Tausonit
Mineral
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Das seltene Mineral Tausonit ist ein Oxid aus der Perowskit-Supergruppe mit der Endgliedzusammensetzung SrTiO3. Es kristallisiert mit kubischer Symmetrie und entwickelt unregelmäßige bis würfelige oder kuboktaedrische Kristalle von wenigen Millimetern Größe und bräunlicher Farbe.
| Tausonit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
IMA 1982-077 |
| IMA-Symbol |
Tau[1] |
| Chemische Formel | SrTiO3 |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
nicht verzeichnet IV/C.10-040[2] 4.CC.30[3] 04.03.03.07 |
| Ähnliche Minerale | Loparit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | kubisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Pm3m (Nr. 221) |
| Gitterparameter | a = natürlich: 3,9048(1) Å[4][5] |
| Formeleinheiten | Z = 1[4][5] |
| Häufige Kristallflächen | Würfel {100}, Oktaeder {111}[4][5] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6–6,5[4][5] |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 4,83[4][5] |
| Spaltbarkeit | Bitte ergänzen |
| Bruch; Tenazität | muschelig[4][5] |
| Farbe | rubinrot bis rotbraun,[4][5] synthetisch farblos |
| Strichfarbe | farblos[6] |
| Transparenz | Bitte ergänzen |
| Glanz | Diamantglanz[4][5] |
| Radioaktivität | - |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindex | n = synthetisch: 2,41[6] |
| Doppelbrechung | 0 (isotrop)[4][5] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | sehr hohe Dispersion (0,190)[6] |
Tausonit tritt in alkalireichen Magmatiten auf.[4][5]
Etymologie und Geschichte
Anfang der 1950er Jahre gelang die Herstellung größerer, synthetischer Einkristalle von SrTiO3, die wegen ihrer hohen Lichtbrechung und sehr hohen Dispersion (rund drei mal höher, als die von Diamant) ein beliebter Ersatz für Diamant waren und in der Schmuckindustrie unter verschiedenen Handelsnamen (Fabulit, Wellington, Diagem, Dynagem, Jewelit, Kenneth Lane Jewel, Lusitgem, Marvelit, Pauline Trigere, Rossini Jewel, Sorella, Starilian, Strontium, Testotitianat, Zenithit)[7] vermarktet wurden.
1973 entdeckten A. A. Ganzeyev und A. W. Bykowa eine strontiumreiche Varietät von Perowskit in Alkaligesteinen des Murun-Massivs[8], wo sieben Jahre später das Team um J. I. Worobjow das Strontiumanalog von Perowskit beschrieb. Sie nannten das neue Mineral der Perowskitgruppe Tausonit zu Ehren des sowjetischen Geochemikers Lew Wladimirowitsch Tausson.[4] Mit diesem Namen wurde es 1982 von der International Mineralogical Association (IMA) als neues Mineral anerkannt. Der Fundort wurde später nach dem Mineral Tausonitowaja Gorka benannt.[9]
Klassifikation
Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Tausonit zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Bariolakargiit, Barioperowskit, Isolueshit, Goldschmidtit, Lakargiit, Loparit, Heamanit-(Ce), Lueshit, Macedonit, Megawit und Perowskit die Perowskit-Untergruppe.[10]
Da Tausonit erst 1982 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/C.10-040. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Tausonit zusammen mit Barioperowskit, Isolueshit, Lakargiit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Macedonit, Megawit, Natroniobit, Pauloabibit, Perowskit und Vapnikit die „Perowskit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/C.10 bildet.[2]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tausonit in die erweiterte Abteilung „Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Isolueshit, Loparite-(Ce) (heute Loparit), Macedonit, Nioboloparit und Tausonite die „Loparit-Macedonit-Gruppe“ mit der System-Nr. 4.CC.35 bildet.[3]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tausonit die System- und Mineralnummer 04.03.03.05. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 3+ (A2O3)“ in der „Perowskit-Gruppe“, in der auch Perowskit, Latrappit, Loparit, Lueshit, Isolueshit, Lakargiit und Barioperowskit eingeordnet sind.
Chemismus
Tausonit ist das Strontium-Analog von Perowskit und hat die Endgliedzusammensetzung SrTiO3. Der natürliche Tausonit aus der Typlokalität hat die empirische Zusammensetzung[4][5]
- [A](Sr0,85Ca0,02Na0,02K0,02)[B]Ti0,982O3
- [A](Sr0,70Ca0,03Na0,103Ce0,046La0,026Nd0,01Ba0,005K0,007)[B]Ti0,982O3
wobei in den eckigen Klammern die Kationenpositionen der Perowskitstruktur angegeben sind.
Kristallstruktur
Natürlicher Tausonit kristallisiert mit kubischer Symmetrie der Raumgruppe Pm3m (Raumgruppen-Nr. 221) und den Gitterparameter a=3,9048(1) Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle. Tausonit hat die Struktur von Perowskit. Strontium (Sr2+) besetzt die von 12 Sauerstoffen kuboktaedrisch umgebene A-Position und Titan (Ti4+) die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position.[4][5]
Bildung und Fundorte
Weltweit sind bislang (2026) weniger als 20 Vorkommen von Tausonit dokumentiert.[11]
Die Typlokalität sind die Alkaligesteine der Lokalität Tausonitovaya Gorka im Murun-Massiv an der Wasserscheide der Flüsse Ditmar und Inarigda in der Nähe des Dorfes Ditmar in der Oblast Irkutsk, Russland.[9] Tausonit wurde hier in zwei verschiedenen Gesteinen beschrieben. In Calcit-Aegirin-Gesteinen tritt Tausonit zusammen mit Aegirin, Kalsilit, Kalifeldspat, Lamprophyllit, Barytolamprophyllit, Titanit, Magnetit, Pyrit, Galenit und K-Yuksporit auf. Im Aegirin-Kalifeldspat-Fenit tritt er zusammen mit Wadeit, Anatas und Batisit auf.[4]
Siehe auch
Literatur
- Ye. I. Vorob’yev, A. A. Konev, Yu. V. Malyshonok, G. F. Afonina, A. N. Sapozhnikov: Tausonite, SrTiO3, a new mineral of the perovskite group. In: International Geology Review. Band 26, Nr. 4, 1984, S. 462–465, doi:10.1080/00206818409466573 (englisch).
- Tausonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 56 kB; abgerufen am 10. Januar 2026]).
Weblinks
- Tausonit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Tausonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
- David Barthelmy: Tausonite Mineral Data. In: webmineral.com. (englisch).
