 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[5] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Lakargiit in die erweiterte Abteilung „Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Barioperowskit, Latrappit, Lueshit, Natroniobit und Perowskit die „Perowskit-Lueshit-Gruppe“ mit der Systemnummer 4.CC.30 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Lakargiit die System- und Mineralnummer 04.03.03.08. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ in der „Perowskit-Gruppe“, in der auch Perowskit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Tausonit, Isolueshit und Barioperowskit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Lakargiit kristallisiert mit orthorombischr Symmetrie der Raumgruppe Pbmn (Raumgruppen-Nr. 53, Stellung 3) und den Gitterparametern a=5,445(1) Å, b=5,715(1) Å und c=7,960(1) Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle. Lakargiit kristallisiert mit der Struktur von Perowskit. Calcium (Ca2+) besetzt die von 12 Sauerstoffen kuboktaedrisch umgebene A-Position und Zirkonium (Zr4+) die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position.[6][3][8]
Zusammensetzung
Lakargiit ist das Zirkonium-Analog von Perowskit und hat die Endgliedzusammensetzung CaZrO3.[3] Der natürliche Lakargiit aus der Typlokalität hat die empirische Zusammensetzung
- [A](Ca0.98Sr0.002Mg0.001Y0.002Ce0.006La0.006Nd0.001Th0.006)[B](Zr0.58Hf0.008Sn0.13Ti0.17Si0.001Fe3+0.05Nb0.007Ta0.001U0.01Sc0.01Cr0.008)O3,[9]
wobei in den eckigen Klammern die Kationenpositionen der Perowskitstruktur angegeben sind.
Lakargiit bildet lückenlose Mischkristallreihen mit Perowskit und Megawit, entsprechend der Austauschreaktionen:[3][8]
- [B] Zr4+ = [B]Ti4+ (Perowskit)
- [B] Zr4+ = [B]Sn4+ (Megawit)
Bildung und Fundorte
Lakargiit bildet sich bei niedrigen Druck und sehr hohen Temperaturen z. B. in sanidinitfaziellen, kontaktmetamorphen, Karbonatgesteinen.[3]
Die Typlokalität sind kalk-silikatische Xenolithe aus den Ignimbriten der oberen Tschegem-Caldera im Rajon Tschegem, Kabardino-Balkarien, Russland. Lakargiit tritt hier mit Wadalit, Hydrocalumit, Spurrit, Hydroxylellestadit, Rondorfit, Reinhardbraunsit, Cuspidin, Kimzeyit und kann Einschlüsse von Baddeleyit, Zirkon und Apatit enthalten.[3]
In dem Kohligen Chondriten Acfer 094 wurde Lakargiit zusammen mit Tazheranit, Perowskit und einer Os-W-Legierung als Einschluss in Hibonit beschrieben. Lakargiit gehört wahrscheinlich zu den ersten Kondensaten des Sonnennebels in der Frühphase unseres Sonnensystems.[10]
Weltweit wurde Lakargiit bisher (Stand 2026) nur an weniger als 20 Fundorten nachgewiesen.[11]
Siehe auch
Literatur
- Evgeny V. Galuskin, Viktor M. Gazeev, Thomas Armbruster, Aleksander E. Zadov, Irina O. Galuskina, Nikolai N. Pertsev, Piotr Dzierżanowski, Milen Kadiyski, Anatoly G. Gurbanov, Roman Wrzalik, Antoni Winiarski: Lakargiite CaZrO3: A new mineral of the perovskite group from the North Caucasus, Kabardino-Balkaria, Russia. In: American Mineralogist. Band 93, Nr. 11, 2008, S. 1903–1910, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, researchgate.net [PDF; 432 kB; abgerufen am 10. Januar 2026]).
- Lakargiite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 92 kB; abgerufen am 13. Januar 2026]).
Weblinks
- Lakargiit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Lakargiite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
