Liste der Stolpersteine in Lank-Latum
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Die Stolpersteine in Lank-Latum sind Teil des Projekts des Künstlers Gunter Demnig. Wie er selbst schreibt „Ein Projekt, das Erinnerung an die Vertreibung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig hält.“ Die Stolpersteine sind Mahnmale, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in Lank-Latum gewohnt und von den Nationalsozialisten deportiert vertrieben, gequält, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden.[1] Die Messingplatten der Stolpersteine sind 96 × 96 mm groß und werden i. d. R. vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnhaus des auf dem Stolperstein Genannten vor dem (ehemaligen) Gebäudeeingang in den Gehweg eingelegt.

Geschichte
In Lank-Latum begann die Verlegung im Juni 2024. Sie basierte auf einer intensiven Forschung von Norman Baltrusch, der hierbei neben den eigenen Forschungsergebnissen auch vorhandene ältere Veröffentlichungen hinterfragte und verifizierte. Vom Heimatkreis Lank e.V. finanziert, wurden am 5. Juni 2024 die ersten 16 Stolpersteine für fünf Familien verlegt. In einem folgenden Ortsrundgang wurden am 16. Juni 2024 den Interessierten die Hintergründe zu den benannten NS-Opfern, zum Teil mit erhalten gebliebenen Fotografien, erläutert. Ein sehr positives Echo in der Bevölkerung und der regionalen Presse war die Folge. In der darauffolgenden Zeit begab sich Norman Baltrusch auf weitere Erforschung der ehemaligen jüdischen Gemeinde des Ortes. Die Ergebnisse präsentierte er am 15. Januar 2026 im Rahmen eines öffentlichen Vortrages über die „Jüdischen Spuren in Lank-Latum“ für den Heimatkreis Lank in der Teloy-Mühle.[2] Auf Basis seiner weiteren neuen Erkenntnisse, konnte er für den Heimatkreis Lank weitere zehn Stolpersteine bei der Stiftung Stolpersteine in Auftrag geben. Davon wurden neun am 15. April 2026 verlegt und vervollständigen das Andenken an die ehemaligen jüdischen Bürger von Lank-Latum.
Somit wurden in Summe 25 von 26 Stolpersteinen für sechs Familien verlegt. Der nicht verlegte Stolperstein gilt dem Andenken eines Kindes der Familie Joosten, Benno-Arend, das erst nach der Flucht in Utrecht geboren wurde, aber im familiären Zusammenhang hätte verlegt werden sollen.
Im Zuge der Deportation von Juden aus Deutschland begannen auch die Deportationen ab Lank-Latum mit einem LKW-Transport zum Krefelder Hauptbahnhof, von wo der Weitertransport in separaten Personen- mit angehängten Gepäckwaggons zum Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf durchgeführt wurde. Die jüdischen Menschen wurden so am Abend vor der eigentlichen Deportation im Schlachthof an der Rather Straße registriert. Letzte Dokumente wie eine Vermögenserklärung mussten abgegeben werden und mittels Leibesvisitationen und Gepäckkontrolle wurden sie ihrer letzten Wertsachen beraubt. Am darauffolgenden Tag wurden sie über die Verladerampen in Personenwaggons 3. Klasse mit anhängenden Gepäckwaggons in Transporten von etwa 1000 Personen deportiert. Die Lank-Latumer Juden wurden am 11. Dezember 1941 ins Ghetto Riga (1007 Personen), am 22. April 1942 ins Ghetto Izbica bei Lublin (1051) und am 25. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt (980) deportiert.[3]
Die Stolpersteine
| Bild | Adresse und Verlegedatum | Pers. Daten | Inschrift | Informationen |
|---|---|---|---|---|
| Familie Joosten | ||||
| Hauptstr. 7, 40668 Meerbusch-Lank-Latumer, genauer Verlegeort Erstverlegung 15. April 2026 |
Benjamin Joosten, geboren am 7. Oktober 1877 in Termunten, Niederlande.[4] | HIER WOHNTE BENJAMIN JOOSTEN JG. 1877 FLUCHT 1933 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT |
Die Familie Joosten zog im Jahr 1922 von Groningen, Niederlande kommend nach Lank-Latum und gründete eine Viehhandlung. Ab 1924 wohnten sie an der Hauptstr. 7 mit angrenzender Stallung zur Webergasse hin. Unmittelbar nach der Machtergreifung stellte der Familienvater den Geschäftsbetrieb ein. Die Liegenschaft wurde noch 1933 versteigert und die Familie meldete sich nach Utrecht ab.
Während sich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen und der Besetzung der Niederlande die Eltern und die jüngeren Söhne bei Niederländern verstecken konnten, wurden die beiden ältesten und bereits selbständigen Söhne Arend und Philip im Durchgangslager Westerbork inhaftiert. Philip wurde am 31. August 1942 und Arend am 31. August 1943 nach Auschwitz deportiert. Als Todesdatum wurde später der 31. März 1944 festgelegt. Am Ende des 2. Weltkrieges haben von fast sechzig Familienmitgliedern nur elf den Holocaust überlebt. | |
| Mietje Joosten geb. Philip, geboren am 22. November 1893 in Steenderen, Niederlande.[5] | HIER WOHNTE MIETJE JOOSTEN GEB. PHILIPS JG. 1893 FLUCHT 1933 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT | |||
| Arend Joosten, geboren am 11. Februar 1916 in Groningen, Niederlande.[6] | HIER WOHNTE AREND JOOSTEN JG. 1916 FLUCHT 1933 UTRECHT IM WIDERSTAND VERHAFTET 1943 DEPORTIERT 1943 AUSCHWITZ ERMORDET 31.3.1944 | |||
| Philip Joosten, geboren am 28. Dezember 1916 in Groningen, Niederlande.[7] | HIER WOHNTE PHILIP JOOSTEN JG. 1916 FLUCHT 1933 UTRECHT DEPORTIERT 1942 AUSCHWITZ ERMORDET 31.3.1944 | |||
| Joost Joosten, geboren am 5. Mai 1919 in Groningen, Niederlande. | HIER WOHNTE JOOST JOOSTEN JG. 1919 FLUCHT 1933 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT | |||
| Salko Joosten, geboren am 21. Mai 1921 in Groningen, Niederlande. | HIER WOHNTE SALKO JOOSTEN JG. 1921 FLUCHT 1933 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT | |||
| Rolf Joosten, geboren am 26. Juni 1931 in Lank-Latum.[8][9] | HIER WOHNTE ROLF JOOSTEN JG. 1931 FLUCHT 1933 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT | |||
| Benno-Arend Joosten, geboren am 25. August 1937 in Utrecht, Niederlande. | BENNO-AREND JOOSTEN JG. 1937 UTRECHT VERSTECKT ÜBERLEBT | |||
| Familie Leopold | ||||
| Bismarckstr. 16, 40668 Meerbusch-Lank-Latum genauer Verlegeort Erstverlegung für Moritz und Josefine Leopold 15. April 2026 Erstverlegung für Clara Rieser und Else Samson 5. Juni 2024 |
Moritz Leopold, geboren am 3. Januar 1881 in Bad Honnef.[10] | HIER WOHNTE MORITZ LEOPOLD JG. 1881 DEPORTIERT 1942 TRANSIT-GHETTO IZBICA ERMORDET |
Moritz Leopold betrieb in Lank-Latum einen Kleinviehhandel. Im 1. Weltkrieg war er als Frontkämpfer im Einsatz. Die Tochter Clara, die als Textilverkäuferin gearbeitet hatte, heiratete den jüdischen Textilingenieur Otto Rieser und folgte ihm 1938 in die Emigration nach Argentinien. Während der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde Moritz Leopold verhaftet und zunächst im örtlichen Spritzenhaus untergebracht. Danach kam er in das Zuchthaus Anrath, aus dem man ihn nach sechs Wochen entließ. Im Dezember 1938 mussten die Leopolds ihr Haus an der Bismarckstraße 16 in Lank-Latum verkaufen, konnten aber zunächst dort wohnen bleiben. Die Tochter Else emigrierte im Juli 1939 nach England und heiratet dort den Essener Juden Werner Samson, mit dem sie nach New York ausreiste. Moritz und Josefine Leopold mussten schließlich ausziehen und kamen in einem verwohnten Gebäude in Krefeld-Linn unter, Issumer Straße 15, das noch dem jüdischen Viehhändler Arthur Daniels (Stolpersteine für Arthur Daniels und Familie) gehörte. Moritz Leopold musste bei den IG-Farben in Uerdingen Zwangsarbeit leisten. Josefine und Moritz Leopold wurden am 22. April 1942 in das Transit-Ghetto Izbica deportiert. An der Issumer Straße liegen ebenfalls Stolpersteine für die Eheleute Leopold (Stolpersteine für die Eheleute Leopold an der Issumer Str. 15 in Krefeld-Linn), da jedoch die Bismarckstraße 16 der letzte frei gewählte Wohnsitz und Lebensmittelpunkt war, wurden hier ebenso Stolpersteine verlegt. | |
| Josefine Leopold geb. Jesse, geboren am 3. September 1881 in Bonn-Kessenich.[11] | HIER WOHNTE JOSEFINE LEOPOLD GEB. JESSE JG. 1881 DEPORTIERT 1942 TRANSIT-GHETTO IZBICA ERMORDET | |||
| Clara Rieser geb. Leopold, geboren am 18. Mai 1909 in Lank-Latum.[12] | HIER WOHNTE CLARA RIESER GEB. LEOPOLD JG. 1909 FLUCHT 1938 ARGENTINIEN | |||
| Else Samson geb. Leopold, geboren am 24. April 1914 in Lank-Latum. | HIER WOHNTE ELSE SAMSON GEB. LEOPOLD JG. 1914 FLUCHT 1939 ENGLAND | |||
| Familie Levy | ||||
| Mühlenstr. 6, 40668 Meerbusch-Lank-Latum genauer Verlegeort Erstverlegung 5. Juni 2024 |
Alfred Levy, geboren am 7. März 1889 in Grefrath, Kreis Viersen.[13] | HIER WOHNTE ALFRED LEVY JG. 1889 ‘SCHUTZHAFT‘ 1938 KZ DACHAU DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA KZ STUTTHOF ERMORDET |
Alfred Levy war ein angesehener Viehhändler, Kaufmann und betrieb eine Versicherungsagentur in Grefrath im Kreis Viersen. Er war darüber hinaus Mitbegründer und 1. Vorsitzender (14. Oktober 1910 – 1912) im Sportverein Grefrath 1910 e.V. Nach Auflösung des Geschäftes und Verkauf der Liegenschaften zog er etwa Ende 1939 mit seiner Familie in den Heimatort der Ehefrau, nach Lank-Latum. Hier fanden sie Unterkunft bei der jüdischen Familie Salomon auf der Mühlenstr. 6.
Vom 17. November bis 22. Dezember 1938 war Alfred Levy im KZ Dachau interniert. Die Deportation am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf ins Ghetto Riga erfolgte zusammen mit der Familie von Alfred Salomon. Von Klara Levy verliert sich dort die Spur. Alfred wurde weiter ins KZ Stutthof verbracht, wo sich seine Spur verliert. Der Sohn Gerd wurde am 16. August 1944 ins KZ Buchenwald eingeliefert und dort am 9. Februar 1945 ermordet. | |
| Klara Levy geb. Wyngaard, geboren am 3. Februar 1889 in Lank-Latum.[14] | HIER WOHNTE KLARA LEVY GEB. WYNGAARD JG. 1889 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA ERMORDET | |||
| Gerd Levy, geboren am 12. Mai 1925 in Grefrath, Kreis Viersen.[15] | HIER WOHNTE GERD LEVY JG. 1925 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA 1944 KZ STUTTHOF KZ BUCHENWALD ERMORDET 9.2.1945 | |||
| Familie Salomon | ||||
| Mühlenstr. 6, 40668 Meerbusch-Lank-Latum genauer Verlegeort Erstverlegung 5. Juni 2024 |
Wilhelmine Salomon geb. Levi, geboren am 13. Mai 1855 in Otzenrath.[16] | HIER WOHNTE WILHELMINE SALOMON GEB. LEVI JG. 1855 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 24.9.1942 |
Die Familie von Alfred und Fanny Salomon wurde am 11. Dezember 1941 zusammen mit der bei ihnen im Haus wohnenden dreiköpfigen Familie Levy ins Ghetto Riga deportiert.
Die Spuren von Vater Alfred und Sohn Helmut verlieren sich dort. Mutter Fanny und Tochter Margot wurden am 9. August 1944 ins KZ Stutthof verbracht. Während sich Margots Spur dort verliert, wurde Fanny dort am 1. Januar 1945 ermordet. Gustav Salomon starb eines natürlichen Todes am 9. April 1942 und war die letzte Beisetzung auf dem jüdischer Friedhof Lank-Latum. Wilhelmine Salomon wurde mit 87 Jahren am 25. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie starb dort am 24. September 1942. | |
| Gustav Salomon, geboren am 8. März 1886 in Lank-Latum.[17] | HIER WOHNTE GUSTAV SALOMON JG. 1886 ‘SCHUTZHAFT‘ 1938 KZ DACHAU ENTLASSEN 15.12.1938 TOT 9.4.1942 | |||
| Alfred Salomon, geboren am 19. Juli 1882 in Lank-Latum.[18] | HIER WOHNTE ALFRED SALOMON JG. 1882 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA ERMORDET | |||
| Fanny Salomon geb. Salmon, geboren am 24. März 1895 in Odenkirchen.[19] | HIER WOHNTE FANNY SALOMON GEB. SALMON JG. 1895 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA 1944 KZ STUTTHOF ERMORDET 1.1.1945 | |||
| Helmut Salomon, geboren am 23. September 1919 in Lank-Latum.[20] | HIER WOHNTE HELMUT SALOMON JG. 1919 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA ERMORDET | |||
| Margot Salomon, geboren am 14. April 1924 in Lank-Latum.[21] | HIER WOHNTE MARGOT SALOMON JG. 1924 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA 1944 KZ STUTTHOF ERMORDET | |||
| Familie Waldvogel | ||||
| Hauptstr. 94, 40668 Meerbusch-Lank-Latumgenauer Verlegeort Erstverlegung 5. Juni 2024 |
Jacob Waldvogel, geboren am 12. Februar 1900 in Lodz, Polen.[22] | HIER WOHNTE JACOB WALDVOGEL JG. 1900 FLUCHT 1936 URUGUAY |
Jacob Waldvogel eröffnete 1929 in Lank-Latum seine Zahnarztpraxis. Nach der Machtergreifung 1933 erfolgten erste Schikanen durch die SA. Er beschloss die Auswanderung nach Uruguay. Nach dem Verkauf der Praxis 1936 wurde hierzu die Genehmigung erteilt. Die Familie hat sich somit gerettet. | |
| Irma Waldvogel geb. Stahl, geboren am 16. August 1904 in Medebach.[23] | HIER WOHNTE IRMA WALDVOGEL GEB. STAHL JG. 1904 FLUCHT 1936 URUGUAY | |||
| Ruth Waldvogel, geboren am 12. April 1932 in Lank-Latum. | HIER WOHNTE RUTH WALDVOGEL JG. 1932 FLUCHT 1936 URUGUAY | |||
| Familie Wyngaard | ||||
| Uerdinger Str. 95, 40668 Meerbusch-Lank-Latum genauer Verlegeort Erstverlegung 5. Juni 2024 |
Antonie Wyngaard geb. Franken, geboren am 6. Dezember 1860 in Kalkar.[24] | HIER WOHNTE ANTONIE WYNGAARD GEB. FRANKEN JG. 1860 DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT ERMORDET 24.10.1942 |
1938 musste die Witwe Antonie Wyngaard mit ihrem Sohn Oskar den Grundbesitz in Lank-Latum verkaufen. Beide zogen daraufhin 1939 in Krefelder Judenhäuser. Oskar Wyngaard heiratete dort Johanna Italiander, bevor sie am 11. Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert wurden. Der Stolperstein für Johanna Wyngaard, geb. Italiander, liegt in Krefeld an ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz, an der Rheinstraße 67.
Antonie Wyngaard wurde am 25. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 24. Oktober 1942 verstarb. Der Leidensweg von Oskar Wyngaard hatte folgende Stationen: im November 1944 Deportation in KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen/Baden-Württemberg, in das Außenlager KZ Natzweiler-Struthof/Elsass, weitere Deportation am 14. Februar 1945 in das KZ Dautmergen/Baden-Württemberg, Außenlager KZ Natzweiler-Struthof/Elsass. Dort wurde er am 7. März 1945 ermordet. | |
| Oskar Wyngaard, geboren am 13. Februar 1898 in Lank-Latum.[25] | HIER WOHNTE OSKAR WYNGAARD JG. 1898 DEPORTIERT 1941 GHETTO RIGA 1944 KZ STUTTHOF KZ-AUSSENLAGER HAILFINGEN-TAILFINGEN DAUTMERGEN ERMORDET 7.3.1945 | |||