Lucas Pinheiro Braathen

brasilianisch-norwegischer Skirennläufer From Wikipedia, the free encyclopedia

Lucas Pinheiro Braathen (* 19. April 2000 in Oslo) ist ein norwegisch-brasilianischer Skirennläufer. Er ist weitgehend auf die technischen Disziplinen Riesenslalom und Slalom spezialisiert und startet seit der Saison 2024/25 für Brasilien, das Heimatland seiner Mutter. Sein größter Erfolg ist der Gewinn der Goldmedaille im Riesenslalom bei den Olympischen Winterspielen 2026, womit er die erste Goldmedaille für Brasilien und die erste Medaille für ein südamerikanisches Land bei Olympischen Winterspielen gewinnen konnte.[1]

Schnelle Fakten Karriere, Medaillenspiegel ...
Lucas Pinheiro Braathen
Lucas Pinheiro Braathen mit seiner olympischen Goldmedaille im Riesenslalom, 2026
Nation Norwegen Norwegen (bis 2022/23)
Brasilien Brasilien (seit 2024/25)
Geburtstag 19. April 2000 (26 Jahre)
Geburtsort Oslo, Norwegen
Größe 183 cm
Karriere
Disziplin Riesenslalom, Slalom, Super-G
Verein Bærums Skiklub
Trainer Michael Pircher
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympische Winterspiele 1 × Goldmedaille 0 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
Junioren-WM 0 × Goldmedaille 2 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
Teilnehmer für Brasilien Brasilien
 Olympische Winterspiele
Gold Mailand-Cortina 2026 Riesenslalom
Teilnehmer für Norwegen Norwegen
 Alpine Ski-Juniorenweltmeisterschaften
Silber Davos 2018 Mannschaft
Silber Fassatal 2019 Super-G
Bronze Fassatal 2019 Kombination
Platzierungen im Alpinen Skiweltcup
 Einzel-Weltcupdebüt 8. Dezember 2018
 Einzel-Weltcupsiege 8
 Gesamtweltcup 2. (2025/26)
 Super-G-Weltcup 39. (2022/23)
 Riesenslalomweltcup 1. (2025/26)
 Slalomweltcup 1. (2022/23)
 Parallelweltcup 10. (2019/20)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Riesenslalom 4 7 0
 Slalom 4 4 6
letzte Änderung: 16. April 2026
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Biografie

Braathen ist der Sohn eines Norwegers und einer Brasilianerin. Seine Eltern trennten sich kurz nach seiner Geburt und er wuchs bei seinem Vater in Norwegen auf. Während seiner Jugend hielt er sich jedoch auch häufig und länger in Brasilien auf.[1] In einem Interview mit Associated Press im Januar 2026 charakterisierte er sich als „Mensch in zwei Kulturen“.[2] Er lackiert sich gelegentlich die Fingernägel, ist sehr modebewusst und trat unter anderem im Januar 2024 als Model auf dem Laufsteg in einer Modeschau in Kopenhagen auf.[3]

Ski-Karriere

Das Skifahren erlernte er im Alter von drei Jahren, hingegen begann er relativ spät, als Neunjähriger, eine Skisportkarriere anzustreben. Seine Ausbildung erhielt er am Skigymnasium in Oslo.[4] Im Dezember 2016 nahm er als 16-Jähriger erstmals an FIS-Rennen teil. Aufgrund guter Ergebnisse auf dieser Stufe konnte er bereits ein Jahr später die ersten Einsätze im Europacup bestreiten. Ebenfalls im Dezember 2017 gelang ihm der erste Sieg in einem FIS-Rennen, acht weitere Siege folgten bis zum Ende des Winters 2017/18.

Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2018 in Davos gewann Braathen die Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb, bestes Ergebnis in einem Einzelrennen war ein sechster Platz. Am 5. Dezember 2018 erzielte er mit Platz zwei im Riesenslalom von Funäsdalen die erste Europacup-Podestplatzierung. Nur drei Tage später, am 8. Dezember, hatte er sein Debüt im Weltcup. Mit Startnummer 60 fuhr er im Riesenslalom von Val-d’Isère auf Rang 26 und gewann damit auf Anhieb Weltcuppunkte. Am 18. Dezember 2018 folgte in Andalo sein erster Sieg im Europacup, dem er im Januar zwei weitere folgen ließ. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 2019 im Fassatal holte er die Silbermedaille im Super-G und die Bronzemedaille in der Kombination. Mit insgesamt drei Siegen und drei weiteren Podestplätzen entschied er im Winter 2018/19 die Riesenslalomwertung des Europacups für sich.

In der Weltcupsaison 2019/20 erlebte Braathen einen raschen Aufstieg. Bereits zum Saisonauftakt, beim Riesenslalom von Sölden am 27. Oktober 2019, fuhr er überraschend auf den sechsten Platz und erzielte damit sein erstes Top-10-Ergebnis. Am 23. Dezember 2019 belegte er beim Parallelrennen von Alta Badia den fünften Platz, am 26. Januar 2020 im Slalom von Kitzbühel den vierten Platz (nach Bestzeit im ersten Lauf mit Startnummer 34).[5] Zu Beginn der Weltcupsaison 2020/21 gewann er am 18. Oktober 2020 mit dem Riesenslalom in Sölden sein erstes Weltcuprennen. Beim Riesenslalom von Adelboden am 8. Januar 2021 belegte er zwar den siebten Platz, stürzte aber unmittelbar nach Passieren der Ziellinie schwer und zog sich dabei einen Seitenbandriss zu, wodurch er die gesamte restliche Saison verpasste.[6]

Am 16. Januar 2022 errang Braathen in Wengen auf spektakuläre Weise seinen ersten Weltcupsieg in einem Slalom. Nachdem er im ersten Lauf noch auf Platz 29 gelegen hatte, überholte er im zweiten Lauf sämtliche vor ihm liegenden Konkurrenten; dies war zugleich seine erste Podestplatzierung in dieser Disziplin.[7] In der Saison 2022/23 gehörte Braathen endgültig zu den besten Skirennläufern der Welt. Er gewann die Slaloms in Val-d’Isère und Adelboden, hinzu kam ein Riesenslalom-Sieg in Alta Badia. Entsprechend war er einer der meistgenannten Favoriten für die Weltmeisterschaften 2023. Doch eine Woche vor Beginn der Titelkämpfe musste er sich einer Blinddarmoperation unterziehen und einige Tage im Krankenhaus verbringen. Er verzichtete auf den WM-Riesenslalom in Courchevel, trat jedoch zum Slalom an und erreichte den siebten Platz.[8] Mit insgesamt sechs Podestplätzen entschied er die Slalom-Disziplinenwertung im Weltcup für sich.[9]

Zerwürfnis mit dem norwegischen Verband

Lucas Braathen im Canalone Miramonti in Madonna di Campiglio, 22. Dezember 2022.

Am 27. Oktober 2023 gab Braathen im Alter von 23 Jahren überraschend sein Karriereende bekannt. Grund war ein Streit mit dem norwegischen Skiverband über seine Vermarktungsrechte.[10][11] Außerdem kritisierte er, dass er monatelang einer negativen Medienkampagne ausgesetzt gewesen sei, die ihn als egoistisch und gierig dargestellt habe.[12] Eine Woche zuvor hatte er außerdem die Gestaltung des FIS-Rennkalenders kritisiert, die es ihm nicht ermögliche, zukünftig an mehr Super-G-Rennen teilzunehmen.[13]

Am 6. März 2024 erklärte Braathen gegenüber Globo Esporte, er wolle für den brasilianischen Skiverband in den alpinen Skiweltcup zurückkehren.[14] Die offizielle Ankündigung erfolgte am Tag darauf auf einer von seinem Sponsor Red Bull in Salzburg einberufenen Pressekonferenz.[15]

Start für Brasilien

Am 27. Oktober 2024 bestritt Pinheiro Braathen sein erstes Weltcuprennen für Brasilien, wobei er mit Rang 4 auf Anhieb Weltcuppunkte gewinnen konnte. Es waren dies zugleich die ersten Weltcuppunkte für einen brasilianischen Skirennläufer überhaupt. Etwas mehr als einen Monat später, am 8. Dezember, erreichte er mit Rang 2 beim Riesenslalom von Beaver Creek seinen ersten Podestplatz für Brasilien. Es war dies zugleich der erste Podestplatz für eine südamerikanische Nation im Alpinen Skiweltcup. Am 11. Januar 2025 belegte er im Slalom von Adelboden ebenfalls einen zweiten Platz, hinter Clément Noël und am 26. Januar 2025 wurde er beim Slalom in Kitzbühel Dritter. Am 16. November 2025 belegte er beim Slalom in Levi den 1. Platz und sorgte damit für den ersten Weltcupsieg Brasiliens im Skiweltcup. Pinheiro Braathen ist zudem der erste Skirennläufer, der Weltcuprennen für verschiedene Nationen gewinnen konnte. Bei den Damen war dies zuvor bereits Katharina Gutensohn gelungen.

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 war Pinheiro Braathen zusammen mit Nicole Rocha Silveira der brasilianische Fahnenträger.[16] Beim Riesenslalom gewann er die die erste Goldmedaille für Brasilien bei Olympischen Winterspielen.

Erfolge

Olympische Spiele

Weltmeisterschaften

Weltcup

  • 25 Podestplätze, davon 8 Siege:
Weitere Informationen Datum, Ort ...
Datum Ort Land Disziplin
18. Oktober 2020SöldenÖsterreichRiesenslalom
16. Januar 2022WengenSchweizSlalom
11. Dezember 2022Val-d’IsèreFrankreichSlalom
18. Dezember 2022Alta BadiaItalienRiesenslalom
8. Januar 2023AdelbodenSchweizSlalom
16. November 2025LeviFinnlandSlalom
7. März 2026Kranjska GoraSlowenienRiesenslalom
24. März 2026HafjellNorwegenRiesenslalom
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Weltcupwertungen

Weitere Informationen Saison, Gesamt ...
Saison Gesamt Super-G Riesenslalom Slalom Parallel
Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte
2018/19147.551.5
2019/2027.28415.13524.9010.59
2020/2143.20415.19118.13
2021/229.6554.3084.347
2022/234.95439.367.3721.546
2023/24Karrierepause
2024/256.7145.3416.373
2025/262.10581.5473.511
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Europacup

  • Saison 2018/19: 4. Gesamtwertung, 1. Riesenslalomwertung
  • 7 Podestplätze, davon 3 Siege:
Weitere Informationen Datum, Ort ...
DatumOrtLandDisziplin
18. Dezember 2018AndaloItalienRiesenslalom
17. Januar 2019KronplatzItalienRiesenslalom
23. Januar 2019CourchevelFrankreichRiesenslalom
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Australia New Zealand Cup

  • 1 Podestplatz

Juniorenweltmeisterschaften

  • Davos 2018: 2. Mannschaftswettbewerb, 6. Slalom, 11. Riesenslalom, DNF Super-G, DNF Alpine Kombination
  • Fassatal 2019: 2. Super-G, 3. Alpine Kombination, DNF Riesenslalom, DNF Slalom

Weitere Erfolge

Commons: Lucas Pinheiro Braathen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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