Liang-Dynastie
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Die Liang-Dynastie (chinesisch 梁朝, Pinyin Liang Chao; 502–557), die auch unter dem Namen Südliche Liang-Dynastie (Nan Liang 南梁) bekannt ist, war die dritte der Südlichen Dynastien in China, gefolgt von der Chen-Dynastie.
Geschichte
Ende des 5. Jahrhunderts führten im damals von der Qi-Dynastie beherrschten Südchina die Exekutionen zahlreicher Aristokraten zu Unruhen. Xiao Yan, ein Vetter des letzten Qi-Kaisers He Di, besaß ein Lehen in der Region um Xiangyang im nördlichen Hubei und probte im Jahr 501 den Aufstand. Mit einer Armee zog er gegen Nanjing und belagerte den Kaiserpalast. Er stürzte He Di und wurde 502 unter dem Namen Wu Di erster Kaiser der von ihm gestifteten Liang-Dynastie.[1]
Kurz vor der Machtergreifung von Wu Di begann der Handel im Gebiet des Jangtsekiang stärker zu florieren. Dadurch kam es zum Abstieg der Großgrundbesitzer, die ihre Macht hauptsächlich auf die Abschottung des Landes und die ökonomische Autarkie ihrer ausgedehnten Güter gründeten. Der kommerzielle Aufschwung Südchinas hing mit der Entwicklung des Handelsverkehrs in der Südsee und im Indischen Ozean zusammen. Ab dem späten 5. Jahrhundert kamen persische, indische und südostasiatische Kaufleute in größerer Zahl nach Südchina, und die Schifffahrt auf dem Jangtsekiang nahm zu. Städte entlang dieses großen Stroms und Guangzhou blühten auf.[1]
Diese ökonomische Entfaltung der Region dauerte während der bis 549 währenden Regierung von Kaiser Wu Di an. Für einige Jahrzehnte herrschten in seinem Reich Frieden und Wohlstand. Die Adelskultur erlebte eine Hochblüte, ebenso der von Wu Di sehr geförderte Buddhismus. In der Folge entstanden über 13.000 buddhistische Klöster in Südchina. 503 kamen Gesandtschaften aus Funan (Kambodscha) und aus Zentralindien nach Nanjing, 512 auch solche aus den Reichen Koreas. Im militärischen Bereich errangen Liang-Armeen 507 in Anhui einen bedeutenden Sieg über Streitkräfte der Nördlichen Wei-Dynastie. 525 eroberten sie in Anhui Territorien von den Wei zurück. In den 540er Jahren erreichte Vietnam seine Unabhängigkeit vom Liang-Reich.[2]
Der Feldherr Hou Jing, der zuerst unter der Westlichen Wei-Dynastie gedient hatte, dann aber auf die Seite von Wu Di übergetreten war, rebellierte 548 und griff Nanjing an, das im Sommer 549 fiel. Kaiser Wu Di verhungerte in einem Kloster. Sein dritter Sohn und Nachfolger in der Regierung, Jian Wendi, wurde 551 auf Befehl von Hou Jing ermordet. Die von Hou Jing ausgelösten Unruhen dauerten bis zu seinem Tod 552 an. Diesen Umstand nutzten Heere der Westlichen Wei, um während der Unruhen von der Provinz Shenxi aus wiederholt erfolgreiche Einfälle ins Liang-Reich durchzuführen. 553 gelang ihnen die Einnahme von Sichuan, wodurch Nanjing seine Anbindung an Zentralasien verlor. Nachdem sie auch den Westen der Provinz Hubei unter ihre Kontrolle gebracht hatten, tobte der Bürgerkrieg im Gebiet des Unterlaufs des Jangtsekiang weiter. Der General Chen Ba Xian besaß ein reiches Lehen nahe Wuchang, ging aus den Machtkämpfen als Sieger hervor und beseitigte 557 die Liang-Dynastie. Danach gründete er in Nanjing die nach ihm benannte Chen-Dynastie und trug als deren erster Kaiser den Namen Chen Wu Di.[3]
Literatur, Kunst und Religion
Kaiser Wu Di versammelte an seinem Hof fähige Berater wie den Historiker, Dichter und Musiktheoretiker Shen Yue, der durch seine phonetischen Arbeiten Bekanntheit erlangte und das Geschichtswerk Song Shu verfasste. Ein weiterer bedeutender Berater des Kaisers war Xu Mian, der Autor politischer Schriften war und eine Weile de facto die Rolle des Ersten Ministers spielte. Der Gelehrte und taoistische Meister Tao Hongjing war mit Kaiser Wu Di befreundet und korrespondierte regelmäßig mit ihm. Der Buddhismus wurde nicht nur durch den Kaiser und seinen Hof, sondern auch von bedeutenden Adelsfamilien intensiv gefördert und erlebte in Südchina eine bis dahin nicht gekannte Blüte. Der Adel pflegte die Schönen Künste, seine Kultur genoss ein Goldenes Zeitalter. Unter der Regierung von Wu Di wirkten u. a. auch der Literat Fan Xiu († 514) und der Dichter Wu Yun († 520) im Liang-Reich. Um 530 entstand hier das Gaoseng zhuan, eine von Huijiao zusammengestellte Biographiensammlung bedeutender chinesischer buddhistischer Mönche. Der Historiker Xiao Zixian schrieb die Geschichte der Südlichen Qi und der Späteren Han nieder.[2]
Westliche Liang-Dynastie
Nachdem Armeen der Westlichen Wei-Dynastie in West-Hubei bis nach Jiangling am mittleren Jangtsekiang vorgestoßen waren, riefen sie dort im Jahr 555 Xiao Cha, ein Mitglied der im Liang-Reich regierenden Herrscherfamilie Xiao, zum ersten Kaiser der neugegründeten Westlichen Liang-Dynastie (Xi Liang 西梁) aus. Diese wird auch als Spätere Liang-Dynastie bezeichnet. Nach dem Untergang der Westlichen Wei 557 standen die Westlichen Liang unter der Kontrolle der Nördlichen Zhou-Dynastie und seit 581 unter jener der Sui-Dynastie. Deren erster Kaiser Sui Wendi beseitigte schließlich im Jahr 587 die Westliche Liang-Dynastie.[4]
Herrscher der Liang-Dynastie (502–557)
| Postumer Name | Familienname und Vorname | Zeit der Herrschaft | Äranamen und ihre Dauer |
|---|---|---|---|
| Konvention: Liang + postumer Name | |||
Kaiser Wu von Liang – Wu Di
|
Xiao Yan (蕭衍 Xiāo Yǎn) | 502-549 | Tianjian (天監 tiān-jiān) 502-519 Putong (普通 pǔ-tōng) 520-527 Datong (大通 dà-tōng) 527-529 Zhongdatong (中大通 zhōng-dà-tōng) 529-534 Datong (大同 dà-tóng) 535-546 Zhongdatong (中大同 zhōng-dà-tóng) 546-547 Taiqing (太清 tài-qīng) 547–549 |
Kaiser Jianwen von Liang – Jianwen Di
|
Xiao Gang (蕭綱 xiāo gāng) | 549-551 | Dabao (大寶 dà bǎo) 550-551 |
Prinz von Yuzhang – Yu Zhang Wang
|
蕭棟 xiāo dòng | 551-552 | Tianzheng (天正 tiān zhèng) 551–552 |
Kaiser Yuan von Liang – Yuan Di
|
蕭繹 xiāo yì | 552-555 | Chengsheng (承聖 chéng shèng) 552–555 |
Marquis von Zhenyang – Zhen Yang Hou
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蕭淵明 xiāo yuān míng | 555 | Tiancheng (天成 tiān chéng) 555 |
Kaiser Jing von Liang – Jing Di
|
蕭方智 xiāo fāng zhì | 555-557 | Shaotai (紹泰 shào tài) 555-556 Taiping (太平 tài píng) 556–557 |
Westliche Liang-Dynastie Hou Liang 555–587
| Tempelname (Miao Hao 廟號 miào hào) | Postumer Name ( Shi Hao 諡號) | Personenname | Zeit der Regentschaft | Äranamen (Nián Hào 年號) und ihre Dauer |
|---|---|---|---|---|
| Konvention: Nan Liang + postumer Name | ||||
| Anmerkung: Einige Historiker betrachten die Westliche Liang Hou Liang als eine Fortsetzung der Liang-Dynastie, weil sie von Xiao Cha (Kaiser Xuan) gegründet wurde, einem Enkel von Xiao Yan (Kaiser Wu), dem Gründer der Liang-Dynastie. | ||||
| Kaiser Zhong Zong (中宗 zhōng zōng) | 宣帝 xuān dì | 蕭詧 xiāo chá | 555-562 | Dading (大定 dà dìng) 555–562 |
| Kaiser Shi Zong (世宗 shì zōng) | 孝明帝 xiào míng dì | 蕭巋 xiāo kuī | 562-585 | Tianbao (天保 tiān bǎo) 562–585 |
| existiert nicht | 孝靜帝 xiào jìng dì oder Ju Gong|莒公 jǔ gōng | 蕭琮 xiāo cóng | 585-587 | Guangyun (廣運 guǎng yùn) 585–587 |
Siehe auch
Literatur
- Pablo Ariel Blistein: Le haut Moyen-Âge chinois: Histoire générale de la Chine (220-589), Les Belles Lettres, Paris 2024.
- Andrew Chittick: The Southern Dynasties, in: Albert E. Dien und Keith N. Knapp (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 2: The Six dynasties, 220-589, Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-107-02077-1, S. 237–272.
- Victor Cunrui Xiong: Historical Dictionary of Medieval China, Teil der Reihe Historical dictionaries of ancient civilizations and historical eras, Lanham, Scarecrow Press, 2009, 731 p., ISBN 978-0-8108-6053-7.
- Albert E. Dien: Six Dynasties Civilization, Teil der Serie Early Chinese civilization series, Yale University Press, New Haven 2007.
- David A. Graff: Medieval Chinese Warfare, 300-900, Routledge, London und New York 2002.
- Mark Edward Lewis: China Between Empires: The Northern and Southern Dynasties, Teil der Serie History of imperial China, Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge und London 2009.
- François Martin et Damien Chaussende (Hrsg.): Dictionnaire biographique du haut Moyen Âge chinois, Les Belles Lettres, Paris 2020.
- Xiaofen Tian: From the Eastern Jin through the early Tang (317–649), in: Kang-i Sun Chang, Stephen Owen (Hrsg.): The Cambridge History of Chinese Literature, Bd. 1: To 1375, Cambridge University Press, Cambridge 2010, S. 199–285.