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Lee Raymond

US-amerikanischer Manager From Wikipedia, the free encyclopedia

Lee Roy Raymond (* 13. August 1938 in Watertown, South Dakota; † 6. Juni 2026 in Dallas) war ein US-amerikanischer Chemieingenieur, Wirtschaftsmanager und bedeutender Akteur der Klimawandelleugnerszene.[1] Von 1993 bis 1999 war er Chairman und Chief Executive Officer (CEO) der Exxon Corporation und nach deren Fusion mit Mobil von 1999 bis 2005 Chairman und CEO von ExxonMobil.[1] Unter seiner Leitung entwickelte sich ExxonMobil durch strikte Kostenkontrolle und die damals größte Unternehmensfusion der Ölindustrie zum weltweit umsatzstärksten privaten Mineralölkonzern.[1][2] Raymond trat zugleich als entschiedener Gegner staatlicher Beschränkungen fossiler Brennstoffe auf und bestritt den wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel.[1]

Lee Raymond

Leben und Karriere

Raymond war der Sohn des Eisenbahningenieurs Clifford Raymond, der ihn angesichts der begrenzten beruflichen Möglichkeiten in South Dakota zu einer akademischen Ausbildung anhielt.[1] Während seiner Schulzeit zeichnete er sich bei Debattierwettbewerben und im freien Reden aus.[1] Er studierte Chemieingenieurwesen an der University of Wisconsin–Madison, an der er 1960 einen Bachelorabschluss erwarb, und wurde 1963 an der University of Minnesota in Chemieingenieurwesen promoviert.[1] Im Jahr 1961 heiratete er Charlene Hocevar; aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, die Drillinge waren.[1]

Nach seiner Promotion trat Raymond 1963 als Forschungsingenieur für Produktionsverfahren in Tulsa, Oklahoma, in den Exxon-Konzern ein.[1] Später leitete er Unternehmensaktivitäten in Venezuela und machte Mitte der 1970er Jahre eine zuvor defizitäre Raffinerie auf Aruba zu einem verlässlichen Gewinnbringer.[1] Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten stand er dem Kernenergiegeschäft von Exxon vor und beaufsichtigte den Verkauf einer Tochtergesellschaft für Bürogeräte.[1] 1987 wurde er Präsident von Exxon und 1993 als Nachfolger von Lawrence G. Rawl Chairman und CEO des Konzerns.[1]

Seine bis dahin sichtbarste Aufgabe übernahm Raymond nach der Havarie des Tankers Exxon Valdez im März 1989 im Prinz-William-Sund in Alaska, bei der rund elf Millionen Gallonen Rohöl austraten und etwa 1500 Meilen Küste verschmutzt wurden.[1] Als damaliger Präsident von Exxon beaufsichtigte er die Reaktion des Konzerns und wirkte 1991 am Abschluss eines Vergleichs über eine Milliarde US-Dollar mit der Bundesregierung und dem Bundesstaat Alaska mit.[1] Raymond warf Umweltschutzorganisationen und Politikern in Alaska vor, das Ausmaß der Katastrophe verschlimmert zu haben, weil sie Exxon unmittelbar nach dem Unfall den Einsatz chemischer Dispergiermittel verweigert hätten.[1] In einem langjährigen anschließenden Rechtsstreit wurden Exxon 1994 zunächst fünf Milliarden US-Dollar Strafschadenersatz zugesprochen, die der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten 2008 auf 500 Millionen US-Dollar herabsetzte.[1]

Im Jahr 1998 vereinbarte Raymond die Übernahme des Konkurrenten Mobil in einer mit rund 81 Milliarden US-Dollar bewerteten Transaktion, die am 30. November 1999 vollzogen wurde.[1] Die Fusion galt damals als größte Unternehmensfusion überhaupt und führte die beiden größten Teile des 1911 von den US-amerikanischen Kartellbehörden zerschlagenen Standard-Oil-Konzerns wieder zusammen.[1] Das daraus hervorgegangene Unternehmen ExxonMobil war gemessen am Jahresumsatz der größte privatwirtschaftliche Mineralölkonzern der Welt und in rund 200 Ländern tätig.[1] Nach der Fusion ließ Raymond unter anderem etwa ein Drittel der Führungspositionen abbauen.[1] Während seiner Amtszeit von 1993 bis 2005 stieg der Jahresgewinn des Konzerns von 4,8 Milliarden auf 36,13 Milliarden US-Dollar, während sich sein Börsenwert auf rund 375 Milliarden US-Dollar vervierfachte.[1]

Raymond trat Ende 2005 in den Ruhestand; sein Nachfolger als Chairman und CEO wurde Rex Tillerson.[1] Seine Vergütung während seiner zwölf Jahre an der Konzernspitze belief sich nach einer für die New York Times angefertigten Analyse auf insgesamt mehr als 686 Millionen US-Dollar.[1] Die Höhe der Bezüge löste Kritik von Fachleuten für Unternehmensführung aus, während ExxonMobil sie mit der wirtschaftlichen Leistung des Konzerns rechtfertigte.[1]

Raymond mied öffentliche Selbstdarstellung und war für einen strengen Führungsstil sowie scharfe Antworten auf Fragen von Beschäftigten und Finanzanalysten bekannt.[1] Nach der Übernahme von Mobil hob ExxonMobil unter seiner Leitung Mobil-Regelungen auf, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung untersagt und Sozialleistungen für gleichgeschlechtliche Partner vorgesehen hatten.[1] Dies führte zu Boykottaufrufen gegen Exxon-Tankstellen; unter Tillerson führte der Konzern später inklusivere Regelungen ein.[1]

Neben seiner Tätigkeit bei Exxon gehörte Raymond insgesamt 33 Jahre den Verwaltungsräten von JPMorgan Chase und dessen Vorgängerunternehmen J. P. Morgan & Co. an, bevor er 2020 ausschied.[1] Zudem war er Mitglied des Verwaltungsrats des konservativen Washingtoner Thinktanks American Enterprise Institute.[1] Raymond starb im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus in Dallas an den Folgen einer Lungenentzündung.[1] Er hinterließ seine Ehefrau, seine drei Söhne und sieben Enkelkinder.[1]

Haltung zur Klimakrise

Raymonds öffentliche Position stand im Gegensatz zu der internen Forschung von Exxon, die bereits seit den 1970er-Jahren den menschengemachten Klimawandel, seine voraussichtliche Stärke und mögliche Folgen untersuchte.[3] Während Konkurrenten wie BP und Chevron zu Beginn der 2000er-Jahre ihre Investitionen in alternative Energiequellen öffentlich hervorhoben, wandte sich ExxonMobil unter Raymond gegen staatliche Einschränkungen für fossile Brennstoffe und finanzierte Forschung, welche den wissenschaftlichen Konsens über die globale Erwärmung in Zweifel ziehen sollte.[1]

Raymond betrachtete sich aufgrund seiner Ausbildung und Promotion als Wissenschaftler, der zur Bewertung der Klimaforschung befähigt sei.[1] In einem Fernsehinterview mit Charlie Rose führte er 2005 Temperaturschwankungen auf natürliche Veränderungen wie Sonnenflecken und Schwankungen der Erdachse zurück – eine von der Wissenschaft widerlegte Auffassung.[1] Raymond behauptete, dass Windenergie, Solarenergie und andere Alternativen zu teuer seien und Öl und Gas kurzfristig nicht ersetzen könnten, und er nutzte dies als Begründung dafür, dass ExxonMobil sich weiterhin auf die Suche nach und Förderung von Erdöl konzentrieren sollte, möglichst auch im Arctic National Wildlife Refuge.[1]

Auf dem World Petroleum Congress in Peking behauptete Raymond 1997 kurz vor der UN-Klimakonferenz von Kyoto, es sei weder erwiesen, dass sich die Erde erwärme, noch dass Öl und Gas eine solche Erwärmung verursachten oder künftige Temperaturanstiege zuverlässig vorhergesagt werden könnten.[4][5] Auf einer Aktionärsversammlung behauptete er 1999, Vorhersagen zur Klimaerhitzung beruhten „auf völlig unbewiesenen Klimamodellen, oder, sogar noch häufiger, auf schierer Spekulation“.[6] Als Vorsitzender des Branchenverbandes American Petroleum Institute bezeichnete er internationale Klimaschutzverträge und andere klimapolitische Maßnahmen als „die größte Langfristbedrohung für unsere Industrie“.[7] Unter Raymonds Nachfolger Tillerson erkannte ExxonMobil später an, dass menschliche Aktivitäten zum Klimawandel beitragen.[1]

Literatur

Commons: Lee Raymond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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