Lauter (Rhein, Gernsheim)
Fluss in Südhessen
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Die Lauter, im Unterlauf Winkelbach und früher auch Ziegelbach genannt, ist ein 32,4 km[3] langer, östlicher und rechter Zufluss des Rheins in Südhessen. Sie entspringt im Odenwald, fließt in den hessischen Kreisen Bergstraße und Groß-Gerau und mündet bei Gernsheim in den Rhein.
| Lauter Unterlauf: Winkelbach | ||
|
Die Lauter in Bensheim | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | DE: 23954 | |
| Lage | Vorderer Odenwald[1]
| |
| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Rhein → Nordsee | |
| Quelle | im Odenwald an der Neunkircher Höhe 49° 43′ 27″ N, 8° 45′ 52″ O | |
| Quellhöhe | ca. 478 m ü. NHN[2] | |
| Mündung | bei Gernsheim in den Oberrhein 49° 45′ 7″ N, 8° 28′ 20″ O | |
| Mündungshöhe | ca. 84,6 m ü. NHN[2] | |
| Höhenunterschied | ca. 393,4 m | |
| Sohlgefälle | ca. 12 ‰ | |
| Länge | 32,5 km[3][4] | |
| Einzugsgebiet | 117,84 km²[3] | |
| Abfluss am Pegel Bensheim[5] AEo: 26,8 km² Lage: 19,1 km oberhalb der Mündung |
NNQ (30.07.1992) MNQ 1970/2009 MQ 1970/2009 Mq 1970/2009 MHQ 1970/2009 HHQ (11.07.1980) |
21 l/s 109 l/s 287 l/s 10,7 l/(s km²) 3,72 m³/s 10,6 m³/s |
| Mittelstädte | Bensheim, Gernsheim | |
| Gemeinden | Lautertal, Zwingenberg | |
Namen
Von der Quelle bis nach Bensheim heißt das Fließgewässer Lauter. Dieser Abschnitt gab dem Flusstal und der dortigen Verbundgemeinde Lautertal den Namen. Die Lauter wurde 766 als Luitra erwähnt.[6]
Ab Bensheim bis zu seiner Mündung bei Gernsheim trägt das Gewässer den Namen Winkelbach. Dieser Name, 1567 als Winckelbach belegbar, erklärt sich möglicherweise aus den Knicken, die der Bach in Bensheim oder bei Rodau macht. Ein nicht mehr gebräuchlicher Name des Unterlaufs war Ziegelbach.[7]
Geographie
Verlauf
Odenwald
Die Lauter entspringt im Odenwald im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, in dem sie gänzlich fließt. Ihre Quelle liegt etwa 2 km nordöstlich von Gadernheim, einem Ortsteil der Gemeinde Lautertal, und 720 m nordwestlich der Neunkircher Höhe (605 m ü. NHN) auf 478 m[2] Höhe.
Anfangs fließt die Lauter am Weinweg entlang als Rinnsal südwestwärts hinab nach Gadernheim. Von dortan verläuft sie entlang der Bundesstraße 47 (Nibelungenstraße) erst westwärts nach und durch den Lautertaler Ortsteil Lautern. Danach dreht sie nach Südwesten und fließt, unmittelbar nach Durchfließen eines Hochwasserrückhaltebeckens, durch Reichenbach, den Hauptort der Gemeinde Lautertal. Weiterhin entlang der B 47 verläuft sie durch den Lautertaler Ortsteil Elmshausen.
Anschließend erreicht die Lauter das Stadtgebiet von Bensheim, in dem sie erst durch Wilmshausen und Schönberg fließt, wo sich ein weiteres Rückhaltebecken befindet. Hiernach erreicht sie die Bensheimer Kernstadt und verlässt zugleich den Vorderen Odenwald.
Hessisches Ried
In Bensheim erreicht das Fließgewässer unter dem Namen Winkelbach den Naturraum Bergstraße, um sodann den Weg in der Oberrheinische Tiefebene durch das Hessische Ried zu nehmen. Nach dem Erreichen des am Südwestrand der Bensheimer Altstadt stehenden Rinnentorturms (Rinnentor), wo der Neue Graben abzweigt, knickt der Fluss aus seiner vorherigen Südwestrichtung fast rechtwinklig nach Norden ab. Sodann verschwindet er auf etwa 1,2 km Länge in einem unterirdischen Kanal, in dem er die B 3 (Bergstraße) unterquert und den er nach der Kreuzung Fehlheimer Straße / Mozartstraße verlässt. Kurz darauf unterquert der Bach die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg.
Weitgehend begradigt und mit Dämmen eingefasst, fließt der Winkelbach im Naturraum Neckarried in alten, verlandeten Flussläufen des Bergstraßenneckars. Dabei folgt der Bach über mehrere Kilometer der Bundesautobahn 5 in Richtung Nordnordwesten. Westlich des bachabseits liegenden Bensheimer Ortsteils Bensheim-Auerbach fließt von Osten die Auer zu. Südöstlich des auch bachabseits gelegenen Zwingenberger Ortsteils Rodau unterquert der Winkelbach die A 5. Kurz darauf passiert der Bach den westlich liegenden Niederwaldsee. Etwas weiter nordnordwestlich mündet der Scheidgraben von Osten ein. Der Winkelbach folgt einem alten Neckarmäander nach Westen. Dabei wird er links vom Lindenbruchgraben begleitet. Beim Bensheimer Ortsteil Langwaden fließt von links der Schwanheimer Grenzgraben, im Unterlauf Mühlgraben genannt, zu, Er nimmt kurz zuvor den Lindenbruchgraben auf.
Bei Langwaden verlässt der Winkelbach den alten Neckarlauf und fließt nach Nordwesten durch den Jägersburg-Gernsheimer Wald. Dabei unterquert er die Bundesautobahn 67. Weitere 4,4 km bachabwärts passiert er im Gernsheimer Stadtgebiet die nördlich stehende Wallfahrtskirche Maria Einsiedel. Nördlich von Klein-Rohrheim kreuzen die Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt am Main (Riedbahn) und die Bundesstraße 44 den Bach.
Das letzte Teilstück des Winkelbachs führt westlich an der Kernstadt von Gernsheim vorbei. 700 Meter vor der Mündung fließt von Süden als letzter Zufluss der Himmschlingsgraben (Langer Graben) ein. Die Mündung in den Rhein liegt etwa 50 m südwestlich der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gernsheimer Rheinbrücke.
Einzugsgebiet
Das Einzugsgebiet der Lauter (Winkelbach) ist zusammen mit dem Winkelbach 117,84 km² groß. Die Obere Lauter hat, von der Flussquelle bis zum Knick des Fließgewässers in Bensheim ein Einzugsgebiet von 27,49 km² und ist 14 km lang. Ihre Wasserkörpernummer ist 23954.2. Der Flussabschnitt mit Namen Winkelbach beginnt in Bensheim, trägt die Wasserkörpernummer 23954.1, ist 18,4 km lang und entwässert weitere 90,35 km².[3]
- oberhalb von Gadernheim
- in Lautern
- Rückhaltebecken Schönberg
- Rückhaltebecken Schönberg
- Pegel vor Bensheim
- Abzweig Neuer Graben am Bensheimer Rinnentor
- Winkelbach unterhalb von Bensheim
- Mündung in den Rhein
Zuflüsse
Zu den Zuflüssen der Lauter (Winkelbach) gehören bachabwärts betrachtet (laut im Tabellenkopf genannten Einzelnachweisen):
| Name | Seite | Länge (km)[3] |
Quell- | Mündungs- | Mündungs- ort (Lage) |
Mü-Stat. (km)[8] |
EZG (km²)[3] |
GKZ [3][9] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| höhe (m ü. NHN)[2] | ||||||||
| Im Salztrog | links | 1,8 | 424 | 365 | Gadernheim (i) | 30,4 | 23954-112 | |
| Bach vom Geisberg | rechts | 1,1 | 331 | 295 | Lautern (i) | 28,6 | 23954-116 | |
| Vorbach | links | 2,25 | 427 | 208 | Reichenbach (i) | 26,4 | 23954-1314 | |
| Fränkbach | rechts | 1,25 | 325 | 203 | Reichenbach (i) | 26,15 | 23954-1316 | |
| Grautbach | rechts | 2,9 | 347 | 195 | Reichenbach (i) | 25,55 | 23954-1318 | |
| Reichenbach | links | 2,25 | 432 | 193 | Reichenbach (i) | 25,45 | 23954-1392 | |
| Ziegelbach (Auer/Mühlbach/Ziegelbach) | rechts | 6,65 | 279 | 94 | Bensheim (u) | 15,1 | 8,19 | 23954-4 |
| Schwanheimer Grenzgraben | links | 4,7 | 95 | 92 | Langwaden (g) | 8,4 | 28,46 | 23954-6 |
| Himmschlingsgraben (Langer Graben) | links | 6,1 | 87 | 86 | Gernsheim (g) | 0,7 | 23954-92 | |
| Abkürzungen (Lage): u = unterhalb des Mündungsortes; i = im Mündungsort; g = gegenüber vom Mündungsort | ||||||||

Abzweigungen
Vom Winkelbach zweigt am Bensheimer Rinnentorturm (Rinnentor) am oberen Wehr nach Westen der 4,1 km[3] lange Neue Graben ab. Das Grabenwasser fließt zunächst 1,3 km in einem unterirdischen Kanal unter der Schwanheimer Straße. Ab der Kreuzung mit dem Berliner Ring verläuft es wieder als Oberflächengewässer. Der Graben mündet nördlich von Lorsch und etwas unterhalb der Wattenheimer Brücke in die Weschnitz.
Der Neue Graben entstand möglicherweise am Anfang des Derißigjährigen Krieges als Schutz der Kurpfalz gegen Angriffen von Norden. Damals war der Rinnentorturm Teil der Bensheimer Stadtbefestigung, der Neue Graben verband die Stadtbefestigung mit dem Rheinzufluss Weschnitz.[10]
Pegel Bensheim
Der Pegel Bensheim liegt am östlichen Ortseingang; das Einzugsgebiet der Lauter ist hier 26,8 km² groß. Bei einem Pegelnullpunkt von 105,38 m liegt der Hochwasserpegel für die Meldestufe 1 bei 80 cm, für Stufe 2 bei 100 cm und für Stufe 3 bei 120 cm. Mit 149 cm wurde der höchste Pegel am 11. Juli 1980 gemessen; dies entspricht einem Durchfluss von 10,6 m³/s.[11]
Geschichte

Der Bergstraßenneckar ist ein alter Lauf des Neckars, der vom Neckarschwemmkegel bei Heidelberg längs der Bergstraße nach Norden führte und bei Trebur in den Rhein mündete. Um 10.000 v. Chr. verkürzte der Neckar seinen Lauf und mündete seitdem im Raum der heutigen Stadt Mannheim in den Rhein. Zuvor in den Neckar mündend, wurde die Lauter zu einem Zufluss der Weschnitz. Nach geowissenschaftlichen und archäologischen Untersuchungen durchbrach die Weschnitz im 3. oder 4. Jahrtausend v. Chr. den Dünengürtel an der Wattenheimer Brücke und fließt seitdem auf direkteren Weg zum Rhein.
Auch der Winkelbach konnte seinen Lauf zum Rhein verkürzen. Er verlässt bei Langwaden den alten Lauf des Neckars und mündet bei Gernsheim. Laut Sedimentuntersuchungen in einem alten, heute nicht mehr durchflossenen Mäander des Winkelbachs südlich von Gernsheim floss der Winkelbach spätestens im 2. Jahrhundert n. Chr. dort lang. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der neue Lauf des Winkelbachs deutlich früher entstand. Bei den Untersuchungen wurden auch Sedimente gefunden, die von einem hochenergetischen Hochwasserereignis stammen, ausgelöst vermutlich durch starke Regenfälle oder eine rasche Schneeschmelze im Odenwald. Vermutlich löste dieses Ereignis sowohl die Laufänderung der Weschnitz als auch des Winkelbachs aus, so dass der Winkelbach wahrscheinlich bereits um 3000 v. Chr. seinen Lauf verkürzte und seitdem bei der heutigen Stadt Gernsheim in den Rhein mündet.[12]
Zwischen 1833 und 1836 wurde der Winkelbach reguliert und dabei erheblich erweitert und vertieft. Dabei wurden zwei Mühlen in Gernsheim aufgekauft, um deren Gefälle für eine Verbesserung der Abflussverhältnisse nutzen zu können.[13.1] August Mangold, ab 1898 Meliorationsbaurat und Vorstand der Kulturinspektion Darmstadt,[14] beschrieb 1892 das Gewässersystem des Winkelbachs als „unglückliche Verquickung“ von einem Hochwasserkanal für den Odenwald und einem Entwässerungskanal für den Bereich der alten Neckarläufe. Mangold hielt es für möglich, das – mit 0,5 Promille für die Rheinebene relativ große – Gefälle des Winkelbachs zwischen Langwaden und Gernsheim zu vermindern und dadurch die Entwässerung der alten Neckarläufe zu verbessern. Alternativ sei es möglich, die tiefsten Flächen an den Land- und Fanggraben anzuschließen, die der Modau zufließen.[13.2]
Auch im 20. Jahrhundert gab es Hochwasser des Winkelbachs, was 1966 zur Gründung des Lauter-Winkelbach-Verbandes führte. Am 1. Januar 2001 schlossen sich der Weschnitz-Verband und der Lauter-Winkelbach-Verband zum Gewässerverband Bergstraße zusammen, der nun für Gewässerunterhaltung und Hochwasserschutz an Weschnitz, Lauter und Winkelbach zuständig ist. Bis 1970 wurden umfangreiche Maßnahmen zum Hochwasserschutz realisiert, darunter Dammerhöhungen, Tieferlegung von Gewässersohlen und der Bau von Hochwasserrückhaltebecken. An der Lauter entstanden ein Rückhaltebecken oberhalb von Reichenbach für 104.000 m³ Wasser und ein kleineres Becken bei Schönberg (Bensheim), das primär dem Sedimentfang dient. Am Winkelbach liegen die Polder Hähnerwiesen bei Auerbach mit 110.000 m³ und Aspenlache mit 36.000 m³, letzterer am Winkelbach-Zufluss Scheidgraben bei Zwingenberg.[15]
Der Winkelbach ist weitgehend eingedeicht. Dabei sind die untersten 4 Kilometer ab Maria Einsiedel stärker dimensioniert, da hier auch vor rückstauendem, länger anhaltendem Rheinhochwasser geschützt wird.[16]
Literatur
Weblinks
- Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
- Pegel bei Auerbach auf der Seite des HLNUG
- Pegel bei Bensheim auf der Seite des HLNUG
