Lucie Valore

französische Malerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Lucie Valore (eigentlich Lucie Veau, * 18. März 1878 in Angoulême; † 19. August 1965 in Paris) war eine französische Malerin. Sie sammelte Werke der Montmartre-Künstler Suzanne Valadon und Maurice Utrillo und wurde später dessen Ehefrau. Im Alter von 62 Jahren begann sie selbst zu malen.

Suzanne Valadon: Portrait de Madame Maurice Utrillo, Lucie Valore (1937), Öl auf Leinwand, 46 × 56 cm, Privatbesitz

Leben

Lucie Veau war die Tochter von Lucien Veau und Catherine Pillorget. Sie lernte den Bildhauer Joseph Bernaud kennen, als dieser in ihrer Geburtsstadt Angoulême an der Fassade einer Kapelle arbeitete. Sie waren von 1901 bis 1909 verheiratet und zogen nach Paris. Veau nahm Schauspielunterricht an der Comédie-Française. Ein Lehrer schlug ihr das Pseudonym Lucie Valore vor. Mit einem Tourneetheater kam Valore nach Brüssel, wo sie in das Ensemble des Théâtre royal du Parc aufgenommen wurde. Hier lernte sie auch den belgischen Bankier Robert Pauwels kennen, den sie 1915 heiratete. Pauwels entstammte eine wohlhabenden Familie von Kunstmäzenen. Nach Ende des Ersten Weltkriegs zog das Paar nach Paris und ließ sich am Boulevard Flandrin im 16. Arrondissement nieder, wo Valore einen literarischen Salon führte.[1]

Im Jahr 1920 lernte Valore die Malerin Suzanne Valadon und später auch deren Sohn Maurice Utrillo kennen, und das Ehepaar Pauwels sammelte bald deren Werke. 1933 starb Robert Pauwels. Die vermögende Witwe schlug Valadon vor, ihren Sohn Utrillo zu heiraten, als sich diese über seine Alkoholabhängigkeit beklagte. Die Heirat fand im April 1935 in Paris statt, eine kirchliche Trauung folgte einen Monat später in Angoulême, wo sich das Paar niederließ. Später zogen sie nach Le Vésinet, westlich von Paris, wo sie 1936 eine Villa kauften, die den Namen La bonne Lucie trug. Ihre Beziehung wurde von dem Schriftsteller Robert Jean Boulan unter dem Titel Roman d’amour de Maurice Utrillo avec sa femme, Lucie literarisch verarbeitet. Mehrere Kunstschaffende, darunter Pablo Picasso und André Derain, protestierten öffentlich gegen die Verletzung der Privatsphäre des Paares, doch Utrillo gab an, das Buch genehmigt zu haben.[1]

Schnelle Fakten Femme dans un paysage ...
Femme dans un paysage
Lucie Valore, 1958
Öl auf Karton
35,5× 25,5cm
Musée National d’Art Moderne, Paris

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Im Jahr 1940 begann Valore auf den Rat ihres Mannes hin, selbst zu malen. Sie hatte keine künstlerische Ausbildung, aber ihre Blumenstillleben, Porträts und figurative Szenen haben laut Nathalie H. Lee einen „naiven Charme“.[1] Auch Richard B. Brettel rechnet sie der naiven Kunst zu und attestiert ihnen einen „kindlichen Stil“. Valore signierte mit ihrem frühen Künstlernamen, vermerkte auf der Rückseite der Bilder aber auch ihren Heiratsnamen.[2] Valore hatte mehrere Einzelausstellungen, so 1946 in der Galerie Bosc und 1955 in der Galerie Paul Pétridès. 1952 erschien eine Monografie über Valores Arbeiten. Nach Utrillos Tod 1955 folgten einige Gemeinschaftsausstellungen der Werke Valadons, Utrillos und Valores, so in der Pariser Galerie Royale und 1958 in den Hammer Galleries New York. Im Jahr 1956 veröffentlichte Valore die romantisierende Biografie Maurice Utrillo, Mon Mari.[1] Im Jahr 1963 gründete sie die Association Maurice Utrillo, die Werke und Dokumente von Maurice Utrillo, Suzanne Valadon, André Utter und Lucie Valore sammelt.[3] 1965 starb Lucie Valore. Sie wurde in einer gemeinsamen Grabstätte mit Utrillo auf dem Pariser Friedhof Cimetière Saint-Vincent am Montmartre beigesetzt.

Grab von Maurice und Lucie Utrillo in Saint-Vincent

Valore gab sich selbst den Titel „Impératrice de Montmartre“ und führte aus: „Das Volk von Paris hat mich zur Kaiserin erwählt.“[4] Valores Bedeutung für Utrillo wurde unterschiedlich bewertet. Ihr Galerist Pétridès sprach von einer „liebenswerten Gefährtin“, deren „kluge Fürsorge“ Utrillos Leben beträchtlich verlängert habe, der Maler Edmond Heuzé von einem „Schutzengel“ des alten, kranken Mannes, sein Kollege Michel Georges-Michel von einer „Krankenwärterin“, die ihren Gatten ausgebeutet habe, andere Stimmen von einem „luxuriösen Gefängnis“, in dem Utrillo vorgeführt wurde, um die Karriere seiner Frau zu fördern. Ein Augenzeuge beschrieb, wie Utrillo bei einem öffentlichen Termin unter ihrer Führung, „nur noch ein Schatten seiner selbst, eine Monographie über Lucie Valore signieren mußte, um deren bescheidenen Ruhm zu fördern“.[5] Der Pariser Drucker Fernand Mourlot urteilte: „Ihre Gemälde waren unmöglich, aber wenn man ein Werk von Utrillo kaufen wollte, musste man auch ein Werk von Lucie Valore erwerben.“[6] Auch Richard B. Brettel führt den Kauf des Bildes Boy with a Sailboat, das sich heute im Besitz des Metropolitan Museum of Art befindet,[7] durch den Sammler Robert Lehman in erster Linie auf die persönliche Verbindung Valores zu Utrillo und Valadon zurück.[2]

Schriften

  • Lucie Pauwels: Françoise en Belgique - 1914-1918. Brüssel: Oscar de Lamberty, 1920
  • Lucie Valore: Maurice Utrillo, mon mari. Vorwort Paul Carrière. Paris: Éditions Joseph Forêt, 1956

Literatur

  • Nathalie H. Lee: Lucie Valore. In: Richard B. Brettel, Paul Hayes Tucker, Nathalie H. Lee: Nineteenth and Twentieth-Century Paintings in the Robert Lehman Collection. Princeton University Press, Princeton 2009, ISBN 978-0-691-14536-5, S. 273.
  • Valore, Lucie. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 5: V–Z. Nachträge: A–G. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S. 8 (Textarchiv – Internet Archive Leseprobe).
  • Valore Lucie, in: Bénézit, 1999, Band 14, S. 30
Commons: Lucie Valore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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