Penny Lilac

britische Briefmarke (1881) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Penny Lilac ist eine britische Freimarke zu einem Penny, die am 12. Juli 1881 im Vereinigten Königreich ausgegeben wurde. Sie ersetzte die kurzlebige Penny Venetian Red als wichtigste Ein-Penny-Marke und blieb bis zum Ende der Regierungszeit Königin Victorias die britische Standardmarke für einfache Briefe. Die Marke war zugleich für Porto und bestimmte Formen der Stempelsteuer verwendbar und trug deshalb die Inschrift „POSTAGE AND INLAND REVENUE“.

Schnelle Fakten Ausgabe, Gestaltung ...
Penny Lilac
Penny Lilac, Die II mit 16 Punkten in jeder Ecke
Ausgabe
Land Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
Nominalwert 1 Penny
Ersttag12. Juli 1881
Gültig bis 30. Juni 1915
Gestaltung
Bildmotiv Königin Victoria
Farbe Lila
Druckart Buchdruck
Perforation Zähnung 14
Besonderheiten letzte Ein-Penny-Standardmarke der Regierungszeit Königin Victorias; kombinierte Post- und Steuermarke
Auflage
Auflage 34.095.984.000[1]
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Die Penny Lilac gehört zur Briefmarken- und Postgeschichte Großbritanniens und markiert den Übergang von reinen Postwertzeichen zu kombinierten Post- und Steuermarken. Sie unterschied sich deutlich von den früheren britischen Ein-Penny-Marken: Penny Black, Penny Red und Penny Venetian Red hatten rechteckige Rahmen, während die Penny Lilac das Porträt Victorias in einem Oval zeigte. Wegen ihrer sehr hohen Auflage von mehr als 34 Milliarden Exemplaren gehört sie nicht zu den klassischen philatelistischen Raritäten, ist aber eine wichtige Übergangsmarke der britischen Postgeschichte.

Entstehung

Die Penny Lilac entstand im Zusammenhang mit dem Customs and Inland Revenue Act 1881. Dieses Gesetz bestimmte, dass ab dem 1. Juni 1881 bestimmte Stempelabgaben zu einem Penny durch Penny-Postwertzeichen entrichtet werden konnten und umgekehrt bestimmte Penny-Steuermarken zur Zahlung von Porto verwendet werden durften.[2] Dadurch wurde eine neue Marke erforderlich, die nicht mehr nur als Briefmarke, sondern zugleich auch für fiskalische Zwecke verwendet werden konnte.

Die neue Ein-Penny-Marke erschien am 12. Juli 1881. Sie löste die Penny Venetian Red ab, die erst seit dem 1. Januar 1880 im Gebrauch gewesen war. Fred J. Melville beschrieb die Penny Lilac später als eine der vertrautesten britischen Marken ihrer Zeit.[3]

Gedruckt wurde die Marke von De La Rue im Buchdruck. Der Entwurf orientierte sich stärker an britischen Stempelmarken als an den vorherigen Ein-Penny-Postmarken. Die Verwendung einer flüchtigen Druckfarbe sollte die Entfernung postalischer und fiskalischer Entwertungen erschweren.[4]

Die Penny Lilac blieb nach dem Ende ihrer regulären Ausgabezeit zunächst frankaturgültig. Nach einer Handreichung der Royal Philatelic Society London wurden die liniengravierten Queen-Victoria-Marken und alle Ausgaben vor 1881 bereits 1901 demonetisiert; andere Victoria-Ausgaben, darunter die Penny Lilac, blieben dagegen bis Ende Juni 1915 gültig.[5]

Gestaltung und Druck

Das Markenbild zeigt das Profil Königin Victorias in einem ovalen Rahmen. Die Inschrift lautet „POSTAGE AND INLAND REVENUE“ und weist die Marke als kombinierte Post- und Steuermarke aus. Wie bei britischen Briefmarken üblich, wurde kein Ländername angegeben; die Herkunft war durch das Herrscherbild erkennbar.

Melville beschreibt die Ausgabe als Ein-Penny-Marke in lilafarbener Tönung auf Papier mit dem Wasserzeichen „Crown 1880“ und einer Zähnung von 14.[3] Der Unterschied zwischen den beiden Hauptformen betrifft daher nicht die Zähnung, sondern das Druckbild. Die erste Form, Die I, hatte 14 Punkte in jeder Ecke; die zweite Form, Die II, hatte 16 Punkte in jeder Ecke. Außerdem wurde die Beschriftung bei Die II gegenüber der gedrängteren ersten Form leicht vergrößert.[3]

Die erste Form erschien am 12. Juli 1881. Die zweite Form folgte am 13. Dezember 1881 und wurde zur eigentlichen Massenauflage der Penny Lilac.[3] Nach Rikki Hydes von Stanley Gibbons veröffentlichter Zusammenstellung Great Britain Numbers Issued 1840 to 1910 wurden insgesamt 34.095.984.000 Penny Lilacs ausgegeben: 495.984.000 Exemplare von Die I und 33.600.000.000 Exemplare von Die II. Dies entsprach 142.066.600 Druckbogen; etwa ein Prozent der Ausgabe wurde nach Hydes Schätzung für fiskalische Zwecke verwendet.[1]

Weitere Informationen Form, Ausgabezeit ...
Form Ausgabezeit Erkennungsmerkmal Auflage[1]
Die I ab 12. Juli 1881 14 Punkte in jeder Ecke; gedrängtere Beschriftung 495.984.000
(2.066.600 Druckbogen)
Die II ab 13. Dezember 1881 bis 1901 16 Punkte in jeder Ecke; etwas größere Beschriftung 33.600.000.000
(140.000.000 Druckbogen)
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Eine Ausstellungsvorlage zur Penny Lilac weist darauf hin, dass die Unterscheidung der beiden Formen gewöhnlich anhand der Eckpunkte vorgenommen wird, dass der Unterschied der Beschriftung zwischen Die I und Die II aber ebenfalls erkennbar ist.[6]

Einordnung in die Ein-Penny-Ausgaben

Die Penny Lilac steht in der Reihe der britischen Ein-Penny-Freimarken, die mit der Penny Black von 1840 begann. Auf die Penny Black folgte 1841 die Penny Red, die bis 1879 die wichtigste britische Ein-Penny-Marke blieb. 1880 wurde sie durch die kurzlebige Penny Venetian Red ersetzt. Diese wurde wiederum am 12. Juli 1881 von der Penny Lilac abgelöst.[3]

Die Penny Lilac unterschied sich deutlich von ihren unmittelbaren Vorgängerinnen. Penny Black, Penny Red und Penny Venetian Red hatten rechteckige Rahmen und trugen die Inschrift „POSTAGE“. Die Penny Lilac zeigte das Porträt Königin Victorias dagegen in einem Oval und erhielt die neue Inschrift „POSTAGE AND INLAND REVENUE“, weil sie zugleich für postalische und bestimmte fiskalische Zwecke verwendet werden konnte.[2][3]

Bei der britischen Jubilee-Ausgabe von 1887 wurden mehrere niedrige britische Werte neu gestaltet; die Ein-Penny-Marke blieb davon jedoch ausgenommen. Melville stellte ausdrücklich fest, dass an der 1d lilac keine Änderung vorgenommen wurde.[3] Die Penny Lilac blieb damit bis zum Ende der Regierungszeit Victorias die britische Ein-Penny-Standardmarke.

Nach dem Tod Königin Victorias am 22. Januar 1901 begannen die Arbeiten an den Marken für die Regierungszeit Eduards VII. Zunächst legte De La Rue Entwürfe vor, bei denen bestehende Rahmen der Victoria-Ausgaben mit dem Porträt des neuen Königs verbunden wurden. Schließlich wurde der österreichische Künstler Emil Fuchs mit dem Porträt für die neuen Marken beauftragt; für mehrere niedrige Werte, darunter die Ein-Penny-Marke, wurde ein neuer Rahmen entworfen.[3]

Philatelistische Bedeutung

Die Penny Lilac ist wegen ihrer enormen Auflage eine sehr häufige Marke. Ihre Bedeutung liegt weniger in ihrer Seltenheit als in ihrer Stellung als massenhaft verwendete britische kombinierte Post- und Steuermarke. Sie steht am Übergang von den klassischen Ein-Penny-Postmarken zur späteren Praxis, britische Marken auch für fiskalische Zwecke zuzulassen.

Philatelistisch interessant sind vor allem die Unterscheidung zwischen den beiden Formen mit 14 beziehungsweise 16 Punkten, Farbnuancen, Wasserzeichen, Druck- und Zähnungsfehler, Perfins, amtliche Überdrucke und gelaufene Belege. Wegen ihrer massenhaften Verwendung kommen Penny-Lilac-Marken häufig mit Firmenlochungen vor. Solche Perfins sollten verhindern, dass von Unternehmen gekaufte ungebrauchte Marken gestohlen und am Postamt gegen Bargeld eingelöst wurden.[4]

Literatur

  • Bob Galland, Karl Louis, Peter Young: Penny Lilac – A History of the 1d Lilac Unified Stamp. Great Britain Philatelic Society, 2024.
  • Fred J. Melville: The Postage Stamps of Great Britain. The Junior Philatelic Society, London 1904.
  • W. A. Wiseman: Great Britain: The De La Rue Years 1878–1910. Band 1. Bridger & Kay, London 1984, ISBN 0-902784-04-8.
  • Hugh Jefferies (Hrsg.): Stanley Gibbons Great Britain Specialised Stamp Catalogue. Volume 1: Queen Victoria. 16. Auflage. Stanley Gibbons, London 2011, ISBN 978-0-85259-816-0.

Einzelnachweise

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