Lindow (Niedergörsdorf)

Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming From Wikipedia, the free encyclopedia

Lindow ist ein Ortsteil[1] der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming des deutschen Bundeslands Brandenburg.

Schnelle Fakten Gemeinde Niedergörsdorf ...
Lindow
Koordinaten: 52° 1′ N, 12° 55′ O
Höhe: 91 m ü. NN
Fläche: 10 km²
Einwohner: 140 (6. Dez. 2016)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 11. Januar 1962
Eingemeindet nach: Malterhausen
Postleitzahl: 14913
Vorwahl: 033741
Schließen
Dorfkirche Lindow

Lage

Lindow liegt elf Kilometer westlich von Jüterbog und sechs Kilometer nordwestlich von Niedergörsdorf. Die Nachbarorte sind Malterhausen, Kaltenborn und Eckmannsdorf. Der ursprüngliche Ort erstreckt sich als Straßendorf von Nordwest nach Südost. Am südöstlichen Ende ist die Straße als dreieckiger Platz erweitert, hier steht die Kirche. Weiter nordwestlich befindet sich der linsenförmige Anger, in der Mitte liegt der Dorfteich. Hier am Anger befinden sich Vierseithöfe. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Dorf in alle Richtungen erweitert.

Etymologie

Die älteste bekannte Nennung stammt aus dem Jahr 1237[2], als eine villam quondam Linde nominatam in borchwardo Juterboc prope brieznam (ein Dorf, das früher Linde hieß, im Bezirk Jüterbock bei Brixen) erwähnt wurde. Diese Überlieferung findet sich in einer Urkunde des St.-Lorenz-Stifts zu Magdeburg. Eine weitere urkundliche Erwähnung folgte 1284, diesmal als villam que vocatur linde, überliefert im Zusammenhang mit dem Zisterzienserinnenkloster Jüterbog. Im 15. Jahrhundert erschien der Ort unter der Bezeichnung Linde, teutonica (1459). Mit dem Zusatz teutonica sollte die Abgrenzung zur ehemals selbstständigen Gemeinde Linda in Sachsen-Anhalt hergestellt werden. In der frühen Neuzeit wird der Ortsname in verschiedenen Varianten überliefert: Lindo, Lindow und Linde sind für das Jahr 1818 belegt.[3] Der Name bedeutet so viel wie „Siedlung, Dorf bei einer Linde[4].

Geschichte

12. bis 14. Jahrhundert

Die heute noch erhaltene Kirche wurde möglicherweise Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Bis 1237 gehörte Linde zum Besitz der Familie von Brietzen. Zwischen 1237 und 1284 stand der Ort im Eigentum des Augustinernonnenklosters St. Lorenz in der Neustadt Magdeburg. Von 1284 bis 1570/1594 befand sich Linde im Besitz des Zisterzienserinnenklosters Jüterbog, zunächst lediglich als Pfandbesitz, seit 1318 jedoch auch über den zweiten Anteil und damit über den gesamten Ort. Nach der Reformation gelangte Linde zwischen 1570/1594 und 1817 unter die Verwaltung des Amts Jüterbog, bevor es von 1817 bis 1872 dem Amt Zinna unterstand. Bereits 1284 ist belegt, dass das Amt über das Dorf mit allem Recht und Patronat verfügte. Ein Teil des Ortes befand sich bis 1284 im Besitz der Familie von Plotho, die dort über acht Hufen verfügten. Dieser Anteil wurde anschließend mit dem ersten Anteil vereinigt. Ein weiterer Besitzkomplex lag bis 1464 bei den von Aken zu Berlin. Zwischen 1464 und 1467 gehörte dieser Anteil der Familie von der Zauche, bevor 1467 die Herrschaft Wilmersdorf die Hebungen von zwei Einwohnern bezog. Diese Abgaben umfassten einmal zwei Scheffel Roggen und zwei Scheffel Hafer sowie ein weiteres Mal vier Scheffel Roggen und vier Scheffel Hafer (1464). Danach fiel dieser Besitz an den Landesherrn beziehungsweise an das zuständige Amt zurück. Für das Jahr 1237 ist der Ort ausdrücklich als Dorf im Burgward Jüterbog belegt. 1260 erschien Linde als Klosterdorf, was die enge Bindung an die geistlichen Grundherren dieser Zeit widerspiegelt. In einer Urkunde von 1284 wird der Ort als Dorf (villa) bezeichnet, ebenso 1318.[3]

15. Jahrhundert

Für die Zeit um 1500 sind für Linde vier Schock 25 Groschen zur Anlage verzeichnet. Im Jahr 1534 wurden 10 Gulden 5 Groschen 4 Denar zum sogenannten 50. Pfennig erhoben. Um 1541 wurde ein Schulze ausdrücklich genannt, der 1568 den vorgeschriebenen Eid leistete. Sowohl 1562 als auch 1584 sind jeweils 12 Hauswirte belegt.[3] Der Pfarrer besaß im Jahr 1562 zwei Pfarrhufen, außerdem zwei Hufen vor Linde und erhielt die 30. Mandel vom Getreidezehnten sowie vier Rauchhühner aus vier Häusern. Zudem standen ihm drei Scheffel Korn jährlich zu. Zum Pfarrbesitz gehörten außerdem zwei Morgen Acker auf der wüsten Feldmark Malterhausen, die mit drei Scheffel Roggen besät wurden, sowie vier Morgen vor Linde und weitere 1½ Morgen ebenfalls dort. Hinzu kamen zehn Rücken Land, die ebenfalls zum Pfarrland zählten. Dem Küster standen 20 Scheffel Korn, 37 Brote von den Hufnern und Kossäten sowie zehn Scheffel Korn für das Läutergeld zu.[5] Für das Jahr 1586 sind 5 Taler 29 Groschen 10 Denar zum 70. Pfennig überliefert.[3]

16. Jahrhundert

In der Zeit um 1600 sind für Linde 12 Hauswirte belegt. Für das Jahr 1606 wurden zehn Hufner und zwei Kossäten genannt, während 1609 insgesamt 11 Untertanen verzeichnet sind. Um 1625 sowie 1627 bestand die Dorfgemeinschaft jeweils aus zehn Hufnern und zwei Kossäten. Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges zeigen sich deutlich in den folgenden Jahren: 1637 wurden nur noch vier Hufner und ein Kossät genannt, 1638 lediglich zwei Untertanen, während zwei weitere abwesend waren.

Für das Jahr 1648 liegt eine besonders detaillierte Beschreibung der Besitzverhältnisse vor. Der Schulze verfügte über vier freie Lehn‑ und drei Pachthufen. Es gab außerdem sieben Fünfdorfhufner, von denen zwei je drei und fünf je zwei wüste Hufen zu Malterhausen besaßen; vier dieser Hufen waren wüst. Hinzu kamen zwei Vierdorfhufner, von denen einer drei, der andere zwei wüste Hufen zu Malterhausen bewirtschaftete; eine dieser Hufen war wüst. Außerdem gab es zwei Kossäten, die jeweils eine Dorfhufe innehatten. Insgesamt werden 52 Hufen genannt, wobei vermutlich zwei Hufen den Anteil des Schulzen an der wüsten Feldmark Malterhausen betrafen. Zusätzlich sind 21 wüste Hufen zu Malterhausen verzeichnet. Im Jahr 1658 gaben acht Einwohner (darunter der Schulze) jeweils 13 Groschen, zwei Einwohner jeweils 11 Groschen und zwei Kossäten jeweils vier Groschen. 1661 verfügte der Schulze über zwei Lehn‑ und drei Pachthufen sowie über zwei Lehnhufen auf der wüsten Feldmark Malterhausen. Weiterhin bestanden sieben Fünfdorfhufner (davon zwei mit je drei, fünf mit je zwei wüsten Hufen zu Malterhausen) und zwei Vierdorfhufner (einer mit drei, einer mit zwei wüsten Hufen zu Malterhausen). Die zwei Kossäten hatten jeweils eine Dorfhufe. Insgesamt wurden 50 Dorfhufen und 23 wüste Hufen zu Malterhausen genannt.[3] Für 1664 sind ein Lehnschulzengut, neun Vollspänner und zwei Dienstkossäten überliefert, zusammen zwölf Einwohner, wobei ausdrücklich vermerkt war, dass nichts wüst lag. Im Jahr 1699 bestanden zehn Bauernstellen: acht Fünfhufner (der Schulze besaß 4 Lehn‑ und 1 Pachthufe), zwei Vierhufner sowie zwei Kossäten, von denen einer eine Hufe innehatte. Insgesamt wurden 49 Hufen genannt, davon 45 gangbare Hufen und vier freie Lehnhufen.[6]

18. Jahrhundert

Im Jahr 1704 bestanden acht Fünfhufnerstellen (darunter der Schulze), zwei Vierhufnerstellen sowie zwei Kossätenhöfe, die jeweils drei Scheffel Aussaat und eine Hufe umfassten. 1706 wurden insgesamt 50 Hufen genannt. Für 1714 sind ein Lehnschulze, zwei Gerichtsschöffen, sieben Hufner und drei Kossäten überliefert. Eine besonders detaillierte Beschreibung liegt für 1721 vor: Das Dorf umfasste 14 männliche Einwohner, darunter ein Lehn‑ und Gerichtsschulze, neun Bauern bzw. Anspänner, zwei Kossäten und zwei Häusler. Der Lehn‑ und Gerichtsschulze verfügte über zwei freie Lehn‑ und drei Pachthufen. Es gab sieben Fünfhufnerstellen und zwei Vierhufnerstellen. Ein Kossät besaß einen Hof mit vier Scheffel Aussaat und einer Hufe, ein weiterer einen Hof mit drei bis vier Scheffel Aussaat und einer Hufe. Ein freier Häusler hatte 1715 eine wüste Stelle neu bebaut, ein weiterer verfügte über ein Haus mit zugehörigem Raum. Insgesamt werden 50 Hufen genannt. Für 1746 sind zehn Hufner (darunter der Schulze), zwei Kossäten sowie vier Häusler überliefert, darunter ein Windmüller. 1747 wurden erneut 50 Hufen, jedoch exklusive der Pfarrhufen, genannt. Im Jahr 1760 bestanden neun Vollhufner, 17 Feuerstellen (= Haushaltungen) und insgesamt 50 Hufen. Die Angaben von 1777 nennen zehn Hufner und Vollspänner (darunter der Lehnschulze), zwei Großkossäten sowie fünf Häusler, von denen vier auf der Gemeinheit siedelten. Damit umfasste das Dorf 17 angesessene Einwohner. Zusätzlich bestanden drei unbewohnte bzw. öffentliche Gebäude: das Gemeindehaus (in dem der Katechet wohnte), das Gemeindehirtenhaus und das Gemeindeschmiedehaus.[6]

19. Jahrhundert

Im Jahr 1800 lebten im Dorf zehn Anspänner, zwei Kossäten und fünf Häusler. Der Viehbestand umfasste 36 Pferde, 44 Kühe und 510 Schafe. Zudem verfügte das Dorf über Beigeleit vom Hauptgeleit Jüterbog, was auf die Einbindung in regionale Verkehrs und Geleitsrechte verweist. Für 1812 liegt eine detaillierte Beschreibung der Haushaltsstrukturen vor. Der Schulze lebte mit Sohn, Magd und Jungen. Unter den neun Hufnern hatten zwei jeweils Knecht und Magd, zwei jeweils zwei Kinder, einer einen Sohn, ein weiterer zwei Kinder und einen Jungen, und zwei jeweils Knecht, Magd und Jungen; ein weiterer Hufner hatte Tochter und Jungen. Die zwei Halbhufner verfügten über einen Sohn bzw. eine Tochter. Hinzu kamen drei Häusler, darunter ein Zimmergeselle, sowie ein Windmüller und der Schullehrer. Insgesamt gab es 17 Steuerpflichtige. Für 1815/1816 wurden ein Windmüller, zwei Grützmacher sowie 10½ ordentliche und 2½ außerordentliche Magazin Hufen genannt, zusammen 12½ Hufen. 1817 verfügten 17 Eigentümer, Erbpächter und Erbzinsleute über insgesamt 42 Hufen. Im Jahr 1837 wurde Linde als Dorf beschrieben. Es gab einen Schneidermeister, eine Windmühle, vier männliche und fünf weibliche Dienstboten sowie 20 Wohnhäuser. 1840 wurden ein Müller und ein Schneider genannt. Für 1858 sind drei öffentliche Gebäude, 27 Wohnhäuser und 67 Wirtschaftsgebäude verzeichnet, darunter eine Getreidemühle.[6]

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand Linde im Jahr 1900 aus 33 Häusern. Die landwirtschaftliche Struktur war weiterhin stark ausgeprägt: Es gab sieben Hufner mit Betriebsgrößen von 132, 130, 125, 113, 104, 101 und 97 Hektar, dazu 3 Kossäten mit 43, 37,50 und 35 Hektar sowie einen Lehrer. 1931 umfasste das Dorf 37 Wohnhäuser mit 41 Haushaltungen. Für 1939 sind die land und forstwirtschaftlichen Betriebe detailliert erfasst: ein Betrieb verfügte über mehr als 100 Hektar, 14 Betriebe über 20–100 Hektar, 11 Betriebe über 10–20 Hektar, 6 Betriebe über 5–10 Hektar und 8 Betriebe über 0,5–5 Hektar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1948 insgesamt 142 Hektar enteignet, darunter 51,5 Hektar Acker, 90 Hektar Wald und 0,5 Hektar Hofräume. Die Flächen wurden wie folgt aufgeteilt: 4,5 Hektar an drei landlose Bauern und Landarbeiter, 80 Hektar an 10 Umsiedler, 57 Hektar Waldzulage an 19 Altbauern sowie 0,5 Hektar an den Bodenfonds. Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft entstanden neue Betriebsformen. 1956 wurde die erste LPG Typ I, mit drei Mitgliedern und 39 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche gegründet; sie wurde noch im selben Jahr der LPG Typ I Malterhausen angeschlossen. 1958 folgte die zweite LPG, Typ III, mit sieben Mitgliedern und 128 Hektar Nutzfläche. 1959 wurde sie mit der zweiten LPG Typ I sowie der dritten LPG Typ III Malterhausen zusammengeschlossen.[6] Im Jahr 1960 bestand in Linde die LPG Typ III Malterhausen–Linde mit 148 Mitgliedern und 876 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1967 wurde die LPG Typ I Malterhausen angeschlossen. 1976 folgte der Anschluss der LPG Typ III Kaltenborn, woraufhin der Betrieb in eine LPG (T) umgewandelt wurde. Parallel dazu existierte eine LPG Typ I mit 13 Mitgliedern und 85 Hektar Nutzfläche, die 1966 an die LPG Typ III angeschlossen wurde. Für 1983 ist die LPG Malterhausen mit Sitz in Linde belegt. Zudem befand sich die Werkstatt der LPG (Pflanzenproduktion) Niedergörsdorf in Linde.[6] Im Jahre 1962 wurde Lindow nach Malterhausen eingemeindet.

Baudenkmale

  • In Lindow ist die Dorfkirche Lindow als Baudenkmale in die Denkmalliste eingetragen.[7] Sie wurde möglicherweise zum Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, die weitere Baugeschichte ist allerdings noch ungeklärt. Es ist ein Saalbau mit einem quadratischen Chor und einem Westturm. Früher hatte die Kirche mal eine Apsis. Die Kirche ist im Wesentlichen aus Feldsteinquader erbaut. Aus dem Dachwerke sind Eichen- und Eschenholz aus den Jahren 1423 bis 1426 nachweisbar. Im Inneren befindet sich ein Altaraufsatz, dieses ist zwischen 1712 und 1736 entstanden. Auf dem Altaraufsatz befindet sich ein Wappen und Monogramm von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels. Im Osten des Chores befindet sich eine Sakramentsnische aus dem Mittelalter. Der Taufstein aus Sandstein wurde um 1500 erstellt. Die Glocke wurde im 15. Jahrhundert aus Bronze gegossen.

Literatur

  • Denkmale in Brandenburg, Landkreis Teltow-Fläming, Teil 1: Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf, Marie-Luise Buchinger und Marcus Cante, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2009, ISBN 3-88462-154-8, Seite 327–329
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 299–302.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI