Lee Hae-chan

südkoreanischer Premierminister From Wikipedia, the free encyclopedia

Lee Hae-chan (* 10. Juli 1952 in Cheongyang, Provinz Chungcheongnam-do; † 25. Januar 2026 in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam)[1] war ein südkoreanischer Politiker.

Hangeul이해찬
Hanja李海瓚
Schnelle Fakten Koreanische Schreibweise, Hangeul ...
Lee Hae-chan (2019)

Koreanische Schreibweise
Hangeul 이해찬
Hanja 李海瓚
Revidierte
Romanisierung
I Hae-chan
McCune-
Reischauer
Yi Haech'an
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Von 1988 bis 2008 sowie 2012 bis 2016 war er gewähltes Mitglied des südkoreanischen Gukhoe für Gwanak-gu und später Sejong. Er war 1998 bis 1999 Bildungsminister in der Präsidentschaft von Kim Dae-jung, Premierminister von 2004 bis 2006 in der Präsidentschaft von Roh Moo-hyun und Präsident der Deobureo-minju-Partei von 2018 bis 2020.[1] Er galt als „Königsmacher“ der liberalen Parteien, da er Vertrauter und Förderer aller liberalen Präsidenten Südkoreas ab Kim Dae-jung war.[2]

Familie

Lee Hae-chan ist der dritte Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Cheongyang-myeon Lee In-yong (이인용).[3] 1978 heiratete er Kim Jeong-ok (김정옥).[4]

Ausbildung

Lee Hae-chan besuchte die Grundschule Cheongyang in Cheongyang. Danach zog er nach Seoul und absolvierte dort die Mittelschule Deoksu und die Oberschule Yongsan. Im Jahr 1971 begann er an der Seoul National University Textilingenieurwesen zu studieren, aber wechselte 1972 zu Soziologie.[3] Nach einer Unterbrechung aufgrund seiner Verhaftung während der Präsidentschaft von Park Chung-hee kehrte er 1980 an die Universität zurück, wurde jedoch im selben Jahr erneut verhaftet und schloss sein Studium 1985 ab.[4]

Karriere

Aktivismus

Während seines Studiums an der Seoul National University engagierte sich Lee mit anderen Studenten gegen die 1972 verabschiedete Yushin-Verfassung und die damit verbundene Machtkonsolidierung unter Präsident Park Chung-hee.[1] Er war Teil der Demonstrationen des Nationalen Demokratischen Jugendstudentenverbands (민청학련 Mincheonghaknyeon) und wurde zusammen mit anderen studentischen Aktivisten im April 1974 verhaftet. Daraufhin wurde er verurteilt und im Gefängnis in Seodaemun-gu und später in Daejeon verwahrt.[1][3] Nach einem Jahr wurde er auf Bewährung entlassen.[4]

Im Jahr 1978 eröffnete er in Sillim-dong, Gwanak-gu, den Buchladen Gwangjang (광장서적).[4] Im Sommer 1979 gründete er den Verlag Dolbaegae (돌베개 Steinkissen; nach einem gleichnamigen Buch von Chang Chun-ha), der eng mit der südkoreanischen Demokratiebewegung verbunden war und sozialwissenschaftliche Bücher publizierte.[5][6] Nach dem Ende von Park Chung-hees Präsidentschaft kehrte Lee 1980 an die Seoul National University zurück, um sein Studium zu beenden. Er wurde Präsident des „Verbands der zurückgekehrten Studierenden“ und lernte Kim Dae-jung kennen.[4] Im Juni 1980 wurde Lee im Zusammenhang mit dem angeblich geplanten Putsch von Kim Dae-jung gegen die Militärregierung erneut inhaftiert.[1][4] Nach seiner Freilassung studierte er bis 1985 weiter und wurde Mitglied der Vereinigung der demokratischen Volksbewegung für Wiedervereinigung (민통련 Mintongnyeon).[3][4] Im Jahr 1987 war Lee einer der Gründer der Zeitung Hankyoreh.[1] Er überlegte sich, selbst für die Zeitung zu schreiben, aber wurde von der neu gegründeten Partei Pyeonghwa-minju-Partei (평화민주당 Partei für Frieden und Demokratie) von Kim Dae-jung angefragt, für sie andere Politiker zu rekrutieren.

Politische Karriere

Bei der Parlamentswahl in Südkorea 1988 kandidierte Lee Hae-chan als Abgeordneter für Gwanak-gu und gewann gegen die bereits etablierten Politiker Kim Chong-in und Kim Su-han.[3] Noch im selben Jahr gab es im südkoreanischen Parlament Anhörungen zur Aufarbeitung der Ereignisse des Gwangju-Aufstands und Lee wurde aufgrund seiner detaillierten, unnachgiebigen Befragungen zu einem der Symbole der demokratischen Aufarbeitung.[1] Lee Hae-chan trat 1992 für die Minju-Partei, die aus der Pyeonghwa-minju-Partei entstand, erneut für die Parlamentswahl an und wurde wiedergewählt. 1995 wurde er Stellvertretender Bürgermeister für politische Angelegenheiten von Seoul.[4] Auch bei der Parlamentswahl 1996 wurde er wiedergewählt, dieses Mal für den Sae-jeongchi-gungminhoeui (새정치국민회의 Nationaler Kongress für neue Politik), eine ebenfalls von Kim Dae-jung geleitete Partei. Lee Hae-chan war 1997 stellvertretender Wahlkampfleiter in der Präsidentschaftskandidatur von Kim Dae-jung und zeigte Können bei der Analyse demografischer Daten sowie den daraus resultierenden Wahlkampf zu planen.[4] Im Jahr 1998 wurde er im ersten Kabinett von Kim Dae-jung zum Bildungsminister ernannt. Während seiner Amtszeit reformierte er das Bildungssystem. Er ging gegen das prüfungsorientierte Lernen, nächtliches Lernen, häufige Prüfungen, Aufnahmeprüfungen und bestechliche Lehrkräfte vor. Zudem senkte er das Rentenalter für Lehrer von 65 auf 62 Jahre.[7] Er begann zudem, gegen gewalttätige und mobbende Schüler vorzugehen.[4] Die Änderungen hatten jedoch negative Folgen, da ohne die Prüfungen viele Schüler die Schule vorzeitig verließen, um mehr Zeit des Tages im Nachhilfeunterricht verbringen zu können. Den Schülern dieser Zeit wird ein Defizit nachgesagt und sie werden in Korea als „Lee-Hae-chan-Generation“ bezeichnet.[3] Im Jahr 1999 wurde er ersetzt.[7]

Die Sae-jeongchi-gungminhoeui wurde im Jahr 2000 zur Sae-cheonnyeon-minju-Partei und Lee wurde als deren Mitglied bei der Parlamentswahl in Südkorea 2000 wiedergewählt. 2002 wurde er Leiter des Planungsbüros von Roh Moo-hyuns schlussendlich erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf.[4] Nach der Wiederwahl von Lee Hae-chan 2004 wurde er von Juni 2004 bis März 2006 Premierminister der Republik Korea unter Präsident Roh Moo-hyun. Lee und Roh etablierten eine neue Art der Arbeitsteilung zwischen südkoreanischem Premierminister und Präsident: Während Lee die staatliche Verwaltung und Umsetzung von Gesetzen leitete, war Roh für die langfristige Strategie und Entwicklung verantwortlich. Lee etablierte dadurch das Konzept eines „starken Premierministers“ (koreanisch 실세 총리 RR silse chongri). Lee Hae-chan war einer der führenden Figuren der Schaffung der neuen Hauptstadt Sejong. Auch nachdem das Verfassungsgericht den Plan als verfassungswidrig einstufte, gab er das Projekt nicht auf und daraus entwickelte sich das heutige administrative Zentrum Sejong. Während seiner Amtszeit wurde nach fast 20 Jahren die Errichtung des Wolseong Low- and Intermediate-Level Radioactive Waste Disposal Center beschlossen und dadurch ein langjährig blockiertes Projekt zu Ende gebracht.[1] 2006 trat Lee aufgrund eines Skandals zurück: Er hatte trotz eines landesweiten Streiks der Eisenbahner mit Freunden Golf gespielt, statt sich um dieses Problem zu kümmern.[8] Nach dem Ende seiner Zeit als Premierminister kandidierte er Parteiintern in der Dae-tonghap-minju-sin-dang für die Präsidentschaftswahl in Südkorea 2007 und verlor.[9] Er trat nicht als Parlamentsabgeordneter zur Parlamentswahl in Südkorea 2008 an.

Zweite politische Karriere

Im Jahr 2012 wurde Lee Hae-chan kurzzeitig zum Präsidenten der Minju-tonghap-Partei, als dessen Mitglied er bei der Parlamentswahl in Südkorea 2012 als Abgeordneter für Sejong erneut Mitglied des Parlaments wurde. 2016 wurde er wiedergewählt – inzwischen als Mitglied der aus der Minju-tonghap-Partei entstandenen Deobureo-minju-Partei.[1] 2017 war er erneut Leiter des Wahlkampfbüros eines Präsidentschaftskandidaten. Wie zuvor bei Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun wurde auch Moon Jae-in gewählt.[4] Von 2018 bis 2020 leitete er die Deobureo-minju-Partei. Als Parteipräsident schuf er Regeln zur internen Nominierung von Amtsanwärtern, in der Hoffnung interne Parteikämpfe zu verringern. Während seiner Präsidentschaft war sein Parteimitglied Moon Jae-in südkoreanischer Präsident und bei der Parlamentswahl in Südkorea 2020 gewann die Deobureo-minju-Partei 180 der 300 Sitze im Parlament.[1] Lee gelang es dadurch seine Reputation als Stratege zu festigen.[1]

Am 29. August 2020 trat er aus der Politik zurück. Er blieb jedoch ein Berater der Deobureo-minju-Partei und arbeitete für Organisationen, die sich für Bürgerrechte und Frieden einsetzten.[1] Da er durch seine Beteiligung an den erfolgreichen Wahlen der letzten liberalen Präsidenten als „kingmaker“ bekannt war, wurde Lee Hae-chan 2025 gefragt, ob er an der Präsidentschaftskandidatur von Lee Jae-myung mitwirken möchte.[2][4] Er lehnte dies angeblich aus gesundheitlichen Gründen ab.[4] Nach der Wahl war er am Aufbau der Regierung von Lee Jae-myung beteiligt, der Lee Hae-chan seit Jahren als Mentor betrachtete.[4] Im November 2025 kehrte Lee Hae-chan mit 73 Jahren in den öffentlichen Dienst zurück und wurde stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Peaceful Unification Advisory Council (koreanisch 민주평화통일자문회의 RR Minju pyeonghwa tongil jamun hoeui, deutsch Beratender Rat für demokratische Friedens- und Wiedervereinigungspolitik).[1]

Lee Hae-chan verstarb am 25. Januar 2026 in einem Krankenhaus in Ho-Chi-Minh-Stadt, nachdem er zwei Tage zuvor am Flughafen aufgrund eines Herzinfarkts zusammengebrochen war.[1] Bereits vor der Überführung seines Leichnams nach Südkorea wurde über ein Staatsbegräbnis diskutiert.[10]

Commons: Lee Hae-chan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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