Landkreis Wittenberg

Landkreis in Sachsen-Anhalt From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Landkreis Wittenberg ist eine Gebietskörperschaft im Osten des deutschen Landes Sachsen-Anhalt. Er liegt an den Flüssen Elbe und Schwarze Elster. Kreisstadt und zugleich mit rund 45.000 Einwohnern größte Gemeinde ist Lutherstadt Wittenberg.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Koordinaten: 51° 49′ N, 12° 42′ O
Bundesland:Sachsen-Anhalt
Verwaltungssitz: Lutherstadt Wittenberg
Fläche: 1.931,68 km²
Einwohner: 120.375 (31. Dez. 2025)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: WB, GHC, JE
Kreisschlüssel: 15 0 91
Kreisgliederung: 9 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Breitscheidstraße 3
06886 Lutherstadt Wittenberg
Website: www.landkreis-wittenberg.de
Landrat: Christian Tylsch (CDU)
Lage des Landkreises Wittenberg in Sachsen-Anhalt
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Nachbarkreise sind im Norden die brandenburgischen Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming, im Osten der ebenfalls brandenburgische Landkreis Elbe-Elster, im Süden der sächsische Landkreis Nordsachsen und im Westen der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau.

Der Landkreis Wittenberg gehört zur Metropolregion Mitteldeutschland und grenzt an die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.

Geographie

Die Elbe durchfließt auf einer Länge von 52 km in einer über große Abschnitte naturnahen Auenlandschaft den Landkreis. Im Norden erstrecken sich von Ost nach West die waldreichen Höhenzüge des Fläming und seiner Ausläufer. Im Süden liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteldeutschlands, die Dübener Heide.

Der Waldanteil ist mit 39,8 Prozent der Gesamtfläche der größte aller Landkreise in Sachsen-Anhalt.[2]

Geschichte

Der Landkreis besteht in der heutigen Ausdehnung seit 2007.

Verwaltungsgeschichte

Verwaltungsgebäude Landkreis Wittenberg

Bevölkerung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
2007142.906
2010137.070
2015128.447
2020124.185
Jahr Einwohner
2021123.341
2022122.808
2023122.230
2024121.694
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Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres[3]

Politik

Wahl des Kreistages Wittenberg 2024[4]
Wahlbeteiligung: 62,9 % (2019: 56,7 %)
 %
30
20
10
0
29,9 %
28,2 %
14,8 %
11,6 %
7,3 %
2,3 %
2,3 %
2,0 %
0,9 %
0,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
+4,2 %p
+11,8 %p
−5,2 %p
−2,2 %p
−5,5 %p
−0,5 %p
−2,3 %p
−0,5 %p
+0,9 %p
−0,2 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c FREIE WÄHLER
f Allianz der Bürger
i frei und parteilos

Kreistag

Aus dem rechts dargestellten Ergebnis der Kreistagswahl vom 9. Juni 2024 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Sitzverteilung 2024
        
Insgesamt 48 Sitze
Weitere Informationen Parteien und Wählergemeinschaften, Prozent ...
Ergebnisse der Kreistagswahlen zwischen 1994 und 2019
Parteien und Wählergemeinschaften 2019201420072004 11999 11994 1
ProzentSitzeProzentSitzeProzentSitzeProzentSitzeProzentSitzeProzentSitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,7 12 33,2 16 36,1 18 37,9 18 42,9 21 32,8 16
FREIE WÄHLER FREIE WÄHLER 20,0 10 14,7 7 - - - - - - - -
AfD Alternative für Deutschland 16,4 8 2,6 1 - - - - - - - -
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,8 7 16,9 8 19,3 9 19,5 10 24,0 12 28,7 14
DIE LINKE. 2 DIE LINKE. 12,8 6 21,5 10 21,0 10 25,7 12 19,1 9 16,5 8
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 4,6 2 2,6 1 2,7 1 2,5 1 1,9 1 6,0 3
AdB Allianz der Bürger 2,8 1 4,5 2 - - - - - - - -
FDP Freie Demokratische Partei 2,5 1 1,6 1 4,8 2 7,0 3 5,2 3 6,7 3
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 1,0 1 0,9 1 - - - - - - - -
BBP Bürgerbewegung Landkreis Wittenberg - - 1,4 1 1,2 1 3,9 2 3,5 2 8,7 4
FWW Freie Wähler für Wittenberg - - - - 9,9 5 - - - - - -
Offensive D Offensive D - - - - 2,7 1 2,9 2 - - - -
DP Deutsche Partei - - - - 1,5 1 - - - - - -
Tierschutz-partei Die Tierschutzpartei - - - - - - 0,7 - - - - -
WG LUN Landwirtschaft, Umwelt und Natur - - - - - - - - 1,0 - - -
DVU Deutsche Volksunion - - - - - - - - 0,8 - - -
STATT Partei Statt Partei - - - - - - - - 0,4 - - -
WG BDM Bürgerverein für Dorfentwicklung „Mühlengrund“ - - - - - - - - 0,4 - - -
WG SCM Sozial Christliche Mitte - - - - - - - - 0,4 - - -
WG VBI/LSA Verband der Bürgerinitiativen für Kommunalabgaben des Landes Sachsen-Anhalt - - - - - - - - 0,4 - - -
EB Einzelbewerber 0,4 - - - 0,7 3 - - - - - 0,5 4 -
Sonst. Sonstige - - - - - - - - - - 0,1 -
Gesamt 100 48 100 48 100 48 100 48 100 48 100 48
Wahlbeteiligung 56,7 % 47,0 % 36,6 % 46,6 % 55,3 % 67,6 %
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[5][6][7][8]


1 
Die Ergebnisse der Wahlen 1994 bis 2004 beziehen sich auf den Gebietsstand vor 2007.
2 
Die Linke ist bis 2004 als PDS angetreten.
3 
Einzelbewerber: Hans-Jürgen Günther (0,2 %), Winfried Melzer (0,5 %)
4 
Einzelbewerber: k. A.

Landrat

Tylsch wurde bei der Landratsstichwahl am 20. Juni 2021 mit 81,4 % der gültigen Stimmen gewählt.[9] Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.[10]

Wappen

Wappen von Landkreis Wittenberg
Wappen von Landkreis Wittenberg
Blasonierung: „Zwei rote Schwerter gekreuzt auf Schwarz über Silber geteiltem Schild.“
Wappenbegründung: Die gekreuzten Schwerter stellten das Würdezeichen der Herzöge von Sachsen-Wittenberg als Erzmarschälle des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Dieses Amt war den Kurfürsten von Sachsen vorbehalten, die für eine über vierhundertjährige gemeinsame Verwaltungsgeschichte der Gebiete um Wittenberg, Jessen und Gräfenhainichen stehen. Das Wappen geht direkt auf die historische Reichsrennfahne zurück.[11]

Dem Landkreis Wittenberg wurde das Wappen erstmals durch Erlass des preußischen Staatsministeriums vom 28. Februar 1939 verliehen. Seit 1990 fand das Wappen erneute Anwendung für den Landkreis Wittenberg. Im Zuge der Kreis- und Gebietsreformen 1994 und 2007 entschied sich der Kreistag jeweils für die Weiterführung des Wappens.[11]

Flagge

Die Flagge des Landkreises zeigt die Farben Schwarz-Rot mit geführtem Wappen längs und quer gehisst.

Wirtschaft

Die Branchen chemische Industrie (SKW Piesteritz, PCI, PTE), Maschinenbau (Krafotec, MMW), Spezialfahrzeugbau (Feldbinder, Empl, Annaburger), Verpackungsmittelindustrie (SIG Combibloc) und die Nahrungs- und Genussmittelproduktion (Lieken, Upfield, Wikana, Ditsch, Jütro, Himmelsberger) sind im verarbeitenden Gewerbe strukturbestimmend.

Lutherstadt Wittenberg ist mit 187.750 Übernachtungen (2019) auch eine bedeutende Tourismusdestination, Tagungs- und Kongressstadt.[12]

Oranienbaum-Wörlitz zieht mit dem Wörlitzer Park – als Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs – Tagestouristen an.

In der Kurstadt Bad Schmiedeberg (Eisenmoorbad, Reha-Zentrum) stellt die Gesundheitswirtschaft einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar.

Gräfenhainichen generiert unter anderem Einnahmen aus dem Freilichtmuseum Ferropolis, der „Stadt aus Eisen“, die zudem als Veranstaltungsort für mehrere überregional bekannte Musikfestivals (Melt!, splash!) dient. In Jessen (Elster) gibt es produzierendes Gewerbes (Industrie und Handwerk) mit Branchenschwerpunkten in der Lebensmittelverarbeitung und dem Metall- und Maschinenbau.

Der Jessener Ortsteil Holzdorf ist mit dem Fliegerhorst Schönewalde/Holzdorf ein 400 Bedienstete umfassender Standort der Luftwaffe der Bundeswehr.

Etwa 50 % der Fläche des Kreises werden ferner landwirtschaftlich genutzt.

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Wittenberg noch Platz 395 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählte damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“.[13]

Im Zukunftsatlas 2019 belegte der Landkreis Wittenberg bereits Platz 385 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählte damit zu den Regionen mit „hohen Zukunftsrisiken“, gehörte gleichzeitig allerdings zu den kontinuierlichen Aufsteigern in diesem Ranking. Die Tendenz der letzten Jahre zeigte hier einen Aufstieg um drei Stufen, wie dies auch im Falle der nahen Metropolen Berlin und Leipzig zu konstatieren ist.[14]

Bei der Dynamik lag der Landkreis Wittenberg in diesem Ranking auf Platz 279 und damit im gesamtdeutschen Mittelfeld.[14]

Die Selbstständigenquote im Landkreis Wittenberg lag in den Jahren 2015 bis 2019 zwischen 10,7 % und 9,5 % und damit regelmäßig über dem Landesdurchschnitt (9,1 % bis 8,2 %) und positionierte den Kreis durchgehend in der Spitzengruppe unter den sachsen-anhaltischen Landkreisen.[15]

Seit dem Bestehen des Landkreises Wittenberg in seiner aktuellen Form und Ausdehnung hat sich die Arbeitslosenquote von 14,2 % (Juli 2007) auf 7,1 % (April 2021) halbiert, wobei diese vor der Corona-Pandemie mit 5,7 % im September und Oktober 2019 einen Tiefpunkt erreichte, als damit nahezu Vollbeschäftigung bestand.[16][17]

Sowohl die Zahl der Berufsausbildungsstellen als auch – nicht ganz so stark – die Zahl der Bewerber sind im Landkreis Wittenberg in den Jahren 2019 bis 2022 weiterhin kontinuierlich gestiegen. Die Stellenauswahl für die Bewerber nahm dabei weiter zu, so dass 2021/2022 auf jeden Bewerber rund zwei freie Berufsausbildungsstellen kamen. Die Ausbildungsplatzversorgung im Landkreis Wittenberg lag im Mai 2022 mit 47 Bewerbern auf 100 Stellen – genau gleichauf etwa mit dem südbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – im vorderen Sechstel aller Landkreise in Deutschland.[18][19]

Verkehr

Autoverkehr

Die Autobahn A 9 BerlinMünchen führt im Nordwesten und Westen durch das Gebiet des Landkreises. Die Anschlussstellen Köselitz, Coswig und Vockerode liegen im Kreisgebiet.

Durch das Kreisgebiet führen die Bundesstraßen B 2 und B 187, die sich in der Kreisstadt kreuzen. Südlich der Elbe enden die B 100 und B 182 an der B 2 im Ortsteil Eutzsch der Stadt Kemberg. Die B 107 führt von der brandenburgischen Landesgrenze nördlich des Coswiger Ortsteils Göritz bis zur Einmündung in die B 187 in Coswig.

Am 1. Januar 2025 waren im Landkreis Wittenberg 7.864 Krafträder, 75.900 PKW, 8.227 LKW sowie 3.937 Zugmaschinen zugelassen.[20]

Schienenverkehr

Lutherstadt Wittenberg Hauptbahnhof, täglich von über 5.000 Reisenden genutzt und zum „Grünen Bahnhof“ umgebaut

Durch den Landkreis Wittenberg führen zwei überregionale Eisenbahnstrecken, die sich im Wittenberger Hauptbahnhof kreuzen.

In Nord-Süd-Richtung gibt es an der Bahnstrecke Berlin–Halle/LeipzigMünchen alle zwei Stunden eine ICE-Verbindung nach Berlin bzw. nach Leipzig. Es verkehren darüber hinaus Regionalexpress-Züge nach Berlin sowie die Linien S2 und S8 der S-Bahn Mitteldeutschland nach Leipzig bzw. Halle (Saale).

In West-Ost-Richtung wird der Landkreis durch die Strecke Dessau–Falkenberg (Elster) mit stündlich verkehrenden Regionalbahnen erschlossen. Fast alle Nahverkehrsleistungen werden von DB Regio erbracht, in deren Zügen der Tarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV) gilt.

Der Landkreis wird im Osten von der Bahnstrecke Jüterbog–Riesa tangiert. Auf dem Kreisgebiet liegen die Bahnhöfe Linda (Elster) und Holzdorf (Elster). Auf der eingleisigen Bahnstrecke Pratau–Torgau mit ihrer Zweigstrecke nach Eilenburg über Bad Schmiedeberg findet nur noch in geringem Umfang saisonaler Verkehr statt. Die Bahnhöfe Wörlitz und Oranienbaum der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn werden nur in der Sommersaison bedient.

Historisch erwähnenswert sind weitere Bahnstrecken:

Busverkehr

Der öffentliche Personennahverkehr im Landkreis wird durch die Vetter Verkehrsbetriebe GmbH durchgeführt.[21]

Gemeinden

BrandenburgSachsenDessau-RoßlauLandkreis Anhalt-BitterfeldAnnaburgBad SchmiedebergCoswig (Anhalt)GräfenhainichenJessen (Elster)KembergOranienbaum-WörlitzLutherstadt WittenbergZahna-ElsterZahna-Elster

Einheitsgemeinden
(Städte sind fett hervorgehoben)
(* Sitz des Landkreises)

Weitere Informationen Wappen, Gemeinde ...
WappenGemeindeEinwohner
(31. Dezember 2025)[22]
Fläche
in km²[23]
Annaburg 6189 224,41
Bad Schmiedeberg 7852 160,31
Coswig (Anhalt) 11.007 295,72
Gräfenhainichen 10.990 159,35
Jessen (Elster) 13.538 352,15
Kemberg 9089 235,21
Oranienbaum-Wörlitz 7863 115,51
Lutherstadt Wittenberg* 44.937 240,40
Zahna-Elster 8910 148,62
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Schutzgebiete

Im Landkreis befinden sich 19 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).

Gebietsänderungen

Veränderungen auf Gemeindeebene

Die folgend aufgezählten Eingemeindungen beziehungsweise Gemeindeauflösungen sind das Ergebnis des Gesetzes über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Wittenberg (GemNeuglG WB):[25]

Die Anzahl der Gemeinden verringerte sich von 108 auf 9 (Landkreis Wittenberg seit dem 1. Juli 1994 und inkl. Kreisreform).

Veränderungen bei Verwaltungsgemeinschaften

Somit verringerte sich die Anzahl der Verwaltungsgemeinschaften von 14 auf 0 (inkl. Kreisreform).

Namensänderungen

  • von Euper zu Abtsdorf (1. Dezember 1995)
Die Gemeinde Euper mit dem Ortsteil Abtsdorf wurde zur Gemeinde Abtsdorf mit dem Ortsteil Euper.

Kfz-Kennzeichen

Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen WB, das bis heute ausgegeben wird. Durch die Kennzeichenliberalisierung sind seit dem 29. November 2012 auch die Unterscheidungszeichen GHC (Gräfenhainichen) und JE (Jessen) erhältlich.

Einzelnachweise

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