Lilac and Green Issue
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Die Lilac and Green Issue, auch 1883–84 Unified Issue, ist eine britische Freimarken- und Stempelmarkenausgabe, die 1883 und 1884 im Vereinigten Königreich erschien. Die Bezeichnung bezieht sich auf die lila und grünen Druckfarben der meisten Werte: 1½d, 2d, 2½d und 3d erschienen in Lila, 4d, 5d, 6d, 9d und 1s in mattem Grün. In der modernen philatelistischen Katalogisierung wird meist auch der schieferblaue ½d-Wert zur Ausgabe gerechnet, sodass der Satz zehn Werte von ½d bis 1s umfasst.[1]
| Lilac and Green Issue | ||
|---|---|---|
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| Ausgabe | ||
| Land | Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland | |
| Nominalwert | ½d bis 1 Schilling, ohne 1d | |
| Ersttag | 1. August 1883 | |
| Gestaltung | ||
| Bildmotiv | Königin Victoria | |
| Farbe | lila und grün; ½d schieferblau | |
| Druckart | Buchdruck | |
| Perforation | Zähnung 14 | |
| Besonderheiten | Unified Issue für Porto und Stempelsteuer | |
Die Serie gehört zur Briefmarken- und Postgeschichte Großbritanniens der späten viktorianischen Zeit. Sie folgte auf die sogenannten Provisional-Ausgaben von 1880 und auf die Penny Lilac von 1881. Ihre Marken trugen die Inschrift „POSTAGE & REVENUE“ und waren damit als kombinierte Post- und Steuermarken gestaltet. Wegen ihrer schwer unterscheidbaren Farben und der unpraktischen Gestaltung galt die Ausgabe bald als unbefriedigend und wurde ab 1887 durch die Jubilee Issue ersetzt.[2]
Entstehung
Ausgangspunkt der Ausgabe war die Zusammenführung postalischer und fiskalischer Verwendungen. Der Customs and Inland Revenue Act 1881 bestimmte, dass bestimmte Ein-Penny-Stempelabgaben durch Penny-Postwertzeichen entrichtet werden konnten und umgekehrt bestimmte Penny-Steuermarken zur Zahlung von Porto verwendet werden durften.[3] Für den Ein-Penny-Wert war bereits 1881 die Penny Lilac mit der Inschrift „POSTAGE AND INLAND REVENUE“ eingeführt worden.
Die Lilac and Green Issue übertrug diese Idee auf weitere niedrige Werte. Sie wird deshalb auch als Unified Issue bezeichnet. Einen 1d-Wert enthielt der Satz nicht, weil die Penny Lilac diese Funktion bereits erfüllte.[1] Die Entwürfe und Druckvorbereitungen lagen bei De La Rue, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine zentrale Rolle bei den britischen Buchdruckausgaben spielte.[1]
Der 9d-Wert erschien bereits im August 1883 und gehört zur späteren Serie. Die übrigen lila und grünen Werte wurden am 1. April 1884 ausgegeben.[2] Der ½d-Wert war ein Sonderfall: Er erschien in schieferblauer Farbe, ersetzte den grünen ½d-Wert von 1880 und hatte im Unterschied zu den übrigen Werten keine Eckbuchstaben.[1]
Gestaltung und Druck
Die Marken zeigen das Profil Königin Victorias in unterschiedlichen Rahmenformen. Die Werte wurden im Buchdruck auf Papier mit dem Wasserzeichen „Crown 1880“ hergestellt und hatten eine Zähnung von 14.[2] Die meisten Werte tragen Eckbuchstaben, mit denen die Position im Druckbogen bestimmt werden konnte. Nach einer modernen Beschreibung des Satzes wurden die Werte ab 1½d in zwei Bögen mit Eckbuchstaben von AA bis LJ und AK bis LT gedruckt, getrennt durch einen Zwischensteg.[1]
Die lila und grünen Farben waren als flüchtige Druckfarben gedacht. Sie sollten die Entfernung von postalischen oder handschriftlichen fiskalischen Entwertungen erschweren. Gerade diese flüchtigen Farben wurden aber zu einem Problem für Sammler: Viele grüne Marken verloren durch Ablösen vom Papier ihre ursprüngliche Farbe. Stanley Gibbons weist deshalb darauf hin, dass Katalogpreise für Stücke in echter matter Grünfärbung gelten und durch Wässern verfärbte Stücke deutlich weniger wert sind.[1]
| Wert | Farbe | Form / Rahmen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| ½d | schieferblau | vertikal | meist zum modernen Satz gerechnet; ohne Eckbuchstaben |
| 1½d | lila | vertikal, Schildrahmen | Teil der lila/grünen Unified Issue |
| 2d | lila | horizontal, quadratischer Rahmen | mit Eckbuchstaben |
| 2½d | lila | horizontal, runder Rahmen | mit Eckbuchstaben |
| 3d | lila | vertikal, sechseckiger Rahmen | mit Eckbuchstaben |
| 4d | grün | vertikal, ovaler Rahmen | mit Eckbuchstaben |
| 5d | grün | vertikal, Schildrahmen | mit Eckbuchstaben |
| 6d | grün | horizontal, quadratischer Rahmen | mit Eckbuchstaben |
| 9d | grün | horizontal, runder Rahmen | bereits 1883 ausgegeben |
| 1s | grün | vertikal, sechseckiger Rahmen | höchster Wert der niedrigen Unified Issue |
Die Great Britain Philatelic Society dokumentiert in ihrer Übersicht zu den im Postal Museum erhaltenen Registrierbogen zahlreiche Bogen der Lilac and Green Issue, darunter 1½d-, 2d-, 2½d-, 3d-, 4d-, 5d-, 6d-, 9d- und 1s-Werte sowie die ½d-Schieferblau-Ausgabe.[4]
Einordnung zwischen Penny Lilac und Jubilee Issue
Die Lilac and Green Issue schloss an die Penny Lilac an. Diese war 1881 als erster massenhaft verwendeter britischer 1d-Wert mit kombinierter postalischer und fiskalischer Funktion erschienen. Während die Penny Lilac die Inschrift „POSTAGE AND INLAND REVENUE“ trug, verwendeten die übrigen Werte der Lilac and Green Issue die kürzere Inschrift „POSTAGE & REVENUE“.
Die Serie war nur kurz in Gebrauch. Melville beschreibt die Unified Series als unbefriedigend, weil zwei Farben für neun sehr unterschiedliche Wertstufen verwendet wurden und die Marken dadurch sowohl für das Publikum als auch für Postbedienstete unpraktisch waren.[2] Auch die spätere philatelistische Darstellung zur Jubilee Issue hebt hervor, dass die geringe Unterscheidbarkeit der Werte und die möglichen Einnahmeverluste des Inland Revenue zur Suche nach einer Ersatzserie beitrugen.[5]
1884 wurde ein Stamp Committee eingesetzt, um verbesserte Entwürfe zu prüfen. Aus diesem Prozess ging die britische Jubilee Issue hervor, die am 1. Januar 1887 erschien und die Lilac and Green Issue ablöste.[5] Die Penny Lilac blieb davon ausgenommen: Für den 1d-Wert wurde zunächst keine Änderung vorgenommen.[2]
Philatelistische Bedeutung
Die Lilac and Green Issue ist vor allem wegen ihrer Stellung als kurze Übergangsserie der späten Victoria-Zeit bedeutsam. Sie verbindet die erste unified Ein-Penny-Marke, die Penny Lilac, mit der farblich und gestalterisch deutlich verbesserten Jubilee Issue von 1887.
Für Sammler sind gut erhaltene Farben wichtig, besonders bei den grünen Werten. Durch das Ablösen vom Papier können diese Marken ihre ursprüngliche matte Grünfärbung verlieren.[1] Gesucht werden daher Stücke mit echter Farbe, klare Stempel, gelaufene Belege, Stücke mit Perfins sowie Marken mit amtlichen Aufdrucken. Werte der Serie kommen unter anderem mit „SPECIMEN“- und „CANCELLED“-Aufdrucken vor; einzelne Werte wurden außerdem für amtliche Zwecke wie Dienstpost und Government Parcels verwendet.[1]
Literatur
- K. M. Beaumont, John Easton: The Postage Stamps of Great Britain. Part 3: The Embossed Issues; The Surface-Printed Issues of Queen Victoria and King Edward VII. 2. Auflage. Royal Philatelic Society London, London 1964.
- Fred J. Melville: The Postage Stamps of Great Britain. The Junior Philatelic Society, London 1904.
- W. A. Wiseman: Great Britain: The De La Rue Years 1878–1910. Band 1. Bridger & Kay, London 1984, ISBN 0-902784-04-8.
- Hugh Jefferies (Hrsg.): Stanley Gibbons Great Britain Specialised Stamp Catalogue. Volume 1: Queen Victoria. 16. Auflage. Stanley Gibbons, London 2011, ISBN 978-0-85259-816-0.
Weblinks
- Registrierbogen der Lilac and Green Issue. Great Britain Philatelic Society (englisch).
