London School of Medicine for Women
mediziische Hochschule in London (1874)
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Die London School of Medicine for Women (LSMW) war die erste medizinische Hochschule in Großbritannien, die Frauen zu Ärztinnen ausbildete.[1] Die Fördererinnen, Vizepräsidentinnen und Mitglieder des Komitees, welche die London School of Medicine for Women unterstützten und mitbegründeten, wollten gebildeten Frauen die notwendigen Einrichtungen bieten, um die Hebammenkunde und andere Bereiche der Medizin zu erlernen und auszuüben, und gleichzeitig ihre zukünftige Beschäftigung in der Geburtshilfe und anderen Bereichen der Behandlung von Frauen und Kindern fördern.[2]
| London School of Medicine for Women | |
|---|---|
| Gründung | 1874 |
| Trägerschaft | Privat |
| Ort | London, Großbritannien |
1877 nahm das Royal Free Hospital Studentinnen der LSMW auf, um dort ihre klinischen Studien zu absolvieren. 1896 wurde es in London Royal Free Hospital School of Medicine for Women umbenannt und Teil der Universität London. 1947 wurde die Schule koedukativ und erhielt den Namen Royal Free Hospital School of Medicine.
1998 fusionierte die Schule mit der medizinischen Fakultät des University College Hospital unter dem neuen Namen Royal Free and University College Medical School. 2008 wurde dieser Name auf UCL Medical School verkürzt.
Geschichte

Die Schule wurde 1874 von den Pionierinnen der Medizin, Sophia Jex-Blake, Elizabeth Garrett Anderson, Emily Blackwell und Elizabeth Blackwell, gemeinsam mit Thomas Henry Huxley gegründet. Die Gründung war zumindest teilweise durch Jex-Blakes frustrierte Versuche motiviert, einen medizinischen Abschluss zu erlangen, da Frauen zu dieser Zeit nicht zu britischen medizinischen Fakultäten zugelassen waren und sie deshalb von der Universität Edinburgh verwiesen wurde (Edinburgh Seven).[3] Andere Frauen, die mit Jex-Blake in Edinburgh studiert hatten, schlossen sich ihr an der Londoner Schule an, darunter Isabel Thorne, die 1877 ihre Nachfolge als Ehrensekretärin antrat. Sie ging nach Edinburgh, um dort eine Arztpraxis zu eröffnen und 1886 die Edinburgh School of Medicine for Women zu gründen.

Das britische Ärztegesetz von 1876 (39 und 40 Vict, Ch. 41) hob das vorherige Ärztegesetz im Vereinigten Königreich auf und erlaubte den medizinischen Behörden, allen qualifizierten Bewerbern unabhängig vom Geschlecht eine Approbation zu erteilen.[4][5][6] 1877 wurde eine Vereinbarung mit dem Royal Free Hospital getroffen, die es Studentinnen der London School of Medicine for Women ermöglichte, ihr klinisches Studium dort zu absolvieren. Das Royal Free Hospital war das erste Lehrkrankenhaus in London, das Frauen zur Ausbildung zuließ.
Elizabeth Garrett Anderson war von 1883 bis 1903 Dekanin der Schule, während diese wiederaufgebaut, in die Universität London eingegliedert und die Verbindung zum Royal Free Hospital gefestigt wurde. 1896 wurde die Schule offiziell in London (Royal Free Hospital) School of Medicine for Women umbenannt.
1894 schloss die bekannte indische Feministin Rukhmabai ihr Medizinstudium an der London School of Medicine for Women ab. Die Zahl der indischen Studentinnen stieg stetig an, sodass die Schule 1920 in Zusammenarbeit mit dem India Office ein Wohnheim für indische Medizinstudentinnen eröffnete.
Im Jahr 1914 wurde die Schule aufgrund der hohen Zahl an Studentinnen, die Medizin studieren wollten, weiter ausgebaut, wodurch die Anzahl der Labore und Hörsäle verdoppelt werden musste.[3] Zum Zeitpunkt der Erweiterung waren über 300 Studentinnen eingeschrieben, was die Schule zum größten Frauen-College Großbritanniens machte.[3]
Fusion mit der medizinischen Fakultät des University College Hospital
Ab 1947 wurden auch Männer an der Schule aufgenommen und sie trug fortan den Namen Royal Free Hospital School of Medicine.[7] Mehrmals drohte ihr die Schließung, doch die Schule blieb bis 1998 unabhängig, als sie mit der University College Hospital Medical School zur Royal Free and University College Medical School fusionierte. Diese ist heute als „UCL Medical School“ bekannt.[8]
Das Gebäude beherbergte später das British College of Acupuncture und im Jahr 2008 das Hunter Street Health Center.[8]
Gründerinnen
Elizabeth Blackwell
Elizabeth Blackwell war die erste Frau aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die einen medizinischen Abschluss erwarb.[9] Sie wurde am 3. Februar 1821 in Bristol, England, als drittes von neun Kindern geboren. Zu ihren zahlreichen Verwandten zählten auch berühmte Persönlichkeiten, darunter ihr Bruder Henry, ein bekannter Abolitionist und Verfechter der Frauenrechte.
1832 wanderte Blackwell mit ihrer Familie nach Amerika aus und ließ sich in Cincinnati, Ohio, nieder. 1838 starb ihr Vater, Samuel Blackwell, was die Familie inmitten einer nationalen Wirtschaftskrise in große Not brachte. Daher nahm Blackwell, zusammen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern, ihre erste Anstellung als Lehrerin an. Ihre Begeisterung für die Medizin entfachte ein Gespräch mit einer sterbenden Freundin, in dem sie äußerte, ihre Situation wäre besser gewesen, wenn sie Ärztin geworden wäre. Während ihrer Lehrtätigkeit nahm Blackwell zwei Ärzte aus dem Süden als Untermieter auf und erwarb durch deren Mentorschaft erste fundierte medizinische Kenntnisse.[9]
1847 bewarb sich Blackwell an Universitäten und wurde überall abgelehnt, außer vom Geneva College, welches sie – eher aus Jux (practical joke) – aufnahm.[9] Nach jahrelanger Diskriminierung schloss Blackwell ihr Studium schließlich als Jahrgangsbeste ab und erwarb sich nach und nach den Respekt ihrer Professoren und Dozenten. Anschließend kehrte sie nach New York City zurück und eröffnete mit Unterstützung ihrer Quäkerfreunde eine kleine Klinik. Dort bot sie während des Bürgerkriegs Ärztinnen Stellen an und bildete Krankenschwestern für die Lazarette der Unionstruppen aus.
1869 verließ sie New York City, um nach England zurückzukehren. Von 1875 bis 1877 lehrte sie Gynäkologie an der neu erbauten London School of Medicine for Women.[9]
Sophia Jex-Blake
Sophia Jex-Blake wurde 1840 in Hastings, Großbritannien, geboren.[10] Nach dem Besuch verschiedener Privatschulen besuchte sie das Queen’s College. Jex-Blakes Berufswunsch, Medizin zu studieren, führte sie zu dem Wunsch, sich an der Universität Edinburgh einzuschreiben. Dieser Wunsch wurde jedoch dadurch vereitelt, dass Frauen an der Universität nicht zugelassen waren. Um dies zu ändern, klagte Jex-Blake gegen die Universität, verlor den Prozess jedoch.
1889 wurde per Parlamentsbeschluss die Zulassung von Frauen zu akademischen Graden beschlossen, was maßgeblich auf Jex-Blakes Kampf zurückzuführen war. Dadurch konnte Sophia Jex-Blake eine der ersten Ärztinnen in Großbritannien werden. Anschließend gründete sie die London School of Medicine for Women sowie die Edinburgh School of Medicine for Women mit.[10]
Elizabeth Garrett Anderson
Elizabeth Garrett Anderson wurde in Whitechapel, London, geboren und genoss eine gute Ausbildung. Nach der Begegnung mit Elizabeth Blackwell beschloss sie, Medizin zu studieren. Nachdem sie sich erfolglos an mehreren medizinischen Fakultäten beworben hatte, begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester am Middlesex Hospital und wurde 1866 zur medizinischen Hilfskraft an St. Mary’s Dispensary ernannt. Da sie weiterhin Ärztin werden wollte, absolvierte Anderson erfolgreich ein Medizinstudium in Frankreich.[11]
Nach ihrer Rückkehr nach London wirkte Anderson an der Gründung des New Hospital for Women an St. Mary’s Dispensary und der London School of Medicine for Women mit. Später, nachdem sie 1883 zur Dekanin ernannt worden war, leitete Anderson den Ausbau der London School und berief Blackwell zur Professorin für Gynäkologie. Die Schule wurde später in Elizabeth Garrett Anderson Hospital umbenannt und schließlich in die Universität London eingegliedert.[11]
Alumnae
- Isabella Bartholomew Mears, medizinische Missionarin in China, Gründerin und Leiterin des Woodburn-Sanatoriums und Übersetzerin chinesischer Texte. Eingetragen 1875.
- Dame Louisa Aldrich-Blake, die erste Frau in Großbritannien, welcher der Titel Master of Surgery verliehen wurde Master of Surgery.[12]
- Florence Barrett, beratende Chirurgin am Mothers’ Hospital in Clapton und am Royal Free Hospital in London, Abschluss 1906
- Diana Beck, beratende Neurochirurgin am Middlesex Hospital, Abschluss 1925
- Julia Bell, Humangenetikerin und Mitglied des Royal College of Physicians, Abschluss 1920
- Rosemary Biggs, Haematologin, Abschluss 1943
- Margery Blackie, Homeopathin von Queen Elisabeth II.,[13] Abschluss 1923
- Mary Alice Blair, Chirurgin und Verwaltungsleiterin am Scottish Women’s Hospitals for Foreign Service, Abschluss 1910
- Margaret Boileau, Ärztin und Chirurgin aus Norfolk, Abschluss 1906
- Ruth Bowden, Professorin für Anatomie an der Royal Free Hospital School of Medicine, Abschluss 1940
- Winifred Buckley, Armeechirurgin am Endell Street Military Hospital, Abschluss ca. 1910
- Fanny Jane Butler, Absolventin des ersten Jahrgangs 1880; bekannt als erste englische, vollständig ausgebildete medizinische Missionarin in Indien
- Dame Hilda Bynoe, Gouverneurin von Grenada, Abschluss 1951
- Phillis Emily Cunnington, Sammlerin, Schriftstellerin und Historikerin für Kostüm und Mode, Abschluss 1918
- Janet Elizabeth Lane-Claypon, Mitbegründerin der wissenschaftlichen Epidemiologie, Abschluss 1901
- Eleanor Davies-Colley, Chirurgin, erstes weibliches Mitglied des Fellowship of the Royal Colleges of Surgeons (FRCS), Mitbegründerin des South London Hospital for Women and Children, Abschluss 1907
- Katharine Dormandy, Haematologin am Royal Free Hospital, Abschluss 1951
- Eva Frommer, Pionierin der Kinderpsychiatrie, Gründerin des Children’s Day Hospital (Kinderkrankenhaus) und Gründungsmitglied des Royal College of Psychiatrists, Abschluss 1952
- Frances Gardner, beratende Kardiologin am Royal Free Hospital, Abschluss 1940
- Louisa Garrett Anderson, Mitgründerin des Women’s Hospital for Children, Mitgründerin und Chief Surgeon des Women’s Hospital Corps, Abschluss ca. 1897
- Mary Gordon, erste weibliche britische Gefängnisinspektorin, Abschluss 1890
- Mary Esther Harding, Analytische Psychologin, Abschluss 1910
- Dorothy Christian Hare, medizinische Direktorin des Women's Royal Naval Service
- Charlotte Leighton Houlton, leitende Ärztin des Women’s Medical Service of India (1935–1939)
- Jerusha Jhirad, erste indische Frau mit einem Abschluss in Geburtshilfe und Gynäkologie, Abschluss 1919
- Mary Lucas Keene, Professorin für Anatomie, Abschluss 1911
- Una Ledingham, Expertin zu Diabetes und Schwangerschaft, Abschluss 1927
- Katharine Lloyd-Williams, Anästhesistin, Abschluss 1926
- Margaret Lowenfeld, Kinderpsychologin, Psychotherapist und Pädiaterin, Abschluss 1918
- Isabella Macdonald Macdonald, Abschluss 1888
- Helen Mackay, erste weibliche Fellow des Royal College of Physicians
- Flora Murray, Mitgründerin des Women’s Hospital for Children und des Women’s Hospital Corps, Abschluss ca. 1895
- Christine Murrell, erstes weibliches Mitglied des British Medical Association Central Council (Zentralrat), Abschluss 1899
- Doris Lyne Officer, Abschluss 1921
- Elizabeth Margaret Pace, Gynäkologin, Abschluss 1891
- Sylvia Payne, Präsidentin der British Psychoanalytical Society
- Innes Hope Pearse, Mitgründerin des Pioneer Health Centre und des Peckham Experiment, Abschluss 1915
- Frances Helen Prideaux, „eine der ausgezeichnetsten Studentinnen“ („one of the most distinguished students“) der Schule und erste Frau, die in einem offenen Bewerbungverfahren mit Männern in einem Londoner Spital angestellt wurde, Abschluss 1884
- Gladys Maud Sandes, Chirurgin, Spezialisten für Geschlechtskrankheiten, erste Ärztin am London Lock Hospital, Abschluss 1922
- Sophia Seekings Friel, eine der ersten Maternity and Child Welfare Inspectors (Inspektorin für Mutter- und Kindswohl) und Mitgründerin der Tottenham School for Mothers
- Edith Shove, Abschluss 1882
- Honor Smith, Neurologin, Abschluss 1937
- Alice Stewart, Epidemiologin (radiation risk), Abschluss 1899
- Mary Sturge, Abschluss 1891
- Ethel Vaughan-Sawyer, Gynäkologische Chirurgin
- Alice Vickery, erste britische Frau sich als Chemikerin und Drogistin qualifizierte
- Jane Elizabeth Waterston, Abschluss 1880; erste Doktorin in Südafrika
- Elizabeth Mary Wells, Missionari und Doktorin in Ostafrika
- Lucy Wills, entdeckte einen Nährstoff in Hefe (Folat), der makrozytäre Anämie in der Schwangerschaft verhindert
- Helen Mary Wilson, Arztin und Sozialarbeiterin.
- Helena Rosa Wright, Chirurgin, Pionierin der Geburtenkontrolle in Großbritannien und international, Abschluss 1914
- Henrietta Stanley, Baroness Stanley of Alderley, eine der Unterstützerinnen der London School of Medicine for Women.
Literatur
- Gayle Greene: The Woman Who Knew Too Much. University of Michigan Press 2001. ISBN 0-472-08783-5
- Genesis: Developing Access to Women’s History Sources in the British Isles. (englisch).
- Shompa Lahiri: Indians in Britain. Routledge, London 1999. ISBN 0-7146-8049-4
- Neil McIntyre: How British Women Became Doctors: The Story of the Royal Free Hospital and its Medical School. Wenrowave Press 2014.
- John Richardson: The Annals of London. University of California Press 2000. ISBN 0-520-22795-6 Archivlink
- Anne Witz: Professions and Patriarchy. Routledge, London 1992. ISBN 0-415-07044-9
Weblinks
- Archives of the Royal Free Hospital. royalfree.nhs.uk. Archivlink
- Lists of London School of Medicine for Women students. shl.lon.ac.uk Archivlink
- The Global Library of Women’s Medicine. glowm.com