Mineralölunternehmen
Konzerne, die in der Förderung, der Veredelung und dem Vertrieb von Mineralöl tätig sind
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Mineralölunternehmen (auch Mineralölgesellschaften oder Ölkonzerne oder Erölindustrie) sind internationale oder nationale, teils börsennotierte Konzerne, die in der Exploration und Förderung von Rohöl, dessen Veredelung in Raffinerien oder petrochemischen Anlagen, und dem Vertrieb von Mineralöl (Kraftstoffen) und anderen Erdölprodukten tätig sind.

Struktur der modernen Erdölindustrie
Die Erdölindustrie ist heutzutage in die folgenden Bereiche aufgeteilt:[1]
- Upstream: Exploration und Förderung (E&P) von Erdöl und Erdgas (Fachgebiet: Erdöl- und Erdgastechnik)
- Midstream: Lagerung und Transport (Pipelines, Tanker, Binnenschiffe, Lkw, Bahn) von den Feldern zu petrochemischen Anlagen (Raffinerien)
- Downstream: Raffination, Verarbeitung und Vermarktung von Erdölprodukten (Benzin, Diesel, Kerosin, Flüssiggas, Schmierstoffe usw.) und Petrochemikalien oder Basischemikalien.
Midstream wird manchmal zusammen mit Downstream betrachtet. In jedem dieser Teilbereiche gibt es spezialisierte Unternehmen. Vollintegrierte Unternehmen wie am Beispiel Shell oder BP sind dagegen in allen Bereichen tätig. Das bedeutet, dass diese Unternehmen Anteile in den drei oben genannten Kategorien haben.
Dies können Zulieferer, beispielsweise aus den Bereichen Erdöl- und Erdgas-Technik, dem Anlagenbau, oder der chemischen Verfahrenstechnik sein, oder andere Vertragspartner, als Joint Ventures. Dazu zählen spezialisierte Unternehmen Fluor, Lurgi oder Honeywell UOP, oder Dienstleister wie Transocean und Allseas. Im Downstream-Bereich existieren ebenfalls eigene Großunternehmen, wie beispielsweise die Valero Energy, dem größten unabhängigen Raffineriebetreiber der USA mit Anlagen und Lagern in den USA, dem Vereinigten Königreich und Kanada. Valero betreibt 14 Raffinerien und schafft einen maximalen Durchsatz von rund 3 Mio. Barrels pro Tag bei einem Ankauf von Rohöl von rund 2,2 Mio. Barrels pro Tag. Shell oder BP haben Beteiligungen an Raffinerien weltweit und treten außerdem durch ein Tankstellennetzwerk an Endverbraucher.
Technologien der modernen Erdölindustrie

Zur Exploration und Förderung (E&P) von Erdöl und Erdgas gehören die Grundwissenschaften Geophysik, Geochemie, Geologie und Bergbau bzw. Untertagebau. Im Speziellen ist für das Upstream-Teilgebiet E&P die Erdöl- und Erdgastechnik zu erwähnen, die sich mit dem Auffinden und Fördern von Kohlenwasserstoffen (KW) befasst.
Die Produkte werden anschließend im Downstream-Bereich weiterverarbeitet, gespeichert, transportiert und vertrieben. In einer Erdölraffinerie kommen dafür extraktive Trennungsprozessen wie fraktionierte Destillation oder Vakuumdestillation, sowie thermische und katalytische Umwandlungsprozessen wie Cracken (thermisches Cracken, Fließbett- oder Hydrocracken), Reformierung (aromatische Kohlenwasserstoffen und hochoktanigem Reformat), Alkylierung (Isobuten kombiniert mit Olefinen zu hochoktanigem Alkylat) und Isomerisierung (n-Butan zu Isobutan) zum Einsatz. Weitere Verfahren sind die Stabilisierung (Entgasung von Schwerölrückständen), Hydrierung (Entfernen von Schwefel, Stickstoff und anderen Verunreinigungen) und Dehydrierung (Bildung von Olefinen) u. a.
Das Rohöl wird damit zu verschiedenen Kraftstoffen und petrochemischen Grundstoffen aufbereitet. Die Grundstoffe dienen als die Ausgangsprodukte für die chemische Industrie. Aus diesen Grundstoffen werden Kunststoffe, Chemikalien und weitere Produkte hergestellt.
Weitere Themengebiete sind heutzutage auch die Modellierung und Simulation von Erdöl- oder Erdgasreservoirs sowie die Erhaltung und die chemische Prozesstechnik. Letztere ist aufgrund der verschiedenen Zufuhr-Rohölsorten und der anspruchsvollen, nach Standards oder Normen zu produzierenden Produkte, wie z. B. Dieselkraftstoff, von großer Bedeutung.
Geschichte
Erdöl ist einer der wichtigsten und meistverwendeten Rohstoffe, insbesondere als Grundstoff in der Chemieindustrie, als Treibstoff im Transport und als Brennstoff in der Wärmeerzeugung. Im Jahr 2012 lag der weltweite Konsum oder Verbrauch von Erdöl in Höhe von etwa 85 Mio. Barrel (bbl) pro Tag.[2] Dank des enormen Stellenwertes des Erdöls bildet die Erdölindustrie den größten Wirtschaftszweig der Welt.
Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts waren die Erdölmärkte von Kartellbildung und Oligopolisierung geprägt. So bildete sich nach dem Achnacarry-Abkommen 1928 ein Kartell führender Ölkonzerne, die sog. „Sieben Schwestern“. Dieses Kartell erlangte besonders in den 1950er Jahren eine beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt.[3] Zwei weitere Regime mit Einfluss auf den Rohölhandel (Verträge, Preise, Förderung und Export) wurden in den 1960er Jahren gegründet, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) im Jahr 1960 und die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) im Jahr 1968.
Grundsätzlich lassen sich Mineralölunternehmen in zwei Gruppen aufteilen, die internationalen, börsennotierten Konzerne und die staatlich kontrollierten Erdölfördergesellschaften. Während in den USA und in Großbritannien die Mineralölunternehmen traditionell schon immer (meist private) börsennotierte Konzerne waren, waren diese in Europa bis in die 1980er und 1990er Jahre meist unter staatlicher Kontrolle und wurden erst in den letzten 10 bis 20 Jahren größtenteils privatisiert. In sämtlichen erdölexportierenden Ländern hingegen stehen die Erdölfördergesellschaften unter staatlicher Kontrolle.
Der Anteil der westlichen Großunternehmen wie ExxonMobil, Shell, BP, Chevron, TotalEnergies und ConocoPhillips an der weltweiten Ölförderung ist eher gering mit rund 15 %. Den weitaus größten Anteil an der weltweiten Ölförderung haben die staatlich kontrollierten Unternehmen einiger erdölexportierenden Länder. So ist mit einer Fördermenge von 10,3 Millionen boe am Tag die staatliche Ölgesellschaft Saudi-Arabiens, Saudi Aramco, das größte Erdölunternehmen der Welt. Aramco geht historisch auf die Zusammenarbeit mit Ölunternehmen aus den Vereinigten Staaten zurück, es war die Arabian-American Oil Company. Ähnliche Zusammenschlüsse gab es zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Iran, damals die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), einem Vorgänger der British Petrol (BP).
Die Erdöl- und Erdgasförderung in der Nordsee spielt in Europa eine wichtige Rolle.
Wirtschaftskennzahlen
BP erzielte von 2011 bis 2014 einen Gewinn von mehr als 63 Milliarden Dollar. Insgesamt beliefen sich die Gewinne (nach Steuern) der vier Erdölkonzerne Shell, Exxon Mobil, BP und Chevron in demselben Zeitraum auf ca. 400 Milliarden Dollar (ca. 362 Milliarden Euro).[4]
Nach einer 2022 publizierten Untersuchung, die Daten der Weltbank auswertete, erwirtschaftete die globale Erdöl- und Gasindustrie von 1970 bis 2020 einen Gewinn in Höhe von 52 Billionen US-Dollar. Dies entspricht etwa 2,8 Mrd. Dollar Gewinn pro Tag. 86 % dieser Summe stammten aus dem Erdölsektor.[5]
Evolution des Erdölhandels

Die ersten Bohrungen, die Edwin Drake im Jahr 1859 in Titusville durchführte, förderten den Rohstoff großtechnisch bzw. aus kommerziellem Interesse. Weitere „Ölstädte“, z. B. Oil City, entstanden im Zuge dieses frühen Ölbooms. Tulsa wird seit einigen Jahrzehnten als die „Ölhauptstadt“ der USA bezeichnet.
Im Jahr 1895 führte die Seep Purchasing Agency von Oil City im Namen der Standard Oil einen „Posted Price“ für Rohöl ein, eine Art administrierter Preis für den US-Binnenmarkt.[7]
Bis in die 1970er Jahre wurden die Verträge und Preisbildung stark von den „Seven Sisters“ aufgrund ihrer damals überproportionalen Marktgröße beeinflusst. Die 1960 gegründete Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hingegen verfolgt ein Marktpreismodell gekoppelt mit Produktionsquoten (maximale Fördermenge ihrer Mitglieder), welches indirekt den Ölpreis am Weltmarkt beeinflusst, da die Angebotsmenge reguliert wird. Das Ziel der Preispolitik der OPEC ist es „die Erdölpolitik der Mitgliedsländer zu koordinieren und zu vereinheitlichen, um faire und stabile Preise für die Erdölproduzenten, eine effiziente, wirtschaftliche und regelmäßige Erdölversorgung der Verbraucherländer und eine angemessene Kapitalrendite für die Investoren in der Branche zu gewährleisten.“[8] Der Einfluss der Organisation ist leicht nachvollziehbar, denn die Mitgliedsstaaten der OPEC (inklusive der VAE) besitzen rund 80 % der weltweit nachgewiesenen Ölvorkommen und produzieren rund 40 % des weltweiten Rohöls.[8]
Die Preise für das Barrel (bbl) wurden in den 1970er Jahren durch zwei Ölpreiskrisen stark beeinflusst. Damals erlegte die 1968 gegründete Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) ein Exportembargo für Öl in die USA ein, als Antwort auf die Hilfsleistungen der USA für Israel im Jom-Kippur-Krieg.[9][8] Der Ölpreis vervierfachte sich bis 1974 von etwa 3 US-Dollar auf rund 12 USD pro Barrel.[8]
Die Veränderungen gehen auch einher mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 (siehe auch der Nixon-Schock). Die Abwertung des US-Dollar führte zu Einnahmenverlusten der Förderländer im Nahen Osten. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch der Begriff „Petrodollar“ geprägt, da der Handel seitdem vorwiegend in US-Dollar abgewickelt wird.
Das bis in die frühen 1980er Jahre etablierte staatliche US-Preisregime („Posted Price“[7]), sowie die Preispolitik der OPEC, geriet durch zunehmenden Wettbewerb von außerhalb der OPEC sowie durch eine Überkapazität innerhalb der OPEC, die durch eine schwache Nachfrage bedingt war, unter Druck.[10]
Anfang der 1980er Jahre kam es zu erheblichen Produktionskürzungen der OPEC, verbunden mit der Hoffnung den fallenden Ölpreis zu stoppen. Hintergrund war u. a. ein erheblicher Öl-Überschuss (englisch oil-glut[11][12]) als Ergebnis der Ölkrisen der 1970er Jahre und starker Produktionszuwächse vieler Nicht-OPEC-Länder.[13][14] Mitte 1986 erfolgte sodann die nächste Krise am Ölmarkt[15], auch bekannt als der „Öl-Gegenschock“ (englisch oil counter shock) und führte zu einer weiteren Veränderung der globalen Preisbildung.[16][17] In der Folge kollabierten die Ölpreise auf das Niveau von 1974 um 12 USD pro Barrel.[18][19]
Der Übergang zu einem marktorientierten System begann ebenfalls Anfang der 1980er Jahre im Zuge des Aufkommens der elektronischen Handelsplattformen. Zu letzteren Börsen zählen ICE Futures in London und NYMEX in New York. Die OPEC hielt nach der Krise von 1986 teilweise an einem Festpreis-System fest.[20] Wenig später erfolgte der größtenteils globale Übergang zu einem bis heute aktiven, marktorientierten Preisformelsystem bei dem sich die Verkäufe an einem Spot- oder Futurespreis einer Referenzölsorte (z. B. Brent, Dubai oder WTI) ausrichten.[15] In anderen Worten, dass Preisformelsystem verknüpft den Verkaufspreis eines Förderlandes mit dem Marktpreis eines Referenzrohöls.
Heutzutage wird der Ölpreis über traditionelle und moderne Instrumente der Finanzwelt bzw. Finanzmärkte bestimmt.[21][22][23] Dabei führt der Handel mit bestimmten Futures[24], Optionen, Swaps und andere Derivate zu dem täglichen Spotpreis oder globalen Ölpreis, einem Schlüsselmerkmal des modernen Ölmarktes.[15] Im Jahr 2006 wurde beispielsweise der United States Oil Fund (USO) gegründet, welcher als Index an der NYSE Arca gehandelt wird.
Mineralölkonzerne
Deutsche Mineralölkonzerne
Dazu zählen die ehemalige DEA Deutsche Erdöl AG (DEA), deren Anteile 2002 an Shell sowie Wintershall Dea übergingen, sowie die ARAL (heute Teil von BP Germany). In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) entstand das VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, heute die PCK Schwedt (Betreiberkonsortium: Rosneft, Shell und Eni) und die Leunawerke. Viele weitere Unternehmen existierten oder sind heute noch aktiv.[25]
Große internationale Ölkonzerne (Auswahl)
| Aktienunternehmen | Umsatz (2022) 1 2 in Mrd. USD |
Gewinn (2022) 1 2 in Mrd. USD |
Fördermenge (2022) 1 in Mio. boe pro Tag |
Sichere Reserven (2022) 1 in Mrd. boe |
Sitz |
|---|---|---|---|---|---|
| ExxonMobil | 413,7 | 55,7 | 3,737 | 17,7 | |
| Shell | 386,2 | 42,3 | 2,864 | 9,6 | |
| BP | 248,9 | 1,36 | 2,438 | 7,2 | |
| Chevron | 246,3 | 35,5 | 2,999 | 11,2 | |
| TotalEnergies | 281 | 21 | 2,765 | 10,2 | |
| ConocoPhillips | 78,5 | 18,7 | 1,738 | 6,6 | |
| Eni | 132,5 | 13,9 | 1,610 | 6,6 |
1 gemäß Geschäftsbericht der einzelnen Konzerne
2 für die Umsätze von Total und Eni gleicher Umrechnungskurs von 1,2888 wie von Shell in seinem Geschäftsbericht verwendet
Große staatliche Ölkonzerne (Auswahl)
Den internationalen Ölkonzernen steht eine zunehmende Rolle mehrheitlich staatlich kontrollierter oder unter starkem staatlichem Einfluss stehenden gegenüber:
- Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC[26]), weltweit Nr. 12 der Ölkonzerne (2023)[27]
- China National Petroleum Corporation (CNPC) (Fördermenge 3,5 Millionen Barrel pro Tag)
- Kuwait Petroleum Corporation (KPC) (2,5 Mio.)
- Lukoil (1,9 Mio.)
- Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) (2,3 Mio.)
- PEMEX (3,7 Mio.)
- Petrobras (halbstaatlich, 2,0 Mio.)
- Petróleos de Venezuela (3,3 Mio.)
- Rosneft[28] (1,7 Mio.)
- Saudi Aramco (10,3 Mio.)
Ölproduktion der OPEC-Länder
Die folgenden Länder oder Staaten sind Mitglieder der OPEC und liefern nach Angaben der U.S. Energy Information Administration und OPEC die folgenden Mengen in Mio. Barrel (bbl oder boe) Öl und andere flüssige Produkte pro Tag (Stand 2025):[8]
- Saudi-Arabien: 11,19 Mio.
- Iran: 4,71 Mio.
- VEA: 4,6 Mio. (Austritt Ende April 2026 bekanntgegeben[29])
- Iraq: 4,47 Mio.
- Kuwait: 2,78 Mio.
- Nigeria: 1,68 Mio.
- Algerien: 1,4 Mio.
- Libyen: 1,38 Mio.
- Venezuela: 1,01
- Republik Kongo: 249,03 tsd.
- Gabun: 239,01 tsd.
- Äquatorialguinea: 84,39 tsd.
Erdölindustrie im geopolitischen Spannungsfeld
Die Erdölindustrie befindet sich seit Jahrzehnten in einem geopolitischen Spannungsfeld, das erhebliche Auswirkungen auf die Außenpolitik hat.[30][31] Die bedeutendsten Erdölvorkommen liegen meist nicht im Land der Abnehmer, sodass komplexe Handels-, Rechts- und Logistikfragen bewältigt werden müssen. In diesem Umfeld nimmt seit über 100 Jahren auch die Großmachtpolitik eine entscheidende Rolle ein.[32][33]
US-Ölkonzerne in Venezuela
Ein Beispiel aus dem Jahr 2025 und 2026 ist die Einflussnahme auf die westliche Hemisphäre, die von der zweiten Regierung des US-Präsidenten Donald Trump festgelegt wurde. Im Rahmen der Operation Southern Spear wurde die Operation Absolute Resolve durchgeführt, bei der der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau entführt wurden. Ihm werden Narco-Terrorismus und Drogenhandel vorgeworfen.[34] Sein Kopfgeld belief sich auf 50 Millionen US-Dollar.[34]
Venezuela ist Gründungsmitglied der OPEC und besitzt die weltweit größten nachgewiesenen Erdölvorkommen, jedoch ist der Beitrag des Landes nur 1 % der weltweiten Ölversorgung.[35][36] Die USA fördern seit den 1940er Jahren Erdöl in Venezuela, jedoch ging die Förderquote in den letzten Jahren von rund drei Millionen Barrel pro Tag auf eine Million zurück. Auch das Unternehmen Shell war damals in dem Land tätig, z. B. als Besitzer der Erdölraffinerie Paraguaná. Letztere macht rund 70 % der landesweiten Raffineriekapazitäten aus.[37][36] Das venezolanische Öl wurde auch in Raffinerien in den USA verarbeitet. Die Beschaffenheit des venezolanischen Öls ist jedoch einzigartig und nicht alle Raffinerien sind dafür ausgelegt.
Maduros Vorgänger Hugo Chávez verhandelte die Konzessionen für die US-amerikanischen Mineralölkonzerne ExxonMobil und ConocoPhillips neu. Chevron ist noch mit reduzierten Aktivitäten vor Ort. Die Konzerne verließen das Land im Jahr 2007 und reichten Klage ein.[38] Seither geht das Öl laut Aussagen nach China.[38] Historisch verstaatliche Venezuela sein Öl bereits Ende der 1970er Jahre unter Carlos Perez, welcher die staatliche Petroleos de Venezuela (PDVSA) gründete.[39]
Nach der Festnahme Maduros versprach Donald Trump den Geschäftsführern einiger US-amerikanischer Mineralölkonzerne in einer Pressekonferenz: „Sie sind absolut sicher.“[40] Der CEO von ExxonMobil, Darren Woods, dementierte jedoch und bezeichnete die rechtlichen und vertraglichen Gegebenheiten des Landes als „nicht investierbar“. Er fordert signifikante Nachbesserungen, bevor Investitionen getätigt werden können. Das Department of State (DOS) versucht unter einem System namens Venezuela General License (VGL)[41] weiterhin, die „Vision“ des Präsidenten zu ermöglichen.[42] Einige der staatlichen Ölkonzerne Venezuelas sind vom Treasury Department sanktioniert, jedoch kommt es teilweise zur Aufhebung dieser Regel.[43][44]
Kontroversen
Mobilität
In zwei bekannten Fällen führte das Verhalten einzelner US-amerikanischer Ölkonzerne zu Kritik in Bezug auf die Gestaltung des Personentransports in den USA: Zum einen gab es entlang mit US-Automobilherstellern ab den 1930er Jahren eine systematische Eliminierung der Straßenbahnen in den USA. Zum anderen wurde die Marktreife früher Elektrofahrzeuge Mitte der 1990er behindert. Ein Fall war der Ankauf von Batterietechnologie-Patenten durch Chevron (damals Texaco) in einem Joint Venture mit der Firma Cobasys.[47] Der Vorfall dreht sich um den General Motors EV1 und dessen NiMH-Batterietechnologie, siehe auch die Dokumentation Warum das Elektroauto sterben musste. Diese Technologie ist nach heutigem (2026) Stand der Technik der Elektrofahrzeuge durch Lithium-Ionen-Batterien (LIB) u. a. Komponenten ersetzt worden und obsolet. Die Elektromobilität befindet sich seit den 2020er Jahren immer noch in einer volatilen Phase.
Klimakrise
Der UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete die Geschäftsmodelle der Ölindustrie 2023 aufgrund ihrer andauernden Rolle als Hauptverursacher der Klimakrise als „unvereinbar mit dem Überleben der Menschheit“.[48] Einige Rechtswissenschaftler schlagen deshalb vor, einzelne Unternehmen künftig mit konkreten Anklagen wegen Mordes strafrechtlich zu verfolgen.[49]
Sozialer Ungleichheit
Eine 2025 erschienen Studie der öffentlich auf dem US-Markt gehandelter Unternehmen der Branche legt nahe, dass die hohe Vermögenskonzentration stärker als in anderen Industriesparten zu sozialer Ungleichheit beitrage. Demnach fließt die Hälfte aller durch die Förderung und Verarbeitung fossiler Energien erzielten Gewinne dem obersten einen Prozent zu, während die untere Hälfte der Beschäftigten und Shareholder ein Prozent der Gewinne erlangte.[50]
Irankrieg 2026
Im Jahr 2026 erreicht der Ölpreis mit über 100 USD/Barrel ein Rekordhoch.[51] Dieser Preissprung steht im Zusammenhang mit dem Irankrieg, den US-Präsident Donald Trump mit dem Ziel begonnen hat, eine Militarisierung der nuklearen Kapazitäten des Irans zu verhindern.[52]
Nach Einschätzung verschiedener Finanzexperten könnte der Konflikt rund 60 Milliarden USD für Mineralölkonzerne bringen.[53] Der Britische Staatssekretär für Energiesicherheit und Klimaneutralität Ed Miliband äußert sich in dieser Angelegenheit wie folgt: „Es ist völlig falsch, dass eine Regierung tatenlos zusieht und Unternehmen erlaubt, aus einem Krieg übermäßige Gewinne zu erzielen.“[54] Außerdem sagt er „Angesichts des zweiten Schocks durch fossile Brennstoffe innerhalb von weniger als fünf Jahren ist die Lehre für unser Land klar: Die Ära der Versorgungssicherheit mit fossilen Brennstoffen ist vorbei, und die Ära der Versorgungssicherheit mit sauberer Energie muss nun anbrechen.“[55]
Umweltschutz
Die großen, international tätigen Ölkonzerne werden oft auch als „Ölmultis“ oder „Big Oil“ bezeichnet, häufig in kritischer Auseinandersetzung mit ihrem Verhalten gegenüber Arbeitnehmern, Fragen des Umweltschutzes und der Globalisierung. Bei der Erdölförderung existieren teils ungelöste Umweltprobleme. Im Gegensatz zu früheren Jahren müssen die Mineralölkonzerne für die Schäden einer Ölkatastrophe aufkommen, die Risiken für Mensch und Natur bei der Förderung werden jedoch aufgrund des steigenden Aufwandes ebenfalls immer größer. Als Beispiels kann hier der Blowout der Deepwater-Horizon-Plattform im Jahr 2010 erwähnt werden.
Lobbyismus
Die Abhängigkeit der industrialisierten Staaten vom Erdöl verhilft der Erdölindustrie zu einer strategischen Machtposition. Mineralölkonzerne sind daher weltweit sehr einflussreich und haben eine starke Lobby, was von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oft kritisiert wird.
Siehe auch
Literatur
- Gilbert H. Montague: The Rise and Progress of the Standard Oil Company. Harper & Brothers, New York 1904 (englisch, archive.org).
- George Sell: The Petroleum Industry. Oxford University Press, Oxford 1963 (englisch, archive.org).
- Anthony Sampson: The Seven Sisters: The Great Oil Companies and the World they Made. Hodder and Stoughton, London 1975, ISBN 978-0-340-19427-0 (englisch, archive.org).
- John M. Blair: The Control of Oil. Pantheon Books, New York 1976, ISBN 978-0-394-49470-8 (englisch, archive.org).
- Francisco R. Parra: Oil Politics. A Modern History of Petroleum. I.B. Tauris, London ; New York 2004, ISBN 978-1-86064-977-6 (englisch, archive.org).
- Matthew Yeomans: Oil: Anatomy of an Industry. The New Press, New York, NY 2004, ISBN 978-1-56584-885-6 (englisch, archive.org).
- Robert Grace: Oil. An Overview of the Petroleum Industry. 6th Auflage. Gulf Publishing Company, Houston, TX 2007, ISBN 978-1-933762-01-2 (englisch).