Landeskrankenhaus (Österreich)

From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Landeskrankenhaus oder Landesklinikum bezeichnet man in Österreich öffentlich-rechtliche Krankenhäuser, deren Träger die Bundesländer sind. Die üblicherweise verwendete Abkürzung ist „LKH“ oder „LK“.

Geschichte

Die Entwicklung des Systems der Landeskrankenhäuser verlief in Österreich nicht einheitlich. Zu unterschiedlichen Zeiten wurden bestehende Gemeinde- oder Bezirkskrankenhäuser unter die Führung des Landes gestellt.

Das erste Krankenhaus, das unter der Bezeichnung „Landeskrankenhaus“ neu errichtet wurde, ist das LKH Graz. Dessen Bau wurde 1888 vom Steirischen Landtag beschlossen, 1904 begonnen und 1912 abgeschlossen.[1]

In den 1980er-Jahren begannen die Länder ihre Spitäler in eigene Gesellschaften auszugliedern, die zu 100 Prozent in deren Eigentum blieben. Erst 2004 stellte das Land Niederösterreich auf Landeskliniken um. Erst ab diesem Zeitpunkt bis 2008 wurden die bestehenden Gemeindekrankenhäuser in die Holding des Landes übernommen. Ein Grund für diese Entwicklung ist das Sparpotenzial, das in der gemeinsamen zentralen Verwaltung von Krankenhäusern liegt. Verbunden damit waren auch Spezialisierungen mit der Schließungen einzelner Abteilungen, wenn eine entsprechende in einem benachbarten Spital vorhanden war.

Heute sind somit fast alle Schwerpunktkrankenhäuser in Landesbesitz, nur in Tirol gibt es noch große Bezirkskrankenhäuser, die den Gemeinden des Bezirkes gehören. Dazu kommen Ordensspitäler (z. B. in Eisenstadt, Schwarzach, St.Veit/Glan), die die Grundversorgung gewährleisten, sowie die sieben Unfallkrankenhäuser in Trägerschaft der AUVA. Das AKH Linz und das Krankenhaus Dornbirn sind die letzten großen städtischen Spitäler außerhalb Wiens.

Die letzten Krankenhäuser, die von einem Land übernommen wurden, sind die von Mittersill und Tamsweg, die 2008 zum Land Salzburg kamen.[2] Aus organisatorischen Gründen wurden diese jedoch nicht in die Salzburger Landeskliniken (SALK) eingegliedert und werden nun direkt vom Land geführt. 2008 kam auch das Krankenhaus Wiener Neustadt und Neunkirchen von der Gemeinde zum Landesholding. 2011 wurde aus dem Bezirkskrankenhaus und dem Psychiatrischen Krankenhaus Hall in Tirol ein gemeinsames LKH gebildet. 2017 wurde das Krankenhaus in Hallein ebenfalls in die SALK eingegliedert.

2011 bis 2013 ermöglichten die steirischen Bezirkszusammenlegungen auch eine organisatorische Zusammenlegung von Landeskrankenhäusern, wie Feldbach-Fürstenfeld, Judenburg-Knittelfeld, Rottenmann-Bad Aussee und Mürzzuschlag-Mariazell.[3][4] Aus Spitalverbünden wurde schließlich jeweils ein LKH.

Träger

In Österreich betreibt jedes Bundesland mit Ausnahme von Wien seine Krankenhäuser über eine Landesgesellschaft oder -holding. Wien betreibt seine Krankenanstalten im Wege eines Krankenanstaltenverbunds ohne eigene Rechtspersönlichkeit selbst. Die ältesten Gesellschaften haben Vorarlberg und die Steiermark, die jüngste Niederösterreich, das erst 2004 die Landeskrankenhäuser unter einer solchen Verwaltungsgesellschaft stellte.

Weitere Informationen Land, Name ...
Land Name Abkürzung Gründung Sitz
Wien Stadt Wien – Wiener Gesundheitsverbund (vorm. Wiener Krankenanstaltenverbund) WiGev (vorm. KAV) 2002 Wien
Niederösterreich NÖ Landesgesundheitsagentur NÖLGA 2004 St. Pölten
Oberösterreich Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH OÖG 2018 Linz
Salzburg Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH SALK 1998/2004 Salzburg
Tirol Tirol Kliniken GmbH 1990 Innsbruck
Vorarlberg Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft m.b.H. KHBG 1979 Feldkirch
Kärnten Kärntner Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft, Anstalt öffentlichen Rechts KABEG 1993 Klagenfurt
Steiermark Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. KAGes 1985 Graz
Burgenland Burgenländische Krankenanstalten-GesmbH KRAGES 1992 Eisenstadt
Schließen

Verantwortlich für diese Gesellschaften sind die jeweiligen Gesundheits-Landesräte in den Landesregierungen.

Jene Landeskrankenhäuser, die zugleich auch Universitätskliniken sind, werden auch durch das Wissenschaftsministerium finanziert, Ärzte erhalten Teilgehälter von der Gesellschaft und von der Universität.

Allgemein

Je nach Situation und Größe gibt es etwa je politischem Bezirk ein Landeskrankenhaus für die Standardversorgung der Bevölkerung. Nicht immer liegt dieses Krankenhaus in der Bezirkshauptstadt, wie z. B. das LKH Rottenmann im Bezirk Liezen. Zusätzliche Fachabteilungen wie Gebärstationen, Chirurgie sind nach Einzugsgebiet verteilt. Immer wieder gibt es Proteste, wenn einzelne Abteilungen geschlossen werden.

Speziell

Daneben sind auch Fachkliniken, wie Landesnervenkliniken, Orthopädische Krankenhäuser, Landespflegezentren (LPZ) und Landespflegeheime (LPH) im Besitz der Länder. Einige dieser Häuser entstanden auch durch Neuausrichtung ehemaliger Lungenheilstätten (in der Steiermark z. B.: Hörgas, Enzenbach und Stolzalpe), die nach der Tuberkulosezeit nicht mehr benötigt wurden. Diese Anstalten wurden auch als Landessonderkrankenhäuser (LSKH) bezeichnet. Da der Begriff aber oft mit Landesnervenklinik gleichgesetzt wurde, hatte er einen schlechten Ruf und wird heut nicht mehr verwendet.

Schwangerschaftsabbruch

Nachdem es jahrelang keinen politischen Willen gab, dass die landeseigenen Krankenhäuser auch Abtreibungen durchführen, dauerte es bis April 2005, als die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller am LKH Salzburg eine Abtreibungsambulanz einrichten ließ.[5] In der Folge ermöglichten auch die Steiermark und Niederösterreich diesen Eingriff an ihren Krankenhäusern. In den restlichen Bundesländern ist dies nur an privaten Einrichtungen möglich.[6]

Liste der Landeskrankenhäuser

Logo des KAV

Wien

Nachdem Wien gleichzeitig Bundesland und Stadtgemeinde ist, sind die städtischen Krankenhäuser gleichzeitig Landeskrankenhäuser, führen diese Bezeichnung aber nicht.

Niederösterreich

Die NÖ Landesgesundheitsagentur wurde im Jahr 2020 gegründet und ist Gesamtrechtsnachfolgerin der NÖ Landeskliniken-Holding. Viele Kliniken wurden erst ab der Gründung der Landeskliniken-Holding (2004) von Gemeinden und Gemeindeverbänden an das Land übergeben. Daher hat in Niederösterreich der Begriff LKH keine so lange Geschichte, und es wurde das modernere „Landesklinikum“ gewählt. Den Namen LKH gab es davor nur in Mödling (1956–2002)[7] und Mauer (1966–1999)[8].

Oberösterreich

Oberösterreichische Gesundheitsholding (OÖG):

Das UKH Linz betreibt die AUVA. Das Ordensklinikum Linz und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz sowie die Spitäler in Braunau, Ried im Innkreis, Sierning und das Klinikum Wels-Grieskirchen sind Ordensspitäler. Die Klinik Diakonissen Linz wird von dem Diakoniewerk Gallneukirchen betrieben.

Salzburg

In Salzburg wurden 2008 die zwei Krankenhäuser der Gemeinden Mittersill und Tamsweg vom Land direkt übernommen, jedoch nicht in die SALK eingegliedert.[9]

Das UKH Salzburg betreibt die AUVA. Das Krankenhaus Oberndorf wird von der Gemeinde betrieben. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg und das Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach im Pongau sind Ordensspitäler. Die Privatklinik Wehrle-Diakonissen in der Stadt Salzburg ist ein Unternehmen der PremiQaMed Gruppe und des Diakoniewerks Gallneukirchen (Diakonie-Zentrum Salzburg).

Tirol

Logo Tirol Kliniken

Die Bezirkskrankenhäuser in St. Johann, Lienz, Kufstein und Reutte werden von Gemeindeverbänden betrieben, Das Krankenhaus St. Vinzenz Zams von den Barmherzige Schwestern Zams.

Vorarlberg

LKH Feldkirch – Ansicht des Neubautrakts

Das Krankenhaus Dornbirn wird von der Stadt Dornbirn betrieben.

Kärnten

Logo der KABEG

Das UKH Klagenfurt betreibt die AUVA. Das A. ö. Krankenhaus in Spittal/Drau wird von einer privaten GmbH betrieben[11], das Krankenhaus in St.Veit/Glan von den Barmherzigen Brüdern. Weitere Ordenskrankenhäuser sind das Deutsch-Ordens-Spital Friesach und das A.ö Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt. Das Öffentliches Krankenhaus Waiern der Diakonie de La Tour in Feldkirchen und das Sonderkrankenhaus de La Tour in Treffen werden von der Diakonie de La Tour betrieben.

Steiermark

Logo der KAGes

In der Steiermark sind fast alle Schwerpunktkrankenhäuser in Landesbesitz.

A.ö. Ordensspitäler gibt es zusätzlich in Graz (Krankenhaus der Elisabethinen Graz, Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder Graz) und in Vorau (Marienkrankenhaus Vorau). Die Klinik Diakonissen Schladming in Schladming wird von dem Diakoniewerk Gallneukirchen betrieben. Die letzten zwei sind auch Akutkrankenhäuser für die jeweilige Region.[17] Das Unfallkrankenhaus Steiermark mit den Standorten Graz und Kalwang betreibt die AUVA.

Burgenland

Logo der KRAGES

Die meisten burgenländischen Spitäler gehören zwar dem Land, haben jedoch nie die Bezeichnung LKH getragen.

  • A.ö. KH Güssing
  • A.ö. Ladislaus Batthyány-Strattmann-KH Kittsee
  • A.ö. KH Oberpullendorf
  • A.ö. KH Oberwart

Das Krankenhaus der Landeshauptstadt ist kein Landesspital, sondern ein Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI